Warum sind die Benzinpreise so hoch ?
Ostern ist vorbei, und die Öl- und Benzinpreise bleiben auf frustrationsfördernden Höhen.
Warum ist das so ? Ist es der Staat mit seiner Mineralölsteuer, sind es die Tankstellen, die Mineralölkonzerne oder die ölexportierenden Länder ?
Der Staat verdient am Benzin mit Hilfe der Mineralölsteuer. Diese beträgt zwischen 65 und 72 Cent pro Liter, je nach Kraftstoffart.
Dazu kommt noch die Mehrwertsteuer von 16%, also noch einmal 21 Cent pro Liter.
Ein Preis von 1,30 Euro pro Liter Normalbenzin dürfte gerade stimmen, so bleiben nach Steuern also im Schnitt noch 40 Cent pro Liter für Tankstellen, Konzerne und Exporteure.
Was fällt für die Tankstellen ab ?
Hier gibt es einen Bericht vom 24. März 2004 des Ausschusses für Tourismus unseres Bundestags. Auch wenn der Bericht zwei Jahre alt ist, dürfte sich an der Lage nicht viel verändert haben.
Diesem Bericht zufolge beträgt die Gewinnmarge der Tankstellen in Deutschland gerade mal einen Cent pro Liter, und ist damit die niedrigste Marge in Europa. Dies sei seit 30 Jahren nahezu unverändert.
Für Konzerne und Exporteure bleiben also noch 39 Cent pro Liter verkauftes Benzin.
Die OPEC gibt ihren Umsatz (nicht den Gewinn) mit verkauftem Öl im Zeitraum der Jahre 2000 bis 2004 mit 1,3 Billionen $ an. Pro Jahr also 325 Milliarden $, verteilt auf die Mitgliedsländer der OPEC.
Schwerlich lässt sich abschätzen, wieviel dieser Einnahmen als Gewinne an die dortigen Staaten gehen. Zum Vergleich sei aber erwähnt, dass die BRD mit der Mineralölsteuer nach Angaben des Zolls jährlich um die 40 Milliarden Euro verdient, also kaum weniger wie das OPEC-Land mit dem höchsten Anteil an den 325 Milliarden $.
Bleiben also die Erdölkonzerne.
Die fünf größten Erdölkonzerne des Westens sind (nach Umsatz sortiert) Shell, ExxonMobil, BP, Chevron Texaco und Total. Während Total ein französischer Konzern ist, sind die anderen allesamt amerikanisch-britischen Ursprungs.
Genauer gesagt, sind sie fast alle Kinder der gleichen Mutter. ExxonMobil, BP und Chevron Texaco sind allesamt aus der Zerschlagung des legendären Standard Oil Konzerns hervorgegangen.
Standard Oil war der Grundstein für John D. Rockefellers Ölimperium, und wurde wegen seines Monopols 1911 in mehr als 30 Betriebe zerschlagen. Durch Umbenennung und Fusionen entstanden dann im Laufe der Zeit die heute bekannten Großkonzerne. Aus der “Continental Oil Company” wurde “Conoco”. Aus “Standard Oil of Indiana” und “Atlantic Refining” wurde BP. Aus “Standard Oil of California” wurde Chevron Texaco. Aus “Standard Oil Company of New York” und “Standard Oil of New Jersey” wurde Exxon Mobil.
Welcher der internationalen Konzerne hinter welcher Tankstellenkette in Deutschland steckt, sollte hier mal aufgeschlüsselt werden:
Shell erklärt sich von selbst. Aral gehört zu BP. JET gehört zu ConocoPhillips, dem fusionierten Nachfolger von obigem Conoco. Esso ist die europäische Tochter von ExxonMobil, und der Firmenname eine Lautmalerei für S.O. also Standard Oil. Agip gehört zum italienischen Konzern ENI. In Süddeutschland zudem von Bedeutung ist MTB, und diese Tankstellenkette ist eine erfreuliche Ausnahme. Sie gehört der “Fritz Wahr Mineralöle-Spedition“, einem mittelständischen Unternehmen mit Sitz in Nagold.
