Es brodert wieder - die Achse der Verkommenheit
… oder wie man im Café Tamar zum guten Juden wird
“Israels Politik fördert Antisemitismus” überschrieb der ‘Stern’ in seiner jüngsten Ausgabe ein Interview mit Alfred Grosser.
Das Café Tamar in Tel Aviv
Wie eine Präambel setzt Grosser auf die erste Frage seine Worte, warum er einer der härtesten europäischen Kritiker der Politik Israels sei, was ihn antreibe, “Ganz einfach: dass ich unter anderem Jude bin.”
Grosser gilt als einer der Väter der Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn immer es darum ging, gegen die Verletzung von Menschenrechten die Stimme zu erheben, Alfred Grosser meldete sich zu Wort. Schon früh hat er nicht nur für einen Frieden zwischen Israel und Palästina plädiert, er hat als Jude auch vehement die israelische Besatzungspolitik verurteilt. Grosser war es auch, der immer wieder auf die Instrumentalisierung des Holocaust gegenüber den Deutschen hinwies, die es verbiete, Israels Politik zu kritisieren.
Jüdische Kritik an Israel - noch dazu aus berufenem Mund - das hat schon immer zu Aufregung im Lager der israeltreuen Glaubensbrüder geführt. Was, wenn ein renommierter Publizist, ein hochdekorierter Politologe wie Grosser diese Kritik massenwirksam im Stern äußern darf?
Mythomanie infolge sozialer Deprivation? Eine polemische Replik
Offensichtlich außerhalb jeder sozialen Kontrolle und Reflektion dümpeln ein paar Autoren auf einer Webseite, die sich “Die Achse des Guten” nennt. In diesem “publizistischen Netzwerk” sondert auch Henryk M. Broder hin und wieder zu Pixeln gewordene Fäkalausscheidungen ab. Von J. G. Ballard wissen wir, dass anorektale Entleerungen eine besondere “Faszination auf Hausfrauen mittlerer Einkommensschichten” ausüben. Allerdings bezieht sich Ballards Beobachtung in “Atrocity Exhibition” auf Hinrichtungen. Wie auch immer - es muss schlimm um Broder stehen.
Als finales Aufbäumen gegen jede Form politischer Realität ist deshalb sein letztes Exkrement zu werten, “Wer Jude ist, bestimme ich!”.
Jüdische Stimmen gegen die israelische Okkupation Palästinas werden mehr und sie werden lauter. Das war dem selbsternannten Achsenwart schon immer ein Gräuel. In der üblichen Polemik rechtszionistischer Hardliner tituliert er sie „jüdische Antisemiten“ und „jüdische Selbsthasser“. Seine Elogen der Menschenverachtung zu verfolgen, lohnt nicht. In seiner argumentativen Hilflosigkeit gegen “den großen” Grosser offenbart er nun jedoch sein endgültiges persönliches Scheitern. Und das macht Spass.
Bei dem Kommentar zu Grossers Interview im Stern hat ganz offensichtlich Ratlosigkeit Broder die Feder geführt. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, bestreitet er kurzerhand Grossers Identität. Nach den üblichen substanzlosen Tiraden verrennt er sich zu der “Erkenntnis”: ALFRED GROSSER IST GAR KEIN JUDE!
Der Leser staunt und erfährt, “….Grosser war weder bei Kol Nidre in einer Synagoge, noch wurde er jemals im Café Tamar in Tel Aviv gesehen.“ Herr Broder - kennen Sie Ihre Religion? Ein Kind, das ein jüdische Mutter gebiert, gilt nach dem jüdischen Recht als Jude. Millionen Juden waren noch nie im Café Tamar.
Doch es wird noch besser: Unbestritten waren Alfred Grossers Eltern deutsche Juden, die 1933 nach Hitlers Machtergreifung aus Nazi-Deutschland nach Frankreich flohen. Bei Broder hört sich das so an: „Seine Eltern haben Deutschland 1933 verlassen, weil sie sich als Freimaurer bedroht fühlten.“ Richtig infam wird Broder, wenn er unterstellt, die Bedrohung der Familie Grosser sei nur „gefühlt“ gewesen. Das ist mehr als ein übler Trick, um dem Juden Alfred Grosser auf billigste Weise am Zeug flicken zu können.
Es wird nicht mehr lange dauern und Broder bemüht das genealogische „Argument“. Volljude ist nur, wer vier jüdische Großeltern im Stammbaum vorweisen kann, Grosser kann. Irgendwie klingt das bekannt. Und damit ist Broder da angekommen, wo viele ihn schon lange vermuten: Ganz rechts außen! NAZI und ZION - die heimliche Allianz.
Pony
“Israels Politik fördert Antisemitismus” überschrieb der ‘Stern’ in seiner jüngsten Ausgabe ein Interview mit Alfred Grosser.
Das Café Tamar in Tel AvivWie eine Präambel setzt Grosser auf die erste Frage seine Worte, warum er einer der härtesten europäischen Kritiker der Politik Israels sei, was ihn antreibe, “Ganz einfach: dass ich unter anderem Jude bin.”
“Solange Palästinenser an der Mauer gedemütigt werden, solange ein palästinensischer Staat unmöglich ist, weil die Siedlungen und die Straßen nur für Israelis sind, solange eine territoriale Kontinuität unmöglich ist, wird Israel nicht in Frieden leben. Auf Dauer kann man mit Gewalt allein nicht regieren. Wissen Sie, ich bin in Frankfurt als kleiner Junge verachtet worden, weil ich Jude war. Ich weiß also, wie sich das anfühlt. Und ich will deshalb nicht akzeptieren, dass Juden andere Menschen mit Verachtung behandeln.”
Grosser gilt als einer der Väter der Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn immer es darum ging, gegen die Verletzung von Menschenrechten die Stimme zu erheben, Alfred Grosser meldete sich zu Wort. Schon früh hat er nicht nur für einen Frieden zwischen Israel und Palästina plädiert, er hat als Jude auch vehement die israelische Besatzungspolitik verurteilt. Grosser war es auch, der immer wieder auf die Instrumentalisierung des Holocaust gegenüber den Deutschen hinwies, die es verbiete, Israels Politik zu kritisieren.
“In diesem Punkt stehe ich hinter Martin Walsers Kritik an der Auschwitz-Keule. Ja, ich sehe diese Keule, die ständig gegen Deutsche geschwungen wird, falls sie etwas gegen Israel sagen. Tun sie es trotzdem, sagt die Keule sofort: ‘Ich schlage dich mit Auschwitz.’ Ich finde das unerträglich. Ich habe immer gegen Antisemitismus gekämpft. Und ich werde es immer tun! Aber Israelkritik per se mit Antisemitismus gleichzusetzen - das ist falsch und führt in die Irre.”
Jüdische Kritik an Israel - noch dazu aus berufenem Mund - das hat schon immer zu Aufregung im Lager der israeltreuen Glaubensbrüder geführt. Was, wenn ein renommierter Publizist, ein hochdekorierter Politologe wie Grosser diese Kritik massenwirksam im Stern äußern darf?
Mythomanie infolge sozialer Deprivation? Eine polemische Replik
Offensichtlich außerhalb jeder sozialen Kontrolle und Reflektion dümpeln ein paar Autoren auf einer Webseite, die sich “Die Achse des Guten” nennt. In diesem “publizistischen Netzwerk” sondert auch Henryk M. Broder hin und wieder zu Pixeln gewordene Fäkalausscheidungen ab. Von J. G. Ballard wissen wir, dass anorektale Entleerungen eine besondere “Faszination auf Hausfrauen mittlerer Einkommensschichten” ausüben. Allerdings bezieht sich Ballards Beobachtung in “Atrocity Exhibition” auf Hinrichtungen. Wie auch immer - es muss schlimm um Broder stehen.
Als finales Aufbäumen gegen jede Form politischer Realität ist deshalb sein letztes Exkrement zu werten, “Wer Jude ist, bestimme ich!”.
Jüdische Stimmen gegen die israelische Okkupation Palästinas werden mehr und sie werden lauter. Das war dem selbsternannten Achsenwart schon immer ein Gräuel. In der üblichen Polemik rechtszionistischer Hardliner tituliert er sie „jüdische Antisemiten“ und „jüdische Selbsthasser“. Seine Elogen der Menschenverachtung zu verfolgen, lohnt nicht. In seiner argumentativen Hilflosigkeit gegen “den großen” Grosser offenbart er nun jedoch sein endgültiges persönliches Scheitern. Und das macht Spass.
Bei dem Kommentar zu Grossers Interview im Stern hat ganz offensichtlich Ratlosigkeit Broder die Feder geführt. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, bestreitet er kurzerhand Grossers Identität. Nach den üblichen substanzlosen Tiraden verrennt er sich zu der “Erkenntnis”: ALFRED GROSSER IST GAR KEIN JUDE!
Der Leser staunt und erfährt, “….Grosser war weder bei Kol Nidre in einer Synagoge, noch wurde er jemals im Café Tamar in Tel Aviv gesehen.“ Herr Broder - kennen Sie Ihre Religion? Ein Kind, das ein jüdische Mutter gebiert, gilt nach dem jüdischen Recht als Jude. Millionen Juden waren noch nie im Café Tamar.
Doch es wird noch besser: Unbestritten waren Alfred Grossers Eltern deutsche Juden, die 1933 nach Hitlers Machtergreifung aus Nazi-Deutschland nach Frankreich flohen. Bei Broder hört sich das so an: „Seine Eltern haben Deutschland 1933 verlassen, weil sie sich als Freimaurer bedroht fühlten.“ Richtig infam wird Broder, wenn er unterstellt, die Bedrohung der Familie Grosser sei nur „gefühlt“ gewesen. Das ist mehr als ein übler Trick, um dem Juden Alfred Grosser auf billigste Weise am Zeug flicken zu können.
Es wird nicht mehr lange dauern und Broder bemüht das genealogische „Argument“. Volljude ist nur, wer vier jüdische Großeltern im Stammbaum vorweisen kann, Grosser kann. Irgendwie klingt das bekannt. Und damit ist Broder da angekommen, wo viele ihn schon lange vermuten: Ganz rechts außen! NAZI und ZION - die heimliche Allianz.
Pony
Kommentar von tar am 16. Oktober um 19:03 Uhr
es soll eine von nazis und juden zusammen gesteuerte aussiedlung der juden nach nahost zumindest bis vor ‘38 gegeben haben, leider habe ich die quelle jetzt nicht zur hand und kann dies nicht belegen.
die zionisten zogen den holocaust aber bewußt zur staatenbildung israels und auch heute noch zur ausschaltung jeglicher kritik heran. da gibt es böse zungen, die behaupten, dass das gebrachte opfer (holocaust) von den zionisten so gewollt war, um ihre ziele durchzudrücken.
Kommentar von pony_huetchen am 16. Oktober um 19:13 Uhr
All das wird hin und wieder gesagt. Ich weiß es nicht. Millionen jüdischer und anderer Menschenleben hat das NAZI-Regime gefordert.
Wer die tatsächlichen Drahtzieher waren mag historisch von großem Interesse sein, an der Tatsache ändert es nichts.
Ich finde es verabscheuungswürdig, wie Broder die Schicksale jüdischer Familien ignoriert, ganz so, wie es in SEIN politisches Konzept paßt. Das ist ekelhaft und durch nichts zu entschuldigen.
