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US-Demokraten belegen jüdische Integration

Mit dem langsam absehenden Ende der innerparteilichen Vorwahlen um das Amt des US-Präsidenten fällt in der Berichterstattung vermehrt das Wort “Super-Delegierte”. Diese undemokratische Facette der Parteienlandschaft sorgt dafür, dass die Stimme “gewöhnlicher” Parteimitglieder bei der Bestimmung des Kandidaten nicht so viel zählen, wie die Stimmen dieser Super-Delegierten. Manche sind eben doch gleicher.

Eine Analyse dieser Super-Delegierten bietet eine gute Möglichkeit, aufzuzeigen welche Rolle jüdische Menschen im politischen Prozess und speziell in der demokratischen Partei spielen. Ein Artikel des Forward geht dieser Frage nach:


“Insgesamt werden 70 jüdische Super-Delegierte auf die Nominierungsversammlung fahren. Sie stellen fast ein Zehntel der insgesamt 800 demokratischen Super-Delegierten.

Obwohl Juden lange als ein wichtiger Wählerkreis galten und in den Kreisen der liberalen Aktivisten und Denkern des Landes überrepräsentiert waren, sind sie erst in jüngerer Vergangenheit ins Establihsment der Demokraten vorgedrungen. Sie stellen so viele Abgeordnete und Führungskräfte der Partei wie nie zuvor.

‘In den USA ist die Politik ein jüdisches Metier geworden, ähnlich der Kunst und der Justiz’ sagte Ira Forman, der Exekutivdirektor des National Jewish Democratic Council und der Autor eines Buches über Juden in der amerikanischen Politik. ‘Wir sind mittlerweile in all diesen Bereichen überrepräsentiert’.

(…) In den Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Zahl jüdischer Politiker beträchtlich erhöht. So wurden 33 jüdische Menschen in den Kongress von 2006 gewählt, verglichen mit 13 im Jahr 1950. Außerdem wurde das Democratic National Committee in den letzten 15 Jahren von drei Juden geleitet: Die Vorsitzende der Organisation Americans for Peace Now, Debra DeLee. Der aktivist aus Massachusetts, Steve Grossman, sowie der Gouverneur aus Pennsylvania, Ed Rendell.
Außerdem ist der momentane Vorsitzende des DNC, Howard Dean, mit einer jüdischen Frau verheiratet und erzieht seine Kinder jüdisch. Von den neun Mitgliedern des DNC sind momentan drei jüdisch.”



Dieses Symbol des Erfolgs der jüdischen Bevölkerung der USA beweist sowohl, warum die Israellobby so erfolgreich ist, als auch warum sie schwächer werden wird: Denn zum Einen bedeutet die Etablierung jüdischer Menschen in solchen wichtigen Positionen, dass Entscheidungen eher zu Israels Gunsten ausfallen. Hierfür liefert der Forward auch ein Beispiel. Dies funktioniert natürlich nur so lange, wie die Positionen mit konservativen jüdischen Menschen besetzt werden. Sobald progressive jüdische Menschen nachrücken, werden die Entscheidungen ausgewogener ausfallen.

Andererseits beweist diese Etablierung, dass die nach dem Holocaust von Zionisten vertretene Ansicht, jüdische Menschen seien nirgends sicher, falsch ist. Sie sind sicher in den USA, und sie sind weitaus besser integriert als die anderen dort lebenden Minderheiten. Weder Schwarze noch Latinos geschweige denn Araber sind im Verhältnis zum Anteil an der Gesamtbevölkerung auch nur ansatzweise so gut repräsentiert wie die US-Juden.
Dadurch glauben immer weniger jüdische und nicht-jüdische Menschen den Behauptungen der Zionisten. Somit wird Israel immer weniger als ein besonderes Land erachtet, weil nur dieses Land den jüdischen Menschen auf der Welt eine sichere Heimat bieten kann.

Henry Edward J.
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 21. Mai 2008 von Henry Edward J. geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Logiker am 21. Mai um 15:09 Uhr

Sicher sind die Juden überepresntiert und vor allem im Vergleich mit anderen Gruppen, aber 70 von 800 ist ja auch nicht gerade eine Mehrheit so das man davon ausgehen kann das sie jeden Diskurs bestimmen!?

Kommentar von Logiker am 21. Mai um 15:28 Uhr

…. und da ist auch noch die Farge ob diese 70 sich überhaupt als eine geschlossene “Fraktion” verstehen. Finkelstein, Menuhin etc. zeigen das es ja auch durchaus Juden gibt die die Zionisten sogar offen Angreifen und Israel kritisieren.

Kommentar von Beergelu am 21. Mai um 16:28 Uhr

Ich sehe da eher die Gefahr für eine neue Antisemitismuswelle.

Den Amerikanern geht es immer schlechter (sinkendes Bildungsniveau, Immobilienkrise,…) und es wird trotzdem noch so viel für Israel von der Polik aus gemacht.

Und jetzt mit der jetzigen Publikation ist eigentlich wieder der Grundstein gelegt für die gleichen Vorurteile, wie wir sie früher schon einmal hatte.

Ich glaube damit hat sich Israel über kurz oder lang selber ins Knie geschossen.

Kommentar von Henry Edward J. am 21. Mai um 17:56 Uhr

@Logiker:

Wie bei allen anderen Menschen sind auch bei den jüdischen Menschen die mit viel Geld und Macht im Normalfall die Arschlöcher. In diesem Fall sind die reichsten für gewöhnlich die konservativsten was Religion und Zionismus angeht. Sprich unter den erfolgreichen jüdischen Menschen wie jenen in der demokratischen Partei findet man eher Israel-Firster als Israel-Kritiker. Deshalb schrieb ich ja auch, dass sich die Sache anders darstellen würde, wenn an diesen Stellen progressive jüdische Menschen wie Finkelstein oder Weiss sitzen würden.

@Beergelu:

“Ich sehe da eher die Gefahr für eine neue Antisemitismuswelle.”

Nur wenn man das Thema den tatsächlich judenfeindlichen Elementen überlässt. Wenn man das tut, was die Mehrheit der Elite und der Medien momentan tun, diese Themen nämlich nicht genügend anzusprechen, weil sie Angst haben damit neue KZ-Aufseher heranzuzüchten, dann gibt es neuen Antisemitismus.

Aber nicht, wenn das Thema vernünftig behandelt wird.

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