Wenn man also mit seinem Kraftstoffkauf nicht Rockefeller oder einen der anderen globalen Finanzvampire unterstützen will, sondern ein Unternehmen aus der Region, dann sollte man bei MTB tanken.
Die oben genannten fünf größten Erdölkonzerne machten nach Angaben von Greenpeace 2004 zusammen einen Umsatz von 987 Milliarden $.
Und beim Gewinn sieht es noch besser aus. ExxonMobil machte 2005 den größten Gewinn, den jemals irgendeine Firma in einem Jahr erwirtschaftet hatte - nämlich 36 Milliarden $. Zur Erinnerung, die gesamte BRD verdient an Mineralölsteuern 40 Milliarden Euro. Der Aktienkurs von ExxonMobil legte in den letzten zwölf Jahren um 500% zu.
Der Chef von ExxonMobil, Lee Raymond, lässt sich diesen Geldregen auch fürstlich entlohnen. 2005 verdiente er 51,1 Millionen $, das entspricht 141.000 $ am Tag.
Raymond ging nach 2005 in den Ruhestand, und erhielt dafür Pensionszahlungen der Firma von noch einmal 400 Millionen $.
Bedanken muss er sich für diesen Dagobert Duck Gedenkgeldspeicher bei allen Autofahrern, die trotz der hohen Preise weiter tanken und fahren.
Es ist aber nicht so, dass die fetten Gewinne der Erdölkonzerne nur auf die erhöhte Nachfrage zurückzuführen sind.
Wie das kapitalistische Finanzvampire so gern tun, greifen die Erdölkonzerne zu allen möglichen Tricks um ihren Gewinn zu steigern.
Eine Möglichkeit, um den Preis einer Ware zu steigern, ist die Verknappung des Angebots. Eben dies führen die Erdölkonzerne aktiv herbei, indem sie die Raffineriekapazitäten künstlich drosseln.
Der amerikanische Senator Ron Wyden legte bereits 2001 einen investigativen Bericht (PDF) vor, der eben dieses Vorgehen seitens der Erdölkonzerne belegt.
So zeigen zwei interne Dokumente von Chevron und Texaco (damals noch getrennt), dass sich die Branche der “Gefahr” von hohen Raffineriekapazitäten bewusst ist:
“Wie schon über die letzten Jahre beobachtet und bis in einige Zukunft vorhergesagt wurde, sind die wichtigsten Faktoren, mit der sich die Raffinerieindustrie an der Westküste (der USA) auseinandersetzen muss, der Überschuss an Raffineriekapazitäten sowie der Überschuss an Benzinproduktionskapazitäten. Diese Situation gilt für die gesamte amerikanische Raffinerieindustrie. Das Angebot übersteigt die Nachfrage das ganze Jahr hinweg immens. Dies resultiert in sehr schwachen Raffineriegewinnmargen, und in sehr schwachen finanziellen Ergebnissen der Raffinerien. Erhebliche Vorgänge müssen geschehen, um mitzuhelfen, (das Angebot) zu verringern und/oder die Nachfrage zu erhöhen.”
— internes Dokument von Texaco, 07.03.1996
“Ein führender Energieanalyst warnte bei der kürzlichen Tagung des American Petroleum Institute (API), dass die amerikanische Petroleumindustrie nie einen substantiellen Anstieg ihrer Gewinnmargen zu Gesicht bekommen wird, wenn sie ihre Raffineriekapazitäten nicht verringert. Trotzdem hat die Raffinerieauslastung zugenommen, und dadurch blieben die Preise niedrig.”
— internes Dokument von Chevron, 30.11.1995
Die Konzerne wissen also, dass sie etwas tun müssen, um die Preise künstlich hoch zu halten. Und das tun sie auch:
Senator Wydens Bericht zitiert einen Artikel aus dem Wall Street Journal vom 11. Juni 2001. Diesem Artikel zufolge enthielt die Firma Marathon Ashland Petroleum, hervorgegangen aus dem Standard Oil-Bruchstück “Ohio Oil Company”, bewusst dem Markt Benzin vor, um die Preise und damit die Profite zu halten.