Eines ist sicher: Zwischen aufrechte Meschen darf niemand aus ideologisch-politischem Kalkül einen Keil treiben. Diese aufrechten Menschen aber sind überall - unabhängig von Religion und Herkunft - zu finden. Grosser ist einer von ihnen.
Kommentar von tar am 16. Oktober um 19:58 Uhr
vollkommene übereinstimmung. bei broder ziehe ich übrigens immer seine eigene seite zurate, wenn ich es nicht mehr aushalte
Kommentar von isularossa am 16. Oktober um 19:58 Uhr
Meine Alte Schule in Bad Bergzabern wurde vor kurzem mit großem Festakt in das Alfred Grosser Gymnasium umbenannt.
Jetzt werde ich diesen Artikel einem Sozialkundelehrer an dieser Schule schicken, damit er die Schüler ein wenig auf poltblog.net sensibilisieren kann.
Schön nach einigen Monaten und einem Umzug wieder einen Internetzugang zu besitzen um die RICHTIGEN Nachrichten konsumiern zu können.
Kommentar von La Gioconda am 16. Oktober um 20:00 Uhr
Man muss vorsichtig sein mit Ferndiagnosen von Krankheiten. Aber im Fall Broder - den ich in seiner “normalen” Zeit als Publizist sehr geschätzt habe - hab ich wirklich den Eindruck, dass er in den letzten Jahren von einem Wahn befallen ist, einer Paranoia und wirklich nicht gesunden Bush-Freundlichkeit. Schlimm finde ich, dass der ‘Spiegel’ nicht merkt, dass sein Autor nicht mehr wirklich zurechnungsfähig ist. Der Mann sieht wirklich nicht mehr klar. Was ich sehr traurig finde.
Kommentar von Herr Horst am 16. Oktober um 20:04 Uhr
@tar: Die Behauptung die Juden wären an ihrer Vernichtung selber schuld halte ich für sehr bedenklich vor allem da von den Neo-Nazi’s verwendet wird, um die deutsche Schuld zu relativieren. Die NS-Ideologie war so menschenverachtend, dass niemand Einfluss nehmen musste, um den Holocaust herbeizuführen auch wenn nicht zu bestreiten ist, dass der Holocaust heute verwendet wird um Kritiker Israels mundtot zu machen
Kommentar von Morrison am 16. Oktober um 20:10 Uhr
Broder ist ein sehr guter Journalist.
Er verdient das Bundesverdienstkreuz, ohne am Bande.
Aber vielleicht ist er schon zu alt, um diese Ehre noch zu erleben. Neider.
Das nächste Weltgeschehen steht ja vor der Tür.
Hallelujah
Ihr ergebenster Herr Joffe
Kommentar von Jonas am 16. Oktober um 20:20 Uhr
Wie unterscheiden sich die Wörter Nazi und Zion ?
Richtig nur in dem A und dem O
…
Kommentar von NK-44 am 16. Oktober um 21:07 Uhr
Da hatte der Broder wohl mal wieder einen akuten Anfall von Logorroeh.
Armer Kerl
Kommentar von schere am 16. Oktober um 21:39 Uhr
Was glauben Sie, wer es war, der im März 1912 vor Publikum in Berlin sagte, dass „jedes Land nur eine begrenzte Anzahl von Juden aufnehmen könne, wenn es keine „Magenbeschwerden“ haben wolle. Und „Deutschland habe bereits zu viele Juden“?
Nein, es war nicht Adolf Hitler, sondern Chaim Weizmann, der spätere Präsident der Zionistischen Weltorganisation und erste Präsident Israels.
http://www.kai-homilius-verlag...../index.php
Kommentar von GlobalWarning am 16. Oktober um 22:41 Uhr
Der Spiegel weiß ganz genau was das soll. Broder ist wohl sowas wie der Propaganda-Joker bei denen.
Wahrscheinlich sieht Broder wirklich nicht mehr klar. Wahrscheinlich sieht er nur noch EURO-Zeichen in seinen Augen…
Kommentar von A-N.Onym am 16. Oktober um 22:45 Uhr
@schere
Der Kai Homilius Verlag ist leider auch nicht so ganz koscher, wie man in diesem sehr aufschlussreichen Interview nachlesen kann.
Kommentar von Bella am 16. Oktober um 23:15 Uhr
Zionismus und Faschismus
Original Titel: The Zionism in the Age of the Dictators
von Lenni Brenner, übersetzt von Verena Gajewski
Über die unheimliche Zusammenarbeit von Faschisten und Zionisten
368 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 2007
Edition Zeitgeschichte Band 21
24.80 €
Vorwort von: Dieter Elken
Mit der Gründungslegende des Staates Israel von 1948 wurden nahezu alle Hinweise auf die vorangegangene Verstrickung zionistischer Kreise in die Kollaboration mit den europäischen Faschisten getilgt bzw. im Nachhinein als unbedingt notwendig zur Rettung der Juden gerechtfertigt. Israel sollte zukünftig ein Heimplatz aller Juden, insbesondere der von den faschistischen Mächten verfolgten sein.
Ist es vor diesem Hintergrund vorstellbar, dass jüdische Organisationen nicht nur lukrative Geschäfte mit den Mördern des eigenen Volkes machten, sondern diese auch aktiv und passiv unterstützten?
Ist es vorstellbar, dass diese sogar jüdische Widerstandskämpfer an die Gestapo verrieten?
Ist es vorstellbar, dass sowohl die Machtergreifung Hitlers als auch die Nürnberger Rassegesetze in jüdischen Medien begrüßt wurden?
Ist es vorstellbar, dass der herrschende Antisemitismus missbraucht wurde, um genügend Wehrsiedler für Palästina zu rekrutieren?
Lenni Brenner hat recherchiert und ist auf unglaubliche Antworten zu diesen Fragen gestoßen.
siehe auch:
Die ethnische Säuberung Palästinas
Die ethnische Säuberung Palästinas.
“Nach unserer Vorstellung muss die Kolonisierung Palästinas in zwei Richtungen erfolgen: jüdische Ansiedelung in Eretz Israel und Umsiedlung der Araber aus Eretz Israel in Gebiete außerhalb des Landes.” Leo Motzkin, Funktionär des Zionistischen Kongresses, 1917. Eine israelische Stadt ist nach ihm benannt.
“Ich bin für Zwangsumsiedlung; darin sehe ich nichts Unmoralisches.” David Ben Gurion an die Exekutive der Jewish Agency, Juni 1938
“So etwas wie ein Palästinenservolk gibt es nicht, es hat nie existiert.”
Golda Meir 1969
Der israelische Historiker Ilan Pappe zeigt in seiner erschütternden Dokumentation, wie es der Führung des gerade gegründeten Staates Israel gelang, die arabische Bevölkerung in den Augen des eigenen Volkes und der Welt zu entmenschlichen, zu vertreiben und eigene Greueltaten zu legitimieren.
“Ethnische Säuberung:”Klar umrissene Politik einer bestimmten Personengruppe, eine andere Gruppe aufgrund religiöser, ethnischer oder nationaler Herkunft systematisch aus einem bestimmten Territorium zu eliminieren. Eine solche Politik umfasst Gewalt und geht sehr oft mit Militäroperationen einher. Sie ist mit allen möglichen Mitteln von Diskriminierung bis zur Vernichtung zu erreichen und bringt Verletzungen der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts mit sich.” (Drazen Petrovic, “Ethnic Cleansing - An Attempt at Methodology”, European Journal of International Law, 5/3 (1994), S. 342-60.)
Zwei Monate vor dem Ende der britischen Verwaltung Palästinas im Auftrag der UN, am 10. März 1948, trifft sich im Roten Haus in Tel Aviv, dem Hauptquartier der Untergrundmiliz Hagana, eine Runde hochrangiger zionistischer Politiker. Eingeladen hat David Ben Gurion, später Ministerpräsident Israels. Mit dabei sind Politiker und Militärführer wie unter anderem Yigal Allon (später Außenminister), Moshe Dayan (später Verteidigungs- und Außenminister), Yigael Yadin (später stellvertretender Ministerpräsident), Yitzchak Rabin (später Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger).
Sie verabreden die Endfassung eines Masterplans zur Vertreibung der arabischen Bevölkerung: “Plan Dalet” (Plan D). Das Land - nur zu elf Prozent im Besitz der jüdischen Einwanderer, die nicht einmal ein Drittel der Einwohner stellen - soll systematisch freigemacht werden für eine endgültige jüdische Besiedelung, und hierzu ist jedes Mittel recht.
Noch unter britischem Mandat beginnt eine Serie von jüdischer Angriffe auf palästinensische Dörfer und Stadtviertel, werden eine Viertelmillion Menschen im eigenen Land entwurzelt. Es kommt zu Massakern wie in dem Hirtendorf Deir Yassin oder in Ayn al-Zaytun, bei denen unterschiedslos auf Männer und Frauen, Greise und Kinder geschossen, bei denen vergewaltigt und geplündert wird. Nach der Unabhängigkeit Israels werden 531 Dörfer und elf städtische Siedlungen mit Waffengewalt geräumt, 800.000 Palästinenser zur Flucht gezwungen, ihre Häuser samt Mobiliar dem Erdboden gleichgemacht und die Ruinen vermint, damit die Vertriebenen nicht zurückkehren können. Palästinenser, die das Land für kurze Zeit verlassen, werden daran gehindert, wieder zu ihrem Besitz zurückzukehren.
Der israelische Historiker und Politikwissenschaftler Ilan Pappe ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Haifa und Leiter des dortigen Instituts für Konfliktforschung. Anhand von Augenzeugenberichten, Tagebuchauszügen und Dokumenten aus Militärarchiven, die bis vor kurzem unter Verschluss gehalten wurden, zeichnet er ein Bild der Ereignisse zwischen 1947 und 1948, das der offiziellen Geschichtsdarstellung und dem Gründungsmythos Israels in entscheidenden Punkten widerspricht. (Wegen des Drucks, dem er seit der Veröffentlichung seines Buchs ausgesetzt ist, verlegt er in diesem Jahr seinen Wohnsitz zumindest vorübergehend nach Großbritannien.)
Pappe tritt den Beweis an, dass der Gründung seines Heimatlandes Israel eine planvolle ethnische Säuberung vorangegangen ist: Spätestens seit den Jugoslawienkriegen in den 90er Jahren ist dieser (eigentlich verharmlosende) Begriff zum allgemein bekannten Synonym für die zwangsweise, gewaltsame Vertreibung ganzer Völkerschaften aus ihren angestammten Siedlungsgebieten geworden.
Ilan Pappe schildert die Chronologie der Ereignisse in Dörfern und Städten mit quälender Genauigkeit. Er zeigt, dass das Trauma der gewaltsamen und geplanten Vertreibung von beiden Seiten geleugnet wird: Die offizielle israelische Geschichtsschreibung stellt die Vertreibung der arabischen Bevölkerung als freiwilligen Auszug hin, die Palästinenser sprechen von der “Nakba”, der Katastrophe, als sei es ein Naturereignis, das sie ereilt hat. Aber sich der historischen Wahrheit zu stellen, ist für Pappe eine moralische Entscheidung, ein erster Schritt, der getan werden muss, wenn die Spirale der Gewalt aufhören und Versöhnung zwischen Palästina und Israel eine Chance haben soll.
Ilan Pappe “Die ethnische Säuberung Palästinas”. Deutsche Erstausgabe. Deutsch von Ulrike Bischoff. 19 Fotos. 416 Seiten. Fester Einband.
