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Mörderischer Arbeitsdruck

Suizid-Serie schreckt Frankreich auf

Immer schärfer ziehen die Unternehmen den Leistungsdruck am Arbeitsplatz an. Immer schneller müssen die Menschen arbeiten. Mit immer weniger Beschäftigten erzeugen europäische Firmen ihre Produkte. Doch jetzt häufen sich in Frankreich Selbstmorde, bei denen auch der Arbeitsdruck als mögliche Ursache genannt wird. Hat die Arbeitsverdichtung inzwischen schon ein geradezu tödliches Ausmaß erreicht?

Aufgeschreckt ist die Öffentlichkeit in Frankreich nach einer Reihe von Suizid-Meldungen aus gleich mehreren großen französischen Konzernen. Jedes Jahr nehmen sich im gesamten Land zwischen 300 und 400 Menschen aus beruflichen Gründen das Leben. Mit durchschnittlich einem berufsbezogenen Selbstmord pro Tag liegt Frankreich hinter den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und der Ukraine in dieser traurigen Statistik auf dem dritten Platz weltweit.

Im Jahr 2004 verbuchte Frankreich mit insgesamt 10.798 Selbsttötungen fast genauso viele wie Deutschland, obwohl dort rund 19 Millionen Menschen weniger leben als in der Bundesrepublik. Allein seit Jahresbeginn hat die französische Industrie mehr als ein Dutzend Selbstmorde erlitten.

Neben sechs Selbsttötungen von Beschäftigten bei Peugeot-Citroen (PSA) und weiteren drei Fällen bei Renault allein seit Jahresbeginn ist auch der staatliche Energie-Konzern Electriçité de Françe (EdF) ins Gerede gekommen. Auch beim Catering-Konzern Sodexho hat ein Angestellter Selbstmord verübt.

Selbst Sarkozy bezog Stellung

Angesichts dieser schwarzen Serie ließ Staatspräsident Nicolas Sarkozy jetzt erklären, er sei “sehr betroffen” über die Suizide. Sein Sprecher David Martinon versprach, der Präsident wolle die Selbstmorde genau untersuchen lassen, um “Abhilfe für diese Probleme zu schaffen”.

Zuvor hatte sich auch Arbeitsminister Xavier Bertrand betroffen “über diese menschlichen Dramen” geäußert. Das Ministerium habe sich seinen Angaben zufolge mit dem Personalbüro von Peugeot-Citroen in Verbindung gesetzt, “um eine Bilanz der Lage zu ziehen”.

Autobauer auf gefährlichem Kurs

Zuletzt hatte sich ein Mitarbeiter des Automobilherstellers im elsässischen Mulhouse (Mühlhausen) in einem Firmenlager erhängt. Seit Jahresbeginn haben sich bei PSA insgesamt sechs Menschen das Leben genommen. Fünf Suizide haben sich dabei allein im Werk Mulhouse ereignet.

Die Gewerkschaft hat die Unternehmensleitung jetzt aufgefordert, die Suizide von unabhängigen Experten untersuchen zu lassen. Ein unvoreingenommener Betrachter von außen könne “den übermäßigen Stress” in der Firma besser beurteilen als die Chef-Etage.

Die Geschäftsleitung hat danach eine Untersuchung durch einen Psychiater zugesagt. Der Autobauer hatte schon Anfang Juli eine kostenlose Service-Nummer eingerichtet, bei der überforderte Mitarbeiter sich telefonisch beraten lassen können.

Innerhalb von vier Monaten hatten sich beim Konkurrenten Renault drei Beschäftigte das Leben genommen. Einer war aus dem fünften Stock des Bürogebäudes gesprungen. Ein anderer hatte sich im künstlich angelegten Teich auf dem Firmengelände ertränkt.

Die drei waren Mitarbeiter eines Teams, das für den strauchelnden Autohersteller in kürzester Zeit 26 neue Modelle entwerfen sollte. “Der Erfolg hängt nur von den Modellen ab”, hatte der neue Renault-Chef Carlos Ghosn den Designern Anfang Februar eingebläut.

Seinen Drei-Jahres-Plan machen die Gewerkschaften nun für die Todes-Serie bei Renault mit verantwortlich. “Die Mitarbeiter ertragen den Druck nicht mehr”, erklärte Vincent Neveu von der Gewerkschaft CGT. Selbst die Geschäftsleitung hat inzwischen “Spannungen” in der Belegschaft wegen der hoch gesteckten Ziele des Unternehmens zugeben müssen.

Alarmierender Arbeitsdruck in Atom-Anlagen

Eine jüngst veröffentlichte Untersuchung des staatlichen Wirtschafts- und Sozialrats hat eine Häufung von Selbsttötungen in französischen Atom-Anlagen festgestellt. Allein im Atomkraftwerk Chinon haben sich in den letzten zwei Jahren vier Mitarbeiter das Leben genommen.

Drei Suizide haben sich dort seit Jahresbeginn schon ereignet. Am Montag (18. Juni) stürzte sich zudem eine 48-jährige Ingenieurin des Atom-Konzerns Areva aus ihrem Pariser Büro im siebten Stock in den Tod.

Betriebsrat Michel Lallier hält diese Todesfälle aber nur für die Spitze des Eisbergs. Allein in Chinon habe es seit den 90er Jahren zehn Selbstmord-Fälle gegeben. In anderen französischen Atom-Meilern sei das wahrscheinlich auch nicht viel anders, vermutet er. Ebenso verhalte es sich wohl auch mit den Leiharbeitern, die immer mehr Wartungsarbeiten ausführen.

Nach Angaben des CGT-Gewerkschafters verfügt EdF über Statistiken zu diesem Problem. Diese Daten halte der Konzern jedoch unter Verschluss.

Stress und Angst vermutet Dominique Huez als wichtige Faktoren für die Häufung von Suiziden in seinem Betrieb. Nach Einschätzung des Werksarztes im AKW Chinon haben sich die Arbeitsbedingungen in den 19 französischen Atom-Meilern “erheblich verschlechtert”, seitdem EdF wegen der Öffnung des Strom-Marktes in der EU einen rigiden Sparplan aufgelegt hat. Seither gehe es vor allem um Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität, kritisierte der Mediziner.

Die EdF-Angestellten seien einem wachsenden Arbeitsdruck ausgesetzt. Für die Kontrolle von Haarrissen im Reaktor-Mantel etwa hätten sie inzwischen deutlich weniger Zeit als noch vor einigen Jahren. Diese Situation bringe die Techniker und Ingenieure ständig in Loyalitätskonflikte zwischen ihrem Arbeitgeber und dem Erhalt des Arbeitsplatzes einerseits sowie der gewissenhaften Einhaltung von Sicherheitsvorschriften andererseits.

In diesem Zusammenhang spricht Huez von “strategischem Mobbing” seines Arbeitgebers: “Die Geschäftsführung weiß, dass sich die individuelle Situation der Arbeitnehmer verschlechtert. Aber sie nimmt es in Kauf, weil sie dadurch die Angst regieren lässt und es leichter hat, den Apparat umzuorganisieren und zu verschlanken.”

Trotz der Suizid-Serie will EdF noch weitere Arbeitsplätze abbauen. Das schürt die Angst in der Belegschaft zusätzlich. Und das erhöht auch nicht gerade die Sicherheit der Atomkraftwerke.

Ein Vorfall belegt die Gefährlichkeit dieser Strategie: Einer der Selbstmörder soll zwei Tage vor seinem Freitod aus Stress einen Reaktor falsch bedient haben. Der Meiler habe heruntergefahren werden müssen. Der Mitarbeiter habe sich danach aus Frust selbst erschossen.

Bereits im Jahr 2003 hatte Huez die EdF auf die bedrohliche Entwicklung hingewiesen. Die Hälfte der Beschäftigten im AKW sei krank, erklärte er.

Nachdem aber all das nicht gefruchtet hat, hat der Werksarzt jetzt die Geschäftsführung wegen gesundheitlicher Gefährdung von zwei Mitarbeitern angezeigt.

Ärzte besonders gefährdet

Ausgerechnet Mediziner stellen neben Managern und Freiberuflern eine der gefährdetesten Berufsgruppen dar. Ärzte begehen zweieinhalb mal häufiger Suizid als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Vor allem Psychiater und Anästhesisten gelten als gefährdet. Ärztinnen neigen sogar fast doppelt so oft zur Selbstttötung wie ihre männlichen Kollegen. Schon Medizinstudenten entscheiden sich signifikant häufiger für einen Suizid als Studierende anderer Fachrichtungen.

