"Wir alle wollten so viel"
Mit der ersten Zeltstadt bei Los Angeles und kanadischen Ortschaften, die nicht mehr mit der Menge an Flüchtlingen aus den USA klarkommen, lässt sich die wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten anschaulich beschreiben.
Doch noch sind das Einzelfälle. Viel verbreiteter, und deshalb für die Beurteilung der Lage vielleicht auch relevanter, ist das deutliche Absinken des Lebensstandards zahlloser US-Amerikaner. Die Nation der chronisch Verschuldeten und auf Pump Lebenden beginnt langsam, die kunterbunte Konsumbrille gegen realistischere Gläser auszutauschen. Aus einem Bericht des Boston Globe (Auszüge):
Der Wandel im Lebensstil springt hoffentlich bald auf mehr US-Amerikaner über. Das Bewusstsein dafür, dass ein Leben auf Pump auf Dauer nicht zu führen ist, muss bei den meisten US-Amerikanern erst noch geschärft werden. Das wird jetzt, in den schlechten Zeiten, hoffentlich geschehen.
Ein weiterer positiver Effekt der Umstände lässt sich aus den Einzelbeispielen herauslesen: Die Menschen finden wieder zueinander. Weg von anonymer Dienstleisungsgesellschaft zurück zu Nachbarschaftssolidarität. Sich gegenseitig helfen, sich austauschen.
Das brauchen wir jetzt.
Denn etwas kommt nach diesen Zeiten. Etwas kommt nach diesem Kollaps. Und wenn die Bürger für dieses Danach wieder ein Gefühl entwickeln, zusammenzugehören und gemeinsame Interessen zu haben, dann kann das nur nützen. Es gibt nämlich einiges zu tun: Die eigenen Bedürfnisse zurückzufahren sollte nur eine Maßnahme sein, um die eigene Existenz zu sichern. Wenn die Lage so stabilisiert ist, sollten wir uns den Politikern zuwenden: Sie haben mit ihren illegalen Angriffskriegen im Irak und in Afghanistan entscheidend zu unserer insgesamt desolaten finanziellen Lage beigetragen. Sie haben gelogen, um die Kriege zu beginnen, gelogen um die fortzuführen, und sie werden nicht aufhören zu lügen bis wir sie daran erinnern, dass keine Verfassung sie dazu berechtigt hat. Und wir unser Geld zurückhaben wollen.
Henry Edward J.
Doch noch sind das Einzelfälle. Viel verbreiteter, und deshalb für die Beurteilung der Lage vielleicht auch relevanter, ist das deutliche Absinken des Lebensstandards zahlloser US-Amerikaner. Die Nation der chronisch Verschuldeten und auf Pump Lebenden beginnt langsam, die kunterbunte Konsumbrille gegen realistischere Gläser auszutauschen. Aus einem Bericht des Boston Globe (Auszüge):
“‘Wir haben einen Zustand erreicht, in dem wir einfach zu viel haben. Deshalb ist es auf vielerlei Art gut für uns, mal darüber nachzudenken: Brauche ich wirklich diese schicken Turnschuhe? Brauche ich wirklich einen Flachbildfernseher?’ meint die 52-jährige Margaret Isham, eine Künstlerin und Autorin aus Providence. ‘Wir alle wollten so viel: Den besten Champagner und Designerklamotten und die neuesten Computer. Ich war da nicht anders’.
‘Ich lebe jetzt im Überlebens-Modus’ sagt Kathleen Carter, verheiratet und Mitter zweiter Kinder. Sie arbeitet ab und zu als Sängerin und lebt in Kennebunk, Maine. ‘Ich frage: Wie viel brauchen wir wirklich?’
Es ist die Frage, die in ganz New England gestellt wird. Hier haben Ängste vor der wirtschaftlichen Entwicklung viele Bürger dazu gebracht, jeden Cent zweimal umzudrehen und ihre Lebensstile der neuen Situation anzupassen.
Sie bringen selbst geschmierte Brote zum Essen in die Arbeit. Sie verzichten aufs Essengehen in Restaurants und essen stattdessen gemeinsam mit Nachbarn. Sie hängen Bettlaken und Handtücher auf die Leine, anstatt sie in den Trockner zu legen. Sie flicken Klamotten lieber, als neue zu kaufen. Sie kaufen Lebensmittel in billigen Großpackungen im Discounter. Bücher und CDs kaufen sie gebraucht, oder leihen sie in der Bücherei. Sie beschränken ihr Pay-TV auf das Basispaket. Sie kaufen weniger Geschenke. Lieber behalten sie das alte Auto, als sich einen Neuwagen zu kaufen, wenn sie nicht gleich auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.