22,00 €. GP. Nr. 200320.
Kommentar von nemetico am 16. Oktober um 23:31 Uhr
ergänzung zu bellas sehr langem aber interessanten kommentar
Ilan Pappe gehört übrigens zu den sogenannten “Neuen israelischen Historikern”
Kommentar von dirtybomber am 16. Oktober um 23:31 Uhr
@tar
Dass Du die Quellen gerade nicht parat hast, macht nichts, brauchst Dich nicht zu rechtfertigen. Die äußerst enge Kooperation von NS- und zionistischer Bewegung ist allgemein anerkannt, nur ist sie der Mainstreamdenke unangenehm (weil nicht sein kann, was nicht sein darf). Die Zionisten waren die einzige jüdische Gruppierung, die neben den NS-Organisationen ihre eigene Flagge behalten und öffentlich (Mitten im Dritten Reich!) zeigen durften. Und die schlimmsten Finger “emigrierten” recht spät, einer z.B. , der dies im Jahr 1938 tat, hetzte - obwohl hochbetagt - erst vor wenigen Monaten in der Springer-WELT zum atomar geführten, völkermordenden Krieg (”Opfer in der Größenordnung des ersten und zweiten Weltkriegs”) gegen den Iran!
Kommentar von schere am 16. Oktober um 23:46 Uhr
@A-N.Onym
aufschlussreich?
es geht doch um das erawähnte Buch
Kommentar von dirtybomber am 17. Oktober um 00:02 Uhr
@schere + @A-N.Onym
Brenner klärt nur bis zu einem gewissen Grad auf, darüber hinaus schwenkt er ein auf die herkömmliche, gleichsam diktierte Geschichtsschreibung. Womit sich der vermeintliche Widerspruch bzgl. der Rolle des genannten Verlags auflöst, leider nicht in Wohlgefallen.
Kommentar von Andreas am 17. Oktober um 00:17 Uhr
broder hats in seinem letzten buch doch beschrieben, was ihm fehlt. sein vater hat ihn im stich gelassen, ihn nie wirklich geliebt und broderlein kämpft noch heute um seine anerkennung.
in der hoffnung, papa könnte ihm aus dem nirvana noch die wertschätzung zu teil kommen lassen, die er immer vermißt hat, schreibt er sich nen hengst. doch all seine schreiberein sind trotzig gefärbt, weil er eigentlich papa haßt und nicht die juden und nicht die antisemiten. ein kleiner ungeliebter junge, der den frust in die welt hinausschreit. ey alter, hast mein mitgefühl!!
Kommentar von pony_huetchen am 17. Oktober um 01:32 Uhr
@Dann lag ich ja mit der sozialen Deprivation gar nicht so verkehrt - und ich kannte die biographischen Details gar nicht
Kommentar von Gustav mit der Hupe am 17. Oktober um 01:47 Uhr
He! Halt mal…!
Da gab es doch den ‘Madagaskar-Plan‘ - der dafür sorgen sollte, daß die Juden aus Europa eine neue Heimstatt bekommen, ohne daß man dafür den Nahen Osten in ein Pulverfaß verwandelt.
Und damit soll auch die Vichy-Regierung in Frankreich einverstanden gewesen sein (der Madagaskar damals unterstand) - allerdings unter der Bedingung, daß die (zwangsweise) Auswanderung nicht zu Lasten des Inselbevölkerung gehen dürfe, woraufhin die Reichregierung ihrerseits erlaubt haben soll, daß alle Betroffenen ihr Geld, Gold, Schmuck, Devisen usw. mitnehmen können, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen.
Warum wurde der Plan damals eigentlich nicht umgesetzt?!
tuuuuut
Kommentar von woody am 17. Oktober um 08:02 Uhr
Naja ob dass soviel geaendert haette wage ich doch zu bezweilfeln.
ich meine die die britische regierung die damals die kontrolle ueber die gebiete des heutigen israel hatte war ja auch einverstanden. und die ham auch nicht gesagt es muss zu lasten der plaestinenser gehen.
aiso gute frage warum man darueber gar nix weis aber ob es eine soviel bessere moeglichkeit gewesen waere…?
der woody
Kommentar von Rheinbogen am 17. Oktober um 08:56 Uhr
Eigentlich habe ich es mir abgwöhnt, überhaupt noch irgendwas über diesen Broder zu sagen oder zu schreiben. Der Mann hat sich derart verrannt, dem können wir alle zusammen nicht mehr helfen. Ein ganz großer Teil seines Hasses gebührt übrigens allen und allem Deutschen.Das Wort “Anti-xyist” ist ja selten wirklich gerechtfertigt, aber wenn Broder nicht ein Antigermanist ist, dann sollte man derartige Begriffe endgültig abschaffen. Er hat das in zehlreichen Beiträgen, auch gerade im Spiegel, immer wieder bewiesen.
Aber zum Artikel:
Ich glaube, es wird nicht mehr lange dauern und Jude in Broders Augen ist nur noch, wesen Familie in Auschwitz starb oder wer sich ersatzweise glaubhaft zum Zionismus bekennt, am besten natürlich beides. Früher ging es ihm überwiegend um die Bloßstellung der Deutschen, die Glorifizierung der USA und die Sonderstellung Israels. Jetzt, da die Kritik von Isralis und Juden am eigenen Staat und an der US-Politik immer lauter wird, kommt Phase 2: Nur wer das “Richtige” sagt, wird ernst genommen, alle anderen werden so diffamiert wie bisher nur die Deutschen. Mal sehen, was für Blüten das noch treiben wird.
Übrigens: Wenn wir hier jetzt eine Debatte über den Holocaust führen, tun wir Broder nur einen Gefallen. Genau so etwas will er unter anderem provozieren.
Kommentar von Matt am 17. Oktober um 10:20 Uhr
Putzig ist auch Broders Erwähnung des Pogroms von Köln im Jahre 1o96. Da hätte ich noch folgenden akribisch notierten Völkermord:
Dann wird der Profit in bester Eichmannscher Manier aufgelistet:
Nachzulesen im 4. Buch Mose.
Holocaust vom feinsten. Allerdings scheint er verjährt zu sein. Ferner war er ja legitimiert durch “den HERRN”. Auch die deutschen Soldaten hatten auf ihrer Gürtelschnalle ein “Gott mit uns” -Emblem.
Faszinierend, diese selektive Wahrnehmung, die den “Guten” Alles erlaubt, die “Bösen” aber restlos verdammt.
Was Broder darüber hinaus noch auszeichnet, wie viele aus der hagalil.com-schule auch, sind die persönlichen Angriffe und Beleidigungen, die in jeden Satz einfließen. Dieses Diffamieren und Herabwürdigen kennzeichnet B. als deutschen Herrenmenschen, die wohl nie aussterben können.
Falls ein Midianiter diese Zeilen liest: Ich empfehle Kompensationsklage gegen Israel, das ja alle Juden vertritt. Am besten vor einem US-Gericht, die sind recht spendabel. Allein an Zinsen ist da bereits ein hübsches Sümmchen aufgelaufen (Josephspfenning) >:)
Ferner sollte das Alte Testament endlich verboten werden: Volksverhetzung, Verherrlichung des Volkermords etc…
Kommentar von manicmechanic am 17. Oktober um 10:26 Uhr
Nix neues also vom Broder.
Wie man sich da noch ernsthaft drüber aufregen kann…
Kommentar von Paddington am 17. Oktober um 10:31 Uhr
@ Gustav mit der Hupe
Da die Umsetzung dieses Planes von einem Sieg über die britische FLotte abhängig war. Die standen nämlich der deutschen Marine überall im Weg. Da eine Überlegenheit zur See nicht machbar war, wurde der Plan 1940 als nicht realisierbar eingestellt.
Hoffe gedient zu haben….
Kommentar von Meier am 17. Oktober um 10:35 Uhr
“Ein Kind, das ein jüdische Mutter gebiert, gilt nach dem jüdischen Recht als Jude. ”
Ist das nicht auch von Jüdischer Seite umstritten?
Broder ist ein Polemiker. Bringt es wirklich etwas, sich so auf ihn und andere Radikale zu konzentrieren?
In Nahost habe sämtliche Seiten Schuld auf sich geladen. Langsam ist mal ein Schlussstrich fällig. Ich bin für die Zwei-Staaten -Lösung.Es scheint mir sinnvoller, dafür nach Lösungen zu suchen.
Beide Volksgruppen würden zu einem Staat kommen, wo sie vorher keinen hatten. Wenn dort Frieden einkehren soll, wird es Zeit, dies zu verwirklichen. Ich gönne beiden Seiten von Herzen einen Staat.
Leider haben die Radikalen auf beiden Seiten noch zuviel Einfluss.
Einseitige Vorwürfe halten immer nur den Unfrieden am köcheln.
Eigenartigerweise scheint es in den Blogs ständig Polarisierungen zu jeweils einer seite des Konfliktes zu geben, die die Verantwortung der jeweils anderen Partei ( inklusive der der die jeweilige Seite unterstützenden Mächte) stark ausblendet.
Damit scheint mir dem Frieden in Nahost nicht besonders gedient zu sein. Und das ist doch das Ziel, das endlich einmal erreicht werden soll.
Kommentar von Matt am 17. Oktober um 10:53 Uhr
@ A-N.Onym:
Was bitte ist an dem Interview “nicht koscher”?
http://www.silviacattori.net/article243.html
Selbst zu viel SPIEGELkost gegessen?
Kommentar von pony_huetchen am 17. Oktober um 11:44 Uhr
Ja, und deshalb finde ich auch die Überlegungen, historische “Aufrechnungen” anzustellen, überflüssig.
Vielmehr sollte der Blick nach vorne gerichtet sein. Die Beendigung des Leids aller beteiligten Menschen sollte der Motor zukünftiger Entscheidungen sein.
Dafür stehen Personen wie Alfred Grosser - er war immer jemand der den Ausgleich und die Verständigung unter den Menschen befördert hat. Deshalb hat mich der Angriff gegen ihn auch besonders geschmerzt.
Kommentar von pony_huetchen am 17. Oktober um 11:48 Uhr
@Meier
Nach Ansicht des Zentralrats - ja:
Selbstverständlich sehen das liberale Kreise außerhalb des ZdJ anders.
Kommentar von Peinhart am 17. Oktober um 12:40 Uhr
Wenn man sich ihren Einfluss auf das ‘gesellschaftliche Klima’ anschaut - leider ja. Das kann man nicht (mehr) einfach ignorieren.
Kommentar von Grom am 17. Oktober um 13:55 Uhr
Broder ist entweder ein verblendeter Extremist oder ein sehr gut bezahlter “Propagandist”, dessen bezahlung wohl gros genug ist um den Rest seines Gewissens und Charakters auszuschalten, denn anders kann man sich seine extrem abweichenden “Ansichten” im Bezug auf Realität, Völker-, Kriegs-, und Menschenrechte, sowie extreme Einseitigkeit kaum erklären.
Mal sehen wie lange es dauert bis er bei AIPAC oder PNAC als Ehrenmitglied aufgenommen wird
Kommentar von Memphis_Blues am 17. Oktober um 14:34 Uhr
Irgendwann, wenn keine Palästinenser mehr da sind, dann werden die Israelis sich selbst bekämpfen.
