Für 36 Tausend Euro täglich grinsen - Die Finanzkrise und ihre Akteure
Die Wahrheit hinter den Beschwichtigungen
Die Finanzkrise erreicht den asiatischen Markt mit voller Wucht. Malaysia und die Philippinen mussten ihre Währungen stützen. Der Geldmarkt scheint weltweit in Aufruhr. Neben der Federal Reserve Bank sorgten am gestrigen Donnerstag die Nationalbanken von Kanada und Australien durch Schnelltender für Liquidität, während die Bank of Japan dem Geldmarkt 2000 Milliarden Yen (12,6 Mrd. Euro) entzog. US Dollar, Euro, Pfund Sterling, der australische und neuseeländische Dollar - sämtliche Währungen mussten deutliche Kursverluste hinnehmen.

Gewinner ist zur Zeit der niedrig verzinsliche japanische Yen. Die FED kündigte nach der gestrigen 17 Milliarden US Dollar-Spritze vollmundig an: “Wir stehen bereit, unsere Operationen auszuweiten.” Das hat FED-Chef Ben Bernanke heute getan und den Dollar-Leitzins um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Kurzsichtige Börsianer jubeln, der DAX ging mit 3 Prozent plus ins Wochenende.
Doch die internationalen Bemühungen, durch Geldmarkt-Interventionen Schadensbegrenzung zu betreiben, bleiben bei Licht betrachtet Makulatur.
Inzwischen haben weitere amerikanische Hypothekenfirmen Insolvenzverfahren eingeleitet, von Dutzenden ist die Rede. Der größte amerikanische Baufinanzierer, “Countrywide Financial”, steht nach Aussage von Analysten möglicherweise kurz vor dem Ende, der große US-Hypothekenvermittler “First Magnus Corporation” hat seine Geschäfte eingestellt und die Mehrzahl der 5000 Mitarbeiter gestern nach Hause geschickt. Andere Branchen, wie die Geldmanagement-Firma Sentinel Management Group haben die Vermögenswerte ihrer Kunden in Höhe von 1,5 Milliarden US Dollar vorerst eingefroren.
Nach den USA steht Kanada im Brennpunkt. Hier haben schon erste Gesellschaften mitgeteilt, dass es zu Zahlungsausfällen kommen könnte. Sie baten die Banken um Liquidität, also Finanzspritzen in Form von Krediten. Auch involviert in das kanadische Dilemma gedopter Fonds ist die Deutsche Bank. Sie wies die vertragskonformen Kreditanliegen zweier großer kanadischer Trusts, MMAI-Trust und Silverstone Trust, mit der Begründung zurück, “der Markt sei nicht gestört”. Nur im Falle einer “Marktstörung” seinen die Banken nach einer besonderen Klausel in kanadischen Verträgen verpflichtet, die Emittenten mit Liquidität auszustatten.
Als es jedoch vergangene Woche wegen der aktuellen “Marktstörung” in Europa um die Zuteilung von EZB-Schnellkrediten (Tendern) ging, war es vermutlich die Deutsche Bank, die am lautesten “hier” rief! Seit gestern zumindest wissen wir, es geht dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank Josef Ackermann nicht ganz so schlecht wie manchen seiner Amtkollegen in deutschen Unternehmen. 9,4 Mio. Euro Barvergütung plus 3,8 Mio. Euro aus “variablen Gehaltselementen” verdiente er im vergangenen Jahr.

(bei 36 Tausend Euro Tagesgage immer gute Laune)
Auch andere bringen ihre Schäfchen ins Trockene. Aber nicht etwa wegen einer drohenden Krise und Kursverfall, sondern “weil es sich um ganz normale Aktienoptionen” handelte. Der Vortandsvorsitzende von SAP Henning Kagermann und zwei weitere Vorstände haben am Mittwoch ihre privaten SAP-Aktien im Gesamtwert von ca. 25 Millionen Euro verkauft. Der Vorgang sei “ganz normal” erklärte ein SAP-Sprecher, es sei die normale Vorstandsvergütung.
Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht
Für das dritte Quartalsende ist möglicherweise der nächste massive Crash absehbar. Am vergangenen Mittwoch (15. August) war für viele Hedge-Fonds der letzte Tag, an dem Kündigungen von eingezahltem Kapital angenommen wurden. Oft gilt in den Hedge-Fonds eine 45-Tage-Frist. In welcher Höhe Kündigungen für Ende September eingegangen sind, darüber schweigen die Fonds-Betreiber geflissentlich. Dass nervöse Investoren ihr Geld aus diesen wackeligen Fonds abziehen wollen, liegt jedoch auf der Hand.
Auch die australische Hedge-Fonds-Gesellschaft Basis Capital gab bekannt, “dass einer ihrer Flagschifffonds wahrscheinlich mehr als 80 Prozent seines Werts eingebüßt habe. Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass auch die Deutsche Bank bei den Australiern investiert ist.”
Experten diskutieren bereits Krisenszenarien und warnen vor dem Zusammenbruch eines großen Hedge-Fonds.
Man fragt sich, woher US-Finanzminister Henry Paulson den Optimismus nimmt, dem ‘Wall Street Journal’ zu erklären, dass zwar die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten das Wachstum der USA belasten, das Finanzsystem und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten aber stark genug seien, die Verluste zu verkraften.
Die Börsen in Asien reagierten mit einem Crash, als “Seuchenwoche” bezeichnen Börsianer schon jetzt die Kursverluste der vergangenen Tage. Der japanische Nikkei-Index hatte am gestrigen Donnerstag mit einem Minus von 5,4 Prozent und am heutigen Freitag mit 5,42 Prozent den größten Verlust seit April 2000. Der Wochenverlust beträgt 8,89 Prozent. Die Anleger machen sich vor allem Sorgen um die Gewinne der Exportunternehmen.
Die asiatischen Märkte sind zum großen Teil von der Ausfuhr in die USA abhängig. Die Angst vor einem Nachfrage-Rückgang macht sich breit. An Paulsons Gesundbeterei scheinen die asiatische Analytiker nicht mehr uneingeschränkt zu glauben. „Die größte Sorge für die asiatischen Märkte ist, ob man einem Wirtschaftsabschwung in den USA folgen wird, der die Verbraucher-Nachfrage beeinträchtigen wird. Wenn wir handfeste Zeichen dafür sehen, dass das passiert, dann bin ich in Sorge, dass weltweit an den Märkten Pessimismus eintreten wird.”Und damit drückt Lim Chang-Gue, Fonds-Manager bei Samsung Investment Trust Management in Südkorea, noch recht vorsichtig aus, was ins Haus stünde: Eine weltweite Wirtschaftskrise.
Augenwischerei und Verantwortungslosigkeit
Frankreichs Präsident Sarkozy lehnt sich derweil aus dem Fenster und fordert eine bessere Kontrolle der Ratingagenturen. Sie sind es, die die Risiken des sogenannten “Subprime-Marktes” abschätzen, also jenes US-Hypotheken-Kreditmarktes, der über keine oder nur geringe Bonitäten verfügt. Sarkozy folgt damit der EU-Kommission, deren Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy das “zu langsame Reagieren der Agenturen” kritisiert. Vermutlich jedoch geschieht zunächst von EU-Seite nichts, man wartet auf ein Gutachten zum “Verhaltenskodex” der Ratingagenturen von der “Organisation Internationaler Wertpapieraufsichtsbehörden” (Iosco). Das soll bis April 2008 fertig sein. Mal sehen, welche US-Hypotheken-Fonds dann noch existieren.
Medienwirksam scheint erstmal ein neuer schwarzer Peter ausgemacht, nachdem man zuerst den unzulänglichen “Rechenmodellen” die Schuld am Platzen der Hypotheken-Fonds zuwies. Kritiker dieses fragwürdigen Systems der “wundersamen Geldvermehrung” warnen schon seit Jahren vor einem Crash des durch nichts gedeckten angeblichen Renditezaubers. Wer wollte, konnte das schon lange vor der Pleite erfahren. Die Risiken wurden bewusst verschwiegen und die Beteiligung auch staatlicher Geldinstitute an diesem Finanz-Roulett macht deutlich, dass es den Beteiligten um nichts als eine “schnelle Mark” ging. Dummerweise haben sie in ihrem Geldrausch den rechtzeitigen Absprung versäumt.
Das Problem sind weder die Ratingagenturen noch die Rechenmodelle. Das Problem ist das System selbst!
Erklärungsmuster und Verlautbarungspolitik
Ob EZB-Chef Jean Claude Trichet oder Axel Weber von der Deutschen Bundesbank, alle fühlen sich aus höchster Position zu fachkundigen Statements berufen. Unisono mit dem FED-Chef Ben Bernanke verkünden sie: es gibt gar keine Krise! Vielmehr muss die derzeitige Situation als eine “Normalisierung der Risikobepreisung interpretiert werden”. Weber geht sogar noch weiter und behauptet, die EZB-Maßnahmen hätten “nachhaltig zur Marktberuhigung beigetragen”. Die jüngsten Probleme der IKB stellten aus Webers Sicht nur einen “institutsspezifischen Einzelfall” dar.
Es gibt kein Problem dachte sich auch Jochen Sanio, Chef der Bundesfinanzaufsicht BaFin, und fuhr erst mal zum Urlaub in die kanadischen Wälder. Mit seinem Abschiedsgruß, “wenn die IKB nicht gerettet wird, dann droht die größte Finanzkrise Deutschlands seit dem Jahr 1931″, verblüffte er vor der Abreise noch schnell die Öffentlichkeit. Nun ist die IKB angeblich gerettet und obwohl Trichet und Weber keine Krise erkennen können, sind die Banker über Sanios plötzliches Verschwinden verärgert: “Es ist doch schon merkwürdig, dass der oberste Finanzaufseher erst meint, die Gefahr der größten Krise seit 1931 heraufbeschwören zu müssen, dann aber in aller Seelenruhe in Urlaub fährt. Das stinkt zum Himmel”.
Ja, was ist nun? Krise oder nicht Krise? Trichet und Weber haben doch einen regelrechten Freibrief für einen erholsamen, sorgenfreien Urlaub ausgestellt. Warum eigentlich herrscht so viel Unruhe unter deutschen Bankern, Börsenspekulanten und Aktionären?