Eine neue Umfrage von USA Today/Gallup hat ergeben, dass 42% der Teilnehmer die Wirtschaftslage für schwach hielten. 55% der Teilnehmer gaben an, ‘jemand der ihnen nahe steht’ habe seinen Arbeitsplatz verloren, Insolvenz angemeldet oder das Haus an die Bank zurückgeben müssen.”
Der Wandel im Lebensstil springt hoffentlich bald auf mehr US-Amerikaner über. Das Bewusstsein dafür, dass ein Leben auf Pump auf Dauer nicht zu führen ist, muss bei den meisten US-Amerikanern erst noch geschärft werden. Das wird jetzt, in den schlechten Zeiten, hoffentlich geschehen.
Ein weiterer positiver Effekt der Umstände lässt sich aus den Einzelbeispielen herauslesen: Die Menschen finden wieder zueinander. Weg von anonymer Dienstleisungsgesellschaft zurück zu Nachbarschaftssolidarität. Sich gegenseitig helfen, sich austauschen.
Das brauchen wir jetzt.
Denn etwas kommt nach diesen Zeiten. Etwas kommt nach diesem Kollaps. Und wenn die Bürger für dieses Danach wieder ein Gefühl entwickeln, zusammenzugehören und gemeinsame Interessen zu haben, dann kann das nur nützen. Es gibt nämlich einiges zu tun: Die eigenen Bedürfnisse zurückzufahren sollte nur eine Maßnahme sein, um die eigene Existenz zu sichern. Wenn die Lage so stabilisiert ist, sollten wir uns den Politikern zuwenden: Sie haben mit ihren illegalen Angriffskriegen im Irak und in Afghanistan entscheidend zu unserer insgesamt desolaten finanziellen Lage beigetragen. Sie haben gelogen, um die Kriege zu beginnen, gelogen um die fortzuführen, und sie werden nicht aufhören zu lügen bis wir sie daran erinnern, dass keine Verfassung sie dazu berechtigt hat. Und wir unser Geld zurückhaben wollen.
Henry Edward J.
Kommentar von Reinhard am 26. März um 08:21 Uhr
Wieso brauchen wir das nur jetzt? Das brauchen wir IMMER! Wenn’s den Menschen schlecht geht, dann besinnen sie sich auf gegenseitige Hilfe und sollten eigentlich feststellen, dass sie allein es ist, die hervorragend funktioniert. Dann geht’s aber irgendwann wieder besser und die gegenseitige Hilfe scheint nicht mehr nötig zu sein. Nach und nach driftet man dann wieder in Eigenbrödelei ab - und die beschert dann erneut Schwierigkeiten. Irgendwie komisch, dass man das bewährteste aller Erfolgsrezepte, nämlich Gegenseitigkeitshilfe, nur als Rettungs-, nicht aber als Vorbeugungsmaßnahme oder als die bestmögliche Lebensweise überhaupt ansieht.
Kommentar von tar am 26. März um 08:29 Uhr
nicht nur da. das kapitalistische finanzsystem bedingt die verschuldung, siehe verschuldungszwang. denn jeglichem guthaben steht eine schuld gegenüber.
wieso die eigenen bedürfnisse zurückfahren? wieso werden sogenannte promis und neu-/altreiche bspw. im fernsehen so hochstilisiert und es nicht angeprangert, auf wessen kosten dieser reichtum beruht? nein, nichts zurückfahren.
im gegenteil: anderes geld verwenden, sich alles gönnen und dieses perfide system damit nicht mehr unterstützen.
