Endreime, Polizisten und ein lustvoller politischer Kampf
Wie clever sind die Sicherheitsdienste?
Das Wort “Bulle” für jene beamtet uniformierten Ordnungshüter zu bemühen, die zwar kollektiv unter Kritik stehen, individuell aber auch durchaus anderen Daseinsformen des männlichen domestizierten Bos primigenius entsprechen können, ist unfein und pauschal verfälschend. Es gibt nämlich eine Menge netter Polizisten. Vor allem jene, die wie hübsche Vignetten zwischen den kleinen Geschichten in den Lesebüchern der Grundschule auftraten. Sie hatten zur hübschen Mütze immer ein mildes Lächeln, halfen alten Damen mit schwerem Gepäck, suchten mit kleinen blonden Mädchen einen verloren gegangenen Hund oder geleiteten einen Blinden über die Straße.

Alte Damen wirken heute jünger und fahren im Cabrio, Hunde sind mittlerweile an der Leine zu führen und dadurch vor Verlust geschützt. “Blind” darf heute politisch korrekt nurmehr als Adjektiv genutzt werden, also steht heute allenfalls ein “blinder Mensch” hin und wieder an achtspurigen Kreuzungen. Wenn er den Mut hat. Dafür muss er auf Hilfe lange warten, auf einen Polizisten wartet er sicher vergeblich.
Woher eigentlich der Begriff “Bulle” kam und wann er zum ersten mal im deutschen Sprachraum auftauchte, ist nicht ganz sicher. Man denkt sofort an Berlin. Erstens klingt er sehr Berlinisch, zweitens reimt es sich gut auf Stulle. Viele denken, es sei eine Wortschöpfung aus der Zeit der Straßenschlachten und Demonstrationen in den 60er und 70er Jahren.
Nähme man als Eselsbrücke allerdings ausschließlich die Assoziation zum männlichen Rind, gäbe es die weiteren Varianten Stier und Ochse. Und da fragt man sich, warum gerade das junge Schlachtrind - denn der Begriff ist aus der Bullenmast geläufig - dafür herhalten musste. Stiere und Ochsen werden nicht gemästet, hätten aber genauso als Namenspatron gewählt werden können.
Nein - eine andere Spur führt offensichtlicher zum Ziel. Der Ort stimmt, es war Berlin. Doch der Ursprung kommt aus dem Rotwelsch, dieser wunderbaren alten Gaunersprache, die vor allem im Berlin der goldenen Zwanziger Jahre eine wahre Blüte erlebte und bis heute ihre vielfältigen Spuren hinterlassen hat. “Bulle” leitet sich aus “Polente” oder “Puhler” ab, sprachwissenschaftlich machte dann die binnenhochdeutsche Konsonantenschwächung aus dem P ein B und die Nutzung der Vokale bleibt Berliner Geheimwissenschaft.
Klar wollte die Polizei nach Einführung des Kosenamen einen raffinierten Coup landen, um die unfreundliche Assoziation mit dem Rindvieh zu umgehen. Man griff zu einem Trick aus der Mottenkiste der Etymologie, der Bedeutung und sprachlichen Herkunft eines Begriffes, und wurde schnell fündig bei dem Wort “Bohler”. Bohler war die Bezeichnung für Polizisten im 18. Jahrhundert. Soweit, so gut. Offensichtlich ein raffinierter Hobbylinguist in Uniform hatte dann die Idee, “Bohler” leite sich aus dem niederländischen “bol”(=Kopf) ab und das bedeute so viel wie “kluger Kopf”. Kann sein, nur leider hat sich diese Wortherkunft nie durchgesetzt, die Assoziation erst recht nicht.
Auch “bewaffnet” bleibt der Staatsapparat ein Papiertiger
Ein Interview in der gestrigen Ausgabe der Welt-Online, so ernst sein Inhalt auch sein mag, ließ alte Erinnerungen wach werden. Bilder aus der Zeit von Gerhard Seyfrieds* köstlichen “Freakadellen und Buletten”, einem Comic, der dem alternativ-politischen Dasein die letztlich immer tölpelhaft daher kommende Staatsmacht gegenüberstellte.
