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Philip Weiss - Warum die Israellobby so erfolgreich ist

Dies ist der erste Teil einer zweiteiligen Artikelserie, inspiriert von dem New Yorker Journalisten Philip Weiss und seine Beobachtungen und Reflexionen über Israel, die US-Amerikanische Nahostpolitik und die Struktur und den Status der in den USA lebenden jüdischen Menschen.

Wie Stammleser des Politblogs bemerkt haben werden, habe ich schon mehrmals angekündigt, Weiss einen eigenen Artikel zu widmen. Der wurde immer länger und länger. Doch im Lichte der momentan durch die Medien gejagten Feierlichkeiten zu Israels heutigem 60. Geburtstag war klar, dass jetzt endlich veröffentlicht werden muss. Demnach kam es zu folgender Vorgehensweise: Die beiden Teile dieser Artikelserie formulieren die Grundsätze der Beobachtungen von Weiss und weiteren Autoren, sie zeigen auf was sich herauskristallisiert, wenn man sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt. Später werden dann einzelne Meldungen zum Thema veröffentlicht werden, die die hier geäußerten Grundsätze bestärken und illustrieren sollen.

In diesem ersten Teil wird beantwortet, warum die von Mearsheimer und Walt beschriebene Israellobby so erfolgreich ist, und auf welchen gesellschaftlichen Faktoren ihr Erfolg beruht. Kurz, warum die westliche Unterstützung für Israel so groß ist.

Im zweiten Teil wird beantwortet, welche gesellschaftlichen Entwicklungen dafür sprechen, dass diese Unterstützung in Zukunft weniger und vor Allem vernünftiger werden wird. Wem der erste Teil zu negativ ist, der warte am Besten auf den zweiten.

Der Grund für das Ganze ist einfach: Der so genannte “Krieg gegen den Terror” ist das für uns Bürger momentan wichtigste politische Thema. Wichtig in dem Sinne, das es die nachhaltigsten Konsequenzen hat, seien es Krieg, Folter oder Überwachung. Wenn nun der Grund für den “Krieg gegen den Terror” eben jener Terror islamischer Prägung ist, an den wir seit dem 11. September glauben sollen, dann ist Israels Verhalten und die bedingungslose westliche Unterstützung dafür einer der Hauptgründe für diesen Terror. Bin Laden, sofern er überhaupt existiert, wurde auch durch Israels Behandlung der Palästinenser und die Rückendeckung der Vereinigten Staaten zu seinem Tun motiviert.

Ob die bislang stattgefundenen Anschläge, 9/11 in den USA, 7/7 in London, und 3/11 in Madrid, echt waren oder inszeniert, spielt für dieses Thema keine Rolle. Wenn Bin Laden inszeniert ist, dann muss man mit einem echten Bin Laden rechnen, solange die Kriege und die Besatzungen in der arabischen Welt nicht aufhören.

Wer also diesen so genannten “Krieg gegen den Terror” und das immer schneller sinkende Ansehen der westlichen Welt in der restlichen Welt vernünftig angehen will, der muss die bedingungslose und moralisch falsche Unterstützung für Israel beenden und es wie ein normales Land behandeln. Um dies zu erreichen, muss eben diese Unterstützung erst einmal analysiert werden. Dieser Text soll ein Beitrag dazu sein.

Zudem lässt sich feststellen, dass zwar das Thema Israellobby mittlerweile von einigen Autoren angeschnitten wurde, die dahinter liegenden gesellschaftlichen Strukturen aber immer noch nicht offen diskutiert werden - siehe unten Faktor 2. Auch zu dieser offenen Diskussion soll dieser Text ein Beitrag sein. - HEJ

Philip Weiss - Warum die Israellobby so erfolgreich ist

Wer diese Frage beantworten will, ohne sich selbst und seine Leser zu belügen, muss - wie Philip Weiss es tut und viele andere jüdische und nicht-jüdische Autoren es tun - mehrere soziologische Faktoren anerkennen, die sich in westlichen Gesellschaften beobachten lassen.

