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Halbautomatisches Restaurant in Nürnberg

Aus der Wirtschaftswoche:


“Im „’s Baggers“ ist alles ein wenig anders. An jedem Tisch des Nürnberger Restaurants steht ein Computer mit berührungsempfindlichem Bildschirm, der online mit der Küche verbunden ist.

(…) Das Küchenpersonal lädt Speisen und Getränke im Obergeschoss auf Transportwägelchen, die – wie kleine Achterbahnen – auf stählernen Rundprofilen gleiten.

(…) Das Konzept will Erfinder Michael Mack auch an Lizenznehmer verkaufen.”



Ein Kommentar eines Lesers auf der Seite der Wirtschaftswoche lautet:


“Jawoll, genauso läuft auch die Schweine- Abfütterung in der Massentierhaltung! Fast- Food ist gegen diese Methode eine Hochkultur!”


Hier bei der BBC gibt es auch ein Video über das Bagger’s.

Dieses erste Restaurant seiner Art scheint zwar noch mit guter Küche und lebendigen Köchen zu arbeiten, rationalisiert wird “nur” die Bedienung. Doch mit Sicherheit ist in wenigen Jahren schon ein vollautomatischer McDonald’s möglich - ohne Köche.

Dieses deutsche Restaurant ist ein extremes Beispiel für die Nachfolgerin der möglichst bequemen Dienstleistungsgesellschaft: Die Automatengesellschaft, in der der Mensch nicht mal mehr die Dienste leistet. Schon von der Tendenz zur Dienstleistungsgesellschaft und der Abkehr von Produktionsprozessen halte ich nichts:


“Ist es nicht in der Tat auch ein Zeichen von Verzweiflung, wenn das Geld selbst zu einem Produkt gemacht wird, zu so genannten Finanzderivaten? Kann eine Volkswirtschaft überhaupt überleben, wenn sie die Produktion von Produkten an sich auslagert? Kann die Gesellschaft als Ganzes so etwas wie Wohlstand entwickelt, wenn ein immer größerer Teil der wirtschaftlichen “Nahrungskette” davon abhängig ist, dass sich die besser verdienenden Menschen irgendwelche “Dienste” “leisten”?

“You can’t make a nation rich selling burgers and Wal-Mart stuff”.”



Und wenn die Abschaffung beziehungsweise Auslagerung der produzierenden Arbeitsplätze und das Aufkommen der Dienstleistungen schon so schlecht für eine Volkswirtschaft ist, wie schädlich ist dann erst der nächste Zyklus, in dem die Dienstleistungsjobs ihrerseits verrobotert werden?

Hoffentlich macht dieses Beispiel aus Nürnberg keine Schule.

Henry Edward J.
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 9. April 2008 von Henry Edward J. geschrieben und in die Kategorie Wirtschaft eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von tar am 9. April um 08:53 Uhr

dieses prinzip wird sich auch weiterhin zwangsläufig durchsetzen, denn der kapitalismus erzwingt einsparungen und renditeerhöhungen am laufenden band. außerdem ist das immer noch besser, als mitarbeiter rfid-chips einpflanzen zu lassen.

das prinzip ist also doch nur insofern schlecht, dass die einsparungen durch weniger angestellte nicht auf die noch angestellten bzw. durch viel geringere preise bzw. durch zwangsumverteilung eben nicht der bevölkerung zugute kommen.

natürlich haben auch maschinen laufende kosten, doch nicht in dem umfang wie “human resources” (dieser bwl-ausdruck verdeutlicht schon die ethische perversität, wie man menschen behandeln soll: als mittel zum zweck).

der technische fortschritt nützt also der bevölkerung keinen deut, da man weiterhin “arbeit, arbeit über alles” predigt, obwohl eben genau diese in gewissem umfang nicht mehr benötigt wird und infolge dessen es reine beschäftigungsmaßnahmen gibt, die überhaupt nicht notwendig sind/wären.

und das nur, um die illusionäre ansicht der “arbeit zur selbstbestätigung” und “arbeit zur ernährung der familie” aufrecht zu erhalten, die völlig überholt aus dem 19. jh. stammt. aber irgendwie muss man die masse ja beschäftigt halten, man könnte sonst auf ‘dumme ideen’ kommen.

Kommentar von lordxeen am 9. April um 10:32 Uhr

Ansich ist es ja geradezu aberwitzig:
seit Jahrhunderten strebt der Mensch dahin, möglichst wenig zu arbeiten - gefährliche und schweißtreibende Arbeiten werden von Robotern oder Maschinen übernommen, eintönige Arbeiten (Fließband) auch, letztenendes sogar Dienstleistungen wie Kellnern oder Krankenpflege (Japan entwickelt bereits Pflegeroboter).
Eigentlich müßte der Mensch jetzt glücklich sein, könnte er sich doch ganz auf geistige Entwicklung stürzen und sämtliche Arbeiten von Maschinen übernehmen lassen… nur leider funktioniert es so nicht. Ohne Arbeit ist der Mensch nämlich sowohl finanziell, aber auch sozial völlig unterversorgt und stellt fest, daß er eine Aufgabe - und sei es eine einfache - zum Leben braucht.