Bis auf die Tatsache, dass die “Gegenseite” bewaffnet war - was ja durch Todesopfer wie Georg von Rauch, Benno Ohnesorg oder Thomas Weissbecker bedrohlicher Alltag war - führten manche Polizeieinsätze immer auch zu einer gehörigen Portion Spott, Häme und allseitiger Belustigung. Es waren keine KSK oder GSG9 - Kommandos, sondern Bereitschaftspolizisten, denen es zu allem Übel und in aller Regel an der nötigen technischen und praktischen Ausrüstung fehlte. Irgendwie konnte man ihnen mit Phantasie und Raffinesse immer ein Stück voraus sein.
Wendt wird konkret:
Da kann man auch schwarz sehen, denn erstens muss der Bundesinnenminister ständig neue Terroristen “erfinden” und zweitens wären es auch mit weiteren Milliarden verheizter Steuergelder unqualifizierte Mitarbeiter, die diese Geräte bedienen müssen. Und da wird es schwierig. Es ist im Kern immer noch die alte Pantoffel-Truppe, die ihren ärgsten Kritikern technologisch um Jahre hinterher hinkt. Ein bisschen nach “Gentrification” googlen schafft eben laut Bundesgerichtshof noch keinen Terroristen.
Klar hat Rainer Wendt eine weitergehende “Wunschliste”, mit der er propagandistisch Schäuble und den Forderungen des BKA in die Hände spielt. Er möchte präventiv abhören, Telefonate “Verdächtiger” aufzeichnen, und er beklagt, schon heute seien seine “Beamten an den Grenzen ihrer Belastbarkeit” beim ständigen Einsatz zur Terrorabwehr.
Propaganda und eine Verhaftung als Verzweiflungserfolg
Kein Wunder, will der oberste Dienstherr doch nun sämtliche Konvertiten unter Generalverdacht stellen. Immerhin hat Schäuble erfahren können, dass Terroristen gerade unter dieser Bevölkerungsgruppe Aktivisten rekrutieren. Vermutlich wurde ihm diese Meldung aus Tora Bora zugeraunt - durch ein abhörbares Polizeitelefon mit leerem Akku.
Einen 12-monatigen Intensiv-Kurs im Googlen hat aber offensichtlich ein hochrangiger BKA-Mitarbeiter belegen dürfen. Im Anschluss an die erfolgreiche Suche nach dem Begriff “Gentrification” stieß er jetzt auf Heike Schrader, eine Korrespondentin der linken Tageszeitung “junge welt”. Sie kam am Dienstag aus Griechenland zu einer Lesereise nach Deutschland, um ein neues Buch vorzustellen: “Guantanamo auf griechisch - Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat.”
Das passte einen Tag vor der Lissabonner Vertrags-Unterzeichnung so gar nicht ins Bild eines friedlichen Europa, in dem die Menschenrechte geachtet werden. Auf dem Frankfurter Flughafen nahm man sie kurzerhand fest, schleppte sie nach Karlsruhe und führte sie einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vor. Der eröffnete ihr den Haftbefehl wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, setzte ihn dann aber gegen Kautionsleistung und weitere Auflagen sofort außer Vollzug.
Offensichtlich hat die Generalbundesanwältin Harms aus den Urteilen des Bundesgerichtshofes gelernt. Nun wird bei ihr umgehend - bei ausreichend Bargeld - wieder freigelassen, wer kurz zuvor noch topgefährlicher Terrorist war? Heike Schrader zum Beispiel, sie war auf Einladung der Bundestagsfraktion Die Linke nach Deutschland gekommen, das Buch ist in dem renommierten Verlag Pahl-Rugenstein erschienen. Das ist der Sprengstoff, nach dem das BKA fahndet!
Und trotzdem!
Die Stimmung in Deutschland ist schlecht. Der größte Teil der Bevölkerung verschließt die Augen vor der politischen Realität. Wer noch ein bisschen Geld hat, tummelt sich im Rausch der Weihnachtseinkäufe. Anderen fehlen selbst zur Ablenkung durch Konsum die finanziellen Mittel. Wach und aufmerksam beobachten nur Wenige die Entwicklungen.
Nein - die Zeiten waren auch früher nicht rosig! Nicht erst der deutsche Herbst 1977 brachte polizeistaatliche Maßnahmen mit sich. Die Supermächte rüsteten in einem kaum zu bremsenden Tempo atomar auf, die Situation in Mitteleuropa war geprägt von politischer Spannung und der Suche nach vermeintlichen (RAF-) “Sympathisanten”.