Faktor 1 - Für einen Teil der Westler sind Israel und das Judentum etwas Besonderes

In westlichen Gesellschaften sind Ideologien, die von einer besonderen Rasse ausgehen, die den anderen Rassen in irgendeiner Weise überlegen ist, erfolgreich geächtet. Man denke nur an die deutsche Herrenmenschenideologie, die erfolgreich und erfreulicherweise aus dem gesellschaftlichen Mainstream ausgeschlossen wurde. Würde irgendjemand proklamieren, “die Deutschen” oder “die Arier” seien eine auserwählte Rasse, würde dieser jemand entweder eingesperrt oder zumindest ausgelacht. Und das ist gut so.

Ein anderes Beispiel ist die in den USA proklamierte Idee der “Manifest Destiny“, einer göttlichen Bestimmung der weißen Einwanderer, den vormals indianischen Kontinent für sich zu beanspruchen und zu besiedeln. Die beinahe vollständige Ausrottung der Ureinwohner geht damit Hand in Hand, wie die Vernichtung nicht-deutschen Lebens mit der Herrenmenschenideologie Hand in Hand ging.
Es ist schwer zu sagen, wie verbreitet die Idee der Manifest Destiny in den Köpfen weißer US-Amerikaner noch ist, jedenfalls wird sie nicht mehr so häufig und selbstverständlich wie früher geäußert.

Nichtsdestotrotz, und der in den anderen Fällen gezeigten Vernunft widersprechend, konnte eine Ideologie vom Auserwähltsein in den gleichen westlichen Gesellschaften bestehen, die erfolgreich die deutsche Herrenrasseideologie in ihre Schranken verwiesen haben: Die Idee von einer göttlichen Auserwähltheit des jüdischen Volkes und dementsprechend die Idee von einem “Heiligen Land”.

Auf jüdischer Seite, ohne Spekulationen darüber anzustellen, wie hoch der Anteil der jüdischen Menschen ist, die diese Ansicht teilen, hat die Idee vom Auserwähltsein dazu geführt, dass manche von ihnen sich als Kolonisten in die völkerrechtlich nicht zu Israel gehörenden Gebiete begeben, und das Land für sich beanspruchen. Göttliches Recht wird über menschliches Recht gestellt. Auf Grund des eigenen Auserwähltenstatus werden die dort lebenden Araber von diesem Teil der jüdischen Menschen als minderwertig angesehen.

Auf christlicher Seite, wiederum ohne Spekulationen darüber anzustellen, wie hoch der Anteil der Christen ist, die diese Ansicht teilen, hat die Idee vom Auserwähltsein des jüdischen Volkes dazu geführt, dass manche Christen die jüdische Besiedlung völkerrechtlich nicht zu Israel gehörender Gebiete unterstützen.

Hier muss erwähnt werden, dass die Motivation dieser Christen allerdings eher egoistisch ist: Das jüdische Volk soll sich mit den Arabern vor Ort herumschlagen und sein Königreich Israel errichten, damit Jesus wieder auf die Erde zurück kommt und die Christen mit in den Himmel nimmt. Ab da hätte das jüdische Volk seine undankbare Aufgabe erfüllt und würden mit allen anderen Ungläubigen vernichtet.
Deshalb sind auch nicht alle jüdischen Israel-Unterstützer froh über die christliche Schützenhilfe.

Die religiöse Bedeutung Israels sorgt also bei manchen jüdischen und bei manchen christlichen Menschen für eine besonders energische, irdische Gesetze missachtende Unterstützung für den israelischen Staat und innerhalb dessen für eine ebenso irdische Gesetze missachtende Expansionspolitik.

Bereits diese Tatsache hebt die Bedeutung der Israellobby über das bloße Dasein einer Öllobby oder Hedge-Fond-Lobby hinaus.

Faktor 2 - Der Holocaust ist immer noch nicht überwunden

Der Holocaust hat, abgesehen selbstverständlicherweise von der unmittelbaren Tragödie einer Massenvernichtung von vielerlei Menschen, eindeutig soziologisch beobachtbare Spuren hinterlassen. Bei jüdischen Menschen wie bei nicht-jüdischen Menschen. Offen sichtbare gesellschaftliche Strukturen und Phänomene bezeugen, dass das zwischenmenschliche Verhältnis teilweise immer noch gehemmt ist.

Auf jüdischer Seite wurde durch den Holocaust der Anteil derer stärker, die davon ausgehen, dass jüdische Menschen in westlichen Gesellschaften niemals sicher sein werden. Geschwächt wurde der Teil der jüdischen Menschen, der das Gegenteil annimmt und selbst vorlebt - in Berlin oder in Boston.