Des Weiteren tat sich ARCO, also der Teil des zerschlagenen Rockefellerimperiums der sich später in BP umbenannte, mit der Firma Tosco zusammen, um das Benzinangebot absichtlich zu begrenzen.
William Rusnack, CEO von ARCO, gab im Mai 1997 in einer eidesstattlichen Erklärung zu, sich mit Toscos CEO Thomas o’Malley getroffen zu haben, um eben jenes Vorhaben zu erörtern:
“The President of ARCO Products Company William Rusnack admitted in a deposition taken May 15, 1997, that he met with Tosco CEO Thomas O’Malley to discuss opportunities to work together to control supply of the cleaner burning gasoline, thus
propping up the overall price.”
Auch Chevron führte solche Gespräche mit ARCO, und auch Chevrons CEO gab auch diese Geheimverhandlungen in einer eidesstattlichen Erklärung zu:
“Cecil Blackwell, a senior Chevron official, described during a deposition a conversation
he had with Jay Kowal, a senior ARCO official, in which they discussed possible
agreements affecting supply.”
Senator Wydens Bericht zufolge traf sich auch noch ARCO mit Exxon und Chevron mit Tosco. Eine richtige kleine Verschwörung unter profitgeilen Finanzvampiren also.
Aber diese Missgeburten des Kapitalismus haben noch mehr Tricks, wie zum Beispiel das Ausschalten von Konkurrenz auf dem Markt, und so lautet ein internes Dokument von Mobil aus dem Jahre 1996:
“Die Wiedereinführung von Powerine (dem Konkurrenten), der in einem zusätzlichen Benzinangebot von 20.000 bis 25.000 Barrel pro Tag resultieren würde könnte die Produzentenrente (also den Gewinn) von Benzin um ein paar Cents pro Gallone senken. Selbstverständlich wäre es uns allen am Liebsten, wenn Powerine nicht mehr auf den Markt kommen würde. Voller rechtlicher Druck wird in dem Fall benötigt.”
Gesagt getan, und so verklagten Mobil, Chevron, Texaco und Exxon gemeinsam den kleineren Konkurrenten Powerine, wonach dieser künftig vom Markt ausgeschlossen war.
Selbstverständlich war es nicht in jedem Fall einer gerichtlichen Klage geschuldet, aber seit 1995 schlossen in Amerika 24 Raffinerien, was in einem verminderten Benzinangebot von 830.000 Barrel pro Tag resultiert.
Und selbst in den noch vorhandenen Raffinerien und Ölfeldern senken die Ölmultis die Produktion:
So stieg in den Jahren 1998 bis 2000 der Gewinn von Texaco nach eigenen Angaben von 600 Millionen $ auf ungefähr 2,5 Milliarden $, sie vervierfachten sich also. Im gleichen Zeitraum nahm aber die Rohöl- und Gasförderung um 15% ab.
Die Erdölkonzerne sind also nicht nur passive Nutznießer irgendwelcher globalen Versorgungskrisen, sondern sie führen diese Versorgungskrise bewusst und absichtlich herbei. Und die Töchter der Standard Oil haben es nicht verlernt, sich kartellmäßig und wettbewerbswidrig Vorteile zu verschaffen. Damals wie heute fließen die enormen Gewinne aus dem Geschäft mit dem schwarzen Gold in die Hände weniger, und die Nachkommen Rockefellers stecken überall dort mit drin, wo Rekordgewinne eingefahren werden.