Und trotzdem - bis auf einige linke Politkader, die sich die Stimmung in ihren eigenen, verbissen schein-kontroversen Debatten vermiesten - wurde mit Freude, Phantasie und Erfolg dem Staatsapparat die Stirn geboten. Der Kampf gegen den verhassten Gegner machte Spaß und ständig Lust auf mehr. Die Macht, gegen die man aufgestanden war, hatte man dabei in vollem Bewusstsein der Gefahr im Auge. Polizeirazzien in Wohnungen und auf offener Straße gehörten in manchen Stadtteilen von Hamburg, Frankfurt und Berlin zum Alltag. Geheimdienst-Anschläge unter falscher Flagge fanden ebenso statt wie heute, und vielen war das bewusst.
Heute dagegen verkriecht sich ein Großteil der vehementesten Regime-Kritiker in apathischer Angst vor ihren PC-Monitoren und googled nach Endgame, Global-Genozid und anderen selbstzerstörerischen Themen. Dabei wird das baldige Armageddon herbei lamentiert. So ändert man keine Welt und so wird man vor allem kaum glücklich werden.
Pony
Das Wort “Bulle” für jene beamtet uniformierten Ordnungshüter zu bemühen, die zwar kollektiv unter Kritik stehen, individuell aber auch durchaus anderen Daseinsformen des männlichen domestizierten Bos primigenius entsprechen können, ist unfein und pauschal verfälschend. Es gibt nämlich eine Menge netter Polizisten. Vor allem jene, die wie hübsche Vignetten zwischen den kleinen Geschichten in den Lesebüchern der Grundschule auftraten. Sie hatten zur hübschen Mütze immer ein mildes Lächeln, halfen alten Damen mit schwerem Gepäck, suchten mit kleinen blonden Mädchen einen verloren gegangenen Hund oder geleiteten einen Blinden über die Straße.

Alte Damen wirken heute jünger und fahren im Cabrio, Hunde sind mittlerweile an der Leine zu führen und dadurch vor Verlust geschützt. “Blind” darf heute politisch korrekt nurmehr als Adjektiv genutzt werden, also steht heute allenfalls ein “blinder Mensch” hin und wieder an achtspurigen Kreuzungen. Wenn er den Mut hat. Dafür muss er auf Hilfe lange warten, auf einen Polizisten wartet er sicher vergeblich.
Woher eigentlich der Begriff “Bulle” kam und wann er zum ersten mal im deutschen Sprachraum auftauchte, ist nicht ganz sicher. Man denkt sofort an Berlin. Erstens klingt er sehr Berlinisch, zweitens reimt es sich gut auf Stulle. Viele denken, es sei eine Wortschöpfung aus der Zeit der Straßenschlachten und Demonstrationen in den 60er und 70er Jahren.
Nähme man als Eselsbrücke allerdings ausschließlich die Assoziation zum männlichen Rind, gäbe es die weiteren Varianten Stier und Ochse. Und da fragt man sich, warum gerade das junge Schlachtrind - denn der Begriff ist aus der Bullenmast geläufig - dafür herhalten musste. Stiere und Ochsen werden nicht gemästet, hätten aber genauso als Namenspatron gewählt werden können.Nein - eine andere Spur führt offensichtlicher zum Ziel. Der Ort stimmt, es war Berlin. Doch der Ursprung kommt aus dem Rotwelsch, dieser wunderbaren alten Gaunersprache, die vor allem im Berlin der goldenen Zwanziger Jahre eine wahre Blüte erlebte und bis heute ihre vielfältigen Spuren hinterlassen hat. “Bulle” leitet sich aus “Polente” oder “Puhler” ab, sprachwissenschaftlich machte dann die binnenhochdeutsche Konsonantenschwächung aus dem P ein B und die Nutzung der Vokale bleibt Berliner Geheimwissenschaft.
Klar wollte die Polizei nach Einführung des Kosenamen einen raffinierten Coup landen, um die unfreundliche Assoziation mit dem Rindvieh zu umgehen. Man griff zu einem Trick aus der Mottenkiste der Etymologie, der Bedeutung und sprachlichen Herkunft eines Begriffes, und wurde schnell fündig bei dem Wort “Bohler”. Bohler war die Bezeichnung für Polizisten im 18. Jahrhundert. Soweit, so gut. Offensichtlich ein raffinierter Hobbylinguist in Uniform hatte dann die Idee, “Bohler” leite sich aus dem niederländischen “bol”(=Kopf) ab und das bedeute so viel wie “kluger Kopf”. Kann sein, nur leider hat sich diese Wortherkunft nie durchgesetzt, die Assoziation erst recht nicht.