Weitere Artikel zum Thema
Die Finanzkrise erreicht den asiatischen Markt mit voller Wucht. Malaysia und die Philippinen mussten ihre Währungen stützen. Der Geldmarkt scheint weltweit in Aufruhr. Neben der Federal Reserve Bank sorgten am gestrigen Donnerstag die Nationalbanken von Kanada und Australien durch Schnelltender für Liquidität, während die Bank of Japan dem Geldmarkt 2000 Milliarden Yen (12,6 Mrd. Euro) entzog. US Dollar, Euro, Pfund Sterling, der australische und neuseeländische Dollar - sämtliche Währungen mussten deutliche Kursverluste hinnehmen.

Gewinner ist zur Zeit der niedrig verzinsliche japanische Yen. Die FED kündigte nach der gestrigen 17 Milliarden US Dollar-Spritze vollmundig an: “Wir stehen bereit, unsere Operationen auszuweiten.” Das hat FED-Chef Ben Bernanke heute getan und den Dollar-Leitzins um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Kurzsichtige Börsianer jubeln, der DAX ging mit 3 Prozent plus ins Wochenende.
Doch die internationalen Bemühungen, durch Geldmarkt-Interventionen Schadensbegrenzung zu betreiben, bleiben bei Licht betrachtet Makulatur.
Inzwischen haben weitere amerikanische Hypothekenfirmen Insolvenzverfahren eingeleitet, von Dutzenden ist die Rede. Der größte amerikanische Baufinanzierer, “Countrywide Financial”, steht nach Aussage von Analysten möglicherweise kurz vor dem Ende, der große US-Hypothekenvermittler “First Magnus Corporation” hat seine Geschäfte eingestellt und die Mehrzahl der 5000 Mitarbeiter gestern nach Hause geschickt. Andere Branchen, wie die Geldmanagement-Firma Sentinel Management Group haben die Vermögenswerte ihrer Kunden in Höhe von 1,5 Milliarden US Dollar vorerst eingefroren.
Nach den USA steht Kanada im Brennpunkt. Hier haben schon erste Gesellschaften mitgeteilt, dass es zu Zahlungsausfällen kommen könnte. Sie baten die Banken um Liquidität, also Finanzspritzen in Form von Krediten. Auch involviert in das kanadische Dilemma gedopter Fonds ist die Deutsche Bank. Sie wies die vertragskonformen Kreditanliegen zweier großer kanadischer Trusts, MMAI-Trust und Silverstone Trust, mit der Begründung zurück, “der Markt sei nicht gestört”. Nur im Falle einer “Marktstörung” seinen die Banken nach einer besonderen Klausel in kanadischen Verträgen verpflichtet, die Emittenten mit Liquidität auszustatten.
Als es jedoch vergangene Woche wegen der aktuellen “Marktstörung” in Europa um die Zuteilung von EZB-Schnellkrediten (Tendern) ging, war es vermutlich die Deutsche Bank, die am lautesten “hier” rief! Seit gestern zumindest wissen wir, es geht dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank Josef Ackermann nicht ganz so schlecht wie manchen seiner Amtkollegen in deutschen Unternehmen. 9,4 Mio. Euro Barvergütung plus 3,8 Mio. Euro aus “variablen Gehaltselementen” verdiente er im vergangenen Jahr.

(bei 36 Tausend Euro Tagesgage immer gute Laune)
Auch andere bringen ihre Schäfchen ins Trockene. Aber nicht etwa wegen einer drohenden Krise und Kursverfall, sondern “weil es sich um ganz normale Aktienoptionen” handelte. Der Vortandsvorsitzende von SAP Henning Kagermann und zwei weitere Vorstände haben am Mittwoch ihre privaten SAP-Aktien im Gesamtwert von ca. 25 Millionen Euro verkauft. Der Vorgang sei “ganz normal” erklärte ein SAP-Sprecher, es sei die normale Vorstandsvergütung.
Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht
Für das dritte Quartalsende ist möglicherweise der nächste massive Crash absehbar. Am vergangenen Mittwoch (15. August) war für viele Hedge-Fonds der letzte Tag, an dem Kündigungen von eingezahltem Kapital angenommen wurden. Oft gilt in den Hedge-Fonds eine 45-Tage-Frist. In welcher Höhe Kündigungen für Ende September eingegangen sind, darüber schweigen die Fonds-Betreiber geflissentlich. Dass nervöse Investoren ihr Geld aus diesen wackeligen Fonds abziehen wollen, liegt jedoch auf der Hand.
Auch die australische Hedge-Fonds-Gesellschaft Basis Capital gab bekannt, “dass einer ihrer Flagschifffonds wahrscheinlich mehr als 80 Prozent seines Werts eingebüßt habe. Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass auch die Deutsche Bank bei den Australiern investiert ist.”
Experten diskutieren bereits Krisenszenarien und warnen vor dem Zusammenbruch eines großen Hedge-Fonds.
“Das ist ein Blutbad. Jeder scheint in Panik auszubrechen. Und es gibt gute Gründe für eine Panik”, sagte Patrick Chang, Fondsmanager beim Vermögensverwalter CIMB-Principal Asset Management in Kuala Lumpur. Die Schweizer Großbank Credit Suisse kam zu einer ähnlichen Einschätzung: “Das könnte der Tag sein, an dem sich entscheidet, ob es zu einer gesunden Korrektur kommen wird, oder etwas richtig Böses droht, was auch negative wirtschaftlichen Folgen haben dürfte”, schrieben die Zinsstrategen der Credit Suisse.
Man fragt sich, woher US-Finanzminister Henry Paulson den Optimismus nimmt, dem ‘Wall Street Journal’ zu erklären, dass zwar die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten das Wachstum der USA belasten, das Finanzsystem und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten aber stark genug seien, die Verluste zu verkraften.
Die Börsen in Asien reagierten mit einem Crash, als “Seuchenwoche” bezeichnen Börsianer schon jetzt die Kursverluste der vergangenen Tage. Der japanische Nikkei-Index hatte am gestrigen Donnerstag mit einem Minus von 5,4 Prozent und am heutigen Freitag mit 5,42 Prozent den größten Verlust seit April 2000. Der Wochenverlust beträgt 8,89 Prozent. Die Anleger machen sich vor allem Sorgen um die Gewinne der Exportunternehmen.
Die asiatischen Märkte sind zum großen Teil von der Ausfuhr in die USA abhängig. Die Angst vor einem Nachfrage-Rückgang macht sich breit. An Paulsons Gesundbeterei scheinen die asiatische Analytiker nicht mehr uneingeschränkt zu glauben. „Die größte Sorge für die asiatischen Märkte ist, ob man einem Wirtschaftsabschwung in den USA folgen wird, der die Verbraucher-Nachfrage beeinträchtigen wird. Wenn wir handfeste Zeichen dafür sehen, dass das passiert, dann bin ich in Sorge, dass weltweit an den Märkten Pessimismus eintreten wird.”Und damit drückt Lim Chang-Gue, Fonds-Manager bei Samsung Investment Trust Management in Südkorea, noch recht vorsichtig aus, was ins Haus stünde: Eine weltweite Wirtschaftskrise.
Augenwischerei und Verantwortungslosigkeit
Frankreichs Präsident Sarkozy lehnt sich derweil aus dem Fenster und fordert eine bessere Kontrolle der Ratingagenturen. Sie sind es, die die Risiken des sogenannten “Subprime-Marktes” abschätzen, also jenes US-Hypotheken-Kreditmarktes, der über keine oder nur geringe Bonitäten verfügt. Sarkozy folgt damit der EU-Kommission, deren Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy das “zu langsame Reagieren der Agenturen” kritisiert. Vermutlich jedoch geschieht zunächst von EU-Seite nichts, man wartet auf ein Gutachten zum “Verhaltenskodex” der Ratingagenturen von der “Organisation Internationaler Wertpapieraufsichtsbehörden” (Iosco). Das soll bis April 2008 fertig sein. Mal sehen, welche US-Hypotheken-Fonds dann noch existieren.
Medienwirksam scheint erstmal ein neuer schwarzer Peter ausgemacht, nachdem man zuerst den unzulänglichen “Rechenmodellen” die Schuld am Platzen der Hypotheken-Fonds zuwies. Kritiker dieses fragwürdigen Systems der “wundersamen Geldvermehrung” warnen schon seit Jahren vor einem Crash des durch nichts gedeckten angeblichen Renditezaubers. Wer wollte, konnte das schon lange vor der Pleite erfahren. Die Risiken wurden bewusst verschwiegen und die Beteiligung auch staatlicher Geldinstitute an diesem Finanz-Roulett macht deutlich, dass es den Beteiligten um nichts als eine “schnelle Mark” ging. Dummerweise haben sie in ihrem Geldrausch den rechtzeitigen Absprung versäumt.
Das Problem sind weder die Ratingagenturen noch die Rechenmodelle. Das Problem ist das System selbst!
Erklärungsmuster und Verlautbarungspolitik
Ob EZB-Chef Jean Claude Trichet oder Axel Weber von der Deutschen Bundesbank, alle fühlen sich aus höchster Position zu fachkundigen Statements berufen. Unisono mit dem FED-Chef Ben Bernanke verkünden sie: es gibt gar keine Krise! Vielmehr muss die derzeitige Situation als eine “Normalisierung der Risikobepreisung interpretiert werden”. Weber geht sogar noch weiter und behauptet, die EZB-Maßnahmen hätten “nachhaltig zur Marktberuhigung beigetragen”. Die jüngsten Probleme der IKB stellten aus Webers Sicht nur einen “institutsspezifischen Einzelfall” dar.
Es gibt kein Problem dachte sich auch Jochen Sanio, Chef der Bundesfinanzaufsicht BaFin, und fuhr erst mal zum Urlaub in die kanadischen Wälder. Mit seinem Abschiedsgruß, “wenn die IKB nicht gerettet wird, dann droht die größte Finanzkrise Deutschlands seit dem Jahr 1931″, verblüffte er vor der Abreise noch schnell die Öffentlichkeit. Nun ist die IKB angeblich gerettet und obwohl Trichet und Weber keine Krise erkennen können, sind die Banker über Sanios plötzliches Verschwinden verärgert: “Es ist doch schon merkwürdig, dass der oberste Finanzaufseher erst meint, die Gefahr der größten Krise seit 1931 heraufbeschwören zu müssen, dann aber in aller Seelenruhe in Urlaub fährt. Das stinkt zum Himmel”.