Um zu meiner Ausgangsfrage zurückzukommen, warum die Benzinpreise so hoch sind, wegen uns. Wenn wir nicht aufhören zu fahren, hören die Preise auch nicht auf zu klettern. Wenn die Nachfrage hoch ist, dann steigt naturgemäß der Preis. Wenn wir weiter so leben, dass wir wegen jeder Erledigung das Auto nehmen, jeder alleine zu einem Zielpunkt fährt anstatt Fahrgemeinschaften zu bilden, wird der Preis für Benzin steigen.
Wenn wir als eine Gesellschaft darüber hinaus so viel Kraftstoffe verbrauchen, weil wir Raketen auf den Mars und Eurofighter in die Luft schießen, dann können sich die Konzerne auch weiter bereichern.
Erst heute beim Mittagessen lief nebenher auf N24 eine Sendung über den neuen Porsche Cayenne Turbo. Dieser hat 500 PS und einen Verbrauch von bis zu 30 Litern Superbenzin. Solange die Gesellschaft, Männlein und Weiblein, von solchen Treibstoffvernichtern begeistert sind, werden Autofirmen auch nicht aufhören solche Autos zu bauen.
Die Verherrlichung von diesen Treibstoffvernichtern geht in die ganz falsche Richtung.
Wer sich wirklich an hohen Benzinpreisen stört, sollte auf jeden vorbeifahrenden Cayenne und Mercedespanzer Eier werfen.
Hohe PS- und Spritverbrauchszahlen sollte nicht beneidet, sondern gesellschaftlich geächtet werden. Diese Einsicht wird aber vermutlich erst kommen, wenn die Benzinpreise noch höher sind und noch mehr Menschen finanziell wirklich weh tun.
DaRockwilda
Warum ist das so ? Ist es der Staat mit seiner Mineralölsteuer, sind es die Tankstellen, die Mineralölkonzerne oder die ölexportierenden Länder ?
Der Staat verdient am Benzin mit Hilfe der Mineralölsteuer. Diese beträgt zwischen 65 und 72 Cent pro Liter, je nach Kraftstoffart.
Dazu kommt noch die Mehrwertsteuer von 16%, also noch einmal 21 Cent pro Liter.
Ein Preis von 1,30 Euro pro Liter Normalbenzin dürfte gerade stimmen, so bleiben nach Steuern also im Schnitt noch 40 Cent pro Liter für Tankstellen, Konzerne und Exporteure.
Was fällt für die Tankstellen ab ?
Hier gibt es einen Bericht vom 24. März 2004 des Ausschusses für Tourismus unseres Bundestags. Auch wenn der Bericht zwei Jahre alt ist, dürfte sich an der Lage nicht viel verändert haben.
Diesem Bericht zufolge beträgt die Gewinnmarge der Tankstellen in Deutschland gerade mal einen Cent pro Liter, und ist damit die niedrigste Marge in Europa. Dies sei seit 30 Jahren nahezu unverändert.
Für Konzerne und Exporteure bleiben also noch 39 Cent pro Liter verkauftes Benzin.
Die OPEC gibt ihren Umsatz (nicht den Gewinn) mit verkauftem Öl im Zeitraum der Jahre 2000 bis 2004 mit 1,3 Billionen $ an. Pro Jahr also 325 Milliarden $, verteilt auf die Mitgliedsländer der OPEC.
Schwerlich lässt sich abschätzen, wieviel dieser Einnahmen als Gewinne an die dortigen Staaten gehen. Zum Vergleich sei aber erwähnt, dass die BRD mit der Mineralölsteuer nach Angaben des Zolls jährlich um die 40 Milliarden Euro verdient, also kaum weniger wie das OPEC-Land mit dem höchsten Anteil an den 325 Milliarden $.
Bleiben also die Erdölkonzerne.
Die fünf größten Erdölkonzerne des Westens sind (nach Umsatz sortiert) Shell, ExxonMobil, BP, Chevron Texaco und Total. Während Total ein französischer Konzern ist, sind die anderen allesamt amerikanisch-britischen Ursprungs.
Genauer gesagt, sind sie fast alle Kinder der gleichen Mutter. ExxonMobil, BP und Chevron Texaco sind allesamt aus der Zerschlagung des legendären Standard Oil Konzerns hervorgegangen.