Auch “bewaffnet” bleibt der Staatsapparat ein Papiertiger
Ein Interview in der gestrigen Ausgabe der Welt-Online, so ernst sein Inhalt auch sein mag, ließ alte Erinnerungen wach werden. Bilder aus der Zeit von Gerhard Seyfrieds* köstlichen “Freakadellen und Buletten”, einem Comic, der dem alternativ-politischen Dasein die letztlich immer tölpelhaft daher kommende Staatsmacht gegenüberstellte.
Bis auf die Tatsache, dass die “Gegenseite” bewaffnet war - was ja durch Todesopfer wie Georg von Rauch, Benno Ohnesorg oder Thomas Weissbecker bedrohlicher Alltag war - führten manche Polizeieinsätze immer auch zu einer gehörigen Portion Spott, Häme und allseitiger Belustigung. Es waren keine KSK oder GSG9 - Kommandos, sondern Bereitschaftspolizisten, denen es zu allem Übel und in aller Regel an der nötigen technischen und praktischen Ausrüstung fehlte. Irgendwie konnte man ihnen mit Phantasie und Raffinesse immer ein Stück voraus sein.
Wendt wird konkret:
Seit über zehn Jahren beschäftigt sich der Bund damit, einen abhörsicheren Polizeifunk auf den Weg zu bringen. Doch nichts passiert. Lediglich eine neue Bundesbehörde wurde gegründet, um den digitalen Polizeifunk einzuführen. Das grundsätzliche Problem ist, dass die Innenministerkonferenz über Innere Sicherheit zwar viel redet, aber fast nichts tut. (…)
Es ist ja nicht nur der abhörsichere Polizeifunk der fehlt, sondern auch so elementare Dinge wie Computer mit Netzwerkfunktion in den Streifenwagen. (…)
Wir brauchen dringend neues technisches Gerät und mehr finanzielle Mittel. Ich spreche hier nicht von ein paar zusätzlichen Millionen, sondern von ein paar zusätzlichen Milliarden Euro. Wir brauchen 50.000 zusätzliche Kräfte. Dabei geht es uns nicht nur um zusätzliche Polizisten, sondern um Spezialisten für Chemie, Abhörtechnik und Computersysteme. Das sind Leute, die sich nicht mit einem Beamtengehalt zufrieden geben werden, die wir aber dringend brauchen. Ansonsten sehe ich schwarz für den Anti-Terror-Kampf.
Da kann man auch schwarz sehen, denn erstens muss der Bundesinnenminister ständig neue Terroristen “erfinden” und zweitens wären es auch mit weiteren Milliarden verheizter Steuergelder unqualifizierte Mitarbeiter, die diese Geräte bedienen müssen. Und da wird es schwierig. Es ist im Kern immer noch die alte Pantoffel-Truppe, die ihren ärgsten Kritikern technologisch um Jahre hinterher hinkt. Ein bisschen nach “Gentrification” googlen schafft eben laut Bundesgerichtshof noch keinen Terroristen.
Klar hat Rainer Wendt eine weitergehende “Wunschliste”, mit der er propagandistisch Schäuble und den Forderungen des BKA in die Hände spielt. Er möchte präventiv abhören, Telefonate “Verdächtiger” aufzeichnen, und er beklagt, schon heute seien seine “Beamten an den Grenzen ihrer Belastbarkeit” beim ständigen Einsatz zur Terrorabwehr.
Propaganda und eine Verhaftung als Verzweiflungserfolg
Kein Wunder, will der oberste Dienstherr doch nun sämtliche Konvertiten unter Generalverdacht stellen. Immerhin hat Schäuble erfahren können, dass Terroristen gerade unter dieser Bevölkerungsgruppe Aktivisten rekrutieren. Vermutlich wurde ihm diese Meldung aus Tora Bora zugeraunt - durch ein abhörbares Polizeitelefon mit leerem Akku.
