Architekten als Terroristen verdächtigt
Eine der renommiertesten Web-Seiten zum 11. September geriet ins Fadenkreuz - ein Gastkommentar von Kopernikus
Sie gehört zwar noch zu den “jüngsten” 9/11-Webseiten, sicher aber schon zu einer der einflussreichsten in der sogenannten “Truther-Bewegung”. 200 Architekten, Statiker und Ingenieure, unter ihnen Spezialisten für Gebäude wie das World-Trade-Center, fordern darin eine erneute Untersuchung der Einsturzursache. “Die offizielle Version kann nicht stimmen”, ist die Quintessenz ihres fachlichen Urteils.
Man erinnert sich noch an die Worte des US-Präsidenten Bush vom 20. September 2001: “Entweder sind sie für uns oder für die Terroristen“. Alles nur politische Rhetorik, hätte man glauben können. Zweifel daran ergaben sich aber bereits kurz nach dem 11. September 2001, als der “Patriot Act” verabschiedet wurde, ein umfangreiches Regelwerk zur Ausweitung und Legitimation polizeilicher und geheimdienstlicher Optionen noch nicht gekannten Ausmaßes.
In kollektiver Verteidigungshaltung griffen die USA zu diesen und anderen außergewöhnlichen Exekutivmaßnahmen innerhalb des eigenen Landes und begannen mit der Aushöhlung der Grundrechte. Natürlich alles zum Schutz der Bürger und der Freiheit, so wurde es gesagt. Dass dieser Schutz durch die interpretierbare Gesetzgebung auch die vermeintlich Geschützten zu Opfern machen könnte, wurde spätestens mit dem “Military Commissions Act” (Oktober 2006) noch offensichtlicher. Er erlaubt unter anderem Militärprozesse unter Umgehung rechtsstaatlicher Prinzipien gegen verdächtigte “ungesetzliche Kombattanten” sowie die Verwertung von Informationen vom Hörensagen oder durch Folter.
Währenddessen ließen die Unklarheiten und unbeantworteten Fragen zum 11. September 2001 viele US-Bürger skeptisch werden und mobilisierten eine beispiellose Bewegung, die im Tenor ein gemeinsam Ziel anstrebt: eine neue Untersuchung der Umstände und Hintergründe des 11.9.2001. Das sogenannte “9/11 Truth Movement” wird neben unzähligen Privatpersonen durch kritische Individuen aus Politik, Geheimdiensten und Militär repräsentiert.
Aber auch Gruppen verschiedener Wissenschaftler aus den Bereichen Physik und Chemie beschäftigt das Thema genauso wie mittlerweile über 200 akkreditierte Architekten, Bauingeneure und Statiker, die die offiziellen Erklärungen - insbesondere der physikalischen Umstände der drei World Trade Center-Kollapse - skeptisch bewerten und Antworten von offizieller Stelle fordern. Sie haben sich mit dem renommierten Architekten Richard Gage, einem Spezialisten für Stahlrahmen-Bauten, als “Architects & Engineers for 9/11 Truth” zusammengeschlossen.
Bürger, Zweifler, Terrorist?
Am 6. November referierte Mark Weitzman vom “Simon Wiesenthal Center” bei einer Anhörung zur Heimatsicherheit des US-Repräsentantenhauses unter dem Thema “Web als Waffe: das Internet als Werkzeug für gewalttätige Radikalisierung und einheimische Terroristen“. Weitzman führte dabei aus, dass neben den Internetpräsenzen radikaler Jihadisten auch eine große Zahl von Seiten mit “911-Verschwörungstheorien” zu finden sind. Diese zeigen seiner Ansicht nach auf, wie manche Menschen die Anschläge bewerten und mit Desinformation und Verschwörungen eine parallele Realität schaffen.