Standard Oil war der Grundstein für John D. Rockefellers Ölimperium, und wurde wegen seines Monopols 1911 in mehr als 30 Betriebe zerschlagen. Durch Umbenennung und Fusionen entstanden dann im Laufe der Zeit die heute bekannten Großkonzerne. Aus der “Continental Oil Company” wurde “Conoco”. Aus “Standard Oil of Indiana” und “Atlantic Refining” wurde BP. Aus “Standard Oil of California” wurde Chevron Texaco. Aus “Standard Oil Company of New York” und “Standard Oil of New Jersey” wurde Exxon Mobil.
Welcher der internationalen Konzerne hinter welcher Tankstellenkette in Deutschland steckt, sollte hier mal aufgeschlüsselt werden:
Shell erklärt sich von selbst. Aral gehört zu BP. JET gehört zu ConocoPhillips, dem fusionierten Nachfolger von obigem Conoco. Esso ist die europäische Tochter von ExxonMobil, und der Firmenname eine Lautmalerei für S.O. also Standard Oil. Agip gehört zum italienischen Konzern ENI. In Süddeutschland zudem von Bedeutung ist MTB, und diese Tankstellenkette ist eine erfreuliche Ausnahme. Sie gehört der “Fritz Wahr Mineralöle-Spedition“, einem mittelständischen Unternehmen mit Sitz in Nagold.
Wenn man also mit seinem Kraftstoffkauf nicht Rockefeller oder einen der anderen globalen Finanzvampire unterstützen will, sondern ein Unternehmen aus der Region, dann sollte man bei MTB tanken.
Die oben genannten fünf größten Erdölkonzerne machten nach Angaben von Greenpeace 2004 zusammen einen Umsatz von 987 Milliarden $.
Und beim Gewinn sieht es noch besser aus. ExxonMobil machte 2005 den größten Gewinn, den jemals irgendeine Firma in einem Jahr erwirtschaftet hatte - nämlich 36 Milliarden $. Zur Erinnerung, die gesamte BRD verdient an Mineralölsteuern 40 Milliarden Euro. Der Aktienkurs von ExxonMobil legte in den letzten zwölf Jahren um 500% zu.
Der Chef von ExxonMobil, Lee Raymond, lässt sich diesen Geldregen auch fürstlich entlohnen. 2005 verdiente er 51,1 Millionen $, das entspricht 141.000 $ am Tag.
Raymond ging nach 2005 in den Ruhestand, und erhielt dafür Pensionszahlungen der Firma von noch einmal 400 Millionen $.
Bedanken muss er sich für diesen Dagobert Duck Gedenkgeldspeicher bei allen Autofahrern, die trotz der hohen Preise weiter tanken und fahren.
Es ist aber nicht so, dass die fetten Gewinne der Erdölkonzerne nur auf die erhöhte Nachfrage zurückzuführen sind.
Wie das kapitalistische Finanzvampire so gern tun, greifen die Erdölkonzerne zu allen möglichen Tricks um ihren Gewinn zu steigern.
Eine Möglichkeit, um den Preis einer Ware zu steigern, ist die Verknappung des Angebots. Eben dies führen die Erdölkonzerne aktiv herbei, indem sie die Raffineriekapazitäten künstlich drosseln.
Der amerikanische Senator Ron Wyden legte bereits 2001 einen investigativen Bericht (PDF) vor, der eben dieses Vorgehen seitens der Erdölkonzerne belegt.
