Bootcamp auf dem Marktplatz

Wenn es zu hässlichen Alltagsszenen kommt, ist dies normalerweise ein Fall für die staatlichen Strafermittlungs- und Strafvollzugsorgane. Zur Wahlkampfzeit wird ein Vorfall in einer Münchner U-Bahn natürlich gerne dazu benutzt den blassen Auftritt von Roland Koch zu verschönern. Law und Order sind traditionell Themenbereiche aus dem Lager von CDU/CSU und weiter rechts stehenden Gruppierungen. Es könnte deshalb für die Landtagswahl in Hessen entscheidend sein, ob die Bürger sich von den kreativen Ideen der Sicherheitsfanatiker überzeugen lassen.
Jugendkriminalität und speziell Ausländerkriminalität sind also die Probleme Deutschlands. Lösungen sind
- Gefängnis- und Lagerstrafen auch für Kinder unter 14 Jahren
- Erhöhung der Höchststrafe im Jugendstrafrecht von 10 auf 15 Jahre
- Ausweitung des allgemeinen Videoüberwachung
- Abschiebung der kriminellen Ausländer
- Bootcamps gegen renitente Jugendliche
Dass München, die Stadt mit dem zweithöchsten Ausländeranteil in Deutschland (nach Frankfurt) zu den sichersten Großstädten Europas zählt und Roland Koch die Hessische Polizei deutlich zusammengekürzt hat wird natürlich nicht erwähnt. Dass sämtliche Fachleute die Maßnahmen ablehnen ist ein deutliches Zeichen. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei GdP, Harald Schneider, lehnte höhere Strafen ab. Wegsperren ist keine Lösung, vielmehr beginnen kriminelle Karrieren oft erst im Gefängnis. Justizministerin Brigitte Zypries von der SPD lehnte die von Koch geforderten Erziehungslager ab.
Auf den Punkt gebracht von Christoph Frank ( Chef des Richterbunds): “Die Diskussion gaukelt den Menschen Zusammenhänge vor, die es nicht gibt. Die Formel »Härtere Strafen gleich höhere Abschreckung gleich weniger Straftaten« ist schlicht falsch.”
Statt Sicherheitspolitisch aufzurüsten sollte man dort investieren wo seit langem gespart wird. Bei der Sozial- und Jugendarbeit sowie generell im Bereich Schule und Ausbildung. Das Kameraüberwachung kein Präventionsinstrument ist und dass EU-Ausländer nicht abgeschoben werden können sollte man eigendlich wissen, muss aber wohl immer wieder betont werden.
Grund genug, der Öffentlichkeit die Absurdität der aktuellen Diskussion vor Augen zu führen. Auf dem Münchner Marienplatz wird von diesem Donnerstag 18:00 Uhr bis zum Samstag 18:00 Uhr das erste deutsche Bootcamp für 48 Stunden live und unter realistischen Bedingungen errichtet.
Die Insassen werden einem harten Lageralltag und geschulten Drill-Instructors unterworfen. Geschlafen wird bei Scheinwerferlicht in einem Container. Disziplin und Gehorsam, Sport und Demütigung ist Teil des Programms. Die Insassen sollen gebrochen werden, damit sie dannach ein neues, besseres und widerstandsloses Leben führen können.
Unter http://abu-isar.de.vu/ sollen Live-Cams den Campalltag für alle übertragen. Gerne kann man auch direkt auf dem Marienplatz vorbei- und eine bisschen zuschauen oder sich probeweise selbst einweisen lassen.
OhDaeSu
Kommentar von stumax am 24. Januar um 13:21 Uhr
ich finds ja traurig mit was für üblen methoden unsere volksverarsch.. ähh volksvertreter auf stimmen- und dummenfang gehen.
Kommentar von kadejott am 25. Januar um 00:38 Uhr
Ich bin kein Fan von Roland Koch, im Gegenteil! Ich werde am Sonntag die Linke wählen.
Daß man EU-Ausländer nicht abschieben kann, weiß ich und ich finde es falsch.
