Politblog.net
 

"Gier frisst Hirn" - US-Junta bezahlt ihren Krieg mit der Finanzkrise

Editorial: Unter dem Titel “Gier frisst Hirn” hat Franz Jürgens in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Der Europäer” eine treffende Zusammenfassung des - selbst in der Kapital- und US-freundlichen Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisierten - Angriffs des US-”Junta” auf die deutsche Wirtschaft und die deutschen Banken verfasst.

wallstreet2.jpg

Die derzeitige “Krise” ist geschickt lanciert, sie bedient sich aus den Taschen des kleinen Mannes und schiebt die “Miesen” in Milliardenhöhe europäischen Banken und Verbrauchern zu. Europa und Deutschland sind es, die so letztlich die US-amerikanischen Kriegsabenteuer finanzieren und die Taschen der Elite stopfen.

Die Zeitschrift “Der Europäer” selbst versteht sich als anthroposophisch. Auch wenn Politblog Rudolf Steiner und seine Lehre äußerst kritisch sieht, die Zusammenfassung von Jürgens bezieht sich auf die äußert offene Kritik in der FAZ an dem US-amerikanischen Einfluss auf deutsche Banken und die deutsche Wirtschaft, seine weiteren Analysen zeigen das milliardenschwere Raubrittertum der kriegführenden amerikanischen Elite. - Luise

_____________________________________________________


Schneller als gedacht sind weitere Tributzahlungen der Kontinentaleuropäer an die Hegemonialmacht fällig: Alleine im dritten Quartal 2007 mussten der Schweizer Bankkonzern UBS und die Deutsche Bank gigantische vier Milliarden Schweizer Franken bzw. zwei Milliarden Euro auf verbriefte Forderungen minderer Qualität («Subprime»4) nordamerikanischer Hypotheken abschreiben. Für heute soll einmal das ausgeklügelte Werk, von einer skrupellosen Junta zur Finanzierung völkerrechtswidriger Kriege in Szene gesetzt, in den Focus genommen werden.

Dreister Druck der US-Regierung - von Franz Jürgens (geringfügig gekürzt)

Die FAZ pflegt eine gewisse ideologische Nähe zur US-Politik und zum Raubtierkapitalismus, die vor allem in ihren Leitartikeln und Kommentaren zum Ausdruck kommt. Plötzlich aber prangern die Leitartikler sowohl im Politik-, als auch im Wirtschafts- und im Finanzteil an, was sie sonst preisen, und was man unter der Überschrift Amerika hat den Bogen überspannt lesen konnte, ist tatsächlich eine Dreistigkeit sondergleichen:
«Um ihre politischen Ziele in Iran zu erreichen, setzt die amerikanische Regierung mit ihrer Finanzmacht die deutsche Wirtschaft in bisher unbekanntem Maße unter Druck. Mehrfach hat sie hochrangige Delegationen nach Deutschland entsandt. Kaum waren diese wieder zu Hause, zogen sich die großen deutschen Banken aus dem Irangeschäft zurück.»

Die Iran-Geschäfte waren sowohl nach deutschem als auch europäischem und internationalem Recht legal und verstießen auch nicht gegen das Teilembargo der UN, hält der Leitartikler fest und fährt fort:
«Die amerikanische Regierung übte ihren Druck nicht auf die Tochtergesellschaften deutscher Banken in den Vereinigten Staaten aus, sondern auf die Mutterhäuser selbst, und das in Deutschland. Keiner weiß, welche Drohungen ausgesprochen wurden. Ein Vertreter einer Bank sprach von ‹Erpressbarkeit›.»

Tatsache ist, dass sich die deutschen Banken dem Druck beugten und sich ‹freiwillig› aus dem Iran-Geschäft zurückgezogen haben. Selbst langjährigen privaten Stammkunden, die dem Regime fernstehen, kündigten sie die Konten. Ohne die Finanzierung über die Banken werden keine Geschäfte mehr abgeschlossen, und ohne funktionierendes Bankwesen findet kein Außenhandel mehr statt.