So erzählen jüdische Organisationen wie der Zentralrat ihren jüdischen Mitmenschen, dass diese ohne die Organisationen aufgeschmissen wären: Wenn ihr uns nicht dabei unterstützt und dafür bezahlt, dass wir laut und übersensibel die Politik in euren jeweiligen Ländern kommentieren, dann werden euch die Judenhasser wieder holen.

Zu dieser Unterstützung gehört, wenn es nach den konservativen Organisationen geht, die Verbindung des eigenen Jüdischseins mit dem fremden Staat Israel und die Unterstützung jedes Kurses der Organisationen, sei er auch noch so unsinnig.

Wenn es nach den Organisationen geht, sollten ihre jüdischen Mitmenschen immer wenn sie sich fragen, “is it good for the Jews?”, “ist es gut für uns Juden?”, damit meinen: Ist es gut für den Zentralrat? Ist es gut für Israel?

Auf nicht-jüdischer Seite lässt sich beobachten, dass aufgrund des Unwohlseins über die Vergangenheit die Kommunikation mit dem jüdischen Teil der Gesellschaft entpersonalisiert und dafür institutionalisiert wird: Anders gesagt, die meisten nicht-jüdischen Menschen beispielsweise in Deutschland werden eher selten mit jüdischen Mitbürgern sprechen, dafür umso öfter vom Zentralrat der Juden hören.
Paralell dazu meinen die Eliten wie die Massenmedien in westlichen Ländern, der Stimme solcher Institutionen wie dem Zentralrat ein besonders hohes Gewicht einräumen zu müssen, damit die nicht-jüdischen Menschen ihre jüdischen Mitbürger überhaupt ernst nehmen.

Zur Entpersonifizierung kommt eine schwarz-weiß-Vereinfachung: Israel gleich Judentum, fertig. Wer gegen Israel ist ist gegen Juden, wer für Juden ist ist für Israel. Alle jüdischen Menschen träumen von Israel, vertreten werden dürfen sie nur vom Zentralrat. Andere Organisationen oder israelkritische Einzeljuden gibt es nicht. Non-zionistische oder gar anti-zionistische Juden werden ausgeblendet und dieser vereinfachten Sichtweise “Israel gleich Judentum” geopfert.

Einfach gesagt: Seit dem Holocaust gehen nicht-jüdische und jüdische Eliten in westlichen Ländern davon aus, dass das jüdisch-nichtjüdische Zusammenleben zerbrechlich wie Glas ist. Und deshalb nicht mit Kontroversen, Vielschichtigen Fragen und Antworten erschüttert werden darf. Stattdessen muss es mit Festtagsreden und Solidaritätsbeteuerungen gestärkt und mit der israelischen Flagge umhüllt werden. Diese Bemühung um Aufrechterhalten des angeblich so wackligen Zustands ist auch ein Grund dafür, warum mitunter in israelischen Medien die eigene Politik oder andere Missstände innerhalb jüdischer Gemeinschaften weitaus offener diskutiert werden als in westlichen Ländern.

Unter diesen Umständen hat die Israellobby sowohl innerhalb der jüdischen Gemeinschaften wie auch innerhalb der Gesamtgesellschaft nur wenig Gegenwind zu befürchten.

Faktor 3 - Die Gründung des Staates Israel bringt jüdische Menschen in einen Loyalitätskonflikt und verwirrt Nichtjuden

Faktor zwei wird dadurch verschlimmert, dass mit der Gründung des Staates Israel eine Projektionsfläche geschaffen wurde, die westliche Eliten und jüdische Konservative gerne mit dem Abbild des Gesamtjudentums füllen. Wenn es nach ihnen geht, ist Israel Symbol für die Juden der Welt. Damit ist es für jede israelische Regierung ein Leichtes, Kritik an sich selbst als Judenfeindlichkeit abzutun. Gleichzeitig ist es für jede westliche Regierung ein Leichtes, ihre angebliche oder tatsächliche Minderheitentoleranz und Vergangenheitsbewältigung mit Lobreden auf den israelischen Staat unter Beweis zu stellen.

Für die einfachen Bürger jedoch wird Israel zum Problem.

