Größte Katastrophe seit Tschernobyl - Giftwolke bedroht Ukraine
Schreckensmeldungen aus Tokio und Kiew
“Eine Gefahr für die Bevölkerung hat zu keiner Zeit bestanden.” So oder ähnlich klingen die Beschwichtigungssprüche nach jeder Katastrophe eigentlich immer. Was wirklich passiert ist, das erfährt die Öffentlichkeit erst Tage oder Wochen nach der jeweiligen Katastrophe. Beispiele für eine Vertuschung hat es bei Atomkraftwerken in Deutschland und Japan sowie bei einem Chemie-Transport in der Ukraine in diesen Tagen leider zuhauf gegeben.
Japanisches Entsetzen über Atom-Beschwichtiger TEPCO
Erst mit mehr als einem Tag Verzögerung hat der japanische Energie-Konzern Tokyo Electric Power (TEPCO) am Mittwoch (18. Juli) zugegeben, dass bei einem Erdbeben am Montag (16. Juli) radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gelangt ist. Einen Tag später musste der Konzern einräumen, dass dieses Wasser wesentlich stärker verstrahlt war, als ursprünglich eingeräumt worden war. Als Grund dafür schob TEPCO “fehlerhafte Berechnungen” vor.
Das Wasser, das nach dem Beben aus dem Atomkraftwerk Kashiwazaki Kariwa ins Meer gespült worden ist, war mit 90.000 Becquerel radioaktiver Strahlung belastet. Zuvor hatte der Konzern von 60.000 Becquerel gesprochen. Doch auch die 90.000 Becquerel lägen ja noch unter den nationalen Grenzwerten, beschwichtigte TEPCO erneut.
Insgesamt waren Tepco zufolge 1200 Liter verseuchtes Wasser ins Meer gespült worden. Zudem traten nach Angaben des Konzerns “geringe Mengen” an Radioaktivität in die Luft aus.
Mehr als 50 Mängel wurden zwischenzeitlich auf dem Gelände des Atomkraftwerks festgestellt: Fässer mit radioaktiven Abfällen waren durch den Druck des Erdbebens aufgesprungen. Rohrleitungen hatten Risse bekommen.
Bei den Konstruktionsberechnungen für den Atom-Meiler hatte TEPCO die vor dem Standort im Meer verlaufende Erdbeben-Platte - angeblich wider besseren Wissens - nicht mit einberechnet und dadurch die Baukosten gesenkt. Deswegen hat die japanische Atom-Aufsicht angekündigt, das größte AKW der Welt mit insgesamt sieben Reaktoren stillzulegen.
In Japan kommt es regelmäßig – ungefähr alle fünf Tage - zu Erdstößen. In diesem tektonisch gefährdeten Gebiet stellt der Betrieb von Atomkraftwerken ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Dennoch laufen in Japan 55 Atom-Meiler. Sie liefern etwa die Hälfte des dort verbrauchten Stroms.
Tödlicher Phosphor
Das größte Unglück nach dem Atom-GAU von Tschernobyl bedroht jetzt die Ukraine. Nach einem Zugunglück im westukrainischen Gebiet Lwow (deutsch einstmals Lemberg) droht der Region eine Umweltkatastrophe. Am Dienstag (17. Juli) waren 15 Waggons mit hochgiftigem gelbem Phosphor entgleist und in Brand geraten. Dieser Zug war aus Kasachstan nach Polen unterwegs.
Mindestens 50 Anwohner und Feuerwehrleute hätten giftige Gase eingeatmet und würden in einem nahe gelegenen Militärspital behandelt, berichtete ein Sprecher der Einsatzleitung. Nach dem Unfall hat sich eine Giftwolke gebildet, die 14 Ortschaften mit 11.000 Einwohnern bedroht. Etwa 800 Menschen mussten ihre Häuser vorübergehend verlassen. Die Gaswolke hat sich über eine Fläche von 90 Quadratkilometern ausgebreitet.