Eingetreten ist ein gefährlicher Präzedenzfall. Was heute gegen Iran praktiziert wird, kann morgen in China angewandt werden und übermorgen in anderen Märkten. Deutschland hat in den vergangenen Wochen einen Teil seiner aussenwirtschaftspolitischen Souveränität eingebüßt. Denn die deutschen Unternehmen und
Banken können nicht länger jene Geschäfte tätigen, die mit dem geltenden Recht vereinbar sind. Nicht die Bundesregierung hat entschieden, wo für deutsche Unternehmen und Banken die Grenzen des Iran-Geschäfts liegen, auch nicht die EU. Diese Entscheidung hat ihr – nicht gerade elegant – die Regierung in Washington abgenommen.

Gezielt eingesetzte Krisen

Dass die US-Administration damit noch nicht am Ende ihrer Forderungen angelangt ist, geht aus dem weiteren Kommentar hervor: «Mit ihrer Finanzkraft haben die Vereinigten Staaten ihre Entscheidung dem alten Kontinent aufgezwungen. Offenbar will Washington nicht akzeptieren, dass seine Verbündeten beim Thema Iran abweichende Meinungen einnehmen oder dass jene (noch) zu Konzessionen gegenüber China und Russland bereit sind.» Der Autor verwechselt zwar «Finanzkraft» mit «Militärkraft», aber es geht ungeschminkt weiter: «Einen Vorgeschmack auf die Zukunft liefert ein amerikanischer Vorschlag, der bei der OECD kursiert und der im Rahmen einer schärferen Kontrolle der internationalen Finanzströme die Banken verpflichten will, bei internationalen Transaktionen das Grundgeschäft zu prüfen.

Banken sollen also eine private Ersatzbehörde für die amerikanische Exportkontrolle werden. Sie sollen nicht mehr das Funktionieren der Wirtschaft sicherstellen, sondern einen politischen Auftrag erfüllen.» Mit dem trefflichen Ausdruck «Leisetreterei» endet der nächste Abschnitt des Kommentators: «Weder erfolgte ein Protestgeschrei der deutschen Wirtschaft, noch erhebt die Bundesregierung Einspruch. Weiß die Bundesregierung überhaupt, wann und welche Regierungsvertreter Deutschland ihre Besuche abgestattet haben? Kennt sie den Inhalt dieser Gespräche? Viel Phantasie braucht es nun nicht mehr, sich vorzustellen, dass nach den Banken die Industrie an die Reihe kommt …»

Gewisse Gruppen inszenieren bewusst gewisse Szenarien unter Inkaufnahme von Katastrophen. Das gilt für Militärschläge – an die Sprengung des «World Trade Center» durch die Handlanger der US-Junta am «09/11/2001» sei erinnert – aber auch für Wirtschaftskatastrophen wie den Subprime-Betrug. Der Möglichkeiten sind gar viele, wer den Ariadne-Faden aufnimmt, kann auch hier aufgrund von Ähnlichkeiten das Strickmuster erkennen. Die Erpressbarkeit kontinentaleuropäischer Banken ist angesichts der gewaltigen Mengen fauler Kredite für Hedge- und Private-Equity-Fonds und «Subprimes», die ihnen US-Institute verhökert haben, sehr groß. Diese in einer sozusagen neutralen, weil US- und wirtschaftsnahen Gazette skizzierten bzw. kritisierten Fakten des völkerrechtswidrigen Vorgehens der US-Junta wurden der Berichterstattung über die Subprimes hier vorangestellt, um aufzuzeigen, dass bewusst inszenierte Wirtschaftskriege keine Verschwörungstheorien, sondern leider traurige Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts sind.

Künstlicher Aufschwung durch Subventionen

Das schnellste Mittel, die gesamte Volkswirtschaft eines Landes in Schwung zu bringen, ist die Förderung des Immobiliensektors, der Bauwirtschaft: Rohstoffe werden benötigt, Transporte angekurbelt, Handwerksbetriebe und die Industrieproduktion prosperieren, Arbeitsplätze entstehen, alle Menschen, die vom Bauboom profitieren, steigern ihren privaten Konsum, usw. usf.