Viele jüdische Mitbürger bringt das Vorhandensein eines sich als jüdisch deklarierenden Staates unweigerlich in Konflikte um die eigene Identität. Oft wird ihnen durch ihre “Vertreter” aus den diversen Institutionen (siehe Faktor 2) erklärt, sie seien in westlichen Gesellschaften nicht sicher und bräuchten daher Israel um ihrer eigener Existenz willen. Verständlicherweise haben deshalb viele in westlichen Gesellschaften lebenden Juden eine starke emotionale und religiöse Bindung an einen fremden Staat, Israel. Was Israel schamlos ausnutzt, siehe Faktor 4.

Nicht-jüdische Mitbürger wiederum werden durch das Vorhandensein eines sich als jüdisch deklarierenden Staates verwirrt. Für den Beweis, dass sie jüdischen Menschen nicht mehr wie früher - durch Propaganda des Dritten Reiches geblendet - feindlich gegenüber stehen, haben sie auf einmal zwei Projektionsflächen: Den Staat Israel sowie die eigenen jüdischen Mitbürger.

Leider verwechseln zu viele westliche Bürger, besonders manche Christen, siehe Faktor 1, ein harmonisches Zusammenleben mit den eigenen jüdischen Mitbürgern mit einer Unterstützung für den israelischen Staat. Getrieben von der Vergangenheitsbewältigung fällt diese Unterstützung dann bisweilen entsprechend energischer aus, als die Unterstützung für andere Staaten.

Folgendes bleibt hier festzuhalten: Westliche nicht-jüdische Bürger, auch und besonders heute lebende Deutsche, haben keine Verpflichtung zur Unterstützung eines fremden Staates. Sie haben stattdessen eine Verpflichtung zum harmonischen Zusammenleben mit den eigenen jüdischen Mitbürgern.

Die Wahrheit ist doch: Für die Meisten ist es einfach nur bequemer, das ferne Israel mit Sonntagsreden zu unterstützen, anstatt sich persönlich mit den hier lebenden jüdischen Mitbürgern, ihrer Kultur und ihrer Religion zu beschäftigen und zu unterhalten.

Auch das alles sorgt mit Faktor 2 für ein gesellschaftliches Klima, dass es der Israellobby allzu leicht macht.

Faktor 4 - Israel nutzt den Identitätskonflikt der jüdischen Bürger anderer Staaten schamlos aus

Israels Regierungen wissen, dass jüdische Menschen in anderen Ländern Identitätskonflikte haben. Deshalb versuchen sie diese Menschen dazu zu bewegen, sich in ihrem eigenen Land für das fremde Land Israel einzusetzen. Sowohl durch Mittler, die konservativen jüdischen Organisationen, die siehe Faktor 2 seit dem Holocaust in der Tendenz die Ansicht vertreten, dass “ihre” jüdischen Mitmenschen in “ihrem” Land nie wirklich sicher sein können; Oder aber direkt, wenn jüdischen Menschen aus aller Welt bei Besuchen in Israel die tatsächlichen oder angeblichen Vorzüge des Landes präsentiert werden.

Faktor 5 - Die jüdischen und christlichen Unterstützer Israels sind vom Status her in der Lage, die Politik ihres Landes zu beeinflussen

Dieser Faktor ist so allgemein formuliert wie die anderen, allerdings lässt er sich bislang nur in den USA beobachten.

Die Behauptung der konservativen jüdischen Organisationen, ihre jüdischen Mitmenschen würden niemals wirklich angenommen werden in westlichen Staaten, wird hier Lügen gestraft: Die in den USA lebenden Juden sind fester Bestandteil des dortigen Establishments, und gehören als Gruppe zur erfolgreichsten Minderheitengruppierung der USA.

Dadurch haben natürlich jene unter ihnen, die sich den Rufen aus Israel nach Loyalität und Lobbyarbeit hingeben, ein relativ hohes Gewicht. Die Israellobby wäre nichts ohne die diversen superreichen Unterstützer. Und bei jüdischen Menschen ist es nunmal nicht anders wie bei nicht-jüdischen: Die, die das meisten Geld haben, sind meistens auch die Rücksichtslosesten.