Kommentar von Gustav mit der Hupe am 17. Oktober um 18:07 Uhr
@ Matt
Pony hat recht - wir sollten das Aufrechnen sein lassen.
Aber dann müssen sich natürlich auch ALLE dran halten…
Sonst erzähle ich ich hier noch die Geschichte der Klage der RA Hilmi - der der Auszug aus Ägypten als größten Gemeinschaftsraub der Geschichte ansieht und schon seit Jahren an einer entsprechenden Wiedergutmachungs-Klage bastelt.
Hier wird das Thema zwar etwas polemisierend dargestellt, aber die Informationen sind wenigstens alle gut zusammengepackt:
http://homepages.compuserve.de.....traub.html
tuuuuut
Kommentar von chaver am 17. Oktober um 19:01 Uhr
Oh Mann - was für unreflektierte antisemitische Kacke! Wer vielleicht mal Broder gelesen hat, könnte sich halbwegs reflektierter hier äußern. Aber auch ohne die panikartigen Reflexe, die hier bei manchen nur die Nennung des Namens “Broder” ausgelöst werden, weiter diskutieren zu wollen: Was, um alles in der Welt, ist daran so schlimm, Israel zu kritisieren? Das könnt Ihr doch gerne tun! Ich bin kein Freund der israelischen Besatzungspolitik, wenn man mal von dem zuletzt noch erfolgten Anstoß von Sharon (Rückzug und Räumung) absieht. Das kann ich doch auch artikulieren, ohne irgendwelche hirntoten Vergleiche von Nazis und Zionisten zu ziehen. Und ja: Natürlich gab es auch im Dritten Reich gemeinsame Versuche, möglichst viele Juden aus Deutschland raus zu kriegen und z.B. in das heutige Israel zu emigrieren. Die Alternative wäre Verfolgung, Repression, Zwangsarbeit und brutaler, bestialischer Mord gewesen. Ist es also den damaligen Protagonisten vorzuwerfen, dass sie sich darum bemüht haben, alle erdenklichen Wege zu gehen, um ein halbwegs menschenwürdiges Leben (bei gleichzeitiger Aufgabe ihrer gesamten Existenz) zu führen?! Die entsprechenden Unternehmungen wurden damals übrigens von den Nazis gestoppt, weil die Vernichtungspläne und zuvor die Arbeitskraft der Juden wichtiger waren als nur ihr “Loswerden”.
Aber soviel Reflektion scheint ja angesichts der antisemitisch durchsetzen Beiträge auf dieser Seite, die ich nur durch Zufall besucht habe, nicht vorausgesetzt weden zu können…
Kommentar von pony_huetchen am 17. Oktober um 19:33 Uhr
@Chaver
Ich halte die Kritik in Deinem Kommentar für völlig überzogen.
Hier im Blog wird kein Antisemitismus propagiert, ganz im Gegenteil soll aufrechten Demokraten, die immer um Ausgleich bemüht waren - wie Alfred Grosser - und wie ich das mit meiner im Vergleich leichtgewichtigen Stimme versuche, Raum eingeräumt werden.
Die Demokratie darf nicht durch Propagandisten mit der Nazikeule erschlagen werden.
Wenn Du hier einmal genau lesen würdest, könntest Du sehen, wie vehement wir uns gegen braunes Gedankengut, Rassismus und Antisemitismus äußern.
Aber das ist nicht Dein wahres Anliegen!
Kommentar von chaver am 17. Oktober um 20:31 Uhr
Hallo Pony,
erstmal Danke für Deine Rückmeldung. Mich würde dann doch interessieren, was nach Deiner Auffassung mein “wahres Anliegen” ist. Mein Anliegen besteht im wesentlichen darin, undifferenzierten Äußerungen etwas entgegen zu halten. Ich habe das getan, nachdem ich in dem Artikel und in einzelnen Kommentaren davon gelesen habe, dass es ja vom Zionisten “nicht mehr weit” zum Nazi sei. Und das wird dann (nicht in Deinem Text, wohlbemerkt) mit Buchstabenspielerei begründet?!
Mag sein, dass ich etwas sehr verärgert war. Ich habe kein Interesse daran, Grosser zu verunglimpflichen oder seiner Position keinen Raum einzuräumen, und das habe ich auch nicht getan. Ich habe aber sehr wohl Interesse daran, strukturell antisemitischen Äußerungen entgegen zu treten, denn der Zionistenvergleich, der dann geschichtsrevisionistisch in Kommentaren durch angebliche Allianzen zwischen “den Juden” und “den Nazis” endet, ist für mich eher eine “Erschlagung der Demokratie”, um Deinen Begriff aufzugreifen. Ich stehe auch nicht hinter jedem Kommentar von Broder, und niemand muss ihn mögen. Aber diese Pauschalität, diese Undifferenziertheit, mit der in diesem Kommentarblog mal wieder Broder als der böse Jude herhalten muss, finde ich unerträglich.
Kommentar von Rheinbogen am 17. Oktober um 21:46 Uhr
Chaver:
Was soll das? Angeblich nur mal zufällig hier vorbeischauen, um gleich alle Teilnehmer pauschalen Antisemitismus-Vorwürfen auszusetzen, und das in einem extrem beleidigenden Ton? Das ist sowas von beispielhaft für das, was von vielen hier oft kritisiert wird, diese hilflosen Antisemitismus- Bezichtigungen, dass man fast glauben könnte, du machtest das vielleicht mit einer gewissen Absicht. Wie dem auch sei: Den Schuh ziehe ich mir ganz gewiss nicht an. Und Broder löst auch keine panikhaften Reflexe aus, sondern eher Ratlosigkeit. Es fällt uns schwer, zu begreifen, warum er jetzt schon die “eigenen Leute” angreift. Der Mann hat in der Tat zu wenig Liebe erfahren. Den Hintergrund mit seinem Vater kannte ich bisher auch noch nicht. Der erklärt in der Tat so einiges. Das Problem ist nur, das sehe ich wie Peinhart, dass solche Schreibtischtäter nicht ungefährlich sind. Man möchte ihn gerne ignorieren, aber er drängt sich immer wieder mit Macht auf. Vielleicht sollte man ihm Tausende von Liebesbezeugungen schicken, ihn so lange mit Nettigkeiten zuschütten, bis er nicht mehr hassen kann. Wäre einen Versuch wert…..
Kommentar von egal am 17. Oktober um 22:21 Uhr
Na das liest sich ja lollig… Ein Kind muss also eine jüdische Mutter gebähren und ist erst dann Jude?
Kommentar von nemetico am 17. Oktober um 23:32 Uhr
@chaver
Also wenn das kein Versuch sein soll, die Autorin (wider besseres Wissen) in die rechtsradikale Ecke zu rücken…. Wo lernt man so was?
Das sagt gerade der richtige.
Ich lese Broder nicht mehr, weil er unreflektiert völkisch denkt und redet. Seine Texte kann ich günstigenfalls nur humoristisch betrachten.
Verstehen Sie Ironie, chaver?
Wollen sehen.
Es ist wirklich schade, dass der “Stürmer” sein Erscheinen aufgrund höherer Gewalt einstellen mußte. Es wäre zu schön zu sehen, wie er heute über den Konflikt in der ganzen Welt, den Freiheitskampf des “Freien Westens” und die Brutalität der Moslems (”Musels”, “Lumpenköpfe”) berichten würde. Denn der “Stürmer” hat schon immer Partei für die Armen, die Schwachen und die Verfolgten ergriffen. Damals waren es die Deutschen, die sich gegen die Gemeinheiten und Übergriffe der Juden zur Wehr setzen mußten, und heute sind es die Anhänger des Abendlandes und der “jüdisch-christlichen Wertegemeinschaft”. In der “Achse des Guten”, wo sich Stürmers Kinder heute austoben, liest sich das so:
Stürmers Kinder
Ist Ihnen aufgefallen, daß ich Broders Ergüsse 1:1 übernommen habe und lediglich einzelne Substantive ausgetauscht habe? Sie sehen, ich lese Broders Texte so aufmerksam, daß ich sogar mit ihnen spiele.
Was fällt dem aufmerksamem Leser bei Broders Lektüre auf? Richtig: Broders rhetorische Generalstrategie ist der Nazi - Vergleich. Oder wie würden Sie das sonst nennen, was er macht?
Alles, was er irgendwie verbal in den Dreck zu ziehen versucht, wird mit den Nazis “verglichen” (eigentlich eher: gleichgesetzt). Hat man das einmal begriffen, verstehen sich alle seine Texte von allein.
Insofern ist auch Ihr einleitender Satz leicht zu verstehen, Sie erweisen sich insofern als gelehriger Broder - Schüler.
Broder ist wohl auch der Meinung, daß er (als “Jude”) eine Art Generalvollmacht für Nazi - Vergleiche hat. Als “Jude” darf er das seiner Ansicht nach, andere dürfen das nicht.
Peinlich, wenn nun ein “reinrassiger” “Volljude” (sie bemerken die feine Anspielung?) sich an eine Kritik der israelischen Politik heranwagt (wie respektabel diese Person auch sein mag). Dann muß diesem “reinrassigen Volljuden” eben die “Rassereinheit” abgesprochen werden.
Kennt jemand den Begriff der “Schattenprojektion” aus der Psychologie (um auch auf diesem Gebiet mein Scherflein beizutragen)?
Ich finde die ganze Angelegenheit hochpeinlich - für Broder. Merkt es wirklich niemand, wie sehr dieser Broder genuin “völkische” Denk- und Sprachmuster sich zu eigen gemacht hat? Muß ich etwa an dieser Stelle noch Hitler - Zitate ausgraben und unter Austausch einiger Substantive sie in Brodersche Gefilde rücken? Das ist einfacher, als Sie denken!
Die geradezu frappierenden Parallelitäten zwischen nationalsozialistischen und zionistischen Gedankenfiguren “antisemitisch” zu nennen ist natürlich pure Demagogie, die aber auch immer weniger verfängt. Menschen wie ich denken und fühlen eben nicht “völkisch”, und Ihresgleichen gelingt es insofern auch nicht, entsprechende Verdrängungs und Schattenprojektionsmechanismen in Gang zu setzen.
Und als nicht-völkisch denkendem fällt mir vieles auf.
Das Verbot von Mischehen beispielsweise ist als “Gottes Gebot” in Bibel und Thora in mehreren Textstellen formuliert. Völkermord zum Zweck der Landnahme auch. Die punktuelle Zusammenarbeit zionistischer Organisationen (die unter den Juden vor dem 2. WK in einer winzigen Minderheit waren) mit den Nazis ist sogar eine Tatsache.
Der Zionismus beruht eindeutig auf “völkischer” Denke.
Wen zitiere ich da wohl (ohne diesen Zeilen auch nur einen Deut zuzustimmen)?
Wie es der Logik völkischen Denkens entspricht, sehen sich ihre Agitatoren verschiedener Coleur nicht als Spiegelbilder, sondern gegenseitig als Feindbilder an. Und in der Realität kann das dann bedeuten: “Volkstumskämpfe”, “Kampf um Reinerhaltung von Rasse/Kultur”, “Verteidigung ********er Identität” und in letzter Konsequenz: Massaker.
Doch zurück zu Broder, der meiner Meinung nach ja nur Mediensöldner und kein Militärsöldner ist.