Ja, was ist nun? Krise oder nicht Krise? Trichet und Weber haben doch einen regelrechten Freibrief für einen erholsamen, sorgenfreien Urlaub ausgestellt. Warum eigentlich herrscht so viel Unruhe unter deutschen Bankern, Börsenspekulanten und Aktionären?
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Kommentar von Nanuk am 17. August um 16:20 Uhr
Die Ratingargenturen wurden von demjenigen bezahlt der die Kreditderivate auf dem Markt geworfen hat und wessen Brot ich esse dessen Lied sing ich auch.Die Idioten sind diejenigen die den Schrott gekauft haben.
Kommentar von Lunovis am 17. August um 18:47 Uhr
Am Ende sind es die kleinen Leute, die ALLES verlieren. Was kommt als nächstes? Hyperinflation, Deflation zusammenbrechen des Geldmarktes, Hunger in Europa, Massenarmut …
Das System muß geändert werden und zwar schnell! Aber wer soll es ändern, die die daran verdienen? Nie im Leben freiwillig!
In der Kosequenz kann man nur hoffen, dass es zu einer revolutionären Situation kommt, evolutionär ist nicht mehr zu lösen.
Kommentar von Für 36 Tausend Euro täglich grinsen - Die Finanzkrise und ihre Akteure - Pax Aeterna am 17. August um 19:24 Uhr
[...] · tar, den 17.08.07 in Wirtschaft, Krise, Liberalismus, Börse, Politik, Lügen, Fernost, Amerika, Deutschland Quelle: politblog.net [...]
Kommentar von Morrison am 17. August um 19:40 Uhr
Trifft es nach der IKB nun auch die Sachsen LB ?
“Sanio und Haasis berufen Sondersitzung wegen Sachsen LB ein”
http://www.ftd.de/unternehmen/.....40779.html
Kommentar von Sitting-Bull am 17. August um 20:39 Uhr
Mein Leserbrief
Genau genommen gibt es 4 Gruppen, die sich die Schuld teilen
1: Die Investmentbanken, die mit ihren Derivat-Abteilungen solche Massenvernichtungs-Finanzwaffen überhaupt erst erfunden haben und diese ohne Rücksicht auf Verluste in die Welt verteilt haben, aus Gründen des eigenen Profits
2: Die Rating-Agenturen, die viel Geld mit Derivat-Ratings verdient haben und immer mit geschlossenen Augen selbst den schlimmsten Müll dank waghalsiger Konstrukte mit AAA-Ratings versehen haben.
3: Alle Käufer dieser Instrumente, da letztlich jeder aufgeklärte Bürger hätte wissen können, was da verkauft wurde- Gier hat hier wirklich blind gemacht- manchmal auch aus finanzieller Not, z.B. in Japan seit 1990, da die dortigen Insitute dringend vermeintliche gewinnträchtige Anlagen brauchten
4: Die Aufsichtsbehörden, die quasi seit 1989 dem Derivate-Treiben zusehen und rein gar nichts unternahmen, wobei die Regulierungsgremien eindeutig von der Derivate-Mafia aufgekauft wurden, oder diese politische Unterwanderung betrieb, siehe Goldman Sachs.
Alles nachzulesen in den Büchern von Frank Partnoy. F.I.A.S.C.O. und Infectious Greed.
Kommentar von Sitting-Bull am 17. August um 20:46 Uhr
Heute gab es, erstmals soweit ich das überblicken kann, die ersten Versuche, uns CDO’s wirklich zu erklären.
http://www.stock-channel.net/s.....count=6645
http://www.stock-channel.net/s.....count=6654
Kommentar von kranich05 am 17. August um 22:26 Uhr
Einen ähnlich erhellenden Beitrag fand ich beim Spiegelfechter.
Ich habe das Gefühl, die staatlichen Banken mit ihren Mrd-Interventionen betreiben vor allem Panikabwehr. Vielleicht haben sie Erfolg, eine “unnötige” Potenzierung der Verluste zu verhindern.
Aber die großen Zusammenbrüche werden kommen. Und ob es dann genügend Retter nach dem Muster IKB gibt, bezweifle ich stark.
Kommentar von Rolf Neumann am 17. August um 23:52 Uhr
Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Politiker (Demokraten) warnt schon seit 1971, als Nixon den Dollar vom Gold abgekoppelt und floaten lassen hat, vor dem unausweichlichen Crash des Weltfinanzsystems aufgrund grundlegender Systemfehler.
Lösungen für die sich abzeichnende Krise hat er seitdem auch vorgelegt(”Initiative für ein Neues Bretton Woods”, realwirtschaftliche Investitionen über notenbankfinanzierte inflationsfreie Investitionskredite (hier: über die KfW z.B.), ein eurasisches Investitionsprogramm zum kompletten Aufbau neuer Infrastruktur (Eurasische Landbrücke), scharfe Kontrolle über Derivatgeschäfte und eine Besteuerung derartiger spekulativer Finanztransaktionen, um diese uninteressant zu machen.
Edited: Keine Parteienwerbung
Kommentar von Russland nimmt Sperrflugeinsätze der Fernfliegerkräfte wieder auf. « xxl-killababe berlin wordblog am 18. August um 00:13 Uhr
[...] die Spirale ist nicht mehr zu stoppen.. politblog.net [...]
Kommentar von henker am 18. August um 03:59 Uhr
weisheit des tages: eröffner nur einen kredit, wenn du 100% sicher bist ihn refinanzieren zu können.
O-TON meines Vaters vor einigen jahren, bzw, meine lebensweisheit.
was nützt dir ein haus oder auf raten, wenn du nen jahr später insolvent bist…
das multipliziere mit dem zigfachen, und dann frag mal bei den banken nahc was die machen, schufa frü banken gibt es ja nich, is ja alles kein problem, solange geld da is…. kotz sag ich nur…
Kommentar von Sitting-Bull am 18. August um 11:23 Uhr
Update dazu in meinem “Blog”.
http://www.habiru.de/page1003.html
Kommentar von Ralle am 18. August um 12:25 Uhr
Bankenkrise und US-Wirtschaft: Interview mit Webster Tarpley, Washington im Download - Bereich
Kommentar von Ralle am 18. August um 12:26 Uhr
http://www.operation911.de
Kommentar von Ralle am 18. August um 12:42 Uhr
Gold&Krise: Ein Gespräch mit dem Goldexperten Bruno Bandulet
http://operation911.de
Mfg
Kommentar von Din am 18. August um 13:54 Uhr
Was mir allgemein zur Krise aufegefallen ist: In allen Zeitungsartikeln, die ich zu dem Thema gelesen habe, ist von besagten Finanzspritzen die Rede, aber selbst in den relativ “guten” (nach persönlicher Wertung ;)) Zeitungen wird nicht erklärt, dass es sich legendlich um Tender handelt. Meine Frage an die aufgeklärten Politblog User:
Wissen sie es nicht besser oder gibt es eine Vorgabe/vertifizierte Bitte an die Redakteure/ Zeitungen das Thema nicht eingehend zu beleuchten?
Din
Kommentar von dog am 18. August um 14:49 Uhr
@ Lunovis
Wer ist denn der Verlierer einer Revolution? Abgesehen davon, dass ein paar ausgediente Köpfe purzeln sind es doch die kleine Leute. Es gibt derzeit doch gar keine gesellschaftlich getragene Utopien, Ziele oder Strategien. Beim Verfall der Ordnung droht doch eher Bürgerkrieg, Plünderungen, Übergriffe auf Minderheiten, private -, politische-, oder geschäftliche Abrechnungen mit „alten Freunden.“
Welche Strukturen wären denn in der Lage, nach der Revolution das Land in die Hand zu nehmen? Welche Strömung setzt sich den bei gewalttätigen Auseinandersetzungen durch? Wer hat denn die Waffen in Deutschland unter Kontrolle? Desertierte Soldaten, putschende Soldaten oder Polizeiverbände, Neonazi mit Gladio- Verbindungen, NATO-Verbände, welche in Westdeutschland schon mal völlige Infrastruktur und ein stehendes Heer haben oder der revolutionäre schwarze Block mit Steinschleudern, Molis und noch ein Restbestand an Kleinwaffen aus RAF-Zeiten?
Dein Vorschlag ist so sinnig wie der Spruch: „Los, auf die Bullen“ am G8-Zaun. Mit Dir bekommen wir genau den Polizeistaat, vor welchem sonst hier im Blog so gewarnt wird!
Das System muss geändert werden. Ja, von jenen, welche derzeit davon profitieren. Das tun immer noch 4/5 aller Personen, welche in diesem Lande leben. Von wem den sonst? Von dem Slumbewohner in Afrika? Wir haben den Zugang zu Bibliotheken, zum Internet. Einige von uns haben Zeit, andere haben materielle Güter. In kleinen Modellen können wir jetzt schon zeigen, dass eine andere Welt möglich ist.
Zudem kann jeder an sich selbst arbeiten. Sich mehr durch Liebe als durch Rache, Habgier, Neid, Wollust, Trägheit, Maßlosigkeit und Eitelkeit leiten zu lassen hat noch nie geschadet. Das Menschenbild ist ja das entscheidende. An ihm orientieren sich ja dann die Maßnahmen zum Aufbau einer Gesellschaft. Solange wir davon ausgehen, dass der Mensch in erster Linie egoistisch sei und nur seine eigene Ziele verfolgt und in der Masse faul und träge scheint der Kapitalismus ja genau die richtige Antwort darauf zu sein.
Was ist der Mensch?
Kommentar von dog am 18. August um 18:36 Uhr
Zum Thema Gold:
Golddeckung:
Sollte die in jedem Lehrbuch stehende allgemeine Verkehrsgleichung richtig sein, dass Geldmenge* Umlaufgeschwindigkeit = Handelsvolumen * Preis folgere ich folgendes: Der Weltweite Produktion hat in den letzten Jahren insbesondere durch die Technologie der elektronischen Datenverarbeitung extrem zugenommen. Das Handelsvolumen hat deutlich zugenommen. Um Inflation und Deflation zu verhindern musste sich auch die Geldmenge erhöhen. Es ist fraglich, ob so viel Gold überhaupt gefördert hätte werden können. Die Goldmenge wäre hinter her gehangen. Letztlich hätte die Preise niedriger werden müssen wir hätten eine Deflation gehabt. Diesen Zustand gab es schon in Deutschland im Jahre 1929. Auf Grund der Bankenkrise in den USA wurden Darlehen in Deutschland gekündigt. Es wurde Gold in die USA geschickt und die Geldmenge reduziert. Deutschland hat seine Wirtschaftskrise gehabt. Es gab 7 Millionen Arbeitslose. Der Rest ist Geschichte. Diese Wirtschaftskrise hatten wir auf Grund der Golddeckung. Die Goldmenge kann sich dem Handelsvolumen nicht anpassen. Mit Gold ist die Zeit der schleichenden Inflation vorbei. Je nach Handelsvolumen und Goldfunde gibt es gerade Inflation oder Deflation.