Den Grund dafür sehen Experten in verbreitetem Alkoholismus und Tablettensucht bei Medizinern. Dank dieser Drogen könnten die Ärzte ihre Verantwortung und den Stress leichter ertragen.

Der Missbrauch von Alkohol hat nach Angaben des Statistischen Bundesamts (DeStatis) im Jahr 2005 in Deutschland insgesamt mehr als 16.000 Menschenleben gekostet. Im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol sind demnach in Deutschland 12.233 Männer und 4.096 Frauen gestorben. Das sind rund zwei Prozent aller Sterbefälle.

Damit sind im Jahr 2005 mehr Menschen an den Folgen von Alkohol-Missbrauch gestorben als durch Suizide (10.260) und tödliche Verkehrsunfälle (5.458) zusammen. Doch sollte man angesichts des ärztlichen Suizid-Risikos und der Gründe für den Alkoholismus beide Faktoren in direkten Zusammenhang miteinander betrachten.

Insgesamt ist die offiziell bekanntgegebene Selbstmord-Rate in Deutschland allerdings rückläufig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind im Jahr 2003 in Deutschland 11.150 Menschen freiwillig aus dem Leben geschieden. Diese Zahl entspricht einem Anteil von 1,3 Prozent an allen Todesfällen.

Während 1983 von 100.000 Personen noch 24 Menschen ihr Leben durch Suizid beendet hatten, begingen 2003 “nur” noch 14 Personen pro 100.000 Einwohner Selbstmord. Zurückgeführt wird dieser Rückgang des freiwilligen Todes vor allem auf die verbesserte psychotherapeutische Betreuung möglicher Opfer. Immerhin liegt die Zahl der Selbstmord-Versuche in Deutschland bei mehr als 100.000 pro Jahr.

Freitod wird meist totgeschwiegen

Für die Angehörigen ist der Suizid eines nahestehenden Menschen nicht leicht. Häufig machen sie sich Vorwürfe, den Betreffenden nicht genügend unterstützt oder seine Warnsignale nicht ernst genug genommen zu haben.

In aller Regel deuten Selbstmörder ihre Entscheidung nämlich vorher an. Meist ist das ein Hilferuf, mit dem sie noch einen letzten Ausweg vor der ausweglosen “Lösung” suchen. Oft nehmen Angehörige diese Äußerungen aber nicht ernst oder verdrängen sie.

Schließlich ist es ja auch nicht leicht, einem depressiven Menschen zu helfen. Schwermut ist nämlich meist die Ursache für einen Suizid. Diese Depression kann jedoch vielfältige Ursachen haben. Selten ist es nur ein einziger Grund, der das Leben sinnlos erscheinen lässt.

Häufig aber erzeugt ein Problem beispielsweise am Arbeitsplatz weitere Schwierigkeiten. Ist der Mensch erst einmal gestresst, unzufrieden und mutlos, so wirkt sich das auch auf seine Beziehung, seine Freunde und andere Lebensbereiche aus. Mancher stürzt so in eine tiefe persönliche Krise.

Doch trotz der Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Debatte über Selbsttötungen und ihre Beweggründe grenzt die Öffentlichkeit das Thema weitgehend aus ihren Diskussionen aus. Einerseits vermeiden die Behörden Veröffentlichungen mit dem Hintergedanken, labile Leute damit nicht noch auf eine tödliche Idee bringen zu wollen, andererseits grenzt die Gesellschaft das Sterben insgesamt als unangenehme Schattenseite des Lebens aus. So wird das Thema Suizid weitgehend totgeschwiegen.

Hartz-IV-Empfänger hat seinen Kampf aufgegeben

Unter den Teppich gekehrt haben die meisten deutschen Medien - vermutlich nicht nur deswegen - auch den Freitod des Hartz-IV-Opfers Detlef Rochner. Der 47-jährige Frührentner war am Montag (16. Juli) vom Balkon seiner Wohnung im zehnten Stock eines Berliner Hochhauses gesprungen, weil er für sich und seine Familie keinen anderen Ausweg mehr sah.

Um jede notwendige Leistung für seinen 20-jährigen behinderten Sohn und sich selbst habe ihr herzkranker Mann immer kämpfen müssen, erklärte seine 44-jährige Witwe. In einem Abschiedsbrief beklagte der - sonst immer sehr engagierte - Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, dass die Gesellschaft Behinderte und ihre Rechte nicht ernst nehme und sie rücksichtslos ausgrenze. Im Sprung vom Balkon sah der seit 2003 arbeitslose einstige U-Bahn-Fahrer die einzige Chance für seine Familie, jemals wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.

Mörderisches Mobbing statt Mitmenschlichkeit

Die neoliberal verbrämte Wirtschaftsdiktatur ist letztlich der wichtigste Grund für die meisten Suizide. Soziale Leistungen und Anlaufstellen werden finanziell ausgeblutet oder den knallharten Gesetzen des Marktes unterworfen.

Unternehmen saugen wie Zecken ihre Beschäftigten aus, um sie im Zuge von “Verschlankungen” der Belegschaft jederzeit nach Belieben auf die Straße zu setzen. Das Arbeitslosengeld II (ALG II) erlaubt ihnen dann aber kaum mehr ein menschenwürdiges Leben.

Jahrzehntelange neoliberale Propaganda hat die Bevölkerung zudem mürbe gemacht. Viele Menschen glauben deswegen tatsächlich, sie seien selber schuld an ihrem sozialen Abstieg. Und wer noch einen Job hat, verschließt lieber die Augen vor der Gefahr, ihn zu verlieren.

Neoliberal gepredigter Egoismus und ruppige Rücksichtslosigkeit haben die Solidarität der Menschen untereinander vielfach verdrängt. Nur dadurch war es möglich, dass Mitte April ein 20-jähriger Behinderter in Speyer verhungert ist. Und auch Detlev Rochners Tod ist eine Folge mangelnder Solidarität der Mitmenschen.

Neben seinen gefährlichen Folgen im Inland ist der Neoliberalismus auch für die globale Ungerechtigkeit verantwortlich. Kriege und Unterdrückung weltweit sind vor allem der Macht- und Geldgier einzelner Profiteure geschuldet.

Ein dermaßen tödliches Wirtschaftssystem darf nicht so weitermachen wie bisher. Anstatt immer mehr Mittel zur Unterdrückung der Menschen zu mobilisieren, muss die Politik der Wirtschaft künftig enge Grenzen setzen. Die aus Profitgier angestrebte Abtötung der Sozialsysteme ist ein nicht hinehmbares Verbrechen am Volk.

Neoliberal ist eine Qual. Freiheit und Demokratie sowie Solidarität und Soziale Verantwortung sind unerlässliche Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben. Immer mehr Menschen engagieren sich deswegen für eine Demokratie, die diesen Namen auch wirklich verdient.

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Dieser Eintrag wurde am Sonntag, den 29. Juli 2007 von Franz-Josef Hanke geschrieben und in die Kategorie Gesellschaft eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Marcel am 29. Juli um 14:46 Uhr

Bemerkenswerterweise tauchen in deutschen Massenmedien Massenprobleme wie Rechtsmissbrauch und Mobbing meist nur in Zusammenhang mit dem Ausland auf, obwohl diese Probleme auch in Deutschland gravierend sind.

Aber zum Glück sind ja die Atomkraftwerke in Deutschland wenigstens sicher. Äh, war da nicht gerade was im AKW Krümel? Von Mobbing liest man da zwar nichts, aber so richtig nachgefragt hat in diese Richtung da bisher vielleicht auch noch niemand.