Nach Angaben des ukrainischen Gesundheitsministeriums besteht für die Anwohner “keine Lebensgefahr”. Dennoch wurde den Menschen empfohlen, die Häuser nicht zu verlassen, kein Brunnenwasser zu trinken und weder frisches Obst noch Gemüse zu essen.
Ob die Behälter mit der leicht entzündlichen Chemikalie ausreichend gesichert waren, blieb zunächst unklar. An der Beseitigung der Folgen der Katastrophe nehmen Einheiten der chemischen Truppen teil. Präsident Viktor Juschtschenko hat per Dekret eine Sonderkommission berufen, die parallel zu der Generalstaatsanwaltschaft die Ursache des Unfalls ermittelt.
Präsidialamts-Chef Viktor Baloga warf dem Verkehrsminister Nikolai Rudkowski Inkompetenz vor und forderte von der Regierung dessen Entlassung.
Das Unglück nahe Lwow sei die größte Umweltkatastrophe seit der Explosion im Kernreaktor Tschernobyl im Jahre 1986, sagte der ukrainische Vizepremier Alexander Kusmuk.
Die von Julia Timoschenko geführte Opposition forderte eine rasche Aufklärung des Unglücks. “Diese Regierung spricht immer über Erfolge”, sagte Timoschenko. “Und trotzdem gibt es immer wieder Züge, die entgleisen, Munitionslager, die explodieren und eine Wirtschaft, die zusammenbricht.”
Nach dem Zugunglück ist am Dienstagabend das lebensgefährliche Phosphor ausgetreten. Dieser Stoff wird auch als chemischer Kampfstoff verwendet. Umweltexperten befürchten nun, dass es in der Region zu sauren Niederschlägen kommen könnte, die Mensch und Natur gefährden.
Die sehr giftigen Phosphordämpfe können zu Kollaps, Koma und tödlicher Atemlähmung führen. Auf der Haut kann der Stoff schlecht heilende Verbrennungen verursachen. Der Tod tritt in der Regel erst nach vier oder fünf Tagen ein.
Keine Panik auf der Titanik
Nach wie vor nicht restlos geklärt sind natürlich auch die Ursachen der beiden Brände in den Vattenfall-Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel am Donnerstag (28. Juni). Aber der schwedische Staatskonzern hat ja am Montag (16. Juli) schon personelle Konsequenzen gezogen und seinen deutschen Atom-Manager Bruno Thomauske entlassen. Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson hingegen firmiert wohl nach wie vor als Klima-Berater der Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Selbstverständlich ist all das überhaupt nicht bedrohlich. Politiker und Behörden wie natürlich auch die Betreiber haben ihre Technik und eventuelle kleinere “Unfälle” sicher im Griff. Die Bevölkerung lullen sie entweder mit Beschwichtigungs-Parolen ein oder nehmen sie mit immer ausufernderen Überwachungsmaßnahmen in den Würgegriff.
Ob dann private Unternehmen als Betreiber firmieren wie die Rheinisch-Westfäliche Elektrizitäts AG (RWE) in Biblis oder staatseigene Firmen wie Vattenfall in Brunsbüttel und Geesthacht, ist letztlich egal. Wirtschaftliche Interessen zwingen jeden Betreiber beinahe zum Vertuschen und Verschweigen oder der Salami-Taktik eines scheibchenweisen Eingeständnisses von Gefahren, wenn sie absolut nicht mehr zu leugnen sind. In jedem Fall bedarf es einer strikten demokratischen Kontrolle aller gefährlichen Technologien und Anlagen.
Autor: Franz-Josef Hanke
© Politblog - Lizenzrichtlinien
“Eine Gefahr für die Bevölkerung hat zu keiner Zeit bestanden.” So oder ähnlich klingen die Beschwichtigungssprüche nach jeder Katastrophe eigentlich immer. Was wirklich passiert ist, das erfährt die Öffentlichkeit erst Tage oder Wochen nach der jeweiligen Katastrophe. Beispiele für eine Vertuschung hat es bei Atomkraftwerken in Deutschland und Japan sowie bei einem Chemie-Transport in der Ukraine in diesen Tagen leider zuhauf gegeben.