Als Beispiel für einen solchen Prozess sei die «Wende» 1989/90 genannt: der starke Zuzug von Menschen aus dem Osten Deutschlands löste (mit explodierenden Miet- und Immobilienpreisen) im Westen einen Boom sondergleichen aus (der dann nach 1992 in einer der größten Rezessionen überhaupt verpuffte); der Boom basierte auf dem soeben skizzierten Phänomen. Am meisten freuen sich an solcher Wirtschaftsprosperität die (auslösenden) Politiker (wegen der Wiederwahl), die Finanzinstitute, die das alles in irgendeiner Weise finanzieren oder aber die Erlöse anlegen und natürlich die Ölindustrie. Ganz besonders aber freut das natürlich den, der alle drei genannten Gruppen unter (s)einem Hut vereinigt. Ach ja: Jeder (Politiker) weiß natürlich, was er anstellt, wenn er das (willkürlich) ins Rollen gebrachte System willkürlich wieder stoppt …

Alle Politiker wissen um diese Effekte und nutzen sie weidlich aus: Die staatliche Förderung des privaten selbst genutzten Wohneigentums machte beispielsweise in Deutschland in den Neunzigerjahren für eine vierköpfige Familie
binnen acht Jahren über 60 000 DM aus. Direkte Subventionen sind in den wirtschaftsliberalen angelsächsischen
Ländern natürlich verpönt. Stattdessen verwendet(e) man einen Kunstgriff, der genauso wirkt: Der langjährige Durchschnitt für Baufinanzierungszinsen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung lag in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland bei ca. 7,5% p.a. Wer, wie in den U.S.A. lange üblich, stattdessen nur 2,5% p.a. zahlen muss, bei dem fallen 5% weniger Zinsen pro Jahr an: fast 100 000 $ Zinsen weniger für eine Finanzierung von 200 000 $ und insgesamt 30-jähriger Kreditlaufzeit schon im ersten Jahrzehnt – oder 825 $ im Monat. Auch das kann man steuern…

Der US-Sparkassenbetrug als Vorbild


Bleiben wir bei den «gezielten» Subventionen, die aktuellen Betrügereien sind ja nichts Neues. Zwar sind die Methoden etwas ausgefeilter als im letzten Jahrhundert, aber die, die in die Röhre gucken (von den bedauernswerten nordamerikanischen Immobilienkäufern einmal abgesehen) sind nun nicht mehr US-, sondern kontinentaleuropäische Steuerzahler, ansonsten hat sich wenig geändert. Seit 1976 war George Bush (sen.) CIA-Präsident, ab 1981 US-Vize unter Präsident Reagan und bis 1993 selbst US-Präsident.

In diese Zeit fällt die berüchtigte Krise lokaler Kredit- und Sparbanken «Loanand Savings-Banken» (L & S-Banken): Unmittelbar nach Regierungsübernahme deregulierte die Reagan-Administration die staatlich abgesicherten L&S-Banken. Minimale 1% der Bilanzsumme reichten fortan für die Gründung oder Übernahme eines solchen Institutes aus; gleichwohl garantierte der Staat alle Kundenspareinlagen bis jeweils 100 000 US-$ für jeden Kunden. Die folgenden Bankrotte von ca. 2000 L&S-Instituten in den Jahren 1986–1993 haben den Staat bzw. Steuerzahler ca. 500 Mrd. $ gekostet.

Mindestens 22 jener L&S-Bankrotte bringt R. Kohler in seiner Internet-Enzyklopädie über regierungsamtliche Verbrechen der Vereinigten Staaten seit 1850 in Verbindung zum organisierten Verbrechen und zur CIA (als Geldwaschanlage für verdeckte Operationen), auch prominente Nutznießer verschweigt er nicht: «Da der Staat die Garantien übernommen hat, wurden so riesige Vermögen von den Steuerzahlern zu einer kleinen Elite von Bankern, Mafiosi, Geheimdienstleuten und republikanischen Politikern wie George Bush (sen.) … transferiert». Mittels dieser L&S-Kredite wurde der Boom der Reagan-Ära finanziert.