Unter anderem ist in Weitzmans Powerpoint Präsentation auch ein Screenshot der Domain besagter “Architects & Engineers for 9/11 Truth” zu finden. Dass jene nun im Zuge der heimatlichen Gefahreneinstufung als potentieller Quell von “Homegrown Terrorists” auf einer Liste gefährlicher Internetseiten zwischen Bombenbau-Anleitungen der Jihadisten-Plattformen präsentiert wurden, erinnert bitter an Bushs oben zitierte Worte. Gleichzeitig betont es die praktische Umsetzung seiner undifferenzierten Perspektive “für uns, oder für die Terroristen” durch politische Akteure.
Wer die offiziellen Erklärungen zum 11. September 2001 hinterfragt oder sich gemeinsam mit anderen öffentlich dem kritischen Diskurs hingibt, läuft Gefahr, als Terrorist oder dessen Förderer eingestuft zu werden. Sind die “Feinde der Freiheit” und “die Feinde der westlichen Welt” also auch Architekten oder Akademiker, die aufgrund ihrer fachlichen Erfahrung grundlegende und meist nicht oder nur unzureichend beantwortete Fragen zum 11. September stellen? “Es handelt sich wohl um ein Missverständnis”, widerspricht Mark Weitzman in einer Stellungnahme zahlreichen E-Mails, die er nach Bekanntwerden seiner Präsentation erhielt. Sein Vortrag “beschäftigte sich mit einheimischen Terroristen und nicht mit dem 11. September 2001″. Seine Verweise bezogen sich auf die “Art wie manche Menschen den 11. September wahrnehmen, einschließlich derer, die es begrüssten und einige Verschwörungs-Websites”.
Die “einzigen Bedenken in Bezug auf den 11. September” gäbe es, wenn es “sich dabei um Nährboden für Hass” handele. Wie Weitzman unter diesen Voraussetzungen ausgerechnet die “Architects & Engineers for 9/11 Truth” einbringen konnte, bleibt also rätselhaft. Es drängt sich der Gedanke auf, dass der Verdacht des Terrorismus oder jeglicher denkbarer Derivate bewusst auf die breite Masse und insbesondere auch auf Skeptiker der eigenen politischen Entwicklung ausgedehnt wird.
Diese willkürliche Vergrößerung des Heuhaufens wird indes die Nadel nicht schneller auffindbar machen. Wenn Jedermann pauschal in Verdacht gerät oder wegen systemkritischer (aber friedlicher) Äußerungen zum Terroristen abgestempelt würde, so würde die Suche nach “echten Terroristen” mit gewalttätigem Hintergrund wohl zur unlösbaren Aufgabe - oder schiene nicht das eigentliche Ziel zu sein.
Um so erschreckender, dass kurz vor dieser fragwürdigen Verquickung von Jihadisten und kritischen US-Bürgern der US-Senat am 23.10.2007 den “Violent Radicalization and Homegrown Terrorism Prevention Act of 2007 - H.R. 1955” beschloss. Während die USA gebannt die Waldbrände in Kalifornien verfolgten, konnte der Senatsentscheidung leider kein großer öffentlicher Disput vorausgehen. Der Beschluss soll dazu dienen, Maßnahmen zu ergreifen, die erstmals gezielt radikale und terroristische US-Bürger und deren Aktivitäten aufspüren und eindämmen sollen. Genau diesem Thema - in Bezug auf das Internet - widmete sich Mark Weitzman zwei Wochen später mit seinem Vortrag.
Im Zuge des “Krieges gegen Terror” mit all seinen Mitteln scheint es demnach auch nicht ungewöhnlich, dass einige deutsche Bundesorgane - mit vermutlich guten Verbindungen zur US-Homelandsecurity - gestern ihren Plan für eine größere und stärkere Überwachung (u.a. von Unverdächtigen) hier in Deutschland publik machten.
