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Amtliche Absage: Akustikwaffen sind gesundheitsschädlich

Das Aus für Quälgeräusche gegen Kinder und Jugendliche

Am 19. November berichtete Politblog über die fragwürdige Methode, eine Akustikwaffe gegen Kinder und Jugendliche einzusetzen. Das Gerät basiert darauf, einen sehr hoch modulierten Ton zwischen 16 und 18 kHz auszusenden.

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Das extrem störende und zum Teil schmerzende Geräusch kann nur von Menschen bis zum 25. Lebensjahr gehört werden, später nimmt man den Ton durch die zunehmende “Hochtonschwerhörigkeit ” nicht mehr wahr.

Offensichtlich haben mehr Schulen und öffentliche Einrichtungen als vermutet in Deutschland diese Geräte bereits im Betrieb. 850 Euro kostet es im Schnitt ohne Montage und soll mit einem Angriff auf’s Ohr Jugendliche daran hindern, sich dort aufzuhalten, wo sie unerwünscht sind. Das sind in Deutschland - bereits kurz nach Markteinführung - bereits über 700 Plätze, Schulhöfe und andere öffentliche Einrichtungen.

Wie die junge Welt am vergangenen Sonnabend schreibt, hat sich das Gerät inzwischen in Deutschland zum Verkaufsschlager gemausert. Vertrieben wird der - von der schweizer Firma hergestellte - elektrische Nervtöter “Mosquito” in Deutschland von der “Compro Electronic GmbH” aus Vechta.

Doch nun hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin den Piespwütigen einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Verkaufsboom vorerst gestoppt. In seinem am 14. Dezember veröffentlichten Gutachten, das im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit durchgeführt wurde, schreibt das Institut: “… einen Störgeräusch-Sender, der darauf abzielt, Jugendliche mittels Ultraschall von Plätzen zu vertreiben. Die Ergebnisse der Prüfung liegen jetzt vor. Die Prüfer konnten dem vorliegenden Gerät keine völlige gesundheitliche Unbedenklichkeit bescheinigen.”

Im einzelnen ist das Ergebnis verheerend:
Der im Labor gemessene maximale Schalldruckpegel liegt mit 104 Dezibel (dB) erheblich über der Herstellerangabe von maximal 95 dB. Hohe Schallpegel im Frequenzbereich des Gerätes können jedoch bei längerer Einwirkung zu bleibenden Hörschäden im hochfrequenten Bereich des Hörvermögens ab 10 kHz führen. Dabei ist das Risiko für die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen relativ gering. Sie können sich aus dem Beschallungsbereich entfernen, wenn sie den unangenehmen Ton hören. Demgegenüber könnten insbesondere Kleinkinder und Säuglinge gefährdet sein, wenn sie der Beschallung lange ausgesetzt sind, weil die begleitenden Erwachsenen das Geräusch selbst nicht wahrnehmen. Darüber hinaus wirkt der Ultraschall nicht nur auf das Gehör. Störungen des Gleichgewichtssinns sowie andere extraaurale Wirkungen sind bekannt. Mit dem Auftreten von Schwindel, Kopfschmerzen und Beeinträchtigungen des Befindens kann bei den vom Gerät erreichten Schalldruckpegeln gerechnet werden. Insgesamt lassen sich Risiken für die Sicherheit und Gesundheit nicht ausschließen.

Das ist ein vernichtendes Urteil und wird hoffentlich auch Auswirkungen ins Ausland haben. Großbritannien zum Beispiel soll nach Angaben des Herstellers bereits großzügig mit der Montage der Störanlagen verfahren sein. Dort aber haben sie auf Kleinkinder die gleichen Wirkungen. Besonders interessant ist, dass der dB-Wert über den Angaben des Herstellers liegt. Was hat da der TÜV gemacht, der in Deutschland alles so genau prüfen muss? Wurde Vitamin B verteilt statt die Messgeräte warm laufen zu lassen?

Die lokale Presse in Norddeutschland - was wohl bedingt durch die Nähe zum Stammsitz der Vertriebsfirma besonders betroffen ist - hat bereits am Sonnabend vielerorts reagiert. Das bedeutet hoffentlich erst einmal das Aus dieser qualvollen Disziplinierungsmaßnahme. Jugendtreffpunkte einzurichten ist natürlich teurer für die Gemeinden als die Akustikwaffen anzuschaffen. Einige haben offensichtlich lieber nach der Methode “Vertreibung der Zusammenrottung” gearbeitet. Schulen sind für Schüler gebaut und gehören den Bürgern. Sie sind nicht dazu da, um die jungen Menschen nach dem Stillsitzen von Schulhöfen und Bolzplätzen zu vertreiben.

Luise aka Pünktchen
Dieser Eintrag wurde am Montag, den 17. Dezember 2007 von Redaktion geschrieben und in die Kategorie Sozialstaat eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Turbo am 18. Dezember um 23:38 Uhr

Wie ich den Laden so kenne - wird „outgesourced”. Sprich: dieser
Plunder wird dann eben nur in die Länder verscheuert, die „nicht
so pingelig mit den Dezibels und Phonwerten herumwedeln”.
(Für Hartnäckige Trotzdemhabenwollende - „nur für den Export”
war schon immer eine gute Lachnummer.)

Da haben wir, todsicher, in Europa sicher noch eine Mehrheit von
Bananenrepubliken, die es da nicht soooo genau nehmen werden.

Verkauf also gesichert, Absatzmärkte noch und nöcher, und für
Oberschlaue rund um ihr Grundstück die akustische Schallmauer,
die - Witz der Technik - bei akustischen Angriffen der Ordnungs-
behörde sicher auch um einen Zehner-dB-Wert „absenk”- bzw.
dämpfbar sind. - Auf Knopfdruck, bzw. per Fernsteuerzapping!

Und sollte die Firma pleite gehen, gibt es genug ostasiatische
Nachbauten spätestens in einem halben Jahr bei ebay oder
sonstigen Billigheimern. Todsicher, wie oben bereits angesagt.

Kommentar von mr.t-ness am 19. Dezember um 11:49 Uhr

Ich frage mich, wie das wohl im Privaten aussieht? Da gibt es sicher eine große Zielgruppe die ihr Heim gerne vor “lauten” Kiddies schützen möchten. Möglicherweise auch Tankstellen etc.

Ja ich weiß, vielleicht etwas weit hergeholt, aber: Wäre das mit etwas mehr Forschungsarbeit vielleicht für den Jugendschutz einsetzbar (in z.B. ohnehin lauten Diskotheken?!) - blöder Gedanke, aber ein Gedanke ;)

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