Kommentar von isularossa am 29. Juli um 15:09 Uhr

es dauert wahrscheinlich nicht mehr all zu lange bis das Fass übergelaufen ist.
Es geht nicht darum die Verhältnisse z.B. in Fernost unseren anzupassen, sonder darum die Verhältnisse von dort nach Europa zu übertragen und die Politiker kommen immer mehr in Erklärungsnöte und bilden Alianzen mit den MSM um ihr Gesicht zu wahren.
Was waren denn die Schlagworte nach dem 2.Weltkrieg?
Deutschland das demokratische Land mit einer SOZIALEN Marktwirtschaft.
Jetzt heißt es nur noch Marktwirtschaft und so langsam werden wir daran gewöhnt den Begriff Kapitalismus als etwas gutes zu empfinden. Die Konditionierung ist im vollen Gange.
Ich bin einmal gespannt wie lange das “normale” Volk das noch mit sich machen lässt.
Solche Sätze wie: Sei froh, dass Du ein gesicherten Arbeitsplatz hast” oder “Hauptsache überhaupt ein Job”, das muss man sich einmal vorstellen.
Vor einigen Jahrzehnten ging es doch auch, da brauchte die Mutter (oder der Vater) nicht nebenbei noch nen 400€ Job machen um über die Runden zu kommen. Da konnte eine Familie mit einem sicheren Arbeitsplatz über längere Zeit noch richtig in die Zukunft planen. Das geht heute nicht leider nicht mehr und dann wundert sich die Politik, dass immer weniger Kinder geboren werden.
Das dann irgendwann auch Menschen nicht mehr können und den Suizid als letzte Möglichkeit sehen ist nur zu verständlich.
Leider wird die Politik wie immer nicht das Problem anpacken sonder versuchen Mittel einzusetzen um diesen Menschen zu helfen.
Es wäre soooooooooo einfach!
Die letzte Hoffnung liegt darin so vielen Menschen wie möglich solche Seiten wie politblog.net näher zu bringen um den Absprung von den MSM zu schaffen.

Kommentar von Rusty_James am 29. Juli um 15:14 Uhr

Ja genau, der Sozialismus wird uns retten.
Da spring ich doch auch lieber von der Brücke.

Kommentar von Rusty_James am 29. Juli um 15:16 Uhr

tar hat recht, das problem ist das zinssystem. Weg damit!!!
bitte guckt euch den film money as debt an, dann wisst ihr, was hier WIRKLICH falsch läuft

Kommentar von bruce1337 am 29. Juli um 15:29 Uhr

Hey, mein Stichwort! Money as Debt hier anzuschauen mit deutscher Untertitelung von yours truly.

Kommentar von Rusty_James am 29. Juli um 15:38 Uhr

und hier nochmal schriftlich und ausführlich:
http://artfond.de/ralfprengel.htm
artfond wieder online :-) endlich

Kommentar von Toks am 29. Juli um 15:57 Uhr

Es ist schade das in den Köpfen der Menschen keine Alternative zu dem heutigen Wirtschatssystem befindet. Überlegen sie dann doch mal kommen Sie doch schnell auf etwas, nämlich den Kommunismus. Aber der hat je nicht Funktiert, war sowieso nur die einzige Alternative und somit hat man genug nachgedacht… .

Informiert man sich nur ein wenig über wirtschaft kommt man sehr schnel auf einige Wiedersprüche:
1. Hättwen wir da die sache mit der Geldschöpfung. Warum können Geschäftsbanken so viel (Buch-)Geld aus dem nichts schöpfen.
2. Die Sache mit dem Verschuldungszwang. Warum kommt neues Geld nur als Schuld in die Welt und ist damit Mitverantwortlich für den iensen Verschuldungszwang in der Welt.
3. Was hat das mit dem Zins auf sich. Warum kann er nicht unter eine magische Grenze sinken. Warum existiert er überhaupt und zwinkt uns uns immer noch ein wenig mehr zu verschulden.
4. Was könnte eine Umlaufsicherung auf Geld bewirken.

Nur ein paar Punkte über die sich nachzudenken lohnt.

Kommentar von Franz-Josef Hanke am 29. Juli um 17:52 Uhr

Mir würde es schon ausreichen, wenn der Staat der Wirtschaft Grenzen setzt. Doch fordern die Politikaster immer wieder den sogenannten “schlanken Staat”, wenn es um Regulierung der Wirtschaft geht. Nur wenn es um Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger geht, dann kommen Wolfgang Schäuble und Angela Merkel plötzlich mit massiver Staatspräsenz angerückt.
Wichtig wäre auch, die völlig udnemokratische neoliberale Propaganda einmal an die Kette zu legen. Doch das geschieht leider nur sehr selten.
Ansonsten war das, wo in der DDR “Sozialismus” drauf stand, wohl nicht das, was sich dessen Erfinder einst mal gedacht hatten.
In jedem Fall brauchen wir dringend mehr Demokratie.
fjh

Kommentar von DOSBOX am 29. Juli um 18:10 Uhr

Mein Chef fährt Porsche, aber für die Kollegen im Büro gibt es an den heißen Tagen nicht mal Ventilatoren. Nicht übel für einen Laden, der vor nicht allzulanger Zeit beinah insolvent war. Man muss wie der Chef selbst, schon ziemlich “sportlich” sein, um das zu ertragen. Ich bin glücklicherweise extern beschäftigt, wo ich eine Klimaanlage habe, aber im Firmenbüro ist es an heißen Tagen nicht auszuhalten. Wer Geld übrig hat, das er sparen kann, der kann das gern tun, aber vermögenswirksame Leistungen von der Firma gibt es auch nicht. Insgesamt bezeichnend ist auch, dass die Leitung zeitweilig mit der Feudalphilosophie des Konfuzius geliebäugelt hat, die in Form von bedrucktem Klopapier an die Beschäftigten weitergegeben wurde. Alles recht skuril und die Stimmung entspricht der auf einer Sklavengaleere. Ich bin ziemlich froh darüber, dass ich zehn Kilometer von der “dicken Luft” entfernt bin, sonst wäre ich wohl auch schon längst durchgedreht.

Kommentar von David Miles am 29. Juli um 18:42 Uhr

oh Jammer, oh Jammer
ich gehöre zu der Generation, die ohne Fernsehen, Telefon, Auto, Handy, PC gross geworden ist. Das grosse Anspruchsjammern wird
langsam unerträglich - der Neoliberalimus ist immer schuld. Geiz ist geil, Warten beim Arzt ist eine Zumutung und wenns heiss ist muss die Klimaanlage heiss laufen, dann rennen wir zur Demo gegen die AKWs, wenn einer sich mal den Asch aufreisst, um ein paar Flocken mehr zu haben, ist das natürlich unsolidarisch und Versicherungen und das Finanzamt bescheissen wir natürlich völlig zu recht, der Oskar mag zwar ein verkappter Faschist sein, aber wir lieben seine plumpen Parolen und die Chefs sind sowiesoe alles A..lö..er. Ich wandere aus.

Kommentar von pony_huetchen am 29. Juli um 23:46 Uhr

Auch ‘ne Form von mörderischem Arbeitsdruck: Peacekeeping á la Weltgemeinschaft.

Das geht so: Es wird von der UNO ein Krisengebiet ausgemacht, wo’s saftig knallt, nachdem die Rüstungsindustrie dort erst mal richtig was hingeliefert hatte. Meistens mit “Fördergeldern” der bekannten waffenexportierenden Staaten. Oder manchmal auch direkt von der CIA finanziert - mit Drogengeldern.

Hat man dann erfolgreich einen Krisenherd geschaffen, idealerweise auch noch durch Vernichtung der Ernte richtig Hunger kreiert, dann kommt die UNO mit weiteren Waffen. Also mit Blauhelmen. Das zahlen dann wieder die waffenproduzierenden Staaten, allen voran die USA und Deutschland ist da auch nicht knauserig, denn die heimische Wirtschaft verdient ja fein daran.

Allerdings - das Kanonenfutter, also die Blauhelmsoldaten, die schicken dann Länder wie Pakistan, Bangladesh und Indien.

“Für Länder in der Dritten Welt ist das Entsenden von Friedenssoldaten eine wichtige Devisenquelle geworden. So erstatten die Vereinten Nationen den Truppenstellern pro Mann und Monat 1028 Dollar, plus einem Zuschlag für spezialisierte Sicherheitskräfte in Höhe von 300 Dollar.”

QUELLE

Was die armen Wichte dann als Salär bekommen - 200 Rupien? Nettes Geschäft für die “Entsenderstaaten”.

Krieg und “Friedenssicherung” ist in jeder Hinsicht ein gutes Geschäft. Die Gewinne soll erst mal ‘ne andere Branche nachmachen. Und apropos: Ventilatoren haben die Soldaten da auch nicht. Und der Chef fährt wahrscheinlich trotzdem Porsche. Also DOSBOX - nicht verzweifeln.

Seid froh, dass ihr noch nicht “entsendet” seid.