Kommentar von wumer am 9. April um 12:11 Uhr

Wenn wirlich alles automatisiert werden würde, wie Nahrungsmittel-Versorgung, Bauwesen etc..; hätte dann nicht das Individuum geistige Freiheit und könnte quasi seinen “Hobbys” nachgehen. Also seine eigene Lebensaufgabe selbst gestalten ?
Oder würde das nur in einem sinnlosen aus Langeweile entstandenen Machtgehabe enden ? Wie es nebenbei gesagt ja schon seit Gedenkengezeit der Fall ist ;)

Kommentar von redlope am 9. April um 12:17 Uhr

Wundern wir uns, dass man uns immer noch mit dem Fetisch “Arbeit” an der Naser herumführt? Obwohl wir zugleich den Traum einer Gesellschaft, die die fremdbestimmte Arbeit deutlich zu reduzieren vermag, weiterträumen dürfen? Andersherum wird ein Schuh draus.
Das “Volk” ist nicht Subjekt der Gesellschaft, was es eigentlich in einer Demokratie sein sollte, sondern Produktionsmittel - ganz genau so wie ein Acker, oder eine Maschine, oder ein Schweinestall. “Human Ressources” - ganz genau. Selten hat sich ein System verbal derart selbst entlarvt.
Ressourcen müssen natürlich maximal und effektiv ausgebeutet werden - nur so ergibt die gesamte neoliberale Politik einen Sinn und all die vermeintlichen Widersprüche, über die wir im Ideal der Demokratie erzogenen Bürgerlein uns wundern, lösen sich auf.
Selbstverständlich wird weiter daran gearbeitet, die Produktionsmittel noch effektiver zu gestalten. Da gibt es auch keinen nennenswerten Unterschied zwischen Maschinen, Acker, Human Ressources und Schweineställen. Und was nicht mehr gebraucht wird, wird entsorgt.

Was uns noch schützt vor der noch radikaleren Umsetzung dieser Ideologie, ist ein Rest an aufklärerischem Humanismus, etwas Religion und die Tatsache, dass ein Minimum an Loyalität das Schmiermittel der humanen Maschinerie ist.
Doch wurde früher die Mitwirkung am System durch Bestechung der Bürger mit mehr Lebensstandart erkauft, so folgt nun eine Phase, in der die Mitwirkung zunehmend durch Erpressung mit der Drohung des Entzuges der Existenzgrundlage erzwungen wird.
Das wird dem System insgesamt aber eher schaden und zeigt sein letztes Aufbäumen vor dem Untergang.

In diesem Zusammenhang sehe ich auch diverse Forschungen auf dem Gebiet der Anthropologie und Hirnforschung sehr kritisch. Es wird alles gegen uns verwendet werden (bzw. zu unserer besseren Aus-Nutzbarkeit).
In diesen Zusammenhang gehören auch RFID und “Lidl”.

Bleibt zum Schluss die Frage: Wer ist wirklich das “Subjekt” dieser Gesellschaft? Es ist wohl eine breite Grauzone zwischen denjenigen, die nur “Mittel” sind und denen, die die Rendite einfahren. Kapitalismus dringt in alle Poren des Gemeinwesens und vergiftet das Soziale Miteinander ganz unerträglich.

Kommentar von tar am 9. April um 12:35 Uhr

@ lordxeen,

Ohne Arbeit ist der Mensch nämlich sowohl finanziell, aber auch sozial völlig unterversorgt

es sollte aufgabe der regierung sein, die gerechte finanzielle umverteilung zu regeln und damit den nutzen des fortschritts der allgemeinheit zugute kommen lassen. anderenfalls verwenden wir einfach freigeld und erreichen dasselbe ziel.

die soziale unterversorgung kann ich nicht nachvollziehen. welche konkret? den umgang mit menschen oder betreuung im ernstfall?

und stellt fest, daß er eine Aufgabe - und sei es eine einfache - zum Leben braucht.

völlig sinnfrei zu wirtschaften, ist allerdings keine brauchbare aufgabe. es ist ja auch nicht so, dass es keine arbeit gäbe. es gibt derer en masse und ich bin mir sicher, nahezu jeder angestellte wüsste besseres mit sich anzufangen, als tagtäglich denselben stupiden trott zu erledigen.