Kopernikus
Zur weiteren Information: Ein kurzes Gespräch von Amy Goodman (Democracy NOW!) zu dem eiligst durchgepeitschten Anti-Terror-Gesetz und einigen Hintergründen: Jane Harman, RAND Corp. and H.R. 1955
Sie gehört zwar noch zu den “jüngsten” 9/11-Webseiten, sicher aber schon zu einer der einflussreichsten in der sogenannten “Truther-Bewegung”. 200 Architekten, Statiker und Ingenieure, unter ihnen Spezialisten für Gebäude wie das World-Trade-Center, fordern darin eine erneute Untersuchung der Einsturzursache. “Die offizielle Version kann nicht stimmen”, ist die Quintessenz ihres fachlichen Urteils.
Man erinnert sich noch an die Worte des US-Präsidenten Bush vom 20. September 2001: “Entweder sind sie für uns oder für die Terroristen“. Alles nur politische Rhetorik, hätte man glauben können. Zweifel daran ergaben sich aber bereits kurz nach dem 11. September 2001, als der “Patriot Act” verabschiedet wurde, ein umfangreiches Regelwerk zur Ausweitung und Legitimation polizeilicher und geheimdienstlicher Optionen noch nicht gekannten Ausmaßes.
In kollektiver Verteidigungshaltung griffen die USA zu diesen und anderen außergewöhnlichen Exekutivmaßnahmen innerhalb des eigenen Landes und begannen mit der Aushöhlung der Grundrechte. Natürlich alles zum Schutz der Bürger und der Freiheit, so wurde es gesagt. Dass dieser Schutz durch die interpretierbare Gesetzgebung auch die vermeintlich Geschützten zu Opfern machen könnte, wurde spätestens mit dem “Military Commissions Act” (Oktober 2006) noch offensichtlicher. Er erlaubt unter anderem Militärprozesse unter Umgehung rechtsstaatlicher Prinzipien gegen verdächtigte “ungesetzliche Kombattanten” sowie die Verwertung von Informationen vom Hörensagen oder durch Folter.
Währenddessen ließen die Unklarheiten und unbeantworteten Fragen zum 11. September 2001 viele US-Bürger skeptisch werden und mobilisierten eine beispiellose Bewegung, die im Tenor ein gemeinsam Ziel anstrebt: eine neue Untersuchung der Umstände und Hintergründe des 11.9.2001. Das sogenannte “9/11 Truth Movement” wird neben unzähligen Privatpersonen durch kritische Individuen aus Politik, Geheimdiensten und Militär repräsentiert.
Aber auch Gruppen verschiedener Wissenschaftler aus den Bereichen Physik und Chemie beschäftigt das Thema genauso wie mittlerweile über 200 akkreditierte Architekten, Bauingeneure und Statiker, die die offiziellen Erklärungen - insbesondere der physikalischen Umstände der drei World Trade Center-Kollapse - skeptisch bewerten und Antworten von offizieller Stelle fordern. Sie haben sich mit dem renommierten Architekten Richard Gage, einem Spezialisten für Stahlrahmen-Bauten, als “Architects & Engineers for 9/11 Truth” zusammengeschlossen.
Bürger, Zweifler, Terrorist?
Am 6. November referierte Mark Weitzman vom “Simon Wiesenthal Center” bei einer Anhörung zur Heimatsicherheit des US-Repräsentantenhauses unter dem Thema “Web als Waffe: das Internet als Werkzeug für gewalttätige Radikalisierung und einheimische Terroristen“. Weitzman führte dabei aus, dass neben den Internetpräsenzen radikaler Jihadisten auch eine große Zahl von Seiten mit “911-Verschwörungstheorien” zu finden sind. Diese zeigen seiner Ansicht nach auf, wie manche Menschen die Anschläge bewerten und mit Desinformation und Verschwörungen eine parallele Realität schaffen.