Broders rhetorischer (und wohl “psychologisch” gemeinter) Trick in seinen Texten besteht letztlich immer wieder darin, daß er an ein vermeintliches “völkisches” kollektives Unterbewußtsein “der Deutschen” meint appellieren zu müssen. Das zieht sich durch alle seine Texte hindurch. Seine Botschaft ist aus meiner Sicht in etwa (übersetzt): “Ihr Deutschen habt schwere Schande auf euch geladen, als ihr die Juden für Untermenschen hieltet. Dafür müßt ihr auf ewig büssen und deswegen anerkennen, daß ‘die Juden’ in Wirklichkeit auch Herrenmenschen sind. Deswegen müßt ihr alles, was dieser Staat Israel tut, in den höchsten Tönen loben, weißwaschen, im Zweifelsfall dazu schweigen!”
Israel wird eben implizit als “jüdischer Volkstumsstaat” definiert, dann ist alles ganz einfach. Und: “es macht eben mehr Spaß, Täter statt Opfer zu sein”. Pures völkisches Muster.
Gewissermaßen: das “Untermenschentum” der Juden als dramatischer historischer Irrtum des deutschen (europäischen) “Herrenmenschen”. Heutzutage wird eben (transatlantisch) neu definiert, wer “Untermensch” und wer “Herrenmensch” sein soll. Und der deutsche “Herrenmensch” soll gefälligst “Maul halten”, wenn der “jüdische Herrenmensch” im Nahen Osten unter den dortigen “Untermenschen” aufräumt.
Man muß kein Deutscher sein, um diese Botschaft widerlich zu finden. Und am wenigsten muß man Antisemit sein, denn Antisemitismus ist nichts anderes als völkisches Denken.
Doch geradezu entlarvend, wenn Broder gegen einen jüdischen Kritiker auch noch nichts anderes einzuwenden hat als im Prinzip seine “Rassereinheit” in Frage zu stellen.
Dazu sage ich klar: es gibt keine Herrenmenschen und keine Untermenschen, darf keine geben. Jegliches “völkisches” Denken gleich welcher Variante ist von Übel, jede Variante, ob die von Broder, oder die von …. (selbst zensiert)…sonst wem in dieser ideologischen Tradition.
Ich weigere mich auch entschieden, den Staat Israel (und auch Broder) als repräsentativ für “die Juden” anzusehen. Und ich meine, daß Broders Schreibe deswegen als “völkische” Agitation und Propaganda zu charakterisieren ist, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
Das hat die Autorin getan oben (”NAZI und ZION - die heimliche Allianz”) und darin hat sie 100% recht.
Kommentar von Rheinbogen am 18. Oktober um 11:05 Uhr
Genau so ist es. Schön gesagt.
Es war immer schon so, dass Nazivorwürfe fast immer von Leuten kommen, die im Kopf selber Nazis sind (bezogen auf ihr Denken, ihre Radikalität, Unversöhnlichkeit etc., nicht unbedingt auf ihr Tun), das aber natürlich nie im Leben zugeben oder auch nur einsehen würden.
Es ist noch viel schlimmer als das. Er erkennt praktisch überall und jederzeit den Antisemitismus, er verachtet Deutschland und die Deutschen zutiefst, stattdessen vergöttert er die USA, wo es natürlich genau so viele Idioten gibt wie bei uns, nur dass er sie dort nicht erkennt. Aber auch diejenigen, die nur in seinen Augen Idioten sind, nimmt er selektiv wahr, etwa die (deutsche) Friedensbewegung, über die er sich ganz gerne mal auskotzt, aber in Amerika hat er sowas wie Demonstrationen gegen die Bushregierung oder gegen den Irakkrieg offenbar noch nie gesehen. Das ist alles derart voreingenommen, da gibt es keine Chance auf Wohlwollen oder auch nur einen gnädigen Blick, jeder kriegt sein Fett ab, völlig gleich was er tut. Am schlimmsten findet Broder Deutsche, die derart fasziniert vom Judentum sind, dass sie sogar konvertieren wollen. Darin erkennt er natürlich auch sofort ein antisemitisches Motiv.
Ich habe noch etwas Nettes gefunden, das zeigt, wie Broder tickt. Nachzulesen hier. Witzig, dass er die intelligente, sehr ironische Antwort Paul Spiegels nicht etwa mit Humor, sondern bierernst nimmt. Verbissenheit, wahrscheinlich Sendungsbewusstsein, dass zeichnet diesen Broder auch aus.
Kommentar von nemetico am 18. Oktober um 13:14 Uhr
Bei alledem, um die Schizophrenie vollständig zu machen, unterscheidet Henryk M. Broder implizit gar zwischen “guten Antisemiten” und “bösen Antisemiten”.
Die “guten Antisemiten” werden von seinesgleichen insofern sonderbehandelt, daß sie opportunerweise nicht als “Antisemiten” bezeichnetet werden, sondern als “Demokraten”, wenn es der imperialistischen US-Politik so in den Kram paßt. Nur wenn es der Hetze gegen den die “islamische Bedrohung” gelegen kommt, müssen diese “guten Antisemiten” wieder als Schießbudenfiguren herhalten.
Abstrus, was ich da behaupte?
Wollen sehen…
Unstrittig gilt Saudi-Arabien unter den Kreuzzugshelden gegen die “islamische Bedrohung” (Achsel des Huten, PI etc.) als besonders verabscheuungswürdiges Beispiel für den Islamismus (ich verzichte aus gewissen Gründen auf Textverweise und Links, da diese Tatsache sattsam bekannt ist.
Das hindert aber Broder in keinster Weise, die vollkommen von den USA abhängigen absoluten Monarchien des Nahen Ostens als Leuchtfeuer der “Demokratie” darzustellen, wenn es mal wieder in den Kram paßt.
Beispiel 1
Beispiel 2
Dies pathologisch erklären zu wollen, greift meines Erachtens zu kurz. Vielmehr beweist dieser Umstand die vollkommene Beliebigkeit der Broderschen Standpunkte.
Wenn es gerade us-opportun ist, mutieren absolute Monarchien (Diktaturen) zu demokratischen Leuchtfeuern, ansonsten wird wie üblich die Antisemitismuskeule ausgepackt.
Kommentar von nemetico am 18. Oktober um 13:18 Uhr
Korrektur
Beispiel 2 ist nicht von Broder. Könnte aber von ihm sein.
Kommentar von basilisk am 18. Oktober um 13:34 Uhr
@Rheinbogen
Leugnet Broder etwa den Holocaust?
Wie kann es sein, dass 1943 ein Rabbiner Mitglied des Ältestenrates in einem KZ wurde , wo man doch schon ab 1941 begann alle Juden industiell auszurotten? Oder ganz zynisch gefragt: Wie heissen denn die entsprechenden Räte oder Vertretungen der gefangenen in Guantanamo, Abu Ghraib oder sonstigen CIA Gefängnissen? Wer vermittelt ihnen dort muslimisches Wissen?
Kommentar von Thomas Immanuel Steinberg am 18. Oktober um 15:39 Uhr
@ basilisk
Leo Baeck war laut taz/hagalil in den Ältestenrat von Theresienstadt gezwungen worden, siehe http://www.judentum.net/kultur/baeck.htm
Das stimmt sicher, denn es leicht zu überprüfen. Mein Onkel und meine Tante z.B., die 1945 aus Theresienstadt befreit wurden, leben noch.
Kommentar von basilisk am 18. Oktober um 16:08 Uhr
Man hat offenbar meinen ironischen Unterton übersehen. Konkret: Die Lehre vom Holocaust sagt, dass die totale Vernichtung der Juden beschlossene Sache war. Wie konnte es dann überhaupt zu solchen “Räten” kommen? Nach dem Verständnis wie uns der Holocaust vermittelt wurde, sind die Juden in diesen Lagern nur “zwischengelagert” worden bis sie “an der Reihe” waren. Wozu also diese “Interressenvertretung” (so etwas gibt es nicht einmal in einem normalen Gefängnis) der Gefangenen? Dazu im Kontrast stehen auch die heutigen Lager der USA und Israels, die Insassen sind meist total Isoliert und haben keinerlei Kontaktmöglichkeiten. Aber was tut man doch nicht alles für die Demokratie…
Kommentar von bruce 1447 am 18. Oktober um 16:45 Uhr
@basilisk
Nicht Ihr Ernst, oder ?
Judenräte wurden benutzt, um den Holocaust mit sowenig Ressourcen wie möglich durchzuführen. ( siehe Hannah Arendt Eichmann in Jerusalem als Beispiel für die Benutzug jüdischer Strukturen zur Vernichtung der Juden und schlußendlich der jüdischen Räte selbst ).
Wie Ihnen Herr Steinberg mitteilen kann, war das Lager Theresienstadt eine Art Musterlager, dass benutzt wurde um z.B. dem Roten Kreuz oder anderen ausländischen Besuchern ein falsches Bild zu vermitteln. Wie Herr Steinberg Ihnen vermutlich ebenfalls mitteilen kann, bedeutete dies keinesfalls, dass die Lebensumstände in Theresienstadt menschenwürdig waren. Das Ziel auch Theresienstadts war schlußendlich die Vernichtung der Juden. Trotz aller Kritik, die an Guantanamo zu üben ist, scheint es auch hier Konsenz zu sein, dass eine physische Vernichtung der Häftlinge nicht vorgesehen ist. Somit sollte ein Vergleich zwischen einem KZ, das schlußendlich derVernichtung der Insassen dient und einem Lager, dass wozu auch immer dient, aber wohl nicht zur Vernichtung, nicht so einfach gezogen werden.
Kommentar von basilisk am 18. Oktober um 17:44 Uhr
Das war absichtlich eine provokative Frage. Ich kenne mich da nicht so aus. Nachdem was ich bis jetzt wusste, waren die Lager sozusagen geheim. Das mit den möglichst wenig Resourcen den Holocaust durchzuführem leuchtet mir hingegen nicht ein. Die Nazis hatten keinerlei Hemmungen überall in Europa Hunderttausende von Menschen (auch Juden) gleich vor Ort umzubringen, die Opfer mussten ihre Gräber selbst ausheben und wurden dann davor mit MG’s niedergemäht. (Nebst anderer Grausamkeiten, einsperren in Häuser und Kirchen, die dann angezündet wurden.) Ein wiedersprüchliches Verhalten, das für mich noch nicht restlos geklärt ist.
Die Nazis waren Bestien, aber nicht nur gegenüber den Juden, genau das ist aber was Broder und Co. sie wollen die Einzigartigkeit und der angeborene und unheilbare Judenhass aller nichtjuden. Dagegen wehre ich mich vehement.
Kommentar von nemetico am 18. Oktober um 17:45 Uhr
Ich stimme zu. Es nützt niemandem etwas, schon gar nicht einer Bewegung gegen den US - Imperialismus, wenn hier platte Gleichsetzungen erfolgen. Guantanamo ist eindeutig kein Vernichtungslager. Vernichtung wird von diesen Leuten anderswo betrieben, effizienter und vor ellem diskreter (in Containern direkt vor Ort umgebrachte Taliban).
Die Haft in Guantanamo ist umgekehrt deshalb auch nicht “harmloser”. Das Tätsel, warum in Guantanamo so viele “zufällig” Festgenommene oder gar “abgekaufte” (Verkäufer: die
MNordallianz) sich befinden, hat nämlich eine einfache Erklärung. Folter dient sicher nicht der “Wahrheitsfindung”, ist aber trefflich geeignet, “Geständnisse” zu erzwingen.Es nützen aber nur die Geständnisse Lebendiger etwas, wenn überhaupt. Insofern ist unbedingt wahr: Guantanamo ist kein Vernichtungslager, sondern dient einem anderen Zweck. Und den muß man auch offen aussprechen, ohne dieses Lager deswegen zu verharmlosen.