Kommentar von eka am 29. Juli um 23:58 Uhr

Eigentlich ist das ganz normaler Kapitalismus und nicht neu:

Zitat:
“Da aber durch den Fortschritt der Maschinerie, durch verbesserten Ackerbau etc.stets weniger Arbeiter benötigt werden, um ein gleiches Quantum Produkte hervorzubringen, da diese Vervollkommnung, d.h. diese Überzähligmachung von Arbeitern rascher wächst als selbst das wachsende Kapital, was wird aus dieser stets zunehmenden Zahl von Arbeitern? Sie bilden eine industrielle Reservearmee, welche während schlechter oder mittelmäßiger Geschäftszeiten unter dem Wert ihrer Arbeit bezahlt und unregelmäßig beschäftigt wird oder der öffentlichen Armenpflege anheimfällt, die aber der Kapitalistenklasse zu Zeiten besonders lebhaften Geschäfts unentbehrlich ist, wie dies in England handgreiflich vorliegt, - die aber unter allen Umständen dazu dient, die Widerstandskraft der regelmäßig beschäftigten Arbeiter zu brechen und ihre Löhne niedrig zu halten.”

Friedrich Engels
[Rezension des Ersten Bandes "Das Kapital"
für das "Demokratische Wochenblatt"]

Geschrieben zwischen dem 2. und 13. März 1868.

Quelle:
http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_235.htm

Kommentar von Franz-Josef Hanke am 30. Juli um 06:30 Uhr

Karl Marx und Friedrich Engels haben vieles schon richtig eingeschätzt. Allerdings nicht alles!
Die neuerliche Entwicklung ist ein Roll-Back, weil sie hinter in den 70er und 80er Jahren bereits erreichte Standards wieder zurückfällt. Damals gab es halt noch den sogenannten “real existierenden” Pseudo-Sozialismus - sprich: Staatsmonopolkapitalismus - in einer unterdrückerischen Form, dem der Westen allerdings Paroli bieten musste.
Nun meinen die neoliberalen Profiteure, sie könnten alles kriegen, und zwar Subito!
Das ist kein Gejammer, sondern Realität. Die Fakten meines Beitrags stammen aus mehreren Zeitungs-, Hörfunk- und Fernseh-Berichten aus Frankreich, Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts und einem Zeitungsbericht über den Tod von Detlev Rochner.
Wer angesichts solcher Realitäten von “Jammer, Jammer” faselt, der ist entweder ein Zyniker oder selbst ein neoliberaler Propagandist.
fjh

Kommentar von tar am 30. Juli um 09:01 Uhr

eka, verweise doch nicht auf die halbherzig durchdachte hetzschrift des kapitals (bspw. dieser fehler: http://www.detlef-ouart.de/Die.....ktoren.htm) , sondern eher auf dieses büchlein:

http://freigeldpraktiker.de/we.....ownload/40

Kommentar von guadalupe am 30. Juli um 09:02 Uhr

Der richtige Link zum Rheingold lautet

http://www.rheingoldregio.de

Als Ergänzung zu Wirtschaftskrisen - Geldkrisen hilft vielleicht

http://artfond.de/geldmodell.htm

, denn dort wird aufgezeigt, daß es auch ganz anders gehen kann.

Wer intensiver lesen möchte, wie, unabhängig davon, welche politische Partei was zu sagen hat, der systemimmanente Zwang zur Verschuldung das Geldsystem bis zu periodischen Zusammenbrüchen aufrechterhält, kann das hier anhand eines Kinderzimmermodells verfolgen.

http://artfond.de/kinderzimmereins.htm

Kommentar von guadalupe am 30. Juli um 09:35 Uhr

@ tar

Danke für Deinen Link

http://www.detlef-ouart.de/Die.....ktoren.htm

Auf diese Ideologie der drei Produktionsfaktoren fallen ja auch die Marxisten rein, was es unendlich schwierig macht, mit denen über Wirtschaft und Finanzen zu reden.

Wenn ich über Geld und Einfluß verfügte und das alte Geldsystem ideologisch festigen wollte, würde ich Adam Smith viel Geld für seine Leistung gegeben haben und Karl Marx mit Geld regelrecht überschütten, weil er mir die potentiellen Gegner sauber einsammelt und ruhig stellt, damit die keinen Unfug machen.

Kommentar von koppino am 30. Juli um 18:43 Uhr

mich beunruhigen die zahlen der suizid-fälle schon lange. für mich stehen da die 10.000 einzelschicksale im vordergrund.
ich kann mir eine solche summe nicht erklären. in der region hört oder ließt man von jungen leuten, mit bestandenem super-abi, einer intakten beziehung usw. die vor einen zug springen usw.

da ist die frage, wo der wahre KERn der sache liegt ….

Kommentar von DaRockwilda am 31. Juli um 13:38 Uhr

Hab nicht alle Kommentare gelesen, aber schon immer habe ich mich vor japanischen Verhältnissen gegruselt, wo sich soweit ich weiß mehr Leute umbringen als irgendwo sonst auf der Welt. Und das eben wegen dem Druck der auf ihnen lastet wegen ihrer Arbeit.

Ich bitte nur alle ebenso besorgten, die Emotion nicht in eine Glorifizierung des Sozialismus oder gar Kommunismus umzuwandeln. Ein gut regulierter Kapitalismus, so wie ihn die Soziale Marktwirtschaft einmal vorhatte, reicht völlig um die Menschen von existenziellem Stress zu befreien.

Kommentar von guadalupe am 31. Juli um 15:43 Uhr

@ DaRockWilda

Du schreibst:
“Ein gut regulierter Kapitalismus, so wie ihn die Soziale Marktwirtschaft einmal vorhatte, reicht völlig um die Menschen von existenziellem Stress zu befreien.”

Ein Kapitalismus läßt sich nur in der Wachstumsphase “gut regulieren”. Da im Kapitalismus alles Geld gegen Zins in die Welt kommt und Zins und Zinseszins fordert, muß irgendwann die Zinsforderung höher als das -ab irgendwann unnötige- Wachstum werden. Werden die Zinsforderungen höher als das Wachstum, beginnt die Umverteilung weg von den Leistenden hin zu den Kapitalbesitzern.

Der hier ab und an glorifizierte Staatskapitalismus (=Real-Sozialismus) konnte zwar zinslos Geld schaffen (durch Zuteilung), mußte sich aber wegen Ineffizienz bei den kapitalistischen Ländern verschulden (mit dem Zins- und Zinseszins-Effekt). Die DDR gab schon bei einer Valuts-Schuld auf, die kleiner war als die heutigen Schulden der Stadt Berlin.

http://www.killerzins.de

Bringst Du jedoch ein Gold in die Welt, das nicht als Schuld in die Welt kommt, brichst Du den Kreislauf auf.

http://www.rheingoldregio.de

Die Folgen auf die Arbeitswelt (Verteilung des Mehrwerts an die Leistenden), auf die Pharma-Industrie (kein Wachstumszwang), auf die Städteplanung (keine Bodenspekulation, damit erhebliche Verminderung des Mietzinses, der jetzt schon 30% des durchschnittlichen netto(!) Einkommens frisst), auf die Ernährung (keine Monokulturen) sind erheblich.

Kommentar von DaRockwilda am 31. Juli um 15:51 Uhr

@guadelupe:

“Bringst Du jedoch ein Gold in die Welt, das nicht als Schuld in die Welt kommt, brichst Du den Kreislauf auf.”

Ja und lässt sich eine Goldeckung etwa nicht mit einem gut regulierten Kapitalismus verbinden?

Kommentar von pony_huetchen am 31. Juli um 15:58 Uhr

@Rock - reguliert werden muss - in der einen oder anderen Form.

Die Frage muss allerdings sein, WIE sich Kapitalismus definiert.

Das Modell der sozialen Marktwirtschaft hatte zu seiner Zeit sicher seine Berechtigung. Sicher sollte jedoch für zukünftige Kapitalverteilungs-Systeme eine neue Definition von “Marktwirtschaft” und eine stärkere Verantwortung der Kapitaleigner gefordert werden. Genauso wie der Besitz limitiert sein muss.
Ist das dann noch Kapitalismus im DaRockwilda’schen Verständnis?