Als Bush sen. das Ruder übernommen hatte, flankierte die gleiche Administration – respektive Alan Greenspan mit seiner FED – dann die Abwicklung der L&S-Banken mit einer Politik niedriger Zinsen. Nicht nur der viel zitierte Börsen-Crash von 1987 war Grund für die Greenspan’sche Niedrigzinsphase – diese Vertrauenskrise urständete im Prinzip im skizzierten L&S-Debakel! Aber die steuernden Machtzirkel der USA haben aus der Krise der Achtzigerjahre gelernt: Billiges Geld wurde im neuen Jahrtausend erneut produziert, die bewährten Tricks zur Anfachung der Wirtschaft durch einen Bauboom wieder angewendet.

Die Aufblähung der Schein- bzw. Zeichenwerte, denen keine realen Werte (Güter) gegenüberstehen, wurde so
unverschämt-geschickt eingefädelt, dass die Risiken hieraus als verbriefte Forderungen problemlos zinsgierigen Europäern in die Depotkonten geschoben werden konnten. Sollte es doch noch zu Verwerfungen auf dem US-Markt kommen – so richtig werden die Auswirkungen dort wohl doch erst spürbar werden, wenn George W. Bush 2009 ab- und (nach Truman, Bush senior, Clinton) als vierter US-«Uranpräsident» in die Geschichtsbücher eingetreten sein wird…

Die Kopie: Der Subprime-Betrug

Die gezielt herbeigeführten Niedrigzinsphasen der FED in der langjährigen Ära von Alan Greenspan dienten nur der
(Zins-)Subvention – und hatten die geschilderten Aspekte (Wirtschaftsboom) als triftigsten Grund. Durch diese Zinspolitik erfolgte die Ankurbelung (= Bauboom) der inländischen Wirtschaft, die, stark mitgenommen durch die völkerrechtswidrigen Kriege der Regierung, im Grunde dem Untergang entgegentaumelt, Ausnahmen (Öl-/Finanz-/Militärindustrie) bestätigen die Regel.

Herr Greenspan hatte die Verlogenheit, mit geschickten Aussagen zum niedrigen Zinsniveau die Menschen zum Kauf von Immobilien, bzw. zu hoher Verschuldung zu animieren – um dann peu à peu die Zinsen hochzuschleusen: Variable Konditionen beinhalten das Risiko von Zinssteigerungen – wenn sich bei einem kreditfinanzierten Hauskauf mit variablen Hypothekenzinsen diese von beispielsweise 2,5% auf 5% verdoppeln, wird für viele Kreditnehmer die nun fast doppelt so hohe Monatsrate zum Albtraum. Können viele Kunden die gestiegenen Zinssätze nicht bezahlen, haben alle Banken ein Problem und kurz danach die ganze Volkswirtschaft: Immobilien kommen zu Schleuderpreisen auf den Markt (oder unter den Hammer) und ein breiter Verfall der Immobilienpreise beginnt.

In kurzer Folge stellen die Banken fest, dass auch andere Finanzierungen wegen des Preisverfalls die vorher errechnete Grenzbeleihung überschreiten und kündigen auch diese Kredite, der Teufelskreislauf beginnt.

Den handelnden Akteuren war bei Initiierung des Subprime-Betrugs völlig klar, dass die Kreditnehmer ihre Verbindlichkeiten niemals bei einem Zinsniveau von ca. 5% p.a. und darüber abzahlen konnten. Da nun aber der «Aufschwung» für die Finanzierung der Kriegsabenteuer in Afghanistan und Irak dringendst benötigt wurde, ersann man ein Mittel, die Folgen der einerseits gezielt inszenierten, andererseits von vorneherein absehbaren kapitalen Pleiten diesmal nicht nur dem eigenen Steuerzahler aufzubrummen, sondern auch ahnungslosen Kontinentaleuropäern mittels verbriefter Forderungen unterzujubeln: Die ab 2005 in großem Stil gehandhabten Subprimes.