Unter anderem ist in Weitzmans Powerpoint Präsentation auch ein Screenshot der Domain besagter “Architects & Engineers for 9/11 Truth” zu finden. Dass jene nun im Zuge der heimatlichen Gefahreneinstufung als potentieller Quell von “Homegrown Terrorists” auf einer Liste gefährlicher Internetseiten zwischen Bombenbau-Anleitungen der Jihadisten-Plattformen präsentiert wurden, erinnert bitter an Bushs oben zitierte Worte. Gleichzeitig betont es die praktische Umsetzung seiner undifferenzierten Perspektive “für uns, oder für die Terroristen” durch politische Akteure.
Wer die offiziellen Erklärungen zum 11. September 2001 hinterfragt oder sich gemeinsam mit anderen öffentlich dem kritischen Diskurs hingibt, läuft Gefahr, als Terrorist oder dessen Förderer eingestuft zu werden. Sind die “Feinde der Freiheit” und “die Feinde der westlichen Welt” also auch Architekten oder Akademiker, die aufgrund ihrer fachlichen Erfahrung grundlegende und meist nicht oder nur unzureichend beantwortete Fragen zum 11. September stellen? “Es handelt sich wohl um ein Missverständnis”, widerspricht Mark Weitzman in einer Stellungnahme zahlreichen E-Mails, die er nach Bekanntwerden seiner Präsentation erhielt. Sein Vortrag “beschäftigte sich mit einheimischen Terroristen und nicht mit dem 11. September 2001″. Seine Verweise bezogen sich auf die “Art wie manche Menschen den 11. September wahrnehmen, einschließlich derer, die es begrüssten und einige Verschwörungs-Websites”.
Die “einzigen Bedenken in Bezug auf den 11. September” gäbe es, wenn es “sich dabei um Nährboden für Hass” handele. Wie Weitzman unter diesen Voraussetzungen ausgerechnet die “Architects & Engineers for 9/11 Truth” einbringen konnte, bleibt also rätselhaft. Es drängt sich der Gedanke auf, dass der Verdacht des Terrorismus oder jeglicher denkbarer Derivate bewusst auf die breite Masse und insbesondere auch auf Skeptiker der eigenen politischen Entwicklung ausgedehnt wird.
Diese willkürliche Vergrößerung des Heuhaufens wird indes die Nadel nicht schneller auffindbar machen. Wenn Jedermann pauschal in Verdacht gerät oder wegen systemkritischer (aber friedlicher) Äußerungen zum Terroristen abgestempelt würde, so würde die Suche nach “echten Terroristen” mit gewalttätigem Hintergrund wohl zur unlösbaren Aufgabe - oder schiene nicht das eigentliche Ziel zu sein.
Um so erschreckender, dass kurz vor dieser fragwürdigen Verquickung von Jihadisten und kritischen US-Bürgern der US-Senat am 23.10.2007 den “Violent Radicalization and Homegrown Terrorism Prevention Act of 2007 - H.R. 1955” beschloss. Während die USA gebannt die Waldbrände in Kalifornien verfolgten, konnte der Senatsentscheidung leider kein großer öffentlicher Disput vorausgehen. Der Beschluss soll dazu dienen, Maßnahmen zu ergreifen, die erstmals gezielt radikale und terroristische US-Bürger und deren Aktivitäten aufspüren und eindämmen sollen. Genau diesem Thema - in Bezug auf das Internet - widmete sich Mark Weitzman zwei Wochen später mit seinem Vortrag.
Im Zuge des “Krieges gegen Terror” mit all seinen Mitteln scheint es demnach auch nicht ungewöhnlich, dass einige deutsche Bundesorgane - mit vermutlich guten Verbindungen zur US-Homelandsecurity - gestern ihren Plan für eine größere und stärkere Überwachung (u.a. von Unverdächtigen) hier in Deutschland publik machten.
Kopernikus
Zur weiteren Information: Ein kurzes Gespräch von Amy Goodman (Democracy NOW!) zu dem eiligst durchgepeitschten Anti-Terror-Gesetz und einigen Hintergründen: Jane Harman, RAND Corp. and H.R. 1955