Faktor 6 - Westliche Eliten haben ein strategisches Eigeninteresse an einem möglichst brutal-militärischen Israel - westliche Bürger nicht

Wenn es um die Israellobby und westliche Nahostpolitik geht, dann reden die Rechtfertiger gerne davon, dass westliche Staaten nunmal ein handfestes strategisches Interesse an Israel hätten. Und natürlich stimmt das, wenn man es auf die Eliten und den breiteren Militärisch-Industriellen Komplex bezieht. Dieser Kreis nämlich profitiert von einem möglichst brutal-militaristisch auftretenden Israel auf vielfache Weise: Es lenkt Kritik vom eigenen Vorgehen ab, ständiger Zwist mit seinen Nachbarn sorgt für häufige Anlässe zum Krieg, überhaupt wäre die halbe “Sicherheits”-Industrie arbeitslos, wenn Israel mit seinem Verhalten nicht für steten Zulauf islamistischer Extremisten sorgen würde.

Für den gewöhnlichen Bürger jedoch ist Israel eine moralische und materielle Last. Deshalb ist es im Interesse einer jeglichen westlichen Nation, wenn man ihr Interesse als Bürgerinteresse und nicht als Eliteninteresse definiert, die bedingungslose Unterstützung für Israel zu beenden und Israel wie ein normales Land zu behandeln.

Anmerkung: Ich habe mir viel Mühe gegeben, diese Artikelserie zu schreiben. Ich werde keinen Kommentatoren dulden, der versucht, diese Mühe mit offensichtlicher Provokation zunichte zu machen. Für diese Artikelserie werde ich nach meinem eigenen Ermessen entscheiden, welcher Kommentar veröffentlicht wird und welcher nicht. Das ist kein Schuss gegen die vielen engagierten und ehrlichen Kommentatoren, sondern eine Reaktion auf die Gewissheit, dass bei diesem Thema Provokateure aus mehreren Lagern auftauchen.

Henry Edward J.
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 8. Mai 2008 von Henry Edward J. geschrieben und in die Kategorie Gesellschaft eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Spocht am 8. Mai um 17:51 Uhr

Henry Edward J. schreibt:

„… So erzählen jüdische Organisationen, wie der Zentralrat ihren jüdischen Mitmenschen, dass diese ohne die Organisationen aufgeschmissen wären: Wenn ihr uns nicht dabei unterstützt und dafür bezahlt, dass wir laut und übersensibel die Politik in euren jeweiligen Ländern kommentieren, dann werden euch die Judenhasser wieder holen…”

So ist es - und das schon ist die ganze Krux der Juden der heutigen Zeit.

Sie dulden Vordenker, anstatt selber zu denken. Religiös in ihrer Gottessuche bzw. -findung eigenständig verantwortlich und tätig.

Daß Institutionen, wie u.a. der bekannte Zentralrat sich als politischer Arm vorwiegend zionistischer, nicht etwa rein religiöser jüdisch-religiöser, Themen selber begreift, sollte eigentlich jeder wissen.

Niemand, selbst Arafat nicht, hatte etwas gegen religiöse Juden, die sich in seinem Palästina seiner Macht bzw. seinem Staat ein- und unterordneten. Es gab dafür sogar einen palästinensischen Beauftragten bei der PLO.

Das Problem ist nicht das religiöse Judentum und seine ungestörte Religionsausübung, sondern das Benutzen ebendesselben für andere, meist nicht-religiöse Zwecke. Solange das nicht in breiteren Kreisen erkannt wird, solange werden die politischen Probleme weiter gen Himmel dampfen, ganz sicher.

Aber - religiöse Juden haben eben auch keine mächtige und finanzstarke Lobby, sich von den sie aus Tarnungsgründen umklammernden Interessenvertretern weltlicher Art zu befreien!

Sollte diese Fallunterscheidung den Sachverhalt verdeutlichen helfen, wäre man bereits der Problemlösung einen entscheidenden Schritt weiter. Ansonsten - wird weiter getarnt verbal auf die Pauke gehauen, militärisch-industriell vertrieben (Waffen verhökert) und Kollateralschaden Tag für Tag in den Nachrichten unterzubringen sein, mal unauffällig, mal radikal - wie es so anfällt.