So zeigen zwei interne Dokumente von Chevron und Texaco (damals noch getrennt), dass sich die Branche der “Gefahr” von hohen Raffineriekapazitäten bewusst ist:
“Wie schon über die letzten Jahre beobachtet und bis in einige Zukunft vorhergesagt wurde, sind die wichtigsten Faktoren, mit der sich die Raffinerieindustrie an der Westküste (der USA) auseinandersetzen muss, der Überschuss an Raffineriekapazitäten sowie der Überschuss an Benzinproduktionskapazitäten. Diese Situation gilt für die gesamte amerikanische Raffinerieindustrie. Das Angebot übersteigt die Nachfrage das ganze Jahr hinweg immens. Dies resultiert in sehr schwachen Raffineriegewinnmargen, und in sehr schwachen finanziellen Ergebnissen der Raffinerien. Erhebliche Vorgänge müssen geschehen, um mitzuhelfen, (das Angebot) zu verringern und/oder die Nachfrage zu erhöhen.”
— internes Dokument von Texaco, 07.03.1996
“Ein führender Energieanalyst warnte bei der kürzlichen Tagung des American Petroleum Institute (API), dass die amerikanische Petroleumindustrie nie einen substantiellen Anstieg ihrer Gewinnmargen zu Gesicht bekommen wird, wenn sie ihre Raffineriekapazitäten nicht verringert. Trotzdem hat die Raffinerieauslastung zugenommen, und dadurch blieben die Preise niedrig.”
— internes Dokument von Chevron, 30.11.1995
Die Konzerne wissen also, dass sie etwas tun müssen, um die Preise künstlich hoch zu halten. Und das tun sie auch:
Senator Wydens Bericht zitiert einen Artikel aus dem Wall Street Journal vom 11. Juni 2001. Diesem Artikel zufolge enthielt die Firma Marathon Ashland Petroleum, hervorgegangen aus dem Standard Oil-Bruchstück “Ohio Oil Company”, bewusst dem Markt Benzin vor, um die Preise und damit die Profite zu halten.
Des Weiteren tat sich ARCO, also der Teil des zerschlagenen Rockefellerimperiums der sich später in BP umbenannte, mit der Firma Tosco zusammen, um das Benzinangebot absichtlich zu begrenzen.
William Rusnack, CEO von ARCO, gab im Mai 1997 in einer eidesstattlichen Erklärung zu, sich mit Toscos CEO Thomas o’Malley getroffen zu haben, um eben jenes Vorhaben zu erörtern:
“The President of ARCO Products Company William Rusnack admitted in a deposition taken May 15, 1997, that he met with Tosco CEO Thomas O’Malley to discuss opportunities to work together to control supply of the cleaner burning gasoline, thus
propping up the overall price.”
Auch Chevron führte solche Gespräche mit ARCO, und auch Chevrons CEO gab auch diese Geheimverhandlungen in einer eidesstattlichen Erklärung zu:
“Cecil Blackwell, a senior Chevron official, described during a deposition a conversation
he had with Jay Kowal, a senior ARCO official, in which they discussed possible
agreements affecting supply.”
Senator Wydens Bericht zufolge traf sich auch noch ARCO mit Exxon und Chevron mit Tosco. Eine richtige kleine Verschwörung unter profitgeilen Finanzvampiren also.
Aber diese Missgeburten des Kapitalismus haben noch mehr Tricks, wie zum Beispiel das Ausschalten von Konkurrenz auf dem Markt, und so lautet ein internes Dokument von Mobil aus dem Jahre 1996:
“Die Wiedereinführung von Powerine (dem Konkurrenten), der in einem zusätzlichen Benzinangebot von 20.000 bis 25.000 Barrel pro Tag resultieren würde könnte die Produzentenrente (also den Gewinn) von Benzin um ein paar Cents pro Gallone senken. Selbstverständlich wäre es uns allen am Liebsten, wenn Powerine nicht mehr auf den Markt kommen würde. Voller rechtlicher Druck wird in dem Fall benötigt.”
Gesagt getan, und so verklagten Mobil, Chevron, Texaco und Exxon gemeinsam den kleineren Konkurrenten Powerine, wonach dieser künftig vom Markt ausgeschlossen war.
Selbstverständlich war es nicht in jedem Fall einer gerichtlichen Klage geschuldet, aber seit 1995 schlossen in Amerika 24 Raffinerien, was in einem verminderten Benzinangebot von 830.000 Barrel pro Tag resultiert.