Gold als Wertaufbewahrungsmittel:
Gold ist ein Edelmetall, ein sehr weiches Metall. Der Wert des Goldes richtet sich, wie bei jedem anderen Rohstoff auch, nach Angebot und Nachfrage. Gold ist wertvoll, falls jeder es haben möchte und wertlos, falls sich jeder davon trennen möchte. Im Gegensatz zu Kupfer, welches in der Industrie benötigt wird, hat Gold kaum einen praktischen Einsatz in großen Mengen. Es gibt weltweit genug Gold. Das meiste davon liegt noch in den Speichern der Zentralbanken. Seit auf eine Golddeckung verzichtet wird trennen sich die Zentralbanken langsam von diesem Gold. Es gibt Abmachungen, nicht zu viel gleichzeitig auf den Markt zu werfen um die Preise nicht in den Keller rutschen zu lassen. Doch wer sich die Preise für Gold in den letzten Jahren anschaut kann doch bei den Schwankungsbreiten sehen, dass Gold kein Wertaufbewahrungsmittel ist. Gold hat ständig einen anderen Wert. Gold wird auch zukünftig immer einen anderen Wert haben. Sich Gold unter das Kopfkissen zu legen mag noch Sinnvoller sein als ein Stapel voll Papiergeld. Doch mit erheblichen Transaktionskosten kann man mit Gold in der ganzen Welt was eintauschen. Es ist also Fluchttauglich. Auch kann es im Garten verbuddelt werden. Als Edelmetall kann es Jahre später wieder ausgegraben werden. Wo das Haus vielleicht abgebrannt, die Banken pleite und das Papiergeld wertlos. Doch zuerst unterstützt man beim Goldkauf die jetzige Zentralbanken und Goldspekulanten. Wer glaubt, diese Unterstützen zu müssen, nur immer zu;-)
Kommentar von guadalupe am 18. August um 19:41 Uhr
@dog
Da die Deutsche Reichsmark lediglich zu 25% goldgedeckt war, mußte bei Rückzahlung des Goldes an die Banken (in den USA) ein Vierfaches Volumen an Reichsmark eingezogen werden, um die Deckung zu halten, was dem deflationären Schub noch einmal einen Turbo gab.
Denn eigentlich hätte ja die zuvor erfolgte komplette Sachwertzerstörung durch den finanziell interessegeleiteten Weltkrieg mit Millionen Toten für ein “Wirtschaftswunder” und sprudelnde Renditen für die Geldbesitzer sorgen müssen.
Das Gold für die Golddeckung war selbstverständlich nur geliehen, da das Deutsche Reich ja den Krieg verloren hatte und alles Vermögen abzuliefern hatte. Und selbstverständlich zinspflichtig an die Monopolisten der Goldbesitzer.
Welthistorisch gingen die Nationalökonomien immer am Goldmangel zugrunde oder kamen in erhebliche depressive Schwierigkeiten. Herausgeholfen hat dann der Raub fremden Goldes.
Die Inkas, die Gold sinnvollerweise zum Bau von nichtrostenden Regenrinnen verbrauchten, hatten dann allerdings ein Problem, als sie auf die Spanier trafen, die dringend ihre Geldmenge erhöhen mussten.
oder hier
Zitat:
“Da kommt es zu einem Blutbad in der goldstrotzenden Stadt Tenochtitlan, dem nur wenige der Eindringlinge entrinnen. Doch Cortez kommt davon und kehrt wieder mit überlegener Macht; die Azteken werden geschlagen, ihre Tempel und Paläste geplündert, und ihre reichen Erzgruben, die Gold und Silber bergen, sind fortan spanischer Besitz.”
Kommentar von guadalupe am 18. August um 19:55 Uhr
@dog
Gold als Wertaufbewahrungsmittel
Gold ist ein Wertaufbewahrungsmittel, weil es fast unzerstörbar ist und lange lagerbar. Richtig, der Wert schwankt. Einfach einmal die Großeltern fragen, wieviel Eier ein Landwirt 1947 nach der Befreiung durch die Alliierten gegen Gold herausrückte.
Geld kann zur Zeit entweder ein Wertaufbewahrungsmittel sein, dann wird es nicht zum Tauschen verwendet oder ein Tauschmittel sein, dann wird es nicht als Wertaufbewahrungsmittel verwendet. Beides gleichzeitig geht nicht, da es Funktionen sind, die sich ausschließen.
Rheingold ist ein reines Tauschmittel, sorgt also für Umsätze und Aufträge. Als Wertaufbewahrungsmittel mögen bitte andere Dinge dienen wie Metalle und langlebige Sachgüter. Tauschmittel stehen den Wirtschaftsakteuren zuverlässig ständig zur Verfügung, eben weil sie nicht als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden können. Dann klappt es auch mit den spekulativen Blasen nicht mehr, denn die benötigen zwingend ein Geld als Wertaufbewahrungsmittel, das Zins ständig erzwingt.
Kommentar von matziberlin.de newsletter » Blog Archive » Finanzgruppe musste der Bank mit mehr als 17 Milliarden Euro beiseite springen. am 19. August um 00:32 Uhr
[...] Wahrheit hinter den Beschwichtigungen schreibt Politblog.net Doch die internationalen Bemühungen, durch Geldmarkt-Interventionen Schadensbegrenzung zu [...]
Kommentar von dog am 19. August um 14:38 Uhr
@ gudalupe
Gold als Wertaufbewahrungsmittel:
Gold kann als individuelles Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden. Mit physischem Gold kann jeder kurz mal beim Pfandleiher sich Liquidität verschaffen. Doch es taugt nicht für globale Wirtschaftskrisen. Der Bauer kann in Notzeiten Nahrungsmittel viel besser in einen Pflug, in Energieträger oder in Löhne umtauschen. Gold dagegen hat dann mehr die Rolle des Sparstrumpfes in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Das ist vergleichbar mit dem Dilemma der geburtenstarken Jahrgänge. Sie können nur sehr erschwert Kapitalsparen. Derzeit ist alles überteuert, da viele Sparen. 2030 wollen viele an ihre Ersparnisse ran, um davon die letzten Lebensjahre zu zehren. Doch dann trennen sich ja alle, die Preise sind im Keller. Methoden, welche individuell Sinnvoll sind und in der BWL gelehrt werden sind für das ganze betrachtet nicht möglich. Durch Glücksspiel können ja auch immer nur Einzelne vermögend werden. Nicht aber eine ganze Ökonomie. Aus meiner Sicht ist Gold nur Eingeschränkt geeignet als “Wert”-Aufbewahrungsmittel für Krisenzeiten. Produktionsfaktoren zur Herstellung von Produkten, welche Grundbedürfnisse befriedigen können sind aus meiner Sicht logischer.
@Reingold: Wo findet man Informationen, wie das Rheingold geschöpft wird, wie die Gutscheinmenge gesteuert wird. Welche Arten von Transaktionskosten entstehen? Welche Eigenschaften sorgen dafür, dass das Rheingold ein reines Tauchmittel sein soll? Wie könnte ich zu Rheingold kommen, bei welchen Wirtschaftsakteuren könnte ich mich wieder davon trennen. Wie sieht es mit der Konvertierbarkeit aus? Ist das Rheingold an den Euro gekoppelt? Löst sich die eventuelle Kopplung im Falle einer Hyperinflation des Euros? Gibt es soziale/gesellschaftliche Komponenten innerhalb des Konzeptes? Gibt es normative Kodexe an die Wirtschaftsakteure? Auf der ständig verlinkten Seite stehe ich vor einem Userportal, bei welchem ich Zugangsdaten benötigte. Auf der anderen Seite sind die obigen Fragen nicht aus meiner Sicht ausreichend beantwortet. Hier fände ich, nach dem schon ständig hier dafür Werbung gemacht wird, Zugangsquellen für Hintergrundinformationen für eine eigene Beurteilung sehr hilfreich.
Kommentar von Jockel am 19. August um 16:05 Uhr
Schau hier: http://www.chiemgauer.info/49.0.html findest du
Infos über Regiogeld und deren funktionsweise.
Jockel
Kommentar von guadalupe am 19. August um 17:09 Uhr
@Jockel
Rheingold ist kein Regionalgeld, da es weder Geld noch regional ist.
Deswegen unterscheidet es sich vom Chiemgauer. Dennoch danke für den eingestellten Verweis, weil er Chiemgauer und Rheingold vergleichbar macht.
@Dog
Wo findet man Informationen, wie das Rheingold geschöpft wird, wie die Gutscheinmenge gesteuert wird.
Schöpfen tut jeder Rheingolder sein Gold selber. Einfache Regel: Zur Zeit schöpft jeder 100 seines eigenen Goldes. Mit dem zusätzlichen Gold wächst also die Deckung, sogar extrem diversifiziert.
Welche Arten von Transaktionskosten entstehen?
Obwohl alles bezahlt wird, entstehen keine Kosten. Denn es wird Gold geschöpft.
Welche Eigenschaften sorgen dafür, dass das Rheingold ein reines Tauchmittel sein soll?
Der Ausgabeanreiz. Rheingold ist ein Ablaufgold. Es verliert irgendwann seine Gültigkeit, behält aber immer seine Kaufkraft.
Wie könnte ich zu Rheingold kommen,
Indem Du Dich mit Deinem eigenen Rheingold ausstattest. Es sind Gutscheine auf Deine Leistung.
bei welchen Wirtschaftsakteuren könnte ich mich wieder davon trennen.
Bei allen Rheingoldern. Zur Zeit 620.
Wie sieht es mit der Konvertierbarkeit aus?