«Kollateralschäden»

Verbriefte Forderungen sind an sich langjährig erprobte Finanzierungsmittel und hochriskante Forderungen werden
eben mit entsprechenden (Risiko-)Abschlägen verkauft. Wie immer wird die Angelegenheit erst kriminell, wenn die Ware nicht mehr dem entspricht, was auf der Verpackung steht. Ob man jemals erfahren wird, ob die Käufer dieser Zinspakete gewusst haben, was sie kaufen, sei dahingestellt. Es steht eher zu vermuten, dass die verantwortlichen Personen in den Bank-, Investmentfonds-, Versicherungs-Konzernen überhaupt nicht verstanden haben, was ihre Händler nach dem Motto «Gier frisst Hirn» für Risikopapiere gekauft haben.

Da sich über 60% der Subprime-Verbriefungen mittlerweile nicht mehr im Besitz von Banken, sondern von
sonstigen Anlegern befinden, gilt dies leider gleichermaßen für die (privaten) Käufer von Lebensversicherungen
oder für (professionelle) Anleger in Geldmarktfonds. Derartige Anlagen versprachen angeblich eine bessere Verzinsung als «langweilige» Spar- oder Festgeldkonten… Das einzige, was wir von Akteuren aus der ersten Reihe zum Subprime-Skandal hören, sind Beschwichtigungen. Nachdem Josef Ackermann von der Deutsche Bank in einer TV-Talkshow gestanden hatte, dass sein Institut rund 30 Mrd. ? seiner verbrieften Forderungen neu bewerten müsse, wurde ein Makel, den die FAZ im Leitartikel des Finanzteils unter dem Titel “Die Stunde der Banker” festhielt, besonders unterstrichen:
«Die Anleger dürfte auch nicht gerade beruhigt haben, dass Deutschlands wichtigster Bankmanager den Vorwurf unwidersprochen stehen ließ, Banker seien notorische Lügner.»

Peu à peu tröpfeln die Informationen der Insider und das wahre Ausmaß der Krise wird langsam deutlich: Von 2005 bis 2007 wurden in Amerika Subprime-Darlehen über 1800 Mrd. US-$ vergeben; der Präsident der deutschen Sparkassenorganisation erwartet bis zu 20% Ausfälle. Das ist wohl eine zurückhaltende Prognose, aber auch 360 Mrd. US-$ Kreditausfälle dürften das (weltweite) Bankensystem und damit die (Konjunktur aller) westlichen Volkswirtschaften bis ins Mark erschüttern – der Goldpreis ist nicht umsonst im Herbst dieses Jahres auf 770 US-$ geklettert.

Die suboptimalen Subprime-Verbriefungen sollen von der Wall-Street-Spekulationsindustrie (Investmentbanken) großmehrheitlich nach Europa verkauft worden sein – was die von der FAZ genannte «Erpressbarkeit» (siehe oben) erklären könnte. Auch einzelne US-Investmentbanken erleiden (Milliarden-)Verluste, das sind allerdings nur «Kollateralschäden», die dadurch entstehen, dass sie diese «Giftpillen» nicht schnell genug über den Atlantik verkaufen konnten. Die größten und die ältesten Investmentbanken sind offensichtlich fast «unversehrt»: Die alten Strategen von J.P. Morgan Chase, seit 100 Jahren im Geschäft mit der Regierungspartei und Goldman Sachs, die Glücksritter des PNAC (spätestens seit 1989/90 die führenden Bankhandlanger der Skull&Bones-Genossen), sind wohl von ihren Washingtoner Freunden in die Geschäfte eingeweiht worden und konnten die «Giftpillen» frühzeitig weiterreichen. Das «Geschäft» dürfte mittlerweile mausetot sein: US-Investmentbanken, die gar kein direktes Baufinanzierungsgeschäft betreiben, schließen(!) ihre «Hypothekenabteilungen» – gemeint sind deren Verbriefungs- und Verkaufseinheiten. Den gewaltigen Umfang des Geschäfts erhellt die FAZ-Nachricht: Lehman Brothers beispielsweise, die Nummer vier der New Yorker Spekulationsindustrie, entlässt aus der «Hypothekenabteilung» 2500 Menschen …