Und selbst in den noch vorhandenen Raffinerien und Ölfeldern senken die Ölmultis die Produktion:
So stieg in den Jahren 1998 bis 2000 der Gewinn von Texaco nach eigenen Angaben von 600 Millionen $ auf ungefähr 2,5 Milliarden $, sie vervierfachten sich also. Im gleichen Zeitraum nahm aber die Rohöl- und Gasförderung um 15% ab.
Die Erdölkonzerne sind also nicht nur passive Nutznießer irgendwelcher globalen Versorgungskrisen, sondern sie führen diese Versorgungskrise bewusst und absichtlich herbei. Und die Töchter der Standard Oil haben es nicht verlernt, sich kartellmäßig und wettbewerbswidrig Vorteile zu verschaffen. Damals wie heute fließen die enormen Gewinne aus dem Geschäft mit dem schwarzen Gold in die Hände weniger, und die Nachkommen Rockefellers stecken überall dort mit drin, wo Rekordgewinne eingefahren werden.
Um zu meiner Ausgangsfrage zurückzukommen, warum die Benzinpreise so hoch sind, wegen uns. Wenn wir nicht aufhören zu fahren, hören die Preise auch nicht auf zu klettern. Wenn die Nachfrage hoch ist, dann steigt naturgemäß der Preis. Wenn wir weiter so leben, dass wir wegen jeder Erledigung das Auto nehmen, jeder alleine zu einem Zielpunkt fährt anstatt Fahrgemeinschaften zu bilden, wird der Preis für Benzin steigen.
Wenn wir als eine Gesellschaft darüber hinaus so viel Kraftstoffe verbrauchen, weil wir Raketen auf den Mars und Eurofighter in die Luft schießen, dann können sich die Konzerne auch weiter bereichern.
Erst heute beim Mittagessen lief nebenher auf N24 eine Sendung über den neuen Porsche Cayenne Turbo. Dieser hat 500 PS und einen Verbrauch von bis zu 30 Litern Superbenzin. Solange die Gesellschaft, Männlein und Weiblein, von solchen Treibstoffvernichtern begeistert sind, werden Autofirmen auch nicht aufhören solche Autos zu bauen.
Die Verherrlichung von diesen Treibstoffvernichtern geht in die ganz falsche Richtung.
Wer sich wirklich an hohen Benzinpreisen stört, sollte auf jeden vorbeifahrenden Cayenne und Mercedespanzer Eier werfen.
Hohe PS- und Spritverbrauchszahlen sollte nicht beneidet, sondern gesellschaftlich geächtet werden. Diese Einsicht wird aber vermutlich erst kommen, wenn die Benzinpreise noch höher sind und noch mehr Menschen finanziell wirklich weh tun.
DaRockwilda
Kommentar von Danny Busch am 5. Mai um 21:33 Uhr
Ein wirklich sehr interessanter Artikel.
Wenn wirklich schon seit 30 Jahren nur 1 Cent bzw. 2 Pfennig Marge pro Liter Benzin gemacht wird, frage ich mich, wie die Tankstellen damals überhaupt überleben konnten - dass Tankstellen für die nächtliche Bier- und Pizzaversorgung herhalten ist ja auch noch nicht immer so, oder? In den Zeiten des autofreien Sonntags müssten die Tankstellenpächter ja am Hungertuch genagt haben… oder übersehe ich gerade etwas?
Kommentar von DaRockwilda am 6. Mai um 10:30 Uhr
Vielleicht haben die Rechner dieser Statistik ein wenig getrickst und nie die Inflation berücksichtigt, ich meine 2 Pfennig waren vor 30 Jahren schon noch was wert.