Für die Richtigkeit
Der Spocht

Kommentar von Reinhard am 9. Mai um 03:40 Uhr

Hmm… Ein ganzer Tag ist vergangen und ein einziger Kommentar bisher. Ich möchte fast glauben, der (lähmende) Einfluss der Israellobby reicht bis in die Köpfe der Politblog-Leser. Nun, vielleicht warten die meisten zunächst auf den 2. Teil ;)

“Auserwähltes Volk” und “Gelobtes Land” sind für mich Metaphern und keineswegs anwendbar auf die Juden, einerseits, und auf das Land Israel, andererseits. Aber falsch verstandene - oder absichtlich falsch gedeutete - Metaphern mussten schon so oft herhalten, um niederen Interessen eine Pseudolegitimation zu verleihen.

Von Gott ist NIEMAND vor anderen auserwählt. Viele (= alle) sind (ein)geladen. Also hat Gott bereits auserwählt, und zwar ALLE. Die Wahl, diese Einladung anzunehmen oder in den Wind zu schlagen, obliegt jedem einzelnen Menschen. Wer oder was ist nun das auserwählte Volk? Bei einer “Volkszählung” würden wahrscheinlich zehn Finger ausreichen - und vielleicht wäre gar ein Jude darunter.

Kommentar von Dr.Kimble am 9. Mai um 09:57 Uhr

Die “Manifest Destiny” spielt sehr wohl eine große Rolle.
Für die Mehrheit der weltlich geprägten Bevölkerung in der “westlichen Zivilisation” (eigentlich mehr Europas) erscheint diese Vorstellung als Unsinn oder eben Metapher.

Gerade hier ergibt sich eine Verbindung zu der Evanglikalen-Bewegung (widergeborene Christen) in den USA, der ja auch George W. angehört.

Aus dem immer noch bestehenden Trauma der Erorberung Jerusalems durch die Muslime ( auch gern als Beelzebub oder islamischen Dämon bezeichnet) ergibt sich die heutige Mission, Jerusalem und das heilige Land, für die Ankunft des Messias vorzubereiten und “Juden” dabei zu helfen, das Land in ihren Besitz zu bringen bzw. eher vom Dämon zu befreien.

Es klingt in unseren “europäisch-säkularen” Ohren sehr nach Phantasterei, aber Einfluss & Macht dieser Bewegung reichen bis Ronald Reagan zurück, der sich der Wiedergeborenen Christen -Bewegung (Evanglikalen) als Eintrittskarte ins Weiße Haus bediente.
Das gleiche galt auch für George W. , obwohl er ja auch auf Nummer sicher gegangen ist ;).

Und da war auch noch Ariel Scharon der sich mit Unterstützung der ultrarechten Siedlerbewegung 2001 ins Premierministeramt hiefte. Ja, das sind diese Siedler, die sich immer so kleiden “wie vor 500 Jahren” (auf jeden Fall nicht weltlich!).
Man erinnere sich nur an seinen Amtsantrittsbesuch bei den Siedlern, als eine ihn anschrie:”Arik, wir haben dich als Feldherren gewählt und nicht als Politiker!”.

Bei dem Begriff “Auserwähltes Volk”, Manifest Destiny will ich mal auf 3 Aspekte hinweisen.

1. Das dieser Glauben und das daraus abgeleitete Vorrecht von gerade den Kräften massiv ausgenutzt wird, die ganz weltliche Ziele verfolgen, und umgekehrt - sie nutzen sich gegenseitig.
Beispiel:
Der Staat Israel “lockt” Neueinwanderer, aber auch alt-eingesessene Bürger Israels mit enormen Geldgeschenken in die Besetzten Gebiete (Z.B. Gewährter Kredit verfällt nach 10 Jahren “Siedlungsdauer”).

2. Die enorme Brutalität mit der gegen die Palästinenser seit über 60 Jahren vorgangen wird. Wie leichtfertig sie getötet werden, wirft gerade zu das Bild auf, dass es sich um Menschen niedrigen Wertes, aus Sicht der Agressoren, handelt. Dabei ist es egal, ob es sich um christliche oder muslimische Palästinenser handelt (der Unterschied ist eigentlich nur, dass die christlichen fast alle geflohen sind. Waren ja auch weniger)

3. Dass der jüdische Glaube ein auserwähltes Volk zu sein, laut Islamischen Glauben auf einer Fehlinterpretation der (oder sogar bewusst gefälschten) Torah basiert, da der Koran explizit auf diesen Irrglauben hinweist.