Wer als Gast in unserem Land mehrfach schwerstkriminell wird, hat hier nichts mehr zu suchen.
Russen, Iraner, Türken etc. sind keine EU-Ausländer. Dann soll man sich wenigstens in diesen Fällen der geltenden Gesetzgebung bedienen und sie ausweisen.
Wenn die vielen Gutmenschen bei SPD, Grünen , Linkspartei usw. sich dieses Themas nicht endlich sachlich und differenziert annehmen, dann überlassen sie es denen am ganz rechten Rand. Will das wer?
Kommentar von chris am 25. Januar um 03:04 Uhr
Ich bin selbst Ausländer in einem anderen anderen EU-Land und musste mich logischerweise anpassen - andre Länder, andre Sitten, Sprache sowieso - und weiß aus Erfahrung dass man sich gefälligst so zu benehmen hat wie zuhause, wär ja noch schöner.
Aber komischerweise haben wir hier (Spanien) fast dieselbe Problematik, vor allem mit den Illegalen aus dem Magreb und Senegal etc. Doch ist das noch nicht zum Politikum aufgebauscht worden, was ja noch kommen kann.
Lange Rede kurzer Sinn: Ausländer Ja, aber mit Willen zur Integration, denn wer glaubt sich wie ein Rüpel aufführen zu können oder nicht wahrhaben will dass er sich in einem anderen Land, und somit in einem anderen Kulturkreis befindet, sollte wieder umkehren, notfalls mit Nachdruck.
@kadejott
die populistische “Linke” hätte sich eventuell diesem Thema gerne angenommen, war wohl nur ein falsches timing - noch ist man den Idealen der 68-er näher
my 50 cents
Kommentar von Bootcamp auf dem Marktplatz - Erwerbslosen Forum Deutschland (das Forum) am 25. Januar um 13:11 Uhr
[...] werden, damit sie dannach ein neues, besseres und widerstandsloses Leben führen können. Politblog.net » Bootcamp auf dem Marktplatz Abu [...]
Kommentar von Herzlich Willkommen NexipForum » Blog Archive » Bootcamp auf dem Marktplatz am 25. Januar um 15:56 Uhr
[...] Politblog.net » Bootcamp auf dem Marktplatz [...]
Kommentar von Rheinbogen am 25. Januar um 23:38 Uhr
Tut mir leid, aber das ist dumpf. Es gibt so gut wie keine “Russen, Iraner, Türken etc.”, die in Deutschland irgendetwas anstellen. Was kadejott meint, sind Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind. Sie sind meistens gar keine Ausländer sondern Deutsche. Die kann man aber so oder so nirgendwohin abschieben, die gehören hier her, und wir müssen das Problem hier lösen. Das ist absolutes Stammtisch-Niveau. Dazu noch der Begriff vom “Gutmenschen”, da hört sich doch alles auf!
Kommentar von chris am 27. Januar um 04:45 Uhr
übrigens hab ich von Münchnern erfahren (ich selbst lebe ja im Ausland) dass dieses Abu-Isar Camp die einzige Lachnummer gewesen sein soll
hab’s mir gerade eben mal angeschaut, das ist n umzäuntes “Gelände” ca 20 m² und davor ein stand von denen gesponsert by “Die Linke”.
und n ganz kleinen sandhaufen und 6 reifen hab ich auch gesehen.
Totale Lachnummer!!! Laughing
Gruss
Kommentar von jake am 27. Januar um 12:40 Uhr
Es ist doch deutsche Tradition, daß nur an den Symptomen herumgedoktort wird. Die Kriminalität von Jugendlichen Im ALLGEMEINEN hat m.E. andere Ursachen: Eine Ursache ist ganz deutlich das “Klassenbewußte Schulsystem”, die Perspektivlosigkeit im beruflichen Sektor, das mangelnde Angebot an qualitativen kostenlosen Angeboten (ein Produkt der vielen Kürzungen), Personalkürzungen im Bereich der Streetworker und Jugendämter (die Personalsituation bei den Sachbearbeitern ist aktuell so wie in den frühen 70ern bei erheblich mehr Fällen, während die Zahl der Abteilungsleiter um bis zu 500% gestiegen ist (vertr. Mitteilung eines langjährigen Sachbearbeiters vom Jugendamt in HH-übrigens CDU regiert…), starke Manipulation durch Werbung (hier wird durch teure Marken versucht, hippes Feeling den Jugendlich anzudrehen/zu verkaufen). Und: Was lebt die politische Elite vor? Was die nimmersatten Manager?