Du kannst Dein Gold, mit dem Du Dich kostenfrei und ohne Euroeinsatz ausgestattet hast, jederzeit gegen Waren und Leistungen anderer Rheingolder konvertieren. Eine Konvertierung in Schweizer Franken, Baht, Euro und Rubel ist möglich, wenn Du jemanden findest, der Dir Deine eigenen Gutscheine gegen so etwas wechselt.
Ist das Rheingold an den Euro gekoppelt?
Nein. Aus Gründen der Einfachheit (Preisauszeichnung) gilt ein Referenzkurs von zur Zeit 1 Rheingold = 1 D-Mark (des Jahres 2000) = 50 eurocent.
Löst sich die eventuelle Kopplung im Falle einer Hyperinflation des Euros?
Der Referenzkurs wird im Falle einer Hyperinflation entsprechend angepasst.
Gibt es soziale/gesellschaftliche Komponenten innerhalb des Konzeptes?
In erster Linie den Konstruktionsfehler des alten Geldes durch Verwendung eines richtig konzipierten Tauschmittels zu überwinden. Ich als Kurator wünsche mir die Förderung der Künste (aller Professionen), andere Teilnehmer verwirklichen mit der zusätzlichen Liquidität alles mögliche, ob Bildung, Theaterbesuche, Candle-Light-Dinner, höheren Lebensstandard, mehr Umsatz, besserer Abverkauf des eigenen Buches, mehr Bekanntheit der eigenen Belange.
Gibt es normative Kodexe an die Wirtschaftsakteure?
Nein. Rheingold ist keine Zensurbehörde.
Auf der ständig verlinkten Seite stehe ich vor einem Userportal, bei welchem ich Zugangsdaten benötigte.
Richtig. Und Rheingolder verfügen über die Zugangsdaten.
Auf der anderen Seite sind die obigen Fragen nicht aus meiner Sicht ausreichend beantwortet.
Sind sie nun ausreichend beantwortet?
Hier fände ich, nach dem schon ständig hier dafür Werbung gemacht wird, Zugangsquellen für Hintergrundinformationen für eine eigene Beurteilung sehr hilfreich.
Rheingold ist ein additives Tauschmittel. Additiv bedeutet, daß man Rheingold zusätzlich zum alten Euro hat. Man wechselt also nichts, noch gibt man irgendetwas auf, stattdessen verfügt man über eine zusätzliche Möglichkeit des Kaufens und Verkaufens. Und das auch noch für umsonst. Frischgebackene Rheingolder verstehen Rheingold sofort, sobald sie sich mit neuen Rheingold ein leckeres zusätzliches Eis gekauft haben oder einen zusätzlichen Umsatz getätigt haben. The medium is the message.
Kommentar von guadalupe am 19. August um 17:15 Uhr
@Dog
Nachtrag zur Frage der Gutscheinmenge.
Unlängst feierten wir einen Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf, den Antifaschisten Aloys Odenthal
mit einem eigenen Nominal.
Um diesen Nominal in Umlauf zu bringen, erhielten die ersten 100 bewährten Rheingolder, die zu diesem Fest kamen, weitere 100 Rheingold, die sie selber dann herausgeben konnten.
Nebeneffekt: Das Fest war finanziert.
Kommentar von pony_huetchen am 19. August um 18:15 Uhr
Tatsache ist, Rheingold wird von einigen Wenigen, darunter vielen Galerien oder Läden für andere Spezereien genutzt. Es erscheint mir etwas unredlich und PR-motiviert so zu tun, als könne man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten, sich Dinge kaufen, die zum täglichen Bedarf gehören.
Fakt ist, Rheingold kann benutzt werden im Bereich des Luxus und der Moden von Leuten, die von NY nach Berlin jetten, um sich eine Grafik zu kaufen. Also schön auf dem Teppich bleiben und hier keine Illusionen schüren.
Ich will den Rheingold-Aposteln kein Unrecht tun, die Idee mag gut sein. Allzu viel “verzerrende Werbung” in epischer Breite sollte allenfalls per Link erfolgen.
Tatsache ist, weder kann man mit Rheingold morgens schnell Brötchen, Marmelade und Milch einkaufen, noch einen Sack Kartoffeln und Möhren. Allenfalls in einem ausgesuchten Bioladen irgendwo in Berlin seine Scheine loswerden. Und von Grafiken, Buchbestellungen oder in ein paar ausgesuchten Restaurants kann man schlecht eine Familie ernähren!
Andere Regionalwährungen, wie z.B. der VolmeTALER leisten schon eher eine tatsächlich regionale “flächendeckende Versorgung”.
Also: einseitige, unkritische Berichte kommen dann doch etwas als “Werbung” an.
Als ein interessantes historisches Beispiel für das Funktionieren einer Regionalwährung sei das zeitlich begrenzte (1932-1933) Beispiel Wörgl des damaligen Bürgermeisters Michael Unterguggenberger genannt.
Kommentar von dog am 19. August um 18:38 Uhr
@guadalupe
Danke für die Informationen. Zwei schwache Seite sehe ich im System Rheingold. Das System funktioniert so lange gut, wie jeder auch neue Produkte oder Dienstleistungen mit bringt. Es ein Netz von Selbständigen und Kleinunternehmern ist.
Solltet ihr jedoch überlaufen werden von z. B. 10.000 Kindern, dann sind schlagartig 1.000.000 Rheingold im Umlauf. Der Eisverkäufer hat zwar einen gewaltigen Umsatz. Doch er bekommt die 1.000.000 Rheingold gar nicht so schnell los. Es steigt zwar dann auch das Angebot „Babysitting“ und „Zeitungsaustragen“. Doch in diesem Umfang besteht überhaupt keine Nachfrage. Die Aufnahme von Personen, bei welchen die Gefahr besteht, dass sie einmal die 100 Rheingold ausgeben, jedoch nie wieder selbst Produkte anbieten, könnte die Tragfähigkeit des Systems übersteigen.
Weiterhin wird auf 150 Jahre gesehnen alle Gründer verstorben sein. Es könnte immer mehr Rheingold im Umlauf sein. Auch hier besteht die Gefahr der langfristigen Inflation. Wer stirbt hat ja nicht gerade 100 Rheingold im Geldbeutel, welche er mit ins Grab nimmt.
Was macht die Person, welche in seiner Kneipe kurz vor Sperrstunde einen Schein erhält, welcher am nächsten Tag ungültig ist? Hat dieser Wirt einen Totalverlust? Kann er gegen Abschlag ihn gegen einen neuen Schein eintauschen?
Kommentar von guadalupe am 19. August um 19:43 Uhr
@pony_huetchen
Es ist richtig, daß der Volmetaler mehr Teilnehmer der Güter des täglichen Bedarfs hat. Die haben allerdings auch über ein Jahr zeitlichen Vorsprungs.
In Düsseldorf zumindest verhungert man nicht mehr, selbst wenn man nur über Rheingold verfügt. (Und wir sind ein additives Tauschmittel!) Für ausreichend Kartoffeln, Möhren, Marmelade, Milch und Brötchen ist schon gesorgt.
Der Rheingolder, der seine eigene Marmelade herstellt und auf seinem Fruchtstand anbietet, darf sie allerdings seit Neuestem nicht mehr Marmelade nennen, da sie zuviel Früchte enthält, einer neuen EU-Richtlinie sei gedankt. Er mußte alles neu etikettieren und eine Strafe zahlen, denn die Marmeladen der mulitnationalen Konzerne enthalten hauptsächlich raffinierten Zucker.
Im übrigen, Rheingold ist kein kommerzielles Projekt. Kann es schon deswegen nicht sein, weil wir nichts verkaufen. Wir fordern nur auf, sich selber mit eigenen Rheingold zu beschenken. Das ist eine politische Aufforderung, keine kommerzielle.
Wir schüren also keine Illusionen, sondern entwerfen eine Vision, die -siehe Volmetaler- in Hagen schon (fast) Realität geworden ist.
Apostel sind im übrigen Gesandte, die von Jesus Christus beauftragt worden sind. Um Mißverständnissen vorzubeugen, da war keiner von uns auf der Welt. Religiös begründet ist Rheingold auch nicht. Teilnehmer sind, soweit mir bekannt, Atheisten, Christen, Muslims, Hindus, Buddhisten, Juden.
Kommentar von guadalupe am 19. August um 19:58 Uhr
@Dog
Danke für die Informationen. Zwei schwache Seite sehe ich im System Rheingold. Das System funktioniert so lange gut, wie jeder auch neue Produkte oder Dienstleistungen mit bringt.
Richtig. Üblicherweise bringt jeder täglich neue Produkte und Dienstleistungen ein. (Bäcker backt täglich frische Brötchen)
Es ein Netz von Selbständigen und Kleinunternehmern ist.
Richtig. Zur Zeit sind wir ein B to B Projekt.
Solltet ihr jedoch überlaufen werden von z. B. 10.000 Kindern, dann sind schlagartig 1.000.000 Rheingold im Umlauf.
Kinder können keine Rheingolder werden. Ein Jugendlicher ist dabei und dort lasse ich regelmäßig meinen VW-Oldtimer pflegen.
Die Aufnahme von Personen, bei welchen die Gefahr besteht, dass sie einmal die 100 Rheingold ausgeben, jedoch nie wieder selbst Produkte anbieten, könnte die Tragfähigkeit des Systems übersteigen.
Das ist richtig, zumindest am Anfang. Jedoch, bitte bedenke: Wenn ein Apotheker 100 Rheingold herausgibt, sind diese 100 Rheingold zigtausendfach überdeckt, selbst, wenn Du nur dessen aktuellen Warenbestand nimmst. Selbst wenn jetzt ein mit 100 Rheingold beteiligter Dachdecker von der Leiter fällt und somit dessen Deckung ausfällt, stehen z.Zt. 619 andere Leistungsanbieter gerade und decken die mageren 100 Rheingold des unglücklichen Dachdeckers mit, der nun wichtigere Probleme hat.
Weiterhin wird auf 150 Jahre gesehnen alle Gründer verstorben sein. Es könnte immer mehr Rheingold im Umlauf sein.
Nein. Bei Sättigung des Marktes können zwar weitere Rheingolder werden, aber nicht mehr emittieren. Die Emission ist ein Privileg derjenigen, die nicht zu spät kommen. Denn wer zu spät kommt…
Auch hier besteht die Gefahr der langfristigen Inflation. Wer stirbt hat ja nicht gerade 100 Rheingold im Geldbeutel, welche er mit ins Grab nimmt.