Viele Behauptungen die ich hier aufgestellt habe, habe ich dem schockierenden Film “Occupation 101″ entnommen, der u.a. die israelische Siedlungspolitik als systematische, ethnische Säuberung entlarvt, welche keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen macht. Das ist ein MUST SEE!

Und momentan feiert die “Internationale Gemeinschaft” mit Israel das 60 Jährige bestehen (überleben) des selbigen. Es ist einfach unglaublich!

Dank & Kompliment @ Henry für Deinen Artikel.

Gruß

Kommentar von Joerg Sutter am 9. Mai um 10:37 Uhr

Ein Grund, warum hier nicht mehr viel gepostet wird, ist die massive Zensur gegen jeden, der es wagt, in Deutschland Israel zu kritisieren. In der WELT jagt Alan Posener “Antisemiten” und die Postings werden gelöscht. Der SPIEGEL hat sein Israel-Thread gleich ganz entfernt, damit niemand auf die Idee kommt, Henry Broder zu antworten. Aber auch SZ und FAZ lassen nichts mehr durch, so etwa gestern diesen Beitrag:

08.05.2008 08:30:06
Jörg Sutter:
Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.

Posting an SZ, 8.5.2008

Jörg Sutter: Deutschland “ein Freund” Israels?
Primor betont, Deutschland sei “ein Freund” Israels. Da Deutschland ja in keiner Weise an der Lösung des Palästinenserkonfliktes beteiligt ist, bedeutet das: Deutschland gilt als “Freund”, da es Sippenhaft, Enteignung, Mauerbau und 9000 politische Gefangene nicht reklamiert, sondern dazu schweigt.
Alan Posener hat allen Ernstes in der WELT und in IP geschrieben, daß Deutschland und Israel die gleichen Werte teilen würden:
http://debatte.welt.de/weblogs.....sraellobby
User, die nicht dieser Auffassung sind, werden von ihm als “Antisemiten” denunziert und ihre Beiträge gelöscht. Ebenso ergeht es Usern, die in SPIEGEL-Online posten wollen, wo der Thread gleich ganz gesperrt wurde.
Eine kritische Israel-Diskussion findet nur noch in privaten Blogs wie
http://www.spiegelfechter.com, http://www.politblog.net und in http://schweigenzuisrael.blogger.de statt, wo z.B. eine Steinigung palästinensischer Jugendlicher durch israelische Soldaten recherchiert wurde - kein Wunder, alle Medien haben Angst, durch kritische Berichterstattung selbst bedroht zu werden, etwa durch den “Zentralrat der Juden” oder eben Journalisten in der WELT.
Mabn gar nicht genug betonen, das zumindest ein Wert in Deutschland auch etwas gilt: Die Meinungs- und Diskussionsfreiheit.
Und über Werte kann und soll man verschiedener Meinung sein dürfen.
Bitte liebe SZ-Redaktion , halten Sie diese Werte hoch!

Link zum Thread:
http://www.sueddeutsche.de/aus.....59/171753/

Insbesondere wird gelöscht, wenn die Links zu
http.//www.politblog.net
http://www.spiegelfechter.com
http://schweigenzuisrael.blogger.de

erscheinen. Es soll damit auch verhindert werden, daß die Zensur berichtet wird. Die Frage ist, ob Politblog und Spiegelfechter sich das gefallen lassen, und ob - jenseits von Israel - die Zensur in Deutschland eigentlich das viel größere Problem darstellt.

Kommentar von Henry Edward J. am 9. Mai um 14:05 Uhr

An alle Leser:

Zusätzlich zu den Hinweisen am Ende des Artikels: Wenn ich gerade keine Zeit habe, ein Auge auf die Kommentare zu haben, dann bleiben alle neuen Kommentare zunächst nicht freigeschaltet, bis ich wieder Zeit habe.

Leider ist diese Maßnahme unumgänglich, weil hier schon wieder die ersten hetzerischen Kommentare ankamen, die ich dann manuell zurücknehmen musste.

-HEJ

Kommentar von Dr.Kimble am 9. Mai um 16:20 Uhr

Ahoi,
hier bin ich noch mal mit meinem Film-Tipp. Hatte vergessen zu erwähnen, dass es sich um einen Dokumentarfilm handelt und witzigerweise passt der Kommentar von Jörg Sutter auch noch dazu.

