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Carter vermittelt

Jimmy Carter dürfte bis heute der US-Präsident sein, der am nachhaltigsten für Frieden in Nahost gearbeitet hat. Er ist zu einem guten Teil verantwortlich für den bedeutsamen Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten. Damit stellte der wohl (militärisch) mächtigste Nachbar keine Gefahr mehr für Israel dar.

Religiöse wie geostrategische Expansionisten in Israel, die immer noch mehr Land wollen und die keine Anstalten machen, sich auf die einzig völkerrechtlich legitimen israelisch-palästinensischen Grenzen - der “grünen Linie” von vor 1967 zurückzuziehen, haben an nachhaltigem Frieden naturgemäß kein Interesse.

Und so verwunderte es nicht, dass Carters mutiger Vorstoß im letzten Jahr, die Veröffentlichung seines Buches “Palestine: Peace Not Apartheid” von Israel und Israellobby diffamiert und von manchen auf eine Stufe mit Hitlers “Mein Kampf” gestellt wurde.

Auch das diesjährige Engagement Carters für nachhaltigen Frieden, ein Treffen mit Hamas-Vertretern in Syrien, wurde von den Israel-Firstern in den USA angegriffen. Die Kongressabgeordnete Sue Myrick, die natürlich im Säckel von AIPAC steckt, forderte gar die Rücknahme der amerikanischen Staatsangehörigkeit Carters.

Der Besuch des Ex-Präsidenten hat jedoch wie auch schon sein Buch letztes Jahr produktive Früchte getragen: So verkündete er das Ergebnis des Treffens und kritisierte dabei auch die Kriegstreiber aus Washington und Tel Aviv:


“‘Das Problem besteht nicht darin, dass ich mich in Syrien mit der Hamas getroffen habe’, begegnete Carter der Kritik. ‘Das Problem besteht darin, dass Israel und die Vereinigten Staaten jemanden nicht treffen wollen, der einbezogen werden muss.’

(…) Die Hamas ist nach Angaben des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter bereit, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Carter erklärte in Jerusalem, die Hamas werde die Bemühungen des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas um ein Friedensabkommen mit Israel nicht torpedieren.

Die Hamas werde einen palästinensischen Staat im Westjordanland und dem Gazastreifen akzeptieren. Die Organisation fordert laut Carter allerdings, das ein von Abbas ausgehandeltes Abkommen dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wird.

‘Dies bedeutet, dass die Hamas die Bemühungen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas um eine Vereinbarung nicht untergraben wird’, sagte Carter in einer Rede weiter. Dies gelte auch für den Fall, dass die Hamas mit Teilen des Vertrages nicht einverstanden sei. ‘Es gibt keinen Zweifel daran, dass sowohl die arabische Welt als auch die Hamas das Recht Israels akzeptieren werden, friedlich in den Grenzen von 1967 zu existieren’, erklärte Carter.”



Und genau das wird das Problem sein: Die israelischen Zionisten wollen nicht “in den Grenzen von 1967 existieren”. Sie wollen alles Land, was ihrer Meinung und der angeblich heiligen Schrift nach zu Eretz Israel gehört, dem angeblichen ehemaligen israelischen Königreich. Und wie schon 1948 sind einige von ihnen bereit, für die heilige Landgewinnung die dummerweise auf eben diesem Land lebenden Araber zur Not zu ermorden und zu vertreiben. Ob in einer organisierten ethnischen Säuberung wie 1948, oder durch langsames Aushungern und Belagern wie momentan im Gazastreifen. Oder durch stetigen Ausbau der jüdischen Kolonien im Westjordanland, deren “Bewohner” dann - geschützt von der israelischen Armee - Palästinenser und auch deutsche Parlamentsdelegationen terrorisieren.

Der geneigte Beobachter darf also darauf warten, wie die israelische Regierung und/oder das israelische Militär die durch die Vermittlung Carters gereichte Hand der Hamas ablehnen wird. Entweder wird ein israelisches Regierungsmitglied die Grenzen von 1967 mehr oder minder deutlich als nicht akzeptabel für die eigenen Expansionspläne bezeichnen, oder eine mysteriöse Terrorgruppe - die bestimmt nicht vom Mossad gesteuert wird - begeht einen kriegerischen Akt gegen Israel, der das Entgegenkommen der Hamas in den Augen der Welt hinfällig machen wird.

Henry Edward J.
Dieser Eintrag wurde am Montag, den 21. April 2008 von Henry Edward J. geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Nassralla1981 am 24. April um 07:28 Uhr

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