Einer ist bereits verstorben, der italienische Publizist Prof. Dr. Claudio Bonvecchio
Aus Pietätsgründen haben wir dessen Rheingold nicht zurückverlangt. Ist doch auch überhaupt nicht nötig. Sollte er sie ausgegeben haben, machen die jetzt unter über 600 Rheingoldern fröhlich Umsatz und sorgen für Liquidität unter uns. Wir danken stattdessen dem Herrn, daß er uns mit Gold versorgt hat.
Was macht die Person, welche in seiner Kneipe kurz vor Sperrstunde einen Schein erhält, welcher am nächsten Tag ungültig ist? Hat dieser Wirt einen Totalverlust? Kann er gegen Abschlag ihn gegen einen neuen Schein eintauschen?
Ja, denn Rheingold verliert zwar seine Gültigkeit, nicht jedoch seine Kaufkraft.
Kommentar von dog am 19. August um 20:51 Uhr
@guadalupe
beide Bedenken sind ausgeräumt. Ihr seit kurz davor ein dog-geprüft Stempel zu bekommen:-)
Doch im aller letzten Punkt, den ungültigen aber noch mit voller Kaufkraft daliegenden Rheingolder blicke ich noch nicht durch. Falls sie ungültig sind muss sie doch keiner mehr annehmen. So wie frau mit dem abgelaufenem Ticket auch nicht mehr Bahn fahren kann. Doch falls die Rheingolder noch volle Kaufkraft haben kann frau dann doch überall einkaufen. Demnach sind sie praktisch doch noch gültig. Doch wieso sind sie dann nicht auch als Aufbewahrungsmittel geeignet?
Kommentar von pony_huetchen am 19. August um 21:22 Uhr
Rheingold als regionales Tauschmittel zu implementieren ist sicher ein lobenswertes Unterfangen, wenn man den Aspekt der Förderung des ortsansässigen Mittelstandes mit der Aufklärung über die Rolle des “Geldes” verbinden möchte. Das übrigens ist auch das Anliegen von Helmut Reinhardt mit dem VolmeTaler.
Den Eindruck zu erwecken, Rheingold sei “einzig” und könne womöglich als “nationales Zahlungsmittel” genutzt werden ist meinen Erachtens unredlich. Alle diese umlaufgesicherten dynamischen Geldsysteme funktionieren derzeit (auch rechtlich) nur auf regionaler Ebene. Und wie sollten sie auch anders im Alltag der Konsumenten.
Wenn hier über Zahlungsmittel aus der Freiwirtschaftslehre geschrieben wird, sollte also zumindest nicht “Werbung” für nur eines gemacht werden!
Ebenso boten (bieten?) andere Systeme ein befriedigenderes Beispiel der Umlaufsicherung als der Rheingold, siehe Wörgl (Link oben). All diese Fragen gehören in eine sachliche Debatte.
Auch die Antwort auf die Frage, wie eine regionale Währung über die Abgeltung von Leistungen Selbständiger hinaus realisiert werden kann, ist wichtig. “Freigeld” sollte auf lange Sicht jedem Vorteile bieten - ohne bei der Kaufentscheidung einzuschränken, auch dem einfachen Konsumenten. Und da bewegt man sich derzeit, wenn überhaupt, im regionalen Bereich.
Außerdem reduziert die losgelöste Frage des “Geldes” andere Aspekte kapitalistischer Wirtschaft, nämlich die des Eigentums an Boden und Produktionsmitteln.
Also: eine Debatte über Naturalgeld, “Gutscheine statt Euro” ja, dann aber nicht auf Rheingold reduziert. Egal, ob private Gewinne realisiert werden oder nicht.
Kommentar von pony_huetchen am 19. August um 21:45 Uhr
@dog
Das ist m.E. genau die Krux beim Rheingold, da bot der Wörgl ein besseres System. Er bekam zwar keinen dog-Stempel, aber bei jedem “Zahlvorgang”, also bei jeder Bewegung einen Stempel, der seinen Wert sicherte. Nur nach “Lagerung” über eine bestimmte Zeit musste man ihn mit einer geringen Prozentgebühr wieder “freikaufen”.
Wie andere Regiogelder das heute machen, müsste man im Einzelnen recherchieren. Den Wörgl machte u.a. auch die Tatsache des “Stempelns” als Umlaufsicherung erfolgreich.
Der Rheingold verliert am Tag X seine Gültigkeit und muss gegen eine Gebühr von 5% beim Herausgeber “freigekauft” werden. Das heißt, wer heute das Geld mit Laufzeitende annimmt, hat den schwarzen Peter insofern, als er schlimmstenfalls morgen einen Verlusst von 5% hat.
Außerdem muss man sein Geld ständig nach “Laufzeit” sortieren, um den “schwarzen Peter” beizeiten weiterzuschieben.
Nächster Nachteil: Da Rheingold nicht wie z.T. andere Regionalgelder “konvertierbar” (also bei Banken und Sparkassen eintauschbar) ist, muss man als Freiberufler oder Einzelhändler immer auch dafür sorgen, eine genügende Menge Euro einzunehmen. Finanzamt, Sozialversicherung, Versicherungen, IHK, Handwerkskammer, Berufsgenossenschaften, viele Lieferanten etc. akzeptieren nun mal (leider) nur Euro.
Kommentar von dog am 20. August um 00:59 Uhr
@pony: ok so?
Von den bekannteren Regionalgeldern bzw. Sekundärwährungen kann nach meinem Ermessen genau das gesagt werden, was vielleicht schon in Den Worten von Pony_huetchen angeklungen ist. Sie sind für sich isoliert systemstabilisierend. Wirtschaftliche Schwankungen und Liquiditätsprobleme werden ausgeglichen. Doch der Nutzen haben nur die jetzig Habenden. Die Gruppe der Selbständige und Unternehmer. Die großen Monopole bleiben jedoch unangetastet. Hier wird nicht mal angedeutet, dass bestimmte Güter keine Ware, die Erträge aus ihnen sozialisiert werden müssten. Ich bezweifle, das es im Sinne jenes Silvio Gesell wäre, einzelne Elemente, etwa die umlaufgesicherte Indexwährung, umzusetzen, ohne gleichzeitig die soziale Frage an zu gehen. Sonst flieht das Kapital doch einfach in andere Monopole. Sollte der Geldzins sinken steigen ja die Werte aller Monopole, welche regelmäßig Erträge abwerfen. Die Klasse der Besitzenden und der Besitzlosen wäre langfristig zementiert.
Um nicht nur über die Rolle des Geldes aufzuklären und den Mittelstand zu stärken, sondern aufzuzeigen, wie eine zukünftige Ökonomie nach freiwirtschaftlichen Gedanken aussehen würde sollte aus meiner Sicht von Anfang an versucht werden, in den Eigentum von jenen Monopole zu kommen und ein bedingungsloses (Grund-) Einkommen an alle teilnehmenden Hominidae auszuzahlen. Auch wenn es anfänglich nicht die Höhe hat um ein Grundeinkommen zu ermöglichen. Um aufzuzeigen, in welche Richtung es gehen könnte reichen anfänglich auch kleinere Beträge. Hierdurch wäre auch die Begrenzung auf B2B durchbrochen.
Ich erlaubte mir jene umstrittene Mütterrente, welche bei Silvio Gesell noch beschrieben war, gedanklich durch das für seine Auswirkung auf den Menschen viel konkreter durchdachte Modell des bedingungslosen Grundeinkommens zu ersetzten. Der Personenkreis der Begünstigten steigt damit gegenüber der Lehre. Die nach meiner Interpretation wichtige Intention bliebe jedoch erhalten.
Weiterhin sollten normative Eingriffe, etwa der Ausschluss von genmanipulierten Pflanzen, sehr wohl von Anfang an implementiert sein.
Im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung sollte von Anfang an die drei unumstrittene Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales Bestandteil eines freiwirtschaftlichen Wirtschaftsmodells sein. Die Ökonomie würde über das umlaufgesicherte Geld profitieren. Mit normativen Eingriffen könnte Umweltschutz betrieben werden. Das bedingungslose Einkommen aus gesammelten Monopolgütern zeigt schon die gewünschte Richtung auf wie die soziale Frage gelöst werden könnte.
Wer diese soziale Frage nicht stellt, die Monopolertäge nicht global gerecht verteilen möchte, sollte sich weder mit dem Namen Freiwirt schmücken noch glauben, er würde das Herrschaftssystem in irgend einer Form ankratzen.
Dog
Kommentar von guadalupe am 20. August um 10:23 Uhr
@Dog
Doch im aller letzten Punkt, den ungültigen aber noch mit voller Kaufkraft daliegenden Rheingolder blicke ich noch nicht durch. Falls sie ungültig sind muss sie doch keiner mehr annehmen.
Richtig. Der Annehmende kann freiwillig entscheiden, ob er abgelaufene Rheingold-Scheine annimmt oder nicht. Bitte immer an die Praxis denken. Kunde zahlt die Restaurant-Zeche von 160 Rheingold. Von den hingereichten 17 Rheingold-Scheinen sind zwei abgelaufen. (Die Scheine laufen ja gleichmäßig zu den verschiedensten Zeiten ab)
Was macht der Restaurant-Besiter? Er kann jetzt zwei zurückweisen, sie rabattiert annehmen oder aber sie annehmen, hat er doch gerade einen fetten Umsatz gemacht.
Werden zwei Scheine zurückgewiesen, hat der Kunde meist die Möglichkeit, die AmEx Karte zu zücken. Dann zahlt der Restaurant-Besitzer 5% Gebühren auf die gesamte Zeche und darf drei Wochen auf sein Geld warten.
Mit anderen Worten. Der Ausgabeanreiz geht im Rauschen des Kaufens und Verkaufens unter.
Doch wieso sind sie dann nicht auch als Aufbewahrungsmittel geeignet?
Spitzfindig kann man ja behaupten, daß sie bis zum Ablauf als Aufbewahrungsmittel sehr wohl genutzt werden können, auch wenn der Ablauf nur eine Woche betragen sollte. Es geht ja nicht um eine päpstliche Auslgegung eines Hortungsverbots, sondern um die Verstetigung des Umlaufs eines Tauschmittels und das Verhindern der Ansammlung großer Geldvermögen mit den Verwerfungen, die wir in unserer Wirtschaft täglich beobachten können.