Japanisches Entsetzen über Atom-Beschwichtiger TEPCO
Erst mit mehr als einem Tag Verzögerung hat der japanische Energie-Konzern Tokyo Electric Power (TEPCO) am Mittwoch (18. Juli) zugegeben, dass bei einem Erdbeben am Montag (16. Juli) radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gelangt ist. Einen Tag später musste der Konzern einräumen, dass dieses Wasser wesentlich stärker verstrahlt war, als ursprünglich eingeräumt worden war. Als Grund dafür schob TEPCO “fehlerhafte Berechnungen” vor.
Das Wasser, das nach dem Beben aus dem Atomkraftwerk Kashiwazaki Kariwa ins Meer gespült worden ist, war mit 90.000 Becquerel radioaktiver Strahlung belastet. Zuvor hatte der Konzern von 60.000 Becquerel gesprochen. Doch auch die 90.000 Becquerel lägen ja noch unter den nationalen Grenzwerten, beschwichtigte TEPCO erneut.
Insgesamt waren Tepco zufolge 1200 Liter verseuchtes Wasser ins Meer gespült worden. Zudem traten nach Angaben des Konzerns “geringe Mengen” an Radioaktivität in die Luft aus.
Mehr als 50 Mängel wurden zwischenzeitlich auf dem Gelände des Atomkraftwerks festgestellt: Fässer mit radioaktiven Abfällen waren durch den Druck des Erdbebens aufgesprungen. Rohrleitungen hatten Risse bekommen.
Bei den Konstruktionsberechnungen für den Atom-Meiler hatte TEPCO die vor dem Standort im Meer verlaufende Erdbeben-Platte - angeblich wider besseren Wissens - nicht mit einberechnet und dadurch die Baukosten gesenkt. Deswegen hat die japanische Atom-Aufsicht angekündigt, das größte AKW der Welt mit insgesamt sieben Reaktoren stillzulegen.
In Japan kommt es regelmäßig – ungefähr alle fünf Tage - zu Erdstößen. In diesem tektonisch gefährdeten Gebiet stellt der Betrieb von Atomkraftwerken ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Dennoch laufen in Japan 55 Atom-Meiler. Sie liefern etwa die Hälfte des dort verbrauchten Stroms.
Tödlicher Phosphor
Das größte Unglück nach dem Atom-GAU von Tschernobyl bedroht jetzt die Ukraine. Nach einem Zugunglück im westukrainischen Gebiet Lwow (deutsch einstmals Lemberg) droht der Region eine Umweltkatastrophe. Am Dienstag (17. Juli) waren 15 Waggons mit hochgiftigem gelbem Phosphor entgleist und in Brand geraten. Dieser Zug war aus Kasachstan nach Polen unterwegs.
Mindestens 50 Anwohner und Feuerwehrleute hätten giftige Gase eingeatmet und würden in einem nahe gelegenen Militärspital behandelt, berichtete ein Sprecher der Einsatzleitung. Nach dem Unfall hat sich eine Giftwolke gebildet, die 14 Ortschaften mit 11.000 Einwohnern bedroht. Etwa 800 Menschen mussten ihre Häuser vorübergehend verlassen. Die Gaswolke hat sich über eine Fläche von 90 Quadratkilometern ausgebreitet.
Nach Angaben des ukrainischen Gesundheitsministeriums besteht für die Anwohner “keine Lebensgefahr”. Dennoch wurde den Menschen empfohlen, die Häuser nicht zu verlassen, kein Brunnenwasser zu trinken und weder frisches Obst noch Gemüse zu essen.