Kommentar von DaRockwilda am 31. Juli um 16:11 Uhr

In meinem Verständnis:

Begrenzung der Zinsfalle;
Schlüsselindustrien für Privatleute (=Gewinnstreben) verboten, darunter Rüstung sowie Grundversorgung an Infrastruktur, Energie, Wohnung und Nahrung;
Regulierter Arbeitsmarkt mit ausgebauten Arbeitnehmerrechten
Potente Wettbewerbsregulierung, damit sich in den anderen Wirtschaftsfeldern die Hand des Marktes positiv auswirken kann;

Kommentar von Morla am 31. Juli um 16:31 Uhr

Merkwürdige Diskussion! Was bitte ist ein gut regulierter Kapitalismus? Der Kapitalismus wird von Kapitalisten(also denen, die auch den ganzen Schotter, sprich das viele G(o)eld haben, gemacht und per extense weiter voran getrieben Da nimmt man die paar Politiker doch einfach mit ins Boot. Was schert die Multis denn ein Menschenschicksal? In Expansionskriegen wie im Irak etc. nennt man Verluste an Zivilisten - Kollateralschäden. Bringen sich 10 000 Arbeiter und Angestellte um, wenn kümmerts, da setzt man dann auf gezielte Integration aus Dritländern - und zack sind die Geschichten wieder ausgeglichen.

Aber im ernst, statt an der Oberfläche zu kratzen und den Kommismus bzw. Sozialismus pauschal zu diffamieren, sollte man sich lieber mal ernsthaft (!) damit beschäftigen. In sofern, eka, schönes Zitat - da kann man drauf aufbauen - und weiterlesen!

Im seinem Abschiedsbrief bedauert Detlef Rocher die mangelnde Solidarität innerhalb der Beschäftigten und des sozialen Umfeldes. Fertig gemacht hat ihn die zunehmende Isolation. So habe ich das jedenfalls verstanden. Und ich meine, er hat Recht, da sucht sich jeder irgendeine “ersatzbefriedigung”, nur um nur ja nicht über die wahren ursachen in dieser doch so realen kapitalistischen Welt nachdenken zu müssen.

Kommentar von DaRockwilda am 31. Juli um 16:39 Uhr

“Was bitte ist ein gut regulierter Kapitalismus?”

Na ein Kapitalismus wie ich ihn beschrieben habe, bei dem niemand verhungern muss nur weil er keine Arbeit hat, und der so reguliert ist dass in elementaren Bereichen kein Gewinnstreben möglich ist.

Während in anderen Bereichen der Markt wirken kann.

Wo du die Multis ansprichst, wichtig wäre auch noch das Beikommen des Steueroasenproblems.

“Im seinem Abschiedsbrief bedauert Detlef Rocher die mangelnde Solidarität innerhalb der Beschäftigten und des sozialen Umfeldes.”

Die kann auch in einem Sozialismus vermisst werden, wenn da die Solidarität nur aufgezwungen und heuchlerisch ist. Andererseits ist es nicht so dass der Kapitalismus per definitionem keine Arbeitersolidarität kennt.

Insgesamt muss man sagen, dass man auch nicht nur ständig auf den Staat oder “das System” zwecks Besserung der Lage hoffen darf. Der Konsument kann viel machen, in dem er bewusster konsumiert und so den am Markt geltenden Regeln weitere, mit seinen moralischen Vorstellungen im Einklang befindliche Punkte hinzufügt.

Kommentar von Morla am 31. Juli um 16:51 Uhr

Von welchem Sozialismus sprichst du denn: “Die kann auch in einem Sozialismus vermisst werden, wenn da die Solidarität nur aufgezwungen und heuchlerisch ist.”

Falls du auf das Experiment der vergangenen DDR ansprichst, kann ich dir nur bedingt zustimmen. Allerdings gibt es auch andere Beispiele. Nehmen wir doch Südamerika - und dort speziell Chavez! Es gibt immer wieder neue Versuche, eine andere Welt zu bauen, auch mit dem Versuch, das System Sozialismus neu auszupropieren und in diese Welt einzuordnen. Übrigens, für mich ist die Grundidee des Sozialismus nicht allzuweit von der “Urgemeinde” entfernt. Diesem Experiment, das ein gewisser Jesus (beschrieben im NT) sehr schön in seiner Bergpredigt manifestiert hat. Es geht doch um das friedvolle Zusammenleben von Menschen auf diesem winzigen Planet - und da sollten wir alle begreifen, dass “jeder” nur so viele beanspruchen sollte, damit dem anderen auch die Substanz zum Leben bleibt - oder?

Kommentar von DaRockwilda am 31. Juli um 17:14 Uhr

Ich spreche erstmal nicht von konkreten Ländern. Was ich sagen wollte ist dass der Stempel “Sozialismus” allein noch nicht garantiert, dass die Menschen wirklich solidarisch sind. So wie auch ein Kapitalismus nicht gleich garantiert dass sich die Menschen anstrengen.

“Es geht doch um das friedvolle Zusammenleben von Menschen auf diesem winzigen Planet - und da sollten wir alle begreifen, dass “jeder” nur so viele beanspruchen sollte, damit dem anderen auch die Substanz zum Leben bleibt - oder?”

Auf jeden Fall. Und da sehe ich in einem wie von mir beschriebenen gut regulierten Kapitalismus keine Probleme.

Und nochmal: Kein System nutzt irgendwas wenn die Aufmerksamkeit der darin lebenden Bürger gegen null tendiert.

Kommentar von pony_huetchen am 31. Juli um 17:23 Uhr

Kapitalismus definiert sich nicht durch “sozial”, sondern durch den Besitz an Produktionsmitteln. Wenn es Solidarität unter den Arbeitern im Kapitalismus gab, dann spricht man in der Regel davon, dass sie sich unter bestimmten Forderungen gegen die Kapitalisten solidarisierten (mal abgesehen von individuellem Sozialverhalten untereinander).

Eine “Solidarität” zwischen Kapital und Arbeit hat es nie gegeben, da eben die Interessen konträr sind. Ein solches Konstrukt anzunehmen, wäre Augenwischerei. Meines Erachtens müsste es ein System werden - wenn wir über die Zukunft sprechen - , das Privatbesitz in kleinem Umfang erlaubt.

Also kleine und mittelständische Unternehmen, die auch in einen Wettbewerb zueinander treten. Der aber dürfte sich nicht nur über den Markt regeln (also “unternehmerische Fehlentscheidungen” dürften nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen) . Ab einer bestimmten Größe müßte die Belegschaft eines Betriebes das Recht haben, sich ihre Vorgesetzten zu wählen.

So - und das ist dann eben kein Kapitalismus mehr. Aber vielleicht eine Form sozialer Marktwirtschaft. Unter absolut sozialer Prämisse. Und dann sind wir bei einer Form des Sozialismus, dessen bloßes Wortgebilde aber einige scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Das aber liegt nicht in der sozialen Komponente dieser Wirtschaft, sonsern daran, dass immer wieder übelste Politik unter dem Missbrauch der Vokabel “Sozialismus” gemacht wurde.

Eine gerechte Verteilung kann nur “sozial” erfolgen, nie “kapitalistisch”.

Kommentar von DaRockwilda am 31. Juli um 17:56 Uhr

“Eine “Solidarität” zwischen Kapital und Arbeit hat es nie gegeben, da eben die Interessen konträr sind.”

Ich meinte auch nur die von dir beschriebene Solidarität zwischen den Arbeitnehmern. Und im Einzelfall kann sehr wohl der Kapitalist und der Arbeiter gemeinsames Interesse haben, nämlich das Interesse am Erfolg der eigenen Wirtschaftseinheit. Je nachdem wie dieser Erfolg dann auf Kapitalist und Arbeiter verteilt wird ist dieses Interesse dann entweder tatsächlich gemeinsam oder nur auf einer Seite vorhanden.

“Der aber dürfte sich nicht nur über den Markt regeln (also “unternehmerische Fehlentscheidungen” dürften nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen)”

Zu wessen Lasten sonst? Es kann ja wohl nicht der schlechte Unternehmer seinen Arbeitern nach dem Bankrott lebenslange Renten zahlen oder?

Kommentar von Rusty_James am 31. Juli um 21:03 Uhr

Was versteht ihr denn unter Solidarität?
Etwa: “Wir sitzen doch alle in der gleichen Scheiße?”

Also wenn wir schon an unserem Wirtschaftssystem etwas ändern wollen, dann sollte man ZINSEN komplett verbieten.
Danach würde zwar kein Stein mehr auf dem anderem stehen, aber dann wär wenigstens Ruhe.
Das würde nämlich die Macht der Kapitalisten wie ihr sie nennt zerstören.
Kapitalismus, ebenfalls ein Begriff der von Marx erfunden wurde.
Und überhaupt, Karl Marx, Sozialismus, blablabla !
Karl Marx war ein armer Teufel der Gedichte über die Zerstörung der Menschheit geschrieben hat.