Die Zeche zahlt Kontinentaleuropa

Einer der Herausgeber der FAZ schrieb in seinem Leitartikel auf Seite 1 des Blattes: «Auf fast allen Märkten wuchert Misstrauen, ein solches Ausmaß allgemeiner Verunsicherung haben selbst erfahrene Banker und Aufseher nicht erlebt.»Und: «Die kräftige Zinssenkung der FED kann nicht nur als Rettung in der Not, sondern auch als Auftakt zur nächsten Spekulationswelle verstanden werden, vor allem dann, wenn die amerikanische Notenbank noch einmal eine Spekulationskrise, zu der sie mit Zinsen fast zum Nulltarif eingeladen hatte, zu lange mit zu billigem Geld zu bekämpfen versuchen sollte.» Dass das nun aber eigentlich wieder gewollt ist (siehe oben), blickt der gute Mann leider nicht. Und dass bei einem solchen Horrorszenario auf den Finanz- und Wirtschaftsmärkten die Washingtoner Junta, die damit ungestraft ihre völkerrechtswidrigen Kriege in aller Welt finanziert, dann auch noch hiesige Banken erpressen und Deutschen legale Geschäfte verbieten will, passt zwar ins Bild, ist aber ein Skandal, der den um die Subprimes noch um ein Vielfaches übertrifft.

Etwaige Folgen sind sogar für einen Menschenschlag absehbar, der ansonsten eine Geschäftspolitik betreibt, die
gestandene Wirtschaftswissenschaftler gelegentlich mit «Gier frisst Hirn» klassifizieren.

Nur zwei Jahrzehnte, nachdem Bush senior und seine Mannschaft mittels den damaligen Sparkassenbetrügereien
primär die Wirtschaft des Landes ankurbelte, sekundär seinen Geldsäckel stopfte und per Saldo dem Staatshaushalt
ein 500-Mrd.-$-Desaster besorgte, haben die damaligen Herrschaften ihre Lektion gelernt. Die Wirtschaft des Landes haben sie nach dem gleichen Strickmuster wie vor zwanzig Jahren angekurbelt, aber ihre eigenen Geldsäckel stopfen sie mittlerweile mit Hedge- und Private-Equity-Fonds. Nur den damals einzigen Negativaspekt haben sie ausgemerzt: Die Zeche zahlt diesmal auch der kontinentaleuropäische Steuerbürger – während die Mannschaft ihre Lektion gelernt hat, haben die Europäer geschlafen!

Vor diesem Hintergund ist dem FAZ-Leitartikler durchaus beizupflichten: «Amerika hat den Bogen überspannt». Aber neben den machtpolitischen Ungeheuerlichkeiten darf bei dieser Katastrophe die horrende Opferzahl der betroffenen Menschen nicht vergessen werden. Zusätzlich zu den zahlreichen Entlassungen in der Spekulationsindustrie kommen die Menschen, die durch eine rückläufige Konjunktur (zuallererst in der Baubranche) ihren Arbeitsplatz verlieren. Und dann dürfen die Käufer dieser Immobilien, die schändlichst betrogen wurden, nicht vergessen werden. Teilweise hat man – der schnellen Provision wegen – Objekte mit Finanzierungen verkauft, bei denen die Immobilienerwerber erst nach Jahresfrist mit der Ratenzahlung beginnen mussten – und dann (erst) feststellten, dass die Rate zu hoch und nicht aufzubringen war. Die Käufer mussten wieder ausziehen. Nicht nur die Finanzierungen, auch die verkauften Immobilien waren vielfach «suboptimal», das heißt das Geld nicht wert, das die übers Ohr gehauenen Käufer dafür bezahlt hatten.