zum beispiel seinen garten pflegen, ein bild malen, ein buch schreiben, mit freunden ein projekt unternehmen, bauen, basteln, zu hause putzen, aufräumen, umgestalten usw. usf.

alles dinge, in denen man sich tatsächlich selbst verwirklicht. und nicht im aldi an der kasse, im callcenter beim lügengespräch, am fließband bei vw, oder oder oder…

also es gibt eine klare unterscheidung zwischen:
- strebender arbeit zur selbstverwirklichung, der man freiwillig nachkommt und
- zwangserwerb zur reinen existenzsicherung, die mittlerweile größtenteils überflüssig geworden ist

Kommentar von Rufus am 9. April um 15:24 Uhr

“Ephraim Kishon jedenfalls berichtet hinterlistig begeistert von einer vollautomatischen Kartoffelmaschine: Sie pflanzt die Kartoffel. Sie bewässert die Kartoffel. Sie erntet die Kartoffel. Sie schält die Kartoffel. Sie wäscht die Kartoffel. Sie kocht die Kartoffel. Und sie isst die Kartoffel.” :-D

Kommentar von OhDaeSu am 9. April um 16:28 Uhr

naja dienstleistung werden nur angenommen, wenn man damit zufrieden ist.
Wenn die Menschen lieber Roboter für Restaurantbedienung, Arztbesuch und Anlageberatung nehmen, dann wird das wohl so kommen.
Sicherlich billiger, aber zunächst auch qualitativ schlechter (was sich noch ändern kann)

Ist natürlich die Frage, wer sich als Konsument menschliche Beratung etc. noch leiten kann…

Und eigendlich ist es in gewissen Bereichen auch sinnvoll. Z.B. an der Kasse, weil welchem Menschen möchte man so eine Arbeit wirklich zumuten???

Kommentar von aviat0r am 9. April um 19:05 Uhr

Tja, schon schlimm, aber was sollen denn die Angestellten in einem japanischen Sushi Restaurant sagen, wo der Koch die Speisen nur auf ein Förderband stellt? Das ist Teil der japanischen Kultur und keiner würde deswegen das Ende der Welt prophezeien. Ich halte auch das hier zitierte Beispiel für einen technischen Gag, der für geraume Zeit ein Einzelstück bleiben wird. Soweit ich einem TV-Bericht entnehmen konnte, hat dieses Gleitschienensystem viele Fehlerquellen und der Eigentümer wird noch fluchen, wenn die Anlage durch Schmutz und Verschleiß mehr Ärger machen wird, als Menüs zu den Tischen zu liefern. Wegen so einem verspielten Nonsens geht das Abendland sicher nicht unter.

Kommentar von grimoire am 9. April um 19:53 Uhr

“Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt.”
(A. Houxley)

http://www.nef-tv.de/kiigo/sponsors/sbaggers.htm

Kommentar von adamis26 am 10. April um 22:28 Uhr

Im Moment kann man wohl über diesen Prototyp noch süffisant lächeln. Weckt diese Idee aber das Interesse eines Milliarden schweren Unternehmerkreises, kann dieses Lächeln in absehbarer Zeit schnell zu einer entsetzten Grimasse verkommen. Die Nachfrage in unserem Land wird doch zu einem hohen Prozentsatz durch ausgefeilte Werbestrategien erzeugt. Nur allzu schnell könnten Restaurants mit menschlicher Bedienung zu exklusiven und sehr teuren kulinarischen Inseln “verkommen”.
Die Begründung, daß man Menschen lässtige Arbeit abnimmt, wird wohl eine der Bevormundungen sein, die dann durch die Medien grasieren. Welche Arbeit menschenunwürdig ist und welche nicht ist aber eine Entscheidung, die vom Individuum selbst getroffen werden muß. Hier darf es keine globale Definition geben!
Die technische Entwicklung gibt uns mehr Auswahlmöglichkeiten. Zumindest sollte dies so sein. Die Realität sieht anders aus. Zwangsarbeit ist in diesem Land längst wieder etabliert. Die Erpressung von Leistung mit dem Druckmittel Lebensunterhalt gang und gebe.
Wir werden an einer Arbeitskulturellen Verarmung nicht vorbeikommen, wenn man nicht jedem Menschen ab seiner Geburt die Existenzberechtigung zusagt und auch meinetwegen mit Hilfe der Technik unterstützt. Die erfundenen Kategorien von bezahlungswürdiger Leistung diskriminieren die Kreativität und die tatsächliche Leistung eines jeden Lebewesens auf diesem Planeten. Der längst überfällige Wandel unserer Zivilisation mit ihren starren und kalten Systematiken kann doch nur erfolgen, wenn der Einzelne die Macht bekommt frei zu entscheiden.

Etwas abgeschweift; Guten Abend

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