Kommentar von Rheinbogen am 26. März um 10:46 Uhr
@ tar:
Das ist m.E. falsch. Henry hat Recht: Die Bedürfnisse zurückfahren. Niemand braucht den ganzen Mist, den wir (und mehr als alle anderen die Amerikaner) uns (bzw. sich) leisten. Noch ein Auto (Drittwagen), tonnenweise Plastikspielzeug für die Kleinen, einen Formel1-verdächtigen Boliden zum Rasenmähen usw. usw., und alles wird weggeworfen, wenn es nicht mehr nagelneu ist oder wenn es ein neueres Modell auf dem Markt gibt. Das alles nur, weil tagein-tagaus die Werbung uns vorgaukelt, dass wir das alles brauchen. Ich war wirklich oft genug in den USA, um zu wissen, wie weit man es dort getrieben hat, und es ist weiß Gott nicht verwunderlich, dass die Leute dort auch in ihrer Verdummung am meisten fortgeschritten sind - natürlich immer im Schnitt gesehen und auf die große Masse bezogen, ich weiß sehr wohl auch, dass es dort viele gibt, die das längst durchschaut haben. Aber die Erziehung der Amerikaner zu reinen Konsumfetischisten wird eben nicht nur in den medien betrieben, sondern auch in der Schule und - nicht zu unterschätzen - mit Hilfe der Unterhaltungsindustrie. Was macht der normale Amerikaner in seiner Freizeit? Shoppen und Unterhaltungsmedien reinziehen. Sonst praktisch nichts. Schau mal, wie sich auch bei uns in den letzten Jahren die Vermarktung von Filmen, besonders solchen, die angeblich auch für Kinder geeignet sind (hier vor allem die ganzen Animationsstreifen), verändert hat. Jetzt gibt es immer große Kampagnen z.B. bei McDonald’s mit unsäglich doofem Spielzeug, passend zum jeweiligen Film, und engültig wird es dir klar, wenn du mal bei Nick oder SuperRTL reinschaust. Natürlich macht die Unterhaltungsindustrie auch die Promis. Die fallen ja nicht vom Himmel.
Ich behaupte: Wir brauchen das alles nicht, weder mit Krediten, noch mit “anderem” Geld. Verdienen tun so oder so die Produzenten von dem Mist, die das alles in China herstellen lassen. Was wir brauchen, ist eine andere Qualität. Eine kinderfreundliche Gesellschaft z.B. Eine andere Form von Bildung. Und vieles mehr. In einer solchen Gesellschaft wären Promis völlig belanglos. Es gäbe sie gar nicht mehr.
Übrigens: In dem anderen Artikel über die Zeltcamps sieht man auf dem Bild, dass dort eine US-Flagge weht. Für mich bezeichnend. Selbst die Zeltstadtbewohner halten ihr Land noch immer für das beste. Die Indoktrination kriegt man nicht so leicht aus den Köpfen.
Kommentar von Henry Edward J. am 26. März um 11:05 Uhr
Ich danke euch allen für eure Anmerkungen.
@tar:
Die eigenen Bedürfnisse MUSS man zunächst runterfahren, um nicht unter die Räder zu kommen. Um weiterhin “gesund” zu sein und die Kapazitäten dafür zu haben, eine starke Bürgerschaft zu bilden. Und diese sollte dann im nächsten Schritt dafür sorgen, dass wir in Zukunft unsere Bedürfnisse wieder in Maßen (!) hochfahren können, weil das Geld nicht für illegale Angriffskriege und die Aufrechterhaltung der gigantischen Militärstruktur ausgegeben wird.
Und zu den Promis: Wenn Leute dumm genug sind, die Quoten für Promisendungen hochzufahren und so die Promis reich machen, dann ist das nicht die Schuld der Promis. Deren Reichtum geht vielleicht auf Kosten Anderer, aber diese anderen werden nicht gezwungen. Also nicht die Promis anfahren, sondern bei der Bildung und Selbstdisziplin der “Anderen” ansetzen.
@Rheinbogen:
Zustimmung was Konsum angeht. Nur eine Anmerkung zur Flagge: Du weißt doch genau genommen gar nicht was diese spezielle Mensch auf dem Zeltplatz mit seiner Flagge ausdrücken will. Vielleicht will er damit symbolisieren, dass er zur Verfassung steht und die verfassungsfeindliche FED, die zum Großteil an seiner finanziellen Situation schuld ist, ablehnt. Vielleicht was anderes.
Ich würde einfach nicht so schnell einen Flaggenaufsteller verurteilen, ohne seine Gründe zu hören.
Kommentar von Rheinbogen am 26. März um 11:14 Uhr
@ Henry:
Du hast natürlich Recht. Nur - ich habe da so meine Erfahrungen….
Aber dennoch sollte man wohl immer erstmal vom Positiven ausgehen.
Kommentar von Henry Edward J. am 26. März um 11:19 Uhr
@Rheinbogen:
Deine Erfahrungen decken sich dahingehend mit meinen und vielen anderen Besuchern der USA. Ich sehe halt auf der anderen Seite so viele engagierte Menschen, die sich eben als Patrioten definieren. Deren Potenzial will ich nicht durch allzu kritisches Flaggen-Beäugen aushebeln. Aber behalt dir deinen kritischen Blick auf dieses Phänomen, oftmals ist er ja auch angebracht.