Es scheint ein fatales Symbol des noch jungen Jahrhunderts zu sein, dass der reale Wert eines Wirtschaftsguts und
der dafür zu zahlende Geldbetrag immer weiter auseinanderklaffen, dass man einen reellen Zusammenhang zwischen
Wert und Zeichenwert nicht mehr erkennen kann.

Artikel FAZ v. 21.9.2007

Aus: Der Europäer - Dezember/Januar 2007/2008
Dieser Eintrag wurde am Dienstag, den 18. Dezember 2007 von Redaktion geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
Tags:

Kommentar von kadejott am 18. Dezember um 18:44 Uhr

Erschreckend, aber nicht neu.
Warum wohl hat Eichel in seiner Eigenschaft als Finanzminister, den, nach meiner Ansicht betrügerischen Hedge-Fonds in Deutschland Tür und Tor geöffnet?
Schade nur, daß die brutale Wahrheit bei den wenigsten wirklich ankommt.

Kommentar von Reinhard am 18. Dezember um 20:35 Uhr

Wahrscheinlich kommt’s noch viel dicker, wenn der Amero mit der “Nordamerikanischen Union” eingeführt wird. Was wird dann aus dem Dollar und was passiert dann mit den riesigen Dollar-”Gut”haben weltweit?

Kommentar von Turbo am 18. Dezember um 23:10 Uhr

Ja, ja, was hätte das alte Finanz-Schlitzohr und Börsen-„Guru” Kostolany wohl dazu gesagt?

Wahrscheinlich das, was er immer sagte:
„Wenn die letzte Putzfrau ‘günstige’ Fonds, an denen ja immer ein gut bezahlter Fondverwaltungstross sich risikolos labt!, kauft, habe ich längst verkauft - und bin in Urlaub gefahren.”

Alle paar Jahre wieder kommt demnach eine weitere Schweinerei,
meist eine jedesmal ein wenig andere, damit es nicht jeder merkt,
wie es inszeniert wird.

Mit Renditen werden die Geld-Junkies angefixt, heiß gemacht,
kurze Zeit verwöhnt, dann abgekocht, gesch(l)a(e)chtet.

Manchmal auch mit Gold bzw. Goldoptionen, -Papieren!

Kosto hat es selber erlebt, oft genug in seinem langen Leben.

Kommentar von Tomson am 19. Dezember um 00:44 Uhr

Der Dollarkurs hatte diesen Herbst nicht bei $ 770/Unze seine Spitze, sondern bei weit über $ 840/Unze.

Wäre das Gold über $ 850/Unze gestiegen, wäre der Markt warscheinlich erheblich mehr belastet gewesen, und die “Finanzkrise” hätte den “Plungern” weitaus weniger Spielraum gelassen.

770/840+ ist ein erheblicher Unterschied, zumal man anhand der Charts jederzeit sehr gut die “Arbeit” der Plunge-Protection-Teams” verfolgen konnte.

Bitte recherchiert genauer, gerade wenn es um solche Dinge geht, denn nichts ist einfacher, als sich mit Halbwissen und halbschlauen “Erkenntnissen” dem recherchierenden Publikum einerseits, und dem Börsenbeobachter andererseits lächerlich und damit untragbar zu machen.

Schaut euch die Goldkurse zwischen dem 06. und 09. November genauer an.

Es ist aber gut, dass ihr langsam wirklich auf den Trichter kommt…, leider fehlen dazu noch einige weitere Einsichten, und die Anerkenntnis einiger weiterer verdrängter Tatsachen, aber das wird schon noch, -ganz von selbst, wenn die Tomaten ganz von den Augen fallen.