Hier noch ein Zitat aus >>The History of the House of RothschildMarx, Ritter, and Nietzsche were all funded and under the instruction of the Rothschilds. The idea was that those who direct the overall conspiracy could use the differences in those two so-called ideologies to enable them to divide larger and larger factions of the human race into opposing camps so that they could be armed and then brainwashed into fighting and destroying each other, and particularly, to destroy all political and religious institutions. The same plan put forward by Weishaupt in 1776.

Und der o.g. Plan hat ja bis jetzt ausgezeichnet funktioniert.
Das kann keiner abstreiten.

Es gibt auch noch ein anderen Plan, wenn man ihn gelesen hat, wird man auch verstehen, warum es den Menschen so schlecht geht, aber es ist den Deutschen und vielen anderen leider nicht gestattet, diesen Plan zu lesen bzw. zu verbreiten.

Außerdem hat Marx in seinem bekloppten Manifest vergessen, daß der Kredit ganz am Anfang des Produktionsprozesses steht, vor dem Kredit geht nichts. Und wer vergibt den Kredit? Wer hat Marx und den Sozialismus finanziert?
Aber das die Leute nicht dahinter kommen, war wohl ganz im Sinne des Erfinders.

Kommentar von Morla am 31. Juli um 22:26 Uhr

Oh Mann, rusty, du hast es jetzt tatsächlich geschafft, dass es mir für einen Moment die Sprache verschlagen hat. Außerdem hat Marx in seinem bekloppten Manifest …” - bitte wo ist da der Bezug? Liegt er auf bekloppt oder auf manifest?

Die Zeugung eines Kindes ist ja auch so eine Art Produktionsprozess. Wer ist denn da der Kreditgeber?

Entschuldige, aber auf solch ein roundup fällt mir wirklich nur Abwegiges ein.

Übrigens, kürzlich las ich, dass man kommunistisch - kommune - auch auf kommunal herunterbrechen kann. Kommunal, im Sinne von kleinen überschaubaren Einheiten, die dann von den in ihnen lebenden Menschgruppen auch sozial und eigenverantwortlich geregelt werden. Natürlich gehts da auch nicht ohne Kredite. Kredite - im gegenseitigen Vertrauen auf ein friedliches Miteinander.

Kommentar von koppino am 31. Juli um 22:48 Uhr

ZUM Thema Soziale Marktwirtschaft:

Der Mythos (oder das Märchen) von der „sozialen Marktwirtschaft”
(von Oskar Faus)

Die folgenden Thesen stellen die Zusammenfassung eines Vortrages dar, den ich im Herbst 2001 vor der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt im Rahmen einer Ringvorlesung zum Thema „Soziale Marktwirtschaft” gehalten habe:

1. Grundthese ist: Die „soziale Marktwirtschaft” ist immer nur schöngeredet, sie ist zu einem „Mythos” geworden. Sie war zu keiner Zeit das, was von ihr stete behauptet wurde, nämlich „sozial”, weder im theoretischen Ansatz noch in der Praxis. Ihre Wirtschaftsphilosophie, ihre ideologische Grundlegung ist der Neoliberalismus.
2. Nach Ludwig Erhard (1897-1977) – er gilt bekanntlich als derjenige, der den Entwurf der sozialen Marktwirtschaft politisch umgesetzt hat - ist die Marktwirtschaft als solche sozial, weil sie frei und sofern sie Wettbewerbswirtschaft ist. „Ich bin allerdings der Meinung, daß es nur eine gerechte Verteilung gibt, und das ist die, die durch die Funktion des Marktes erreicht wird. Der Markt ist der einzig gerechte demokratische Richter, den es überhaupt in der modernen Wirtschaft gibt”, so Erhard in einer Bundestagsdebatte im Jahr 1950.
3. Erhard war – entgegen dem mit seinem Namen verbundenen Gerede – immer ein Verfechter einer freien Marktwirtschaft; wer etwas anderes behauptet, ist dem Mythos „Ludwig Erhard” aufgesessen.
4. Auch Alfred Müller-Armack (1901-1978), der der „Sozialen Marktwirtschaft” – von ihm immer groß geschrieben – den Namen gab, macht geltend, daß die Marktwirtschaft als solche bereits gewisse soziale Funktionen ( Anregung der Produktion, Erhöhung der Erzeugung, Steigerung der Beschäftigung) besitzt.
5. Darüber hinaus sieht er das „Soziale” in der sozialen Marktwirtschaft in folgenden Gesichtspunkten (kritische Einwände sollen einmal außen vor bleiben): Sie ist eine vom Verbraucher gesteuerte Wirtschaft. Sie hat einen expansiven Effekt für die Einkommensbildung aller Schichten (Bedeutung des Wirtschaftswachstums!). Sie erlaubt eine freie wirtschaftliche Aktivität ohne jeden staatlichen Zwang. Sie ermöglicht durch eine sog. „Einkommensumleitung” Unterstützung und Hilfe für die Bedürftigen. Dieses Verständnis des „Sozialen” in der sozialen Marktwirtschaft läßt ihn folgendes Fazit ziehen: Eine gute Wirtschaftspolitik ist die beste Sozialpolitik! Gute Wirtschaftspolitik wird dabei, als ob es gar nicht anders sein könnte, gleichgesetzt mit Wachstumspolitik.
6. Ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum zeichnet eine gute Wirtschaftspolitik aus. Die Expansion muß in Gang gehalten werden, dann werden die Ziele der sozialen Marktwirtschaft voll verwirklicht werden. Diese Wirtschafts- und Sozialphilosophie „Wachstum und damit einhergehend Vollbeschäftigung” ist jedoch, wie wir spätestens heute sehen, gescheitert, auch wenn sie noch immer wie eine magische Formel wiederholt wird.
7. Denn ist es wirklich so, daß eine gute Wirtschaftspolitik die beste „Sozial”-politik ist, oder bestimmt sich die Frage, ob eine Wirtschaftspolitik gut oder schlecht ist, nicht vielmehr danach, wie viel oder wie wenig sie beiträgt zu einer befriedigenden, an ethisch-kulturellen Maßstäben orientierten Gestaltung des sozialen Lebens?
8. Die soziale Marktwirtschaft in ihrem gängigen Verständnis war von Anfang mit einem nie korrigierten Geburtsfehler behaftet, nämlich der Tatsache, daß das „Soziale” immer nur von sekundärer Bedeutung gegenüber dem primären Marktprinzip gewesen ist. Demgegenüber hätte aber eine soziale Marktwirtschaft, die diesen Namen verdient, dem Wort „sozial” seinen eigentlichen Sinn zurückzugeben, wonach es schlechthin „gesellschaftlich” bedeutet. „Sozial” in diesem Verständnis ist auf die „Societas”, auf das Gemeinwesen, bezogen.
9. Für das Modell einer sozialen Marktwirtschaft bedeutet das dann: Erst wenn „sozial” in Verbindung mit „Marktwirtschaft” nicht von lediglich sekundärer Bedeutung gegenüber dem primären Marktprinzip ist, sondern die Marktwirtschaft – und das ist entscheidend – als Teil der gesellschaftlichen Kooperation verstanden wird, für deren Ordnung die drei Prinzipien „persönliche Freiheit”, „sozialwirtschaftliche Selbstverwaltung” – sprich: Mitbestimmung – und „staatliche Ordnungsaufgabe” bestimmend und maßgebend sind, wird man im Vollsinn des Wortes von „sozialer Marktwirtschaft” sprechen können.
10. Der Neoliberalismus kennt indessen keine Verantwortung des Staates für das Gemeinwohl; Herstellung und Sicherung des Gemeinwohls ist aber die letzte und eigentliche Aufgabe des Staates. Der Neoliberalismus kennt ebenso keine staatlich geeinte Gemeinschaft von Menschen, die neben vielem anderen auch wirtschaftlich tätig sind, sondern nur eine Vielzahl unverbundener Einzelner, die völlig willkürlich und zufällig in den zahllosen Tauschakten aufeinanderprallen. Das Konkurrenzverhalten der Wirtschaft, das im Markt und für den Markt gelernt wird, wird schließlich so dominierend, daß es den ganzen Lebensstil der Menschen prägt: Es wird zu einer „Kultur”.
11. Wer aber den Markt zum gesellschaftlichen und kulturellen Regelungsmechanismus hochstilisiert, der hat ein ganz bestimmtes Staatsverständnis. Er braucht einen starken Staat als Ordnungs- und Polizeistaat, der für Ruhe und Ordnung sorgt (Law and Order), sich aber im übrigen aus den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen, besonders den wirtschaftlichen und sozialen, heraushält (schwacher Staat). Anders formuliert: Keine Eingriffe in das Wirtschaftsleben, in gesellschaftliche und soziale Vorgänge, wohl aber eine starke Polizei mit allen modernen Hilfsmitteln, die eine eventuelle Aufmüpfigkeit der „Leistungsschwachen”, der „Erfolglosen”, der „Nivellierer”, der „Nichtangepaßten” sofort dämpfen kann. Das ist das konservativ- altliberale wie neuliberale Konzept.
12. Das Ungenügen bzw. Versagen der neoliberal geprägten sozialen Marktwirtschaft wird offenbar bei wesentlichen sozial- und wirtschaftspolitischen Zielvorgaben, wie z.B. der Beschäftigung, einer befriedigenden Einkommens- und Vermögensverteilung, der Mitbestimmungsfrage und der Ökologie, d.h. der Erhaltung bzw. Wiederherstellung einer lebenswerten Umwelt, um nur diese vier zu nennen. Gleichviel, ob man die zur Erreichung dieser Ziele nötigen Maßnahmen der Wirtschafts- oder der Sozialpolitik zurechnet: Ohne sie ist die Marktwirtschaft gewiß nicht „sozial”.