Ob die Behälter mit der leicht entzündlichen Chemikalie ausreichend gesichert waren, blieb zunächst unklar. An der Beseitigung der Folgen der Katastrophe nehmen Einheiten der chemischen Truppen teil. Präsident Viktor Juschtschenko hat per Dekret eine Sonderkommission berufen, die parallel zu der Generalstaatsanwaltschaft die Ursache des Unfalls ermittelt.
Präsidialamts-Chef Viktor Baloga warf dem Verkehrsminister Nikolai Rudkowski Inkompetenz vor und forderte von der Regierung dessen Entlassung.
Das Unglück nahe Lwow sei die größte Umweltkatastrophe seit der Explosion im Kernreaktor Tschernobyl im Jahre 1986, sagte der ukrainische Vizepremier Alexander Kusmuk.
Die von Julia Timoschenko geführte Opposition forderte eine rasche Aufklärung des Unglücks. “Diese Regierung spricht immer über Erfolge”, sagte Timoschenko. “Und trotzdem gibt es immer wieder Züge, die entgleisen, Munitionslager, die explodieren und eine Wirtschaft, die zusammenbricht.”
Nach dem Zugunglück ist am Dienstagabend das lebensgefährliche Phosphor ausgetreten. Dieser Stoff wird auch als chemischer Kampfstoff verwendet. Umweltexperten befürchten nun, dass es in der Region zu sauren Niederschlägen kommen könnte, die Mensch und Natur gefährden.
Die sehr giftigen Phosphordämpfe können zu Kollaps, Koma und tödlicher Atemlähmung führen. Auf der Haut kann der Stoff schlecht heilende Verbrennungen verursachen. Der Tod tritt in der Regel erst nach vier oder fünf Tagen ein.
Keine Panik auf der Titanik
Nach wie vor nicht restlos geklärt sind natürlich auch die Ursachen der beiden Brände in den Vattenfall-Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel am Donnerstag (28. Juni). Aber der schwedische Staatskonzern hat ja am Montag (16. Juli) schon personelle Konsequenzen gezogen und seinen deutschen Atom-Manager Bruno Thomauske entlassen. Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson hingegen firmiert wohl nach wie vor als Klima-Berater der Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Selbstverständlich ist all das überhaupt nicht bedrohlich. Politiker und Behörden wie natürlich auch die Betreiber haben ihre Technik und eventuelle kleinere “Unfälle” sicher im Griff. Die Bevölkerung lullen sie entweder mit Beschwichtigungs-Parolen ein oder nehmen sie mit immer ausufernderen Überwachungsmaßnahmen in den Würgegriff.
Ob dann private Unternehmen als Betreiber firmieren wie die Rheinisch-Westfäliche Elektrizitäts AG (RWE) in Biblis oder staatseigene Firmen wie Vattenfall in Brunsbüttel und Geesthacht, ist letztlich egal. Wirtschaftliche Interessen zwingen jeden Betreiber beinahe zum Vertuschen und Verschweigen oder der Salami-Taktik eines scheibchenweisen Eingeständnisses von Gefahren, wenn sie absolut nicht mehr zu leugnen sind. In jedem Fall bedarf es einer strikten demokratischen Kontrolle aller gefährlichen Technologien und Anlagen.
Autor: Franz-Josef Hanke
© Politblog - Lizenzrichtlinien
Kommentar von Raoul.Duke am 18. Juli um 14:46 Uhr
Ist doch klar, dass Lobbyisten und Politiker die Gefahr runterspielen - Sie verdienen ja nicht nur daran, sie müssen ja auch nicht die Konsequenzen für Leib & Leben tragen, die aus einem Unfall resultieren können und über kurz oder lang auch werden.
Aber wie wir ja alle wissen sind die Konzerne & Politiker ja unsere Freunde und wir müssen nicht Angst vor Ihnen haben sondern nur vorm T-E-R-R-O-R!!
Kommentar von Nemo am 18. Juli um 18:27 Uhr
Es wird schlimmer kommen, denn