Kommentar von lewboski am 18. Oktober um 20:04 Uhr
@ Alle, die glauben, dass die Nazis Verbündete der Zionisten waren
Wie erklärt ihr euch eigentlich die Zusammenarbeit zwischen Hitler und dem Großmufti von Jerusalem, der zum heiligen Krieg unter dem Hakenkreuz aufrief und die Aufstellung einer muslimischen SS-Division unterstützte?
Kommentar von DaRockwilda am 18. Oktober um 20:14 Uhr
@lebowski:
Bevor hier falsche Assoziationen aufkommen: Verbündet ist ein starkes Wort, gegenseitiges Nutznießertum ist vielleicht treffender.
Zu dieser angeblichen Zusammenarbeit glaube ich mal eher Uri Avnery:
http://politblog.net/internati.....waende.htm
(@all: Wer diesen Text von Avnery noch nicht gelesen hat, er ist es Wert!)
Kommentar von lewboski am 18. Oktober um 20:27 Uhr
@ DaRockwilda
In der von mir verlinkten Doku wird auch nicht behauptet, dass Husseini Hitler beeinflusst hätte.
Das habe ich jetzt von dir zum ersten Mal gehört.
Allerdings unterstützte der Großmufti von Jerusalem, den man wohl als das damalige geistige Oberhaupt der Palästinenser bezeichnen kann, die Nazis tatsächlich. Das lässt sich nicht leugnen.
Schon alleine deshalb erscheint mir die bloße Idee, dass Zionisten mit den Nazis in irgendeiner Weise “kollaboriert” haben könnten, als ziemlich grotesk.
Kommentar von DaRockwilda am 18. Oktober um 21:01 Uhr
@lebowski:
Das hat so viel mit Ideologie zu tun wie die Kooperation Saddam-USA während des Irankriegs. Rumsfeld hat auch Saddam die Hand geschüttelt, was nicht bedeutet dass Rumsfeld etwaige Überzeugungen Saddams geteilt hat, sondern lediglich einen geopolitischen Alliierten und Handlanger brauchte. Genauso ist das Verhältnis Hitler-Mufti zu bewerten.
Dieser Film jedenfalls ist nicht wirklich zu gebrauchen. Der einzige der wirklich sagt der Mufti habe die Ideologie geteilt ist ein komischer Typ dessen Name von der Übersetzung ins Englische verdeckt wird. Und der behauptet nur in den reißerischen Worten was der Mufti angeblich gemacht hat. Konkrete Beispiele nennt er nicht. Und was soll man zum Rest sagen? Jeder weiß dass die Übersetzungen der Texte Ahmadinedschads oder auch islamischer Fernsehsendungen gefälscht werden. Ohne Weiteres ist das nicht glaubwürdig was da propagiert wird.
http://politblog.net/medien/selective-memri.htm
http://politblog.net/medien/me.....-hamas.htm
Du meinst es spricht etwas dagegen, 2 Parteien gleichzeitig dazu zu benutzen, die eigene Macht zu vergrößern, nur weil die Parteien sich eigentlich nicht ausstehen können?
Kommentar von lewboski am 18. Oktober um 22:30 Uhr
@ DaRockWilda
Dass ein gläubiger Muslim selbstverständlich nicht die gesamte atheistische Naziideologie teilen kann, steht wohl außer Zweifel.
Doch darum geht es auch gar nicht.
Der Großmufti war als lupenreiner Antisemit ein Verbündeter Hitlers. Was es darüber hinaus an ideologischen Gemeinsamkeiten gab, ist nebensächlich und auch nicht Thema des Films.
Ja, allerdings! 2 Feinde können unmöglich denselben Verbündeten haben. Das müsste doch einleuchten.
Deiner Logik folgend wäre auch der Großmufti von Jerusalem (der übrigens einen Neffen namens Yassir Arafat hatte) ein Alliierter der Zionisten gewesen - und spätestens hier wird’s bizarr.
Zu deinen Versuchen die Glaubwürdigkeit des Films in Frage zu ziehen:
Wo wird da Material von MEMRI zitiert?
Kannst du irgendwelche konkreten Anhaltspunkte für deine Fälschungsverdächtigungen nennen ?
Kommentar von DaRockwilda am 18. Oktober um 23:18 Uhr
@Lebowski:
Wie kommst du denn darauf dass er das war? Nicht dass ich es nicht für möglich halte, aber du stellst das so in den Raum… (der Film übrigens auch)
Überhaupt ist es einen Unterschied, ob man “die Juden” über einen Kamm schert weil sie angeblich Untermenschen sind, oder weil sie als weiße Invasoren erachtet werden, die in das eigene Land eindringen. Beides wäre immer noch irgendwie Rassismus, aber unter ganz anderen Prämissen.
Klar können sie das. Denn hier hat der mächtigste Mitspieler zwei schwächere, sich verfeindete Parteien zum Verbündeten. Die schwächeren haben praktisch keine Wahl. Und hören auch irgendwann mit der Kooperation auf weil sie nicht hinnehmen können dass der Partner auch mit dem Feind kooperiert. Und der stärkere macht mit nur vorgetäuschter Ideologie, was er für nützlich erachtet und die eigene Machtposition ausbaut.
Während des Iran-Irakkrieges hatten 2 Feinde also Irak und Iran wenn nicht den gleichen Verbündeten dann doch den gleichen Waffenlieferanten.
Zu dem Film, ich stelle die Aussagen dieses komischen Typs in Frage. Und weise darauf hin, dass es nicht die erste Manipulation von Reden/Aussagen arabischer Führer wäre, die in westlichen Massenmedien für voll genommen und weiterverbreitet wird.
Nicht ich muss konkrete Anhaltspunkte nennen, sondern der Film für die Behauptung, der Mufti sei ein “lupenreiner Antisemit” wie du das bezeichnest.
Kommentar von bruce 1447 am 19. Oktober um 09:05 Uhr
@basilisk
Es wäre vielleicht sinnvoll sich zu informieren, bevor man sich äußert. Auch wenn man “nur Fragen stellt”. Massaker mittels Erschießungen und verbrennen in Gebäuden wurden insbesondere in Westeuropa nur sehr vereinzelt verübt. Auch an der Ostfront wurden diese Massaker primär durch die Einsatzgruppen nach und nach eingestellt, da sie ineffizient waren. Die Vernichtung der Juden und aller anderen Gruppen, die zur Vernichtung vorgesehen waren, z.B. Roma und Sinti, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und nach anderen Quellen in der Zukunft noch viele andere Gruppen, erfolgte primär in Vernichtungslagern und zuvor durch Vernichtung durch Arbeit ( Effiziens, die Juden sollten die Kosten wieder hereinspielen ).
Wenn Sie Dokumente lesen wollen, versuchen Sie Briefe aufzufinden, die zwischen den KZ Leitern und dem Wirtschaftsverwaltungs Hauptamt gewechselt wurden (die KZ unterstanden später im Krieg nicht mehr den RSHA sondern dem Wirtschaftsamt ) und in denen sich Berlin über die hohen Kosten pro toten Juden beklagt und zwar in einem Ton als ginge es hier nicht um Menschen sondern um z.B. Schrauben. Die Kosten und somit die Effiziens der Vernichtung spielten eine hohe Rolle und es sei Ihnen unter allen Umständen das oben bereits erwähnte Buch von Hannah Arendt ” Eichmann in Jerusalem” empfohlen.
Wenn man Ihre Aussage so ließt, scheint die ständige Klage, dass in unseren Schulen zuviel über den Holocaust gelehrt wird auch eindeutig widerlegt.
Kommentar von lewboski am 19. Oktober um 17:29 Uhr
Damit hast du deine Frage bereits selbst beantwortet.
Der von dir als “komische Typ” bezeichnete Historiker, kommt übrigens auch in dieser Doku zu Wort. Sein Name ist Wolfgang Schwanitz.
Wenn du seine Expertenmeinung in Frage stellst, solltest du zumindest ein paar gute Gründe anführen können.
Aber da dir die im Film genannten Anhaltspunkte nicht ausgereicht haben, werde ich eben ich noch ein paar nachliefern :
“Husseini war offenbar genau über die Geschehnisse in Polen informiert. In einer Radiosendung aus Berlin am 21. September 1944 sagte er: “Ist es nicht in eurer Macht, oh Araber, die Juden abzuwehren, die nicht mehr als elf Millionen zählen? “
Es war zu dieser Zeit allgemein bekannt, dass es vor 1939 etwa 17 Millionen Juden in der Welt gab.
1943 verhinderte Al-Husseini die Freilassung von 5.000 jüdischen Kindern, die auf Initiative des Roten Kreuzes gegen 20.000 gefangene Deutsche ausgetauscht werden sollten. Durch seine persönliche Intervention bei Himmler erreichte er, dass die Kinder stattdessen in deutsche Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. Der Mufti drängte immer wieder auf den strikten Vollzug der Shoa, unter anderem, indem er Ribbentrop gegenüber die Wichtigkeit der „Lösung des Weltjudenproblems“ beschwor.”
(Quelle: wikipedia)
“Der Großmufti war im Jahr 1941 nach dem Sturz der prodeutschen Regierung im Irak vor den Briten nach Berlin geflohen. Bei mehreren Treffen mit Adolf Eichmann seien Details der geplanten Morde festgelegt worden. Von Eichmann ließ er sich offenbar regelmäßig persönlich den Stand der Vernichtungsaktionen in Europa erklären. Und Hitler versprach er, für deren Fortsetzung genügend willige Araber im Nahen Osten zu gewinnen.
[…]
Keine Zweifel können hinsichtlich der Überzeugung el-Husseinis aufkommen, dessen eliminatorischer Antisemitismus lange vor der israelischen Staatsgründung die arabische Nationalbewegung nachhaltig beeinflusst hat.“
(Quelle: jungle-world)
“Briefe, Memoranden, Reden und Aufrufe Amin al-Hussainis aus dem Exil, 1940 - 1945“ (Berlin[2] 2004), belegen in zahlreichen Memoranden und Eingaben, den Eifer, den der Mufti an den Tag legte, die Lage für die Juden Europas und in den arabischen Ländern beständig zu eskalieren. Seine ersten Kontaktversuche zu den Nationalsozialisten datieren auf das Jahr der Machtergreifung 1933, seit 1937 stand er im Kontakt zum „Judenreferat“ IV B 4 des Sicherheitsdienstes unter Adolf Eichmann, das spätestens seit Beginn des Russlandfeldzuges am 22. Juni 1941 den Massenmord an den Juden plante und durchführte.
Später entwickelte sich zu Eichmann ein freundschaftliches Verhältnis, ebenso zu Himmler, der von der „weltanschaulichen Verbundenheit“ zwischen Nationalsozialismus und Islam begeistert war. Ebenfalls gute Kontakte unterhielt der Mufti zum Außenministerium unter Joachim von Ribbentrop, das ihm eigens einen Betreuer zur Seite stellte.