Einen 12-monatigen Intensiv-Kurs im Googlen hat aber offensichtlich ein hochrangiger BKA-Mitarbeiter belegen dürfen. Im Anschluss an die erfolgreiche Suche nach dem Begriff “Gentrification” stieß er jetzt auf Heike Schrader, eine Korrespondentin der linken Tageszeitung “junge welt”. Sie kam am Dienstag aus Griechenland zu einer Lesereise nach Deutschland, um ein neues Buch vorzustellen: “Guantanamo auf griechisch - Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat.”
Das passte einen Tag vor der Lissabonner Vertrags-Unterzeichnung so gar nicht ins Bild eines friedlichen Europa, in dem die Menschenrechte geachtet werden. Auf dem Frankfurter Flughafen nahm man sie kurzerhand fest, schleppte sie nach Karlsruhe und führte sie einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vor. Der eröffnete ihr den Haftbefehl wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, setzte ihn dann aber gegen Kautionsleistung und weitere Auflagen sofort außer Vollzug.
Offensichtlich hat die Generalbundesanwältin Harms aus den Urteilen des Bundesgerichtshofes gelernt. Nun wird bei ihr umgehend - bei ausreichend Bargeld - wieder freigelassen, wer kurz zuvor noch topgefährlicher Terrorist war? Heike Schrader zum Beispiel, sie war auf Einladung der Bundestagsfraktion Die Linke nach Deutschland gekommen, das Buch ist in dem renommierten Verlag Pahl-Rugenstein erschienen. Das ist der Sprengstoff, nach dem das BKA fahndet!
Und trotzdem!
Die Stimmung in Deutschland ist schlecht. Der größte Teil der Bevölkerung verschließt die Augen vor der politischen Realität. Wer noch ein bisschen Geld hat, tummelt sich im Rausch der Weihnachtseinkäufe. Anderen fehlen selbst zur Ablenkung durch Konsum die finanziellen Mittel. Wach und aufmerksam beobachten nur Wenige die Entwicklungen.

Nein - die Zeiten waren auch früher nicht rosig! Nicht erst der deutsche Herbst 1977 brachte polizeistaatliche Maßnahmen mit sich. Die Supermächte rüsteten in einem kaum zu bremsenden Tempo atomar auf, die Situation in Mitteleuropa war geprägt von politischer Spannung und der Suche nach vermeintlichen (RAF-) “Sympathisanten”.
Und trotzdem - bis auf einige linke Politkader, die sich die Stimmung in ihren eigenen, verbissen schein-kontroversen Debatten vermiesten - wurde mit Freude, Phantasie und Erfolg dem Staatsapparat die Stirn geboten. Der Kampf gegen den verhassten Gegner machte Spaß und ständig Lust auf mehr. Die Macht, gegen die man aufgestanden war, hatte man dabei in vollem Bewusstsein der Gefahr im Auge. Polizeirazzien in Wohnungen und auf offener Straße gehörten in manchen Stadtteilen von Hamburg, Frankfurt und Berlin zum Alltag. Geheimdienst-Anschläge unter falscher Flagge fanden ebenso statt wie heute, und vielen war das bewusst.
Heute dagegen verkriecht sich ein Großteil der vehementesten Regime-Kritiker in apathischer Angst vor ihren PC-Monitoren und googled nach Endgame, Global-Genozid und anderen selbstzerstörerischen Themen. Dabei wird das baldige Armageddon herbei lamentiert. So ändert man keine Welt und so wird man vor allem kaum glücklich werden.
Pony
Kommentar von chris_64 am 31. Dezember um 05:35 Uhr
Ein sehr “schöner” Artikel, vorallem die nett zu lesende Überleitung von den “Bullen” zum Hauptanliegen…
Dieser Absatz animierte mich sich auf diesem Blog zu registrieren und diesen post zu erstellen, und dabei muss ich anmerken, dass seit 6 Jahren aktiver Internetnutzung es mein erster Blog-Post ist, weil ich hiermit meine Annerkennung an qualitativer Recherchearbeit und Journalismusarbeit bezeugen möchte. Für gewöhnlich lese ich im Internet nur mit und kritisiere in meinem Privatumfeld, aber der letzte Absatz sagt wieso wir unsere Gedanken Publik machen sollten…
Bin heute auf eueren Blog gestossen und muss sagen: Weiter so!