Quelle

Kommentar von DaRockwilda am 1. August um 09:45 Uhr

Hier ein wirklich mörderischer Arbeitsdruck. Chef erschießt zwei Angestellte weil sie Gehaltserhöhungen wollten:

“The owner of a car dealership has been accused of killing two employees because they kept asking for pay raises.”

http://edition.cnn.com/2007/US.....index.html

Kommentar von guadalupe am 1. August um 12:37 Uhr

@ DaRockWilda

Du schreibst:
“Ja und lässt sich eine Goldeckung etwa nicht mit einem gut regulierten Kapitalismus verbinden?”

Eindeutig nein. Erst einmal handelt es sich bei Gold um eine Ware, die monopolisiert ist. Rate mal durch wen? Bei einer Golddeckung mußt Du also den Bock zum Gärtner machen.

Zum zweiten bedeutet ein goldgedecktes Geld historisch immer Not und Elend für die Menschen. Da üblicherweise die Menschen nicht nur fleißig, sondern auch erfindungssam sind, wird üblicherweise immer mehr produziert, während bei einer goldgedeckten Währung die Menge Gold gleich bleibt.

Erhöht sich also die Produktion dadurch, daß die gleiche Menge Mensch mehr produziert oder eine wachsende Menge Mensch mehr produziert, wird das Geld, da nicht mitwachsend, immer wertvoller. Die daraus resultierenden deflationären Tendenzen führen in die Deflation. Sie konnten historisch nur durch Raub (die Goldmenge anderer mit Gewalt wegnehmen) oder durch neue Goldfunde zeitweise gemindert werden.

Wie es Völkern erging, die Gold besaßen (sie bauten daraus Regenrinnen), und es dann mit den Leuten “teilten”, die es für ihren Goldwährungsstuss brauchten, kann man hier nachlesen.

Zitat:
“die indianische Bevölkerung zu Beginn der spanischen Herrschaft auf 32 Millionen, und er geht davon aus, daß die Spanier in weniger als 40 Jahren 15 Millionen Indianer ums Leben brachten - die meisten wurden in den Gold- und Silberminen zu Tode geschunden.

… beschreibt der Mönch Toribio Motolina de Paredes die Situation so: Man konnte eine halbe Wegstunde um die Mine herum und auf einem größten Teil der Straße, die dorthin führt, kaum einen Schritt tum, ohne auf Leichen oder die Knochen von Toten zu treten.

Die Raubvögel, die kamen, um von den Leichen zu fressen, verdunkelten die Sonne.”

Quelle

http://www.artfond.de/indianer.htm

Das ist eine goldgedeckte Währung.

Wer sich auf den Seiten der Goldanhänger herumtreibt, merkt schon, daß sie den Schwindel des alten Geldes zumindest durchschaut haben. Das ist unglaublich selten, da Geld ein gedankliches Tabu ist.

Jedoch, den entscheidenden Knack im Gehirn leisten sie nicht, dazu ist die Gehirnwäsche der imperialen Medien zu stark.

Geld braucht nicht wertvoll zu sein, ja darf es nicht. Nicht das Geld soll oder ist wertvoll, sondern der Mensch, der es gebraucht.

Nicht das Geld ist der Wert oder schafft Werte, sondern der Mensch.

Das zu erkennen ist unglaublich wichtig und ich hoffe, daß die Verwender des Rheingoldes

http://www.rheingoldregio.de

von alleine darauf kommen.

Der Mensch schafft Dinge, die sind erst einmal ohne allen Wert. Der selbstgehäckelte Pulli von der Oma zeugt von Fleiß, nicht von Wert. Erst wenn der Mensch hingeht und den Pulli (die Maschine, den geernteten Apfel, die Software) wertschätzt, erhält der Pulli wert. Zum Wert gesellt sich der Preis, denn erst dann können Dinge, die nun plötzlich wertgeschätzt werden, gehandelt werden. Um einen Preis zu ermitteln braucht es ein Tauschmittel.

Damit dieses Tauschmittel Tauschmittel bleibt, muß es selber wertlos sein. Denn sobald es selber Wert hat, hört es schnell auf Tauschmittel zu sein, sondern wird selber zur Ware.

Rheingold ist ein solches Tauschmittel. Es ist selber wertlos, um die Wertschätzung der Menschen einander zu ermöglichen. Rheingold dient uns, um uns unserer Wertschätzung untereinander zu vergewissern.

Beim alten Geld dienen wir dem Gelde (Dämon Mammon), um dessen Bedürfnisse (Rendite) zu erfüllen.

(Das hat den sogenannten GPIs mal zu folgendem sarkastischen Kommentar inspiriert:

http://www.artfond.de/gelddenken.htm

)

Im übrigen, Gold muß man sich von den -sehr wenigen- Goldbesitzern leihen. Schon ist man Schuldner.

Das war ja der Trick. Man zwang bestochene Politiker, sich das Gold von den Goldbesitzern zu leihen, um so die Erlaubnis zu erhalten, sich goldgedecktes Gold zu drucken. Über den Leihzins konnte fast nach Belieben das erarbeitete Vermögen der Gesellschaft abgeschöpft werden.

Über den Zins und Zinseszins und die statische Goldmenge war der periodische Crash vorprogrammiert. Der wurde dann zum Vorteil der Herrschenden durch stete Wechsel, mal eine Silberdeckung, dann eine Golddeckung, dann eine Bimetalldeckung und wieder neu dramatisiert. (Die Geschichte des Dollars verfolgen)

Der mörderische Arbeitsdruck lastet, je weiter fortgeschritten die Periode des Geldsystems ist, auf allen, die den Zins zu leisten haben, also die Leistenden (Arbeitnehmer wie Unternehmer) Je weiter alle Leistung zu Zinsforderung gerinnt, desto höher der Druck. Entladen konnte sich das historisch bislang immer nur durch einen Währungsschnitt mit einem sachwertezerstörenden Krieg.

Kommentar von Morla am 1. August um 18:23 Uhr

Sehr schön auf “artfond” ist der Auszug aus dem Gespräch mit André Gorz:

“Die verwendete Zeit wird nicht mehr die Zeit der Verwendung sein” /Rubrik “Hirn des Kapitalisten”

Danke für den Tipp, guadalupe!

Kommentar von Sitting-Bull am 1. August um 19:05 Uhr

Kann wiederum guadalupe in allen Punkten beipflichten. Gold ist kein wirkliche Alternative zur Gründung einer Währung, sondern im Grunde ihr Spezialgebiet- weil sie es kontrollieren (jedenfalls mitlerweile, war nicht immer so)

Kommentar von DaRockwilda am 1. August um 21:34 Uhr

@Guadalupe:

Hm und kann man das Gold nicht dezentralisieren also auf (staatliche) Regionalbanken verteilen und privaten Goldbesitz legalisieren?

Aber klar das Problem der kaum mitwachsenden Goldmenge bleibt.

Okay dann ist das Geld sozusagen nicht durch Gold sondern durch die Produktivität der Wirtschaft (Unternehmer plus Arbeitnehmer) gedeckt.

Sorry wenn du das schonmal erklärt hast, aber wenn es keine Zinsen gibt, wie kann man nach deiner Vorstellung Geld leihen?