Über solche Kanäle zeigte sich el-Husseini stets gut informiert über die Shoa in Osteuropa. Um den Jahreswechsel 1941 / 1942 wurde der Mufti durch Eichmann persönlich über die „Lösung der europäischen Judenfrage“ aufgeklärt, 1942 befanden sich Mitarbeiter el-Husseinis und al-Gailanis in Schulungen des SD, und im Juli des Jahres besuchten sie das Konzentrationslager Sachsenhausen.
Als Ende 1942 über die Ausreise jüdischer Kinder aus der Slowakei, Polen und Ungarn nach Palästina verhandelt wurde, intervenierte el-Husseini direkt beim Reichsführer-SS Heinrich Himmler, verhinderte das Unternehmen und schickte die Kinder so in den sicheren Tod. Solche Eingaben des Muftis wiederholten sich: Im Februar 1943 unterbreitete Großbritannien Bulgarien das Angebot, 5.000 jüdischen Kindern die Übersiedelung nach Palästina zu ermöglichen. El-Husseini wandte sich darauf hin direkt an Reichsaußenminister von Ribbentrop, forderte vom Dritten Reich die „die Lösung des Weltjudenproblems“ und wandte ein:
“Die Auswanderung der Juden […] wird ihnen erlauben mit den übrigen Juden der Welt […] ungehindert in Kontakt zu treten, und werden [sic!] somit viel schädlicher und gefährlicher als bisher.”
(G. Höpp: Mufti-Papiere. S. 165.)
Nicht zu vergessen: Die Rede ist von Kindern und ihren Betreuern, die mit diesem Eingriff des Mufti erneut in den sicheren Tod geschickt wurden.“
(Quelle: http://www.politische-bildung-brandenburg.de)
Sind das genügend Anhaltspunkte, um den Großmufti von Jerusalem als “lupenreinen Antisemiten” bezeichnen zu können?
Wenn du nach wie vor glaubst, dass es auch eine Allianz zwischen Nazis und Zionisten gegeben hätte, bitte ich dich, deinerseits konkrete Anhaltspunkte für diese These zu liefern.
Desweiteren würde mich interessieren, in welchen Bereichen diesbezüglich eine Kooperation stattfand.
Zu deinem Vergleich mit dem Iran-Krieg:
Bisher glaubte ich, dass das gesamte iranische Waffenarsenal amerikanischen Ursprungs noch aus der Zeit vor der islamischen Revolution stammt.
Haben amerikanische Rüstungskonzerne nach der Entmachtung des Schahs ihre Lieferungen tatsächlich fortgesetzt?
Doch selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, wären die USA deshalb noch lange kein “Verbündeter” des Iran gewesen.
Es ist ein altbekanntes Phänomen, dass Waffenhändler bereitwillig beide Seiten mit Kriegsmaterial versorgen - sie beteiligen sich schließlich nicht selbst an den Kämpfen, sondern wollen nur Profit machen.
Kommentar von nemetico am 21. Oktober um 01:16 Uhr
Lach.
Das ist wirklich Lieschen-Müller-Weltsicht.
Ich bitte Lieschen um Verzeihung, denn ich glaube, auch sie wäre nicht so abgrundtief naiv. Dann bestünde Geschichte ja aus lauter Unmöglichkeiten.
Nur nebenbei.
Kommentar von nemetico am 21. Oktober um 01:39 Uhr
Dummerweise ist diese Zusammenarbeit gut dokumentiert. Ich möchte nur eine Buchveröffentlichung nennen:
Zionismus und Faschismus
Original Titel: The Zionism in the Age of the Dictators
von Lenni Brenner, übersetzt von Verena Gajewski
Über die unheimliche Zusammenarbeit von Faschisten und Zionisten, 2007
Edition Zeitgeschichte Band 21
Aus dem Rückentext:
aus einer Rezension:
Kommentar von nemetico am 21. Oktober um 03:11 Uhr
@lebowski
Ich fürchte, lebowski, du wirst es bereuen, diese Frage (”Idee”) jemals aufgeworfen zu haben. Oder bist du wirklich an historischer Wahrheit interessiert?
Durch dich angeregt habe ich zu dem Thema weiter recherchiert, und auf was ich stieß, übertraf meine kühnsten Annahmen.
zunächst ein Zitat:
So unverblümt hätte noch nicht einmal ich es gewagt, es auszudrücken. Verfasser dieses Zitats ist niemand geringerer als Ben Gurion, und zwar in einem Brief an die zionistische Exekutive vom 17. Dezember 1938.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die Veröffentlichung des britischen Historikers Faris Glubb (der auch unter dem Namen Faris Yahya schreibt) verweisen. Er wurde 1939 in Jerusalem geboren und verbrachte den größten Teil seiner frühen Jahre in Jordanien. Seit 1970 lebt er im Libanon.
aus der Einleitung:
Die Veröffentlichung ist im Internet in deutscher Übersetzung verfügbar:
Teil 1
Teil 2
Demnach war der Zionismus nachweislich der “Schatten” des europäischen Antisemitismus, der seinerseits “eine überwältigende Kraft, die die Juden entweder nutzen können oder von der sie verschlungen werden ” (Theodor Herzl).
Dieses Ha´avara-Abkommen 1933 war direkt gegen die Bemühungen gerichtet, die Judenfeindlichkeit des Nazi - Regimes durch internationalen Boykott zu bekämpfen.
Die Kooperation zionistischer Kräfte mit dem Nazi - Regime setzte sich auch nach der “Reichskristallnacht” 1938 und nach Beginn des Genozids 1941 fort, mit geradezu grotesken Details. Die Geschichte verzeichnet keine Kampfansage der zionistischen Bewegung gegen den Nazismus in Europa.
Das galt KEINESWEGS für die Juden insgesamt:
Ein Detail:
Die Historiker stimmen allgemein darin überein, daß Wilna die Stadt war, wo die Juden sich der deutschen Ausrottungspläne bewußt wurden, nachdem eine große Anzahl in dem nahegelegenen Gelände von Ponary hingerichtet worden ist und wo der erste Versuch zu der Organisierung eines jüdischen Widerstandes unternommen wurde. In seinem ersten Aufruf erklärte diese Bewegung:
“Laßt uns nicht wie Schafe zum Schlachter gehen! Es ist wahr, daß wir schwach sind und niemanden haben, der uns hilft. Doch unsere einzige würdige Antwort für den Gegner ist der Widerstand.” [50] Wilnaer Juden führten Sabotageakte gegen die Nazis aus, doch ihre Hoffnungen auf einen Massenaufstand erfüllten sich nicht.
Weitere Details über die Rolle der Zionisten in Ghettos und KZs:
Das ist wirklich erschütternd.
In dem Text wird gleichwohl betont, daß “der individuelle Zionist, der in dieser Falle gefangen war, auf unterschiedliche Weise” auf die Vernichtungsstrategie reagierte, und sich oft doch mit Antizionisten zum gemeinsamen Widerstand zusammentaten.
Aber:
Der Aufsatz fasst zusammen:
Ich hoffe, ich habe das Interesse geweckt, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen. Klar muß sein, daß die Tatsache, daß der Zionismus (zumindest der revisionistischen Linie) mit dem Nazi - Regime geradezu offen kollaborierte, nicht etwa wieder umgekehrt werden kann in eine Absurdität nach Art von “Die Juden waren ja selber schuld…”, wie es seitens rechtsradikaler Positionen angesichts solcher Fakten immer mal wieder geschieht.
Doch es ging ja um die Frage, inwieweit der Nationalsozialismus und der Zionismus miteinander alliiert waren. Ideologisch (”überlegene Rasse”) wäre es auch ohne nähere historische Fakten klar und naheliegend, aber es liegen zahllose Belege für eine unmittelbare praktische Kollaboration des Zionismus mit dem Antisemitismus (nicht nur) im Deutschen Reich vor.
Letztlich entstand also der Zionismus als eine kollaborationistische (Minderheits-)bewegung mit den verschiedenen Varianten des Antisemitismus, und keineswegs etwa als sein Antipode. Spiegelbildlicher Rassismus ist seine Wurzel.
Der Zionismus ist also der “Schatten” des Antisemitismus und der Herrenmenschen - Ideologie, was -wenig überraschend - bis in die Schreibe zeitgenössischer Zionisten durchscheint.
Kommentar von lewboski am 21. Oktober um 20:09 Uhr
@ nemetico
Das kommt ganz drauf an, wie man den Begriff “Verbündete” definiert.
Wenn man -so wie ich - darunter zwei Parteien versteht, die in einem Konflikt auf der gleichen Seite stehen, dann ist liegt in der Aussage, dass 2 Feinde den selben Verbündeten haben können, ein logischer Widerspruch.
“Hitler hatte nie vor, irgend jemanden davonkommen zu lassen, nur weil er die Juden ermutigte, nach Palästina auszuwandern«, macht Brenner deutlich[...]“
Mit dieser Aussage stellt Lenni Brenner doch selbst klar, dass Hitler niemals ein Verbündeter zionistischer Juden gewesen ist.
Mag sein, dass die Nazis die zionistische Bewegung instrumentalisiern instrumentaliesieren wollten, doch zu Verbündeten macht sie das genausowenig wie der Versuch einiger opportunistischer Zionisten, sich mit dem Dritten Reich zu arrangieren, um daraus Vorteile für die eigene Sache ziehen zu können - so wie es zum Beispiel Jacob Gens versucht hatte.
Die Betonung liegt hier übrigns auf dem Wort “versucht”, denn letztendlich wurde er von den Nazis genauso ermordet wie alle anderen Juden in Vilnius auch.
Diesen entscheidenden Punkt hast du wohlweislich verschwiegen.
Schon seltsam: Radikal antizionistische Rabbiner wie z.B Moishe Friedman werfen heute dem Zionismus vor, eine “neue gottlose Weltordnung verwirklichen” zu wollen und vertreten die Auffassung, dass der Holocaust eine berechtigte “Strafe Gottes für das jüdische Volk” gewesen sei.
Das ähnelt doch sehr jener Propaganda, die angebelich im Warschauer Ghetto verbreitet worden ist.
Wie dem auch sei:
Ich glaube ein wesentliches Grundproblem bei der Diskussion dieses Themas liegt - wie so oft - auf der sprachlichen Ebene.
Konkret geht es um das Wort „Zionismus“, das sich in seiner eigentlichen Bedeutung nur auf alle Bestrebungen zur Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina bezieht. Mehr nicht.
Wenn zum Beispiel ein Ahmadinedjad vom Zionismus spricht, dann meint er das genau so, und nicht anders. Den Ausdruck „zionistisches Regime“ gebraucht er daher völlig folgerichtig als Synonym für „Israel“.
In diesem Sinn des Wortes kann jeder, der das Existenzrecht Israels nicht ablehnt (soweit ich weiß, tun das auch die meisten politblog-Autoren nicht), als Zionist bezeichnet werden. Demgegenüber nimmst du (so wie viele europäische Linke, die sich mit den Palästinensern solidarisieren) den Umstand, dass es unter den Zionisten auch Rassisten gibt, zum Anlass, um den Zionismus per se als eine rassistische Ideologie zu brandmarken
Die Weltanschauung dieser Rassisten wird als das dargestellt, was den Zionismus angeblich ausmacht.
Das kann zu gefährlich Missverständnissen führen - etwa wenn die linken Antiimperialisten hierzulande glauben, radikale Muslime würden tatsächlich bloß den Widerstand gegen die völkerrechtswidrige Besatzung durch die Israelis meinen, wenn sie dem Zionismus den Kampf ansagen.