Ich spreche ganz absichtlich von allgemeiner Jugendkriminalität. Ich lasse mich gar nicht erst auf diesen rechten Populismus ein. +
Kommentar von Florian Horváth am 27. Januar um 19:16 Uhr
Vielleicht solltet ihr auch an die Gesamtsituation in unserer kalten und radikalen Art des Kapitalismus denken. Ich meine, welche Perspektive hat ein Jugendlicher schon noch heute? Welche Ideale werden ihm vorgelebt? Welches Kind vereinsamt heutzutage nicht, wenn es Zuhause vor dem Fernseher “abgestellt” wird.
Ist es nicht genau diese Art von politischer Übereifrigkeit, sozialer Unwissenheit und Brutalität, die erst solche Entwicklungen entstehen lässt?
Wer dem mit Erziehungscamps und Sicherheitspersonal an Schulen entgegnet, gehört eigentlich selbst nochmal in die 4. Klasse. Traurige Welt…
Kommentar von OhDaeSu am 28. Januar um 20:13 Uhr
@ chris: also ich fand die ganze Sache ziemlich gut. Es war nicht von der “Linke” sondern von unterschiedlichen Einzelpersonen organisierte Aktion (auch von den Linken) und relativ spontan und unprofessionell.
Vielleicht war es kein professionelles Bootcamp, aber du kannst dir ja stattdessen “Dschugelcamp” anschauen….
Die Aktion hat Diskussionen angeregt, positive als auch negative (von :.seid ihr jetzt für oder gegen Ausländer? bis zu engagierten Menschen die die Aktion für eine reale Rechtsextreme Propaganda gehalten haben)
So es gab viele kontroverse Gespräche und viel Öffentlichkeit.
Außerdem hat Roland Koch starke Verluste mit seinem Konzept einstecken müssen, was uns natürlich gefreut hat.
Kommentar von arjello am 31. Januar um 16:17 Uhr
Recht muss für alle gleich gelten - übrigens ein Grundsatz im Grundgesetz Deutschlands. Und das aus gutem Grund. Seit Jahrzehnten werden unschuldige Deutsche damit gepiesackt, dass ihre Vorfahren im Dritten Reich unterschiedliches Recht anwendeten. Gegen Juden, Zigeuner, Chinesen, Indianer, Schwarze, etc. Nun will also ein Herr Koch und alle die auf diese dämliche Nummer rein fallen, wieder anfangen nach Gutdünken Recht zu sprechen. Wo wollen wir anfangen, wo wollen wir aufhören, wer bestimmt wer Ausländer ist. Der mit einem Deutschen Pass, aber Geburtsort ausserhalb? Der EU-Ausländer, der ausserhalb der EU? Der mit Pickeln auf der Nase, der CDU - Wähler?
Ein Ausländer, der hier strafbar wird, muss ganz normal nach unsere Gesetzen verurteilt werden, nicht mehr und nicht weniger. Und das passiert schon lange so. Wenn er ausgewiesen wird, erteilen wir ihm ja eine zusätzliche Strafe. Das kann nicht sein. Das wäre unterschiedliches Mass. Wir müssen uns mal grundsätzlich überlegen was wir wollen - Demokratie oder Diktatur. Denn nur bei letzterem kann unterschiedliches Mass angewendet werden. Und ich findes es unglaublich, wie ein Politiker der CDU so etwas vorschlagen kann. Der hat nichts verstanden.
Kommentar von Aschenbroedel am 2. Februar um 19:47 Uhr
@ Forian Horvath
Da kann ich nur zustimmen. Was für eine Welt das dann sein wird, können wir heute schon sehen, wenn die Menschheit nicht bald aufwacht.