Kommentar von guadalupe am 2. August um 12:49 Uhr

@ DaRockWilda

Du schreibst:
“Okay dann ist das Geld sozusagen nicht durch Gold sondern durch die Produktivität der Wirtschaft (Unternehmer plus Arbeitnehmer) gedeckt.”

Genau so ist es beim Rheingold. Der Bäcker deckt es mit seinen leckeren Brötchen, der investigative Journalist mit aufklärerischen Artikeln, der Florist mit Blumen.

Du schreibst:
“wenn es keine Zinsen gibt, wie kann man nach deiner Vorstellung Geld leihen?”

Wenn sich jemand Rheingold leihen möchte, dann deswegen, weil er jetzt damit einkaufen möchte. Um Rheingold zu verleihen, muß es jemanden geben, der später einkaufen gehen möchte.

Es braucht also jemanden mit einer Gegenwartspräferenz (der jetzt Gold braucht) und jemanden mit einer Zukunftspräferenz (der jetzt zuviel Gold hat, es aber lieber z.B. im Alter ausgeben möchte)

Die Bedingungen, zu denen beide sich finden, entscheiden die beiden wie sie lustig sind (allg. der Markt). Möglicherweise entsteht dabei ein Zins (zuviele mit Gegenwartspräferenz, zuwenige mit Zukunftspräferenz), aber eben nicht notwendigerweise.

Denn Rheingold hat einen Ausgabeanreiz, eine 5%ige Gebühr, die den Goldhalter ziemlich verhandlungsbereit macht.

Der Goldhalter wird also schon einen Vorteil realisieren, wenn er der Gebühr entgeht und sein Gold nach Jahren zu 100% sprich ohne Zinsaufschlag wiederbekommt.

Nach diesem Modell hat man also durchaus einen Kreditmarkt, auf dem sich Marktteilnehmer mit Zukunftspräferenz und Marktteilnehmer mit einer Gegenwartspräferenz zu beider Vorteil begegnen können.

Und weitergedacht, geht es noch leichter: Journalist braucht dringend einen neuen Computer. Er hat bereits 100 Rheingold herausgegeben. Warum sollte man ihm nicht erlauben, zeitlich befristet weitere 2.000 Rheingold herauszugeben, die er mit zukünftigen Einkünften wieder abträgt? Man hätte also eine Art Fonds (aus dem Nichts), mit dem man die Goldmenge zeitlich befristet erhöht, damit Rheingolder lebensnotwendiges investieren können. Der rheingoldige Computerhändler hat jetzt Umsatz und kann überleben, der Journalist hat jetzt einen Computer und bleibt arbeitsfähig und das geht alles ohne jegliche Verschuldung gegenüber einem Gläubiger.

Kommentar von DaRockwilda am 2. August um 13:08 Uhr

Was ich noch nicht verstehe: Gibt es jetzt eine Golddeckung oder nicht beim Rhein”gold”?

Zu den Zinsen:

“Der Goldhalter wird also schon einen Vorteil realisieren, wenn er der Gebühr entgeht und sein Gold nach Jahren zu 100% sprich ohne Zinsaufschlag wiederbekommt.”

Das ist dann aber Augenwischerei, weil der Ausgabeanreiz wenn man so will für den Kreditnehmer einen versteckten Zins darstellt. Denn sein Geld verliert ja in den Jahren 5% an Wert, er muss also effektiv schon mehr einnehmen als er geliehen hat, um das geliehene wieder zurückzahlen zu können. Dadurch gibt es ja doch nach diesem Kreditgeschäft und der Rückzahlung mehr Geld als davor.

“Man hätte also eine Art Fonds (aus dem Nichts)”

Ein Fonds aus dem Nichts? Also wird doch wieder Geld ohne Gegenwert gedruckt. Weil nur durch das Vorhandensein dieses Geldes steigt ja nicht automatisch die Wirtschaftsproduktion im gleichen Maße.

Und wenn der Journalist die zeitliche Frist nicht einhält, wird er dann eingesperrt? Das wäre ja das einzige Druckmittel. Und wenn er so den Kredit nicht zurückzahlt, dann ist eben doch die Geldmenge wieder gewachsen, eventuell ohne äquivalentes Produkt, was wieder zu Inflation führt.

Und ganz generell gibts halt das Problem, wer entscheidet was “lebensnotwendig” ist oder nicht?

Kommentar von guadalupe am 2. August um 13:45 Uhr

@ DaRockWilda

Beim Rheingold gibt es keine Golddeckung, sondern eine Leistungsdeckung. Jeder Rheingolder deckt sein Gold selber mit dem, was er am besten kann (backen, schreiben, tischlern usw.). Damit sind wir diversifizierter gedeckt, als jeder Vermögensverwalter sich ein Anlagevermögen wünschen kann.

Der Ausgabeanreiz ist kein Zins und auch kein versteckter Zins, sondern eine Gebrauchsgebühr. Durch den Ausgabeanreiz wird Rheingold auch nicht weniger wert. Beim Gebrauch einer Kreditkarte fallen auch Gebühren an, nicht einmal im Jahr, sondern bei jeder Verwendung und nicht zu knapp. Dennoch käme niemand auf die Idee zu sagen, daß das Geld weniger wert würde, wenn man es per Kreditkarte verwendet.

Im übrigen: Weder der Gläubiger noch der Schuldner zahlen diese Gebrauchsgebühr. Denn der Gläubiger hat das Gold nicht mehr, weil er es verliehen hat und der Schuldner hat das Gold ja auch nicht mehr, weil er damit eingekauft hat (sonst würde er es sich doch nicht leihen wollen)

Du schreibst:
“Ein Fonds aus dem Nichts? Also wird doch wieder Geld ohne Gegenwert gedruckt. “

Natürlich muß Rheingold wertlos sein, um Werte als Tauschmittel erfolgreich zu vermitteln. Werte schaffen tut ausschließlich der Mensch. Nicht das Rheingold hat Wert, sondern der Mensch und sein Schaffen.

Wenn ein Journalist 100 seiner eigenen Rheingold herausgibt, kann er die mit links decken. Also, weshalb sollte er nicht auch, wenn es notwendig und sinnvoll ist, 2000 Rheingold herausgeben? Die kann er ja auch mit links decken.

Und durch das Vorhandensein von zusätzlichem Rheingold steigt sehr wohl die Wirtschaftsleistung. Erstens macht der Computerhändler Umsatz und räumt sein Lager (Computerhersteller kann seine Mitarbeiter in Lohn halten) und zweitens kann der Journalist wieder Texte herstellen.

Weshalb meinst Du denn, werden alleine im Export-Weltmeister-Land Deutschland 8 Millionen Menschen von Arbeit (Wertschöpfung) ferngehalten? Damit die Knappheit den Kapitalismus erhält.

Auch bei einem Fonds aus dem Nichts hat man ein Ausfallrisiko. Fällt der Journalist von der Leiter und ist tot, hat man eine erhöhte Goldmenge möglicherweise ohne Leistung.

Auch im alten Geldsystem wird dieses Ausfallrisiko letztlich sozialisiert. Wer, glaubst Du denn, zahlt letztlich die Einrichtung der Döner-Bude, die sechs Mal im Jahr neu gestrichen und bestuhlt wird und wo ein Jungunternehmer nach dem anderen pleite geht? Da sind dann sechs Insolvenzfälle mit uneinbringlichen Darlehen und sechs HartzIVer, die hochverschuldet durchgefüttert werden müssen.

Das Problem, wer entscheidet, was lebensnotwendig ist oder nicht, hab ich auch nicht gelöst. Sollen das doch die Rheingolder selber entscheiden. Vielleicht sind viele Rheingolder mit kleinen Kindern da und ärgern sich, daß im Kindergarten die Farbe blättert und keiner genügend Gold übrig hat, um den Malermeister-Nachbar, dessen Tochter auch in den Kindergarten geht, zu bitten, den mal schnell zu streichen. Was ich damit sagen will, der Verschuldungszwang, der uns aus durchsichtigen mind. Machtmotiven eingetrichtert wird, ist ziemlicher ideologischer Kappes, weil es auch anders geht. Die Fonds-Idee ist für Rheingold eh noch zu früh, dazu sind wir mit über 600 Teilnehmern noch zu klein.

Kommentar von macdet am 11. September um 12:47 Uhr

es wird weiter gestorben und verleugnet!

http://tinyurl.com/3b9bhr

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