Kommentar von tar am 26. März um 18:32 Uhr
@ rheinbogen,
wir haben uns missverstanden. natürlich brauchen wir nicht das neueste handy, den neuesten klingelton, die markenklamotten, das protzigste auto usw. usf. eben halt alles, wozu die konsumgesellschaft geformt wurde
mir ging es um die bedürfnisse, die wir laut henry herunterschrauben sollten. das sehe ich nicht ein. ich möchte weiterhin mein brötchen am morgen, mein bier am abend und eine warme stube. das klingt mir so nach ‘gürtel enger schnallen’ und wieso sollte ich da wieder zurückstecken? nur weil das kapitalistische system mehr aus der allgemeinheit herauspresst? da spalte ich mich doch liebend gern davon ab.
und genau da kommen wir auch dazu:
@ henry
die mehrheit des volkes wollte keinen krieg und diesen führen wir auch nur als vasall von usrael, denn außer einigen rüstungs- und den bekannten ölfirmen dürfte niemand was vom krieg haben.
die promis sind nicht reich, weil menschen da eine promisendung schauen, sondern weil sie es durch irgendein bestimmtes marketing verstanden haben, größere vermögen so umzuverteilen, dass es bei ihnen landete. sei es durch ein paar teenager-gaga-hits (bohlen), modevermarktung (hilton), erbe (hilton) oder personenkult (schauspieler).
nun ist das noch nicht der grund meiner wut, sondern dass diese leute nun ohne weiteres zutun, nur weil sie die magische zinsgrenze des vermögens überschritten haben, die allgemeinheit auspressen und uns vorgeführt wird, wie sie ihr neureiches leben gestalten und was für tolle villen, yachten und andere spinneren sich diese leute leisten können.
welchen zweck verfolgen derlei sendungen denn genau? neiderzeugung? die subtile botschaft: “jeder kanns schaffen - auch du!”? oder einfach nur ablenkung zur huldigung des schnöden mammons?
haben denn diese personen für ihre zigmillionen auch zigtausend mal mehr dafür gearbeitet? das ist so eine wesentliche frage, denn im endeffekt fehlt das geld, was diese menschen mehr haben, an anderer stelle.
aber, wenn man das system einmal durchschaut hat, spielt selbst das keine rolle, denn jeder cent, der irgendwo in irgendeiner brieftasche herumdümpelt, fehlt jemand anderem auf der welt. jedes guthaben stellt gleichzeitig die schuld jemand anderes dar und da kann man sich doch mal ausmalen, wieviel tausend verschuldete menschen auf einen ‘promi’ kommen.
genausowenig werden wir auch nicht gezwungen, deren produkte zu erwerben. das erinnert mich an ein zitat, weiß nicht mehr von wem, indem sinngemäß steht “wir haben die macht. wir können umschalten oder die zeitung nicht kaufen, wenn sie uns nicht gefällt.” das mag zwar so stimmen, aber ist nicht zuende gedacht.
mittlerweile bestimmen 4 konzerne über alle privatsender in deutschland. es dürften hier 2 konzerne sein, die über nahezu alle printmedien verfügen. es gibt weltweit wahrscheinlich nichtmal 10 nachrichtenagenturen, woher alle anderen medien ihre nachrichten beziehen. schlimmer schaut es wohl nur noch bei der energieversorgung (da ganz besonders die ölbranche) und den lebensmittelherstellern (nestle) aus apropos monopol: es gibt in ganz europa genau 1 zentralbank. in den usa dasselbe. die unabhängigkeit der ersteren wurde erst vor kurzem vom merkel hochgelobt
Kommentar von Gangarth am 26. März um 18:51 Uhr
Ich bin der Meinung, dass wir auf sehr viel Konsum verzichten können. Wenn man einmal nicht viel Geld zur Verfügung hat merkt man das sehr schnell.
Das Problem ist halt, dass wir zu nicht nachdenkenden Konsumenten herangezogen werden und das beginnt schon im Kindesalter. Wir werden zwar nicht direkt gezwungen, aber im Unterbewusstsein vieler schon. Am besten also Fernseher aus. Auch ich habe früher leider anders gedacht, bin aber schon froh, dass ich davon einigermaßen los bin.
Wie es in den USA aussieht kann ich nicht sagen, werde dieses Land auch niemals besuchen.
Kommentar von Rheinbogen am 26. März um 19:16 Uhr
Na ja, so wie es tar jetzt klarstellt, kann ich es schon unterschreiben. Natürlich gibt es momentan keinen Anlass, wieder zu leben wie im Mittelalter oder gar in der Steinzeit. Das meinte aber auch Henry sicher nicht. Es geht darum, dass wir wieder von der Maßlosigkeit herunterkommen und erkennen, dass es im Leben wichtigeres gibt als Luxus und Wohlstand. Jeder soll genug zu Essen haben, aber wozu soviel fressen, dass man fast platzt? Das ist ja nicht nur symbolisch der Zustand der USA - und etwas weniger stark ausgeprägt auch bei uns.