Heute geht es den Tankstellenpächtern bestimmt nicht schlecht, wenn man einen Sixer Bier für 8 Euro verkauft bleibt schon was über…
Kommentar von tugba hamsa am 31. Oktober um 10:20 Uhr
ja ich find das ist gutr aber ich mein die sollten die preise etwas sinken weil ich arbeite alleine und meine mann der ist abrbeitslos unser leben ist von a-z abgefuckt ist soo leute hadiii meldet eruch muha
Kommentar von Das “Project For The New American Century (PNAC)” « infowars am 12. November um 18:24 Uhr
[...] Auch die Prioritäten wurden wie von PNAC gewünscht verändert. Da wäre zunächst einmal die Verschiebung des Fokus amerikanischer Außenpolitik weg von Europa hin nach Asien. Diese Verschiebung geschah sowohl auf militärischem Wege als auch mit wirtschaftlichen Mitteln. Wie von PNAC gefordert, wurde die amerikanische Marine verstärkt im Pazifik eingesetzt, so zum Beispiel bei der bis dato größten Flottenübung im Pazifik, der “Rim of the Pacific 2004″. Die von PNAC geforderte Repositionierung der in Übersee stationierten Truppen wurde ebenfalls Realität, als Präsident Bush im August 2004 ankündigte, 70.000 Soldaten vor Allem aus Europa abzuziehen. Wirtschaftlich wurde die Neuausrichtung vor Allem über die Energiepolitik vollzogen. PNAC-Mitglied und Vizepräsident Dick Cheney leitete alsbald die Sondergruppe “National Energy Policy Development Group”. Diese empfahl Präsident Bush im Mai 2001 unter Anderem, sich bei der Sicherung von Ölfeldern nicht nur auf die persische Region und die loyalen Saudi-Arabier zu konzentrieren, sondern auch andere Gebiete wie das Kaspische Becken anzuzapfen. Ein wichtiges Mittel dabei sollte das “Caspian Pipeline Consortium” sein, das von den amerikanischen Ölkonzernen ExxonMobil und ChevronTexaco geleitet wird. [...]
Kommentar von KaizerSoze am 20. November um 01:34 Uhr
Ich kann leider diese Aufregung über die Mineralölkonzerne nicht verstehen.
Die Tatsache, daß bei einem Liter Benzin für sagen wir 1,22 € ca. 80-90 ct. STEUERN sind (Mineral- sog. “Öko-” und Mehrwertsteuer) zeigt doch, wo das Geld bleibt!!!!!!!!
Dieser Staat zockt uns ab und versucht mit geschickter Augenwischerei irgendwelchen Konzernen (denen sicherlich auch auf die Finger geschaut werden muß, klar) die Schuld zu geben und faselt irgendwas von mehr Wettbewerb unter den Tankstellen usw. … zum Kotzen!
In anderen Ländern gehts doch auch günstiger???
Deutschland ist nunmal eine der Hochsteuer-Burgen Europas, soviel ist klar.
gruß
KaizerSoze
Kommentar von DaRockwilda am 20. November um 07:50 Uhr
Ob die von dir genannte Zahl stimmt sei mal dahingestellt und ist auch nicht primär wichtig.
Der Punkt ist, dass die Steuereinnahmen theoretisch allen zu Gute kommen, und die Konzerngewinne (siehe Beispiel Exxon) einem einzelnen Chef.
Ich zahle lieber für den Staatshaushalt als für ein 400 Mio-$-Ruhestandspaket eines alten Herrn.
Davon abgesehen muss natürlich auch das Geld dann für sinnvolle Dinge ausgegeben werden, was wir aber bei einem Staat eher beeinflussen können als bei einem Konzernchef.
Kommentar von Raymon am 2. August um 16:14 Uhr
Royal Dutch Shell PLC is a multinational oil company (”oil major”) of British (40%) and Dutch (60%) origins. Shell is incorporated in the UK with its corporate headquarters in The Hague, its tax residence is in the Netherlands, and its primary listings on the London Stock Exchange and Euronext Amsterdam.
Kommentar von PapaNovember am 4. Januar um 17:37 Uhr
Kannst du mal bitte die Quellen der “internen Berichte” offenlegen?
Gruß,
PapaNovember