Kommentar von Franz-Josef Hanke am 20. August um 10:39 Uhr
Regionalwährungen dienen meines Erachtens vornehmlich dem Zweck, Wirtschaftskreisläufe innerhalb einer abgesteckten Region anzustacheln und die Kaufkraft dort zu konzentrieren und zu lenken. Sie verfolgen weniger das Ziel, das Geld- und Wirtschaftssystem insgesamt in Frage zu stellen, wenngleich ihre Urheber ihm in aller Regel eher kritisch gegenüberstehen.
“Rheingold” erinnert mich - ich kann mir nicht helfen - immer an Richard WAgner. Schon der Name gefällt mir nicht. Auch die Penetranz seines Verfechters ist mir eher lästig. Sie spricht für mich eher gegen dieses “Zahlungsmittel” als dafür. Manchmal ist weniger eben mehr.
Die Einbeziehung ökologischer und sozialer Standards sind auch für mich Grundlage jeglicher zukunftsweisender Wirtschaftsform. Wichtig ist zudem auch die Konzentration auf gesamtwirtschaftliche Aspekte. Der Frankfurter Sozialethiker Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ - Träger des Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte 2007 - kritisiert die derzeit vorherrschende Praxis in der wirtschaft als “Röhrenblick” auf kurzfristige betriebswirtschaftliche Erwägungen unter Ausklammerung volkswirtschaftlicher Gesichtsspunkte. Arbeitnehmer seien demnach “Kosten” und nicht etwa “Kapital”. Steuern seien ebenfalls “Kosten” und nicht etwa “Investitionen”.
Leider haben wir die Wirtschaft den Egoisten überlassen, anstatt sie solidarisch und gerecht im Sinne beispielsweise auch eine Bedingunglosen Grundeinkommens.
fjh
Kommentar von guadalupe am 20. August um 10:58 Uhr
@Franz-Josef Hanke
Auch wenn Diskutieren und Lesen Dir lästig ist.
Wer seine Arbeitnehmer als Kosten oder als Kapital begreift, ist in meinen Augen unethisch.
Deswegen halte ich mich von Leuten fern, die unter der Tarnung von “Ethik” und scheinbarer Wirtschaftskritik gerade kapitalistische Standpunkte vertreten.
Arbeitnehmer sind kein Kapital, sondern Menschen, die tagtäglich um ihren Arbeitsertrag betrogen werden.
Sie können nur dann als Kapital angesehen werden, wenn man sie um ihren Arbeitsertrag betrügen will. Denn nur dann sind sie Kapital für den Ausbeuter. Sinkt der Kapitalertrag des Menschen, werden sie zu Kosten. Kosten und Kapital sind also nur zwei Seiten der gleichen Medaille.
Kommentar von guadalupe am 20. August um 11:03 Uhr
@Dog
Sonst flieht das Kapital in andere Regionen, glaubst Du.
Das fände ich prima. Wenn die hier eh nur kassemachenden Heuschrecken verschwinden, was soll daran schlecht sein?
Sollte das Kapital (=das alte Geld) fliehen (tut es eh schon, weil die Renditen in China höher sind), dann schafft es Raum, den Rheingold besetzen kann.
Rheingold kann nicht fliehen. Es kann nur gegen altes Geld gewechselt werden. Will also jemand sein Rheingold nach China nehmen, muß er dort jemanden finden, der Rheingold gegen Yuan wechselt. Und derjenige wechselt es nur dann, wenn er es hier ausgeben will. Rheingold bleibt also immer hier.
Kommentar von guadalupe am 20. August um 11:28 Uhr
@Dog
Deine Argumente zu Grundeinkommen, Bodenpreis, Monopole, normative Einschränkungen sind ja grundsätzlich nicht falsch.
Jedoch, Geld ist als Tabu Tehma schon so schwer zu knacken. Anders kann ich mir die Zurückhaltung nicht erklären, weshalb es Menschen gibt, die ein Zahlungsmittel, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird und ausschließlich Vorteile bringt, ablehnen und lieber ausschließlich Euro verwenden.
Irgendwo muß angefangen werden. Und -siehe Bankenkrise- viel Zeit dafür haben wir nicht.
Da aus meiner Sicht die Wirtschaftsmonopole eine Folge des alten Geldsystems sind und auf ihm aufbauen und sich die Bodenfrage erst stellt, wenn der Zins nachhaltig sinkt (Rheingold also allgemein verwendet wird), haben wir für die Lösung dieser Probleme Zeit.
Im übrigen, sähest Du das Grundeinkommen für verwirklicht an, wenn allgemeiner Wohlstand für alle herrschte?
Kommentar von dog am 20. August um 12:02 Uhr
Herrschaft und Macht gibt es auf vielen Ebenen. Vor den Heuschrecken hat man Angst, auch wenn sie nur eine logische Konsequenz des Konstrukts Kapitalgesellschaften sind. Doch seine 3 Miethäuser hat man dann doch gerne. Den Druck von internationalen Handelsketten lehnt man ab, um selbst eine höhere Gewinnspanne zu haben, wieder der einzige Händler am Ort zu sein. Das Kapital wird nicht räumlich fliehen sondern sich von Geldanlagen in andere Monopole umlagern. In Grund und Boden, in die Infrastruktur, in weiteren durch Patente oder sonstigen rechtlichen Konstrukten geschaffene Monopole. Es ist sogar viel schöner Miethäuser zu haben in einem wirtschaftlich stabilen Raum. Ein umlaufgesichertes Regiogeld ist nur eine Umverteilung der Profite von den großen Kapitalisten auf die ganz kleinen Kapitalisten. Unter ihnen mögen einige anders Denken, doch sie Handeln so. Die kapitalistische Ausbeutung bleibt erhalten.
„An den Taten werdet ihr sie erkennen.“
Kommentar von dog am 20. August um 14:45 Uhr
@guadalupe
Die Möglichkeit einer Kommunikation durch eine gemeinsame Sprache ist etwas extrem verbindendes. Leider haben wir viele Wörter, welche je nach Personenkreis unterschiedlich benutzt werden. Darf ich „grundsätzlich“ im Sinne des Juristen oder des Naturwissenschaftlers für mich auffassen? Ich würde empfehlen, zweideutige Begriffe nicht zu verwenden.
„Allgemeiner Wohlstand“ Herrschte in der grichischen Antike nicht allgemeiner Wohlstand? Der Begriff ist, aus meiner Sicht, zu grob und ungenau, um damit Argumentieren zu können. Allgemeiner Wohlstand wird am durchschnittlichen Jahreseinkommen sowie der Einkommensverteilung festgemacht. Demnach liegt in den Vereinigten Arabischen Emiraten allgemeiner Wohlstand vor. Aus Sicht der thailändischen Hausangestellten wirkt es trotzdem anders.
Ja, man muss irgendwo anfangen. So wird am Anfang schon mal die Fassade gebaut, dann auch die Zimmer und Einrichtungen. Und am Ende, wen den ausgedachten zukünftigen Bewohnern das Haus gefällt, wird unterkellert und die Wasserleitungen gelegt.
Ich möchte nicht die Pionierarbeit vieler Menschen kaputt reden. Ich sehe die Zeit gekommen sich Gedanken zu machen, wie ein gesellschaftlicher Aufbau als ganzes aussehen sollte. Pioniere haben in vielen Teilbereichen wertvolle Erfahrungen gesammelt. Diese müssen jetzt sinnvoll zusammengeführt werden. Vielleicht findet jemand systematische oder strategische Fehler in meinen Gedanken. Vielleicht erzählt mir jemand, dass ein Dritter schon was ganz ähnliches macht.
Ich finde, die Leser dieses Blogs vertragen und suchen die ganze Wahrheit. Die Wahrheit sowohl über die mächtige Akteure wir auch die Wahrheit über alternativen Akteure. Gerade weil die Zeit knapp ist sollte ein geistiger Austausch stattfinden.
Kommentar von Franz-Josef Hanke am 20. August um 15:01 Uhr
@Guadalupe:
Warum wohl schreibe ich hier in diesem Blog?
Warum wohl stelle ich meine Positionen hier zur Diskussion?
Allerdings erwarte ich auch von den anderen, dass sie sich in erster Linie auf diejenigen Fragen beziehen, die hier vorgelegt werden.
Mit Verlaub: Auf mich machen Deine Einträge hier den Eindruck eher peinlicher Werbung für Dein Projekt. Es sei Dir unbenommen, für “Rheingold” zu werben, doch solltest Du Dich vielleicht darauf konzentrieren, die Debatten in diesem Blog dabei zu beantworten, zu ergänzen oder mit eigenen Anregungen zu versehen.
Man mag zu Deinem “Rheingold” stehen, wie man will, aber für mich ist es lange nicht das, was Du hier glauben machen möchtest. Es ist allenfalls ein Diskussionsansatz und ein Schritt in die richtige Richtung, nicht mehr!
Das wirkliche Problem hast Du nun aber auch benannt: Es sind die Monopole und Oligopole, die aus einer “Marktwirtschaft” inzwischen eine Raubbau-Kapitalakkumulation mit Ausplünderung und Wirtschaftsdiktatur gemacht haben.
Geld spielt in diesem System eine wichtige Rolle. Aber Dog hat recht, wenn er meint, man müsse über systematische Strukturen eines neuen Wirtschaftssystems grundlegender nachdenken.
Ob der politblog da allerdings die richtige Adresse ist, weiß ich nicht. Aber man kann es ja vielleicht mal versuchen.
Viel Erfolg!
fjh
Kommentar von Peinhart am 20. August um 16:07 Uhr
Ich dagegen fürchte, dass auch das auf der Stufe der Symptome stehen bleibt. Monopole, Oligopole, ’shareholder-value’, ‘Globalisierung’ (sprich Deregulierung der Finanzmärkte), kurz all das, was uns mit der hässlichen Fratze des ‘Raubtierkapitalismus’ entgegentritt, ist logische und notwendige Folge eben der ‘Marktwirtschaft’, der du hier nachzutrauern scheinst - jedenfalls wenn man unter Marktwirtschaft das chaotische und ‘unbewusste’ Gegeneinander von ‘auf eigene Rechnung’ arbeitenden Produzenten, das dann anschliessend von einem ‘Markt’ nicht koordiniert, sondern nur ‘bewertet’ wird, versteht. Dass diese mal für einen historisch übrigens auch schon im Vergleich nur zur Nachkriegszeit recht kurzen Zeitraum ganz ‘passabel’ daherkam, und man angesichts heutiger Verhältnisse dieser Episode durchaus nachtrauern kann, ändert aber nichts an der ‘Folgerichtigkeit’ dieser Entwicklung.