Kommentar von Eckart Mietz am 26. März um 22:50 Uhr
Ich sage mal dazu:
“Viele Menschen verachten den Reichtum und die Verschwen-dung, aber nur wenige sind stark genug, darauf zu verzichten.”
“Und reich ist man nur durch das worauf man mit Würde verzichten kann.”
Und wenn ich einige Amis so sehe fällt mir leider nur ein: Der Inhalt eines Menschen steht oft im krassen Gegensatz zu seinem Umfang. Gilt allerdings auch schon für viele Germanen.
Kommentar von redlope am 27. März um 01:27 Uhr
Hier nur ein paar Gedanken/Anregungen:
Was braucht der Mensch?
Die vielzitierte „Schale Reis am Tag“ mag bei einem hungrigen Afrikaner weit mehr Glückshormone freisetzen als bei einem überernährten Mitteleuropäer ein Big Mac – oder ein Kaviar-Schnittchen beim gemästeten Promi.
Und trotzdem, nehme ich an, dass wir höhere Standarts halten wollen, als „eine Schale Reis am Tag“. Wie wir das begründen? Mit dem vorhandenen Reichtum im Lande? Mit den von unseren Vorfahren erstrittenen Sozialen Rechten, die uns eine Teilhabe auf einem gewissen Niveau zusichert? Mit dem Recht auf Demokratie und Aufklärung?
Allerdings, wie ich unsere neoliberal-faschistischen Vordenker einschätze, arbeiten sie bereits an Reis-Schalen-Bezugsscheinen für unsere ärmsten Mitbürger… im Zuge der Globalisierung und zur Förderung des Arbeitsanreizes….
Wer soll sparen?
Die Kapital-Besitzlosen haben in den letzten 20 Jahren schon eine Menge Verzicht geleistet – sei es durch Lohndumping, Prekarisierung, Hartz-4. Der Gürtel hat innen kein Loch mehr!
Die sozialen/finanziellen Realitäten auch in diesem Lande – und in den USA sowieso - sehen so aus, dass eine große und größer werdende Menge der Menschen gezwungenermaßen auf Konsum verzichtet. In den Ohren eines Hartz-4-Betroffenen oder einer Minimalst-Rentnerin mag sich ein Verzichts-Appell schon zynisch anhören. Da geht es eben nicht um „neue Playstation oder Flachglotze“. Auch die vielzitierte „Fettleibigkeit“ ist paradoxerweise oft Folge von billiger Ernährung.
Wie kann man sparen?
Es mag vergleichsweise leicht sein, auf überflüssige Luxusbedürfnisse zu verzichten, aber unsere mobile, flexible, Hightech-Gesellschaft schafft auch Bedürfnisse, denen sich wenige Menschen entziehen können. Gewiß kann man total „aussteigen“ und seine eigenen Strom mit Biogas herstellen, doch für die meisten Leute ist das eben nicht möglich. Wie also eine hochtechnisierte, zersplitterte Gesellschaft betreiben wenn der Strom nicht mehr fließt? Und das Benzin unbezahlbar wird?
Wer von uns kennt die existentielle Armut wirklich?
Bisweilen fürchte ich, herrscht bei uns Nachkriegsgeneration fast eine romantische Vorstellung von Armut – vielleicht aus einem Gefühl der Übersättigung und Langeweile und dem Unbehagen an unserer inhumanen, zerstörerischen Wirtschaftsweise? Wer noch Eltern oder Großeltern hat, die die „schlechten Zeiten“ miterlebt haben, soll sich da mal erkundigen (vielleicht werden wir ja in den nächsten Jahren noch in den Genuß eigener Hungerödeme kommen).
Aber sollte es nicht möglich sein, ein Wirtschaftssystem zu etablieren, das uns nicht zu Konkurrenten macht und trotzdem Wohlstand bringt?
Bedauerlich ist leider, dass die Spar-Apelle sich in Sonntagsreden immer an „uns alle“ und „alle Bürger“ richten, aber am Montag dann nur die treffen, die sowieso zu wenig haben. In den USA gibt es immer noch sehr, sehr reiche Menschen.
Ich warte auf den Tag, da mal „Oben“ angefangen wird mit dem Sparen. Oder bei der Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch…
Hier noch ein Link zur Depression in den USA:
http://depression2.tv/d2/
Kommentar von Henry Edward J. am 27. März um 09:14 Uhr
@redlope:
ist für mich jetzt schon Zitat des Tages