Übrigens…, “Bush-Junta”…, das klingt wie aus dem “Neuen Deutschland” zu DDR-Zeiten. Diese Terminologie erinnert zu sehr an betonklötzige einphasen-DDR-Journaille. Bessert euch bitte auch dahingehend.

Interessant ist es zu sehen, daß ihr langsam erkennt, daß die “brd” in keinster Weise souverän (ist/) sein kann, weder wirtschaftich, noch finanzpolitisch oder militärisch, noch innen- wie außenpolitisch.

Ansonsten, -wunderbarer Artikel.

Kommentar von Redaktion am 19. Dezember um 04:49 Uhr

@Tomson

Ja - der Fehler beim Goldpreis ist uns auch aufgefallen - die Kritik muss sich an den Autor des Artikels richten, nicht an “ihr”. Man kann schlecht in einem übernommenen Artikel die Zahlen ändern - ein Kommentar von uns wäre sicher angebracht gewesen, denn Politblog beobachtet auch den Goldpreis.

Ansonsten schreiben die Autoren dieses Blogs schon seit einiger Zeit über die Subprime- und Dollarkrise(vgl. auch Artikel am Ende des verlinkten Artikels), ein Interview in Politblog-Radio mit Walter Eichelburg hat auch gerade vor drei Wochen stattgefunden - also Politblog ist auf dem Laufenden - schon lange gewesen.

Kommentar von bitter_twisted am 19. Dezember um 18:09 Uhr

Kein Bankier in der EU wird Mitglied im Kader ohne das er auch Mitglied im Round Table ist. Noch wird Jemand Redakteur einer großen Zeitung, Moderator im Fernsehen, Öffentlich oder Privat, Kandidat zur Wahl im Landtag, mit einer echten Changse gewählt zu werden, ohne auch, Mitglied dieser Organisation zu sein. Keiner kann Rektor einer Universität , oder Manager einer von vielen Multinationals Firmen werden, ohne die entsprechende Mitgliedschaft.

Das ganze habe ich hautnah in Süd Afrika miterlebt als der Broederbond hoch flog. 12 000 Broeder hatten Afrika vom Kap bis zum Equator kontrolliert. Heute sind sie im “Round Table” Clinton, der nicht für seine Helligkeit bekant war, hatte 1982 durchblicken lassen das Er auch seine Kariere dem Round Table, durch Bezihungen zu Prof. Carroll Quigley zu verdanken hat.

Wenn die Geschehen in der Welt anscheinend kein Sinn machen, denk daran Merkel, Gysie, Bush Ackermann und Mehldorn sind alle Verbündete. Darum auch die Härte mit der Eva Herrman Hohmann unsw. von Kollegen abgestraft werden, sie sind abtrünnig.

Kommentar von Ponjardin am 19. Dezember um 22:30 Uhr

Unglaublich! Ich bin seit fast 20 Jahren Kunde bei der Deutschen Bank. Dieser Tage trage mich allerdings ernsthaft mit dem Gedanken, meine Konten dort zu kündigen. Sofort, fristlos und unter Zusendung eines gesalzenen Briefes an Vorstand und Filiale…

Jedenfalls scheinen die Israellobbyisten und PNAC-Fanatiker von der Wallstreet ihr Primärziel erreicht zu haben: im Iran ist man bereits sauer auf uns - eine verständliche Reaktion, auf die sich natürlich die professionellen Spiegel- und Welt-Polemisierer stürzen…

Immer mehr wird unser Land ohne Not in die Position einer Kriegspartei manövriert - von verantwortungslosen Gesellen, die eigentlich für unser Wohl sorgen sollten - vgl. Reinhard Mey: Das Narrenschiff

Ich überlege mir noch einen Überbegriff für Zentralbank und Zentralrat…den wahrhaft Regierenden im Land…

Kommentar von Nanuk am 20. Dezember um 21:35 Uhr

Das bittere an dieser Geschichte ist das wir mit Lohnzurückhaltung und Sozialkürzungen den Amerikanern die Häuser finanziert haben.

Eigenen Kommentar verfassen:

Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar schreiben zu können.