@ Jörg Sutter:
Also, mit dem “Steinigen der palästinensischen Jugendlichen” ist in Wirklichkeit das Knochenbrechen mit großen Steinen (macht’s auch nicht besser) gemeint.
Die You-Tube Szene ist aus “Occupation 101″ herausgeschnitten.

http://www.occupation101.com/
(oder You-Tube)

Desweiteren ist “Death in Gaza” von & mit James Miller SEHR EMPFEHLENSWERT.

Der Kameramann und Regiesseur wird am Ende des Films von Israelischen Soldaten erschossen, obwohl er und seine Kollegen eine weiße Flagge in der Hand haben und rufen, dass sie britische Journalisten sind. Ist ein Dokumentarfilm. Sein Mord hatte einen “kleinen Skandal” ausgelöst, den Israel momentan mit der Zahlung von 3.5 Mio. $ an seine Frau zu “beenden” versucht.

Schweigegeld:
http://www.timesonline.co.uk/t.....797726.ece

Film:
http://www.hbo.com/docs/progra.....index.html
(oder Youtube)

Schade, dass so viel nicht in’s Deutsche übersetzt wird. Momentan schwappt eine ganze Welle von schockierenden Enthüllungsdokumentarfilmen durchs Netz.
Ihr erlaubt mir ein kurzes Abschweifen vom eigentlichen Thema:

Afghanistan und Folter der USA:
“Taxi To The Darkside”

Seite ist momentan down -> Youtube

Wer macht die Anschläge im Irak und warum es dort keine Al-Qaida gibt:
“Meeting Resistance”

http://www.meetingresistance.com/
(oder: Ihr wisst schon)

Von 3 Soldaten selbstgefilmter, zusammengeschnittener Irak-Einsatz:

The War-Tapes

http://thewartapes.com/trailer/
(oder …)

Wer noch Freunde, Bekannte, Kollegen & Familie überzeugen will: Diese Filme machen, jeder allein, sprachlos.
Ihr merkt, ich bin immer noch ergriffen :)

Gruß

Kommentar von mein-parteibuch.com » 60 Jahre Israel am 9. Mai um 23:12 Uhr

[…] Es muss ja nichtmal eine derart tiefgreifende Geschichte wie die Frage danach sein, “warum die Israellobby so erfolgreich ist” und “warum die Israellobby schwächer werden […]

Kommentar von Philip Weiss - Warum die Israellobby so erfolgreich ist « Ansar News am 10. Mai um 00:03 Uhr

[…] Lesen Teil 1 […]

Kommentar von Joerg Sutter am 10. Mai um 06:04 Uhr

@Dr. Kimble: Danke für den Tipp. Ich werde dies an Emile Zola von http://schweigenzuisrael.blogger.de weitergeben, der damals meinem Hinweis gefolgt ist und eben dieses YouTube Video ausfindig machte.
Übrigens darf der Link zu diesem Video natürlich nicht in der WELT gepostet werden, wenn dort die “westliche Wertegemeinschaft” mit Israel deklariert wird, denn Knochenbrechen mit großen Steinen ist natürlich selbst für Leute wie Alan Posener und Henryk Broder unerträglich, ebenso wie die stets gelöschte “SHIT-LIST” auf der zionistischen Hetzseite Masad 2000:
http://www.masada2000.org/shit-list.html
Dort werden ein paar tausend Juden an den Pranger gestellt, mit Foto und E-Mail Adressen, darunter Uri Avnery, Daniel Barenboim und sogar Woody Allen, aber auch die Chemikerin Victoria Buch, die in die Schweiz fliehen mußte.
So eine Webseite würde in Deutschland sofort zur Anklage gebracht, weil sie ja im höchsten Maße antisemitisch ist, also zur Verfolgung von Juden auffordert.
Da es aber “nur” Juden sind, die für Frieden in Nahost eintreten, nimmt daran niemand Anstoß. Anders gesagt: Ihre Verfolgung ist erwünscht und legal, da dies ja der Sicherheit Israels und dem Erhalt der “westlichen Wertegemeinschaft” dient.
Ich kann nur empfehlen, diese aus den USA stammende Webseite (California) mal zu besuchen (http://www.masada2000.org), wenn man das Thema Israel-Lobby behandelt.

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