Marktwirtschaft ist ja in erster Linie kein ‘Zustand’ (wie zB eine Subsistenz- oder Kreislaufwirtschaft es in viel höherem Maße sind), sondern ein ausgesprochen dynamischer Prozess, der immer wieder an (gesetzte und/oder natürliche) Grenzen stösst und diese dann entweder sprengen oder sich selbst mehr oder minder gewaltsam ‘zurückwerfen’ muss, um neue Entwicklung zu ermöglichen. Die immer weiter fortschreitende Akkumulation, Konzentration, die höhere Produktivität, kurz die sich laufend ‘verschärfenden’ Bedingungen der Kapitalverwertung machen die ganzen ‘Entgrenzungen’ (von ‘Sitte und Anstand’ bis zur ‘Privatisierung’) die wir seit geraumer Zeit erleben tatsächlich notwendig - innerhalb eines ‘marktwirtschaftlichen’ Systems.
Kommentar von guadalupe am 20. August um 17:08 Uhr
Mir wäre es lieb, wenn wir nicht “Marktwirtschaft” sagen, wenn wir von dem Wirtschaftssystem der Herrschenden sprechen, sondern vom Kapitalismus, also der Herrschaft durch das Kapital.
Was versteht denn Wikipedia unter Marktwirtschaft
Zitat:
“Die Marktwirtschaft bezeichnet eine arbeitsteilig organisierte Wirtschaftsordnung, in der die Koordination von Produktion und Konsumtion über das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf Märkten erfolgt.
Die Marktwirtschaft grenzt sich damit von der Subsistenzwirtschaft ab, bei der die Produktion nur direkt für den eigenen Bedarf und nicht zum Zweck des Austausches stattfindet. Im Gegensatz zur Zentralverwaltungswirtschaft plant in der Marktwirtschaft jedes Wirtschaftssubjekt prinzipiell für sich selbst.
Elementar für eine entwickelte Marktwirtschaft ist ein funktionierendes Tauschmittel, also Geld, welches den indirekten Austausch von Waren und Dienstleistungen nach dem Muster “Ware gegen Geld, Geld gegen andere Ware” gegenüber einem einfachen Tauschhandel nach dem Muster “Ware gegen andere Ware” erst ermöglicht.”
Da wir aber kein funktionierendes Tauschmittel haben, haben wir auch keine Marktwirtschaft. Stattdessen haben wir ein Monopolgeld, zinspflichtig herausgegeben von Herrschenden, die damit zum Einen die sich diesem Gelde unterwerfenden Menschen verschulden, zum anderen durch das Geldmonopol die weiteren Monopole schaffen können.
In der Endphase des Kapitalismus -vor dem Reset durch Krieg und Währungsreform- monopolisieren sich immer mehr Güteranbieter.
Wir erleben die Endphase zur Zeit, weil wir beobachten können, wie sich die Firmen gegenseitig aufkaufen, so daß es immer weniger Wettbewerb gibt.
Die Marktwirtschaft, die von freiem Wettbewerb lebt, haben wir nicht. Wir haben einen Kapitalismus. Die Verwerfungen, die oben alle richtig angeführt werden, sind eine Folge des Grundmonopols, des alten Geldes. Die laufend verschärfenden Bedingungen der Kapitalverwertung ist der Zinspflichtigkeit des alten Geldes geschuldet (exponentielle Kurve durch Zins und Zinseszins).
Natürlich können wir für eine bessere Bezahlung der HartzIVer kämpfen (führt zu höherer Staatsverschuldung), wir können mit dem Lokführerstreik sympathisieren, die aber auch nur als Lokführer ihre Monopolstellung zu Lasten der Zugreisenden (höhere Preise) verteidigen.
Mit anderen Worten: Wenn wir uns nicht der Grundfeste des Kapitalismus bewusst werden (der Mehrwert, die Rendite der Kapitalisten), können wir immer nur an der Oberfläche die Lasten verschieben (vom Zugkunden zum Lokführer und zurück)
So, und nun ist definitiv Schluss mit purer Werbung. Wir haben oft genug darauf hingewiesen: Fakten ja - allgemeines zu Freigeld auch, aber keine Werbung! Der Admin
Kommentar von Peinhart am 20. August um 19:50 Uhr
Dazu ein Schnipsel von Thomas Immanuel Steinberg:
http://www.steinbergrecherche......1.%20Folge
Kommentar von guadalupe am 21. August um 17:49 Uhr
@Peinhart
Guter Link. Danke.
Zitat daraus:
“Moral: Geld wird gemacht. Es ist etwas wert, sobald auf seinen Wert vertraut wird. Jeder kann Geld machen, und zwar aus dem Nichts. Der Vorgang heißt Geldschöpfung. “
Ist das Fazit richtig? Wir werden sehen:
“Geld wird gemacht. “
Richtig.
“Geld ist etwas wert, sobald auf seinen Wert vertraut wird.”
Falsch, auch das alte Geld ist nichts wert. Die Menschen verschenken ihren Eigenwert (ihre eigenen Werte) zu Gunsten der Herren des Geldes, weil sie von der offenkundigen Wertlosigkeit des alten Geldes -noch- nichts wissen. (Manche ahnen seit neuestem)
Rheingold darf nichts wert sein, weil wir Rheingolder auf unseren Wert vertrauen.
Wir nutzen wertlose Rheingold (Brennwert fast Null), um uns unserer gegenseitigen Wertschätzung zu vergewissern.
“Jeder kann Geld machen…”
Falsch, nein, nicht jeder kann Geld machen. Nur eine Machtelite, die wir allerdings nicht einmal kennen.
“…und zwar aus dem Nichts.”
Richtig. Woher sollte es sonst kommen?
Die Euro-Gläubigen lassen sich von Hohen Herren mit nicht immer lauteren (manche sagen: finsteren) Absichten das alte Geld aus dem Nichts bereitstellen und zahlen Zinsen dafür, verschulden sich also für ewig (Solltest Du zufällig schuldenfrei sein, dann nur, weil sich ein anderer Deinetwegen umso stärker hat verschulden müssen.)
Rheingolder statten sich mit ihrem eigenen Gold aus, ohne sich zu verschulden und ohne andere in Schulden zu zwingen.
(Und das war jetzt keine Werbung, sondern erkenntnispraktische Begriffserklärung des Unterschiedes zwischen altem Geld und neuem Gold
)
Kommentar von guadalupe am 21. August um 18:02 Uhr
Zitat:
“So, und nun ist definitiv Schluss mit purer Werbung. Wir haben oft genug darauf hingewiesen: Fakten ja - allgemeines zu Freigeld auch, aber keine Werbung!”
Sorry, hatte ich nicht gelesen. Allgemeines zu Freigeld? Da kann ich nicht viel beitragen, da ich zu Freigeld nicht ausreichend kompetent bin. Auch wenn es eine wiederholte Wiederholung ist: Rheingold ist kein Freigeld.
Was ist Werbung?
Zitat Wikipedia:
“Werbung dient der gezielten und bewussten Beeinflussung des Menschen zu kommerziellen Zwecken.”
Rheingold ist keine kommerzielle Veranstaltung, sondern ein Aufruf. Rheingold kann geistig verstanden (deswegen die Fakten zu dessen Struktur) und praktisch verwendet werden, jedoch nicht gekauft werden, da es nicht käuflich ist.
Kommentar von pony_huetchen am 21. August um 18:37 Uhr
So - und nun ist Schluss mit lustig!
Kommentar von Franz-Josef Hanke am 21. August um 19:12 Uhr
Ich möchte hier zwischen dem theoretischen Ideal einer Marktwirtschaft mit gleichberechtigten Markt-Teilnehmern und der derzeitigen Wirtschaftsform unterscheiden, die uns zwar als “Marktwirtschaft” verkauft wird, die aber in Wahrheit nur aus Oligopolen und Monopolen, Ausbeutung und Unterdrückung besteht. Man kann das “Kapitalismus” nenne. Ich nenne das lieber “Wirtschaftsdiktatur” oder “Wirtschaftsdemokratur”.
Marktwirtschaft kann meines Erachtens fuktionieren, solange der Staat und die Allgemeinheit den Markt regulieren und jede Form von Akkumulation frühzeitig unterbinden.
Ob das realistisch ist, muss man sich natürlich fragen. Ob andere Modelle realistischer sin, kann man ebenso anzweifeln.
Sicher ist aber, dass auch die derzeitige Geld- und Zinsstruktur ihren Teil dazu beiträgt, dass wir keine gerechte Marktwirtschaft haben.
fjh
Kommentar von Peinhart am 21. August um 20:21 Uhr
Aber wann hätte es das hier je gegeben? Da müsste man ja schon bis zur Ständewirtschaft und den Einschränkungen des Zunftwesens zurückgehen. Schon deshalb neige ich eher der bei Wikipedia folgendermaßen formulierten Auffassung zu:
“Nicht zuletzt wegen der Verwendung des Ausdrucks Kapitalismus als politisches Schlagwort, die schon 1902 Werner Sombart zu der Frage verleitete: “Wie kann man über Kapitalismus sprechen, ohne dabei ideologisch zu werten?”, hat sich in der Wirtschaftswissenschaft der Ausdruck Marktwirtschaft zur Bezeichnung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung durchgesetzt.” (Stichwort ‘Kapitalismus’)
Kommentar von guadalupe am 22. August um 09:59 Uhr
@Peinhart
“hat sich in der Wirtschaftswissenschaft der Ausdruck Marktwirtschaft zur Bezeichnung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung durchgesetzt”
Interessant.
Für mich ein weiteres Indiz, daß es sich bei der sogenannten Wirtschafts”wissenschaft” um eine Scheinwissenschaft handelt, deren Aufgabe es ist, die herrschende Wirtschaftsstruktur Kaptitalismus ideologisch zu festigen. Die Ergüsse von Prof. Unsinn sind da Beispiele oder das hier (aktuell zur Immo-Krise)