Kommentar von nemetico am 22. Oktober um 17:00 Uhr
Was soll das? Die von mir bezeichneten Quellen kann jeder nachlesen. Was soll das “wohlweislich” in diesem Zusammenhang? Wo lernt man so was?
Ich darf den Ball zurückgeben, mein Lieber.
Oben hast du noch folgendes von dir gegeben:
Jetzt liegen die knallharten historischen Fakten vor, und dann gibst du zu erkennen, daß dir der Name des Nazi - Kollaborateurs Jakob Gens wohl bekannt ist, so bekannt, daß du auch genau weißt, daß die Nazis auch ihn nicht verschonten.
Interessant.
Zuerst “wo sind die Belege für…?” und dann “ja, ja ist ja bekannt, aber du hast wohlweislich…”
Wo lernt man solcherlei Rhetorik, lewboski? Sie wußten also von der engen Kollaboration der Zionisten mit dem eliminatorischen Antisemitismus, haben diese Tatsache aber “wohlweislich” verschwiegen, so wie alle Ihre Gesinnungsgenossen. Wird schon keiner merken.
Stimmt nicht, spätestens jetzt haben es alle gemerkt.
Das ist unbestreitbar. Offenkundig gibt es unter orthodoxen religiösen Juden verschiedene Strömungen bzw. Fraktionen, mindestens zionistische und antizionistische.
Was ist daran seltsam?
Daß es das nette “good guys - bad guys” Schema stört, das uns die imperialistischen Medien immer wieder zu suggerieren versuchen?
Natürlich sind mir persönlich antizionistische Juden sympathischer, selbst wenn sie orthodox religiös sind, das hat aber damit zu tun, daß ich jegliche “völkische” Sichtweise und Interpretation historischer Ereignisse zutiefst verachte.
Kommentar von lewboski am 23. Oktober um 20:40 Uhr
@ nemetico
Weshalb diese Aufregung um das Wörtchen “wohlweislich”?
Eine echte Allianz zwischen Nationalsozialismus und Zionismus lässt sich schließlich nur dann plausibel darstellen, wenn man ausblendet, dass jene jüdischen Kollaborateure, deren Taten diese Allianz beweisen sollen, von den Nazis auch nicht verschont wurden.
Da Sie offenbar ziemlich gut über diese Thema informiert zu sein scheinen, unterstelle ich Ihnen, diesen (entscheidenden) Umstand bewusst, aus eben diesem Grund, verschwiegen zu haben - und nicht etwa aus Unkenntnis.
Ehrlich gesagt war mir vor Ihrer sehr ausführlichen Antwort der Name Jacob Gens nicht bekannt.
Sie weckten aber immerhin mein Interesse, was mich dazu veranlasste, mich etwas eingehender über diese Thema zu informieren.
Dass ich über Gens schon vorher Bescheid wusste, habe ich nie geschrieben. Das ist eine falsche Interpretation Ihrerseits.
Und was den von Ihnen zitierten Historiker betrifft:
Seine Biographie und der Umstand, dass er für ein “PLO Research Centre” publizierte, lassen jedenfalls nicht auf eine unbefangene, sachliche und objektive Aufarbeitung der Geschichte des Zionismus schließlichen.
Faris Glubb ist in dieser Hinsicht in etwa genauso glaubwürdig, wie ein Autor, der für das American Enterprise Institute über den Iran schreibt.
Ganz konkret habe ich an seinen Ausführungen zu kritisieren, dass er ohne jede Quellenangabe oder nähere Begründung quasi im Vorbeigehen die verbrecherischsten jüdische Kollaborateure durchwegs als überzeugte Zionisten darstellt und auch noch einen Kausalzusammenhang zwischen ihrer nicht belegten zionistischen Gesinnung und den von ihnen tatsächlich begangenen Verbrechen behauptet.
Die von Glubb gebrachten Zitate geben darüber jedenfalls keinen Aufschluss.
Und selbst wenn sie tatsächlich Zionisten gewesen wären, bliebe er immer noch den Nachweis dafür schuldig, dass sie sich in dieser Hinsicht von der Mehrheit der damaligen jüdischen Bevölkerung grundlegend unterschieden.
Da die von der Agudath Israel Party im Warschauer Ghetto verbreitete Propaganda im Zusammenhang mit Kollaboration von Nazis und Zionisten erwähnt wurde, liegt der Schluss nahe, dass diese Gruppierung offenbar auch dem Zionismus zugerechnet wird.
Seltsam ist daran, dass heute orthodoxe Antizionisten diesbezüglich nicht nur die gleiche Linie vertreten, sondern sich darüber hinaus auch Rechtsextremisten und Neonazis anbiedern.
Jenes Verhalten, dessen man die Zionisten beschuldigt, setzen Antizionisten heute tatsächlich.
Haben damals die Zionisten angebliche ein Regime unterstützt, das das jüdische Volk ausrotten wollte, so unterstützen die Antizionisten heute ein Regime, welches (”bloß”) die Auffassung vertritt, der Judenstaat müsse von “den Seiten der Geschichte” verschwinden …
Wie gut, dass die Antiimps über jedes “good guys - bad guys” Schema wie z.B. “Neocons/Imperialisten/Kapitalisten=böse”, “USrael-Gegener=gut”, erhaben sind.
Abschließend möchte ich Sie noch fragen, welche Medien Sie konkret als “imperialistisch” betrachten, beziehungsweise welche nicht.
Kommentar von Caelius am 3. November um 17:08 Uhr
Das stimmt zwar, hat aber damit zu tun, daß der sich in Deutschland in bestimmten Kreisen bis zum Vernichtungsexzess steigernde Judenhaß sich - erst im Krieg - sozusagen ungestört austoben konnte. Erst dann bekamen diese Kreise den nötigen Einfluß und entsprechende “Rahmenbedingungen”.
Wobei es auch eine wichtige Rolle spielte, daß man erstens im Krieg die Vernichtungskationen in einer Weise geheim halten konnte, wie es unter Friedensbedingungen unmöglich gewesen wäre, und zweitens auch unmißverständliche Vernichtungserklärungen der Kriegsgegner (”Morgenthau-Plan”, “Unconditional Surrender” etc.) gegenüber dem deutschen Reich als “Rechtfertigung” heranziehen konnte, - und sei es nur seitens der Täter vor sich selbst. Der brutale Bombenkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung beispielsweise war ebenfalls geeignet, diese Haltung noch zusätzlich zu stützen.
Schon die gesteuerten Auschreitungen der sog. “Reichskristallnacht” in Berlin mußten angesichts der zwar furchtsam schweigenden, aber auch leise murrenden Bevölkerung schleunigst wieder gestoppt werden. Hitler selbst, er soll sogar außer sich gewesen sein über diesen unabgesprochenen Coup Josef Goebbels (aber sicher nicht aus moralischen Gründen), ordnete das an.
Ich wage daher zu behaupten, daß ein Versuch, den Holokaust schon vor dem Krieg (oder bei einem vermiedenen Krieg) durchzuführen, das sofortige Ende Hitlers gewesen wäre. Es hätte sich eben nicht verheimlichen lassen, das Militär hatte die Waffen und anders als später im Krieg mit den daraus resultierenden bekannten Konflikten (”Hinter uns Himmlers SS und vor uns Stalins Rote Armee und Henry Morgenthau”) vieler Generäle, hätte die Wehrmachtsführung gehandelt. So moralisch verkommen, wie heute oft behauptet, war sie nämlich mehrheitlich keineswegs.
Hinzu kam die böse Wahnidee einer “jüdischen Verschwörung” zum Völkerkrieg. Hitler: “Wenn es den Juden gelingen sollte, die Völker Europas noch einmal in einen großen Krieg zu stürzen…wird das nicht der Untergang Deutschlands sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!”
V o r dem Krieg, so betonen inzwischen auch etablierte und seriöse Historiker, gab es auch tatsächlich (noch) keinen Plan zur physischen Vernichtung der Juden. Wie es jüngst in einer TV-Debatte ohne Widerspruch (auch nicht seitens eines beteiligten jüdischen Gelehrten) hieß: “Man wollte sie einfach loswerden!”
In der Tat, so entstanden einerseits die wirren “Madagaskar”-Pläne , - andererseits wollte man aber durchaus auch die Auswanderung nach Palästina fördern. Man verhandelte ausführlich mit der zionistischen Führung, und, ob man es nun glauben will oder nicht, es flossen sogar erhebliche Gelder seitens des SS-Geheimdienstes an die Haganah, den militärischen Flügel der zionistischen Bewegung in Palästina.
Interessant noch zum Terminus “loswerden”: lange vor dem Krieg wandte sich die französische Regierung mit einer diplomatischen Note an Berlin, in der eine schriftliche Bestätigung verlangt wurde, daß Deutschland “…nicht die Auswanderung deutscher Juden nach Frankreich…” fördern würde. Dem wurde stattgegeben. Und in welchem Umfang französische Stellen, Verwaltungsbehörden, Polizei, aber auch die Mehrheit der Bevölkerung später bei der Judenverfolgung durch die Gestapo in Frankreich tatkräftig mithalfen, ist mittlerweile auch kein allzu großes Geheimnis mehr.
Der Antisemitismus war damals noch ein universelles, gewissermaßen “globales” Phänomen gewesen. Der sicher der NS-Sympathie unverdächtige Emigrant Sebastian Haffner betonte einmal, daß der Antisemitismus in Frankreich auch in der breiten Bevölkerung noch sehr virulent gewesen wäre, - wohingegen er in Deutschland schon im wilhelminischen Kaiserreich praktisch in Auflösung begriffen gewesen wäre, ebenso wie das deutsche Judentum selbst. Hitler habe sozusagen beides “…neu erfinden müssen…”.
Jüngere französische Historiker bezeichnen heute z.B. die “Résistance” als “Legende” und “Nachkriegsphänomen”. “Vichy” das w a r Frankreich und durchaus keine allgemein verachtetes und isoliertes Kabinett von “Verrätern”. Marschall Pétain war als Regierungschef hochgeachtet, De Gaulle galt als Landesverräter und der tatsächliche Haßgegner im allgemeinen Bewußtsein war keineswegs das Deutsche Reich, - sondern Churchills England, dem man ankreidete aus auschließlich britischen Nationalinteressen hertaus das Land in einen unnötigen Krieg, den keiner wollte (”Mourir pour Danzig? Non!”) und in die schließliche Niederlage manövriert zu haben. Die “großmäuligen” Polen waren höchst unbeliebt und hatten nach allgemeinem Dafürhalten nur bekommen, was sie verdienten. Erst nach der “Befreiung” kam man tunlichst zu anderen Auffassungen (vgl. Raymond Carrier, Der zweite Weltkrieg).
Wie sagte Voltaire: “Geschichte? Nun, das ist die Lüge, auf die sich die Historiker geeinigt haben!”
Ähnliches wie in Frankreich galt für diverse andere Länder gleichermaßen, - nur Italien und Spanien sind diesbezüglich wirklich “sauber” geblieben, dort hate der Antisemitismus kaum Anhänger. Nicht einmal bei Mussolini persönlich!
In Polen hingegen mußte vor einigen Jahren eine Gedenktafel “Für die Opfer der SS” beschämt entfernt werden, - tatsächlich hatte die polnische Bevölkerung dort etwa tausend Juden in eine Kirche getrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt. Weit und breit gab es weder Wehrmacht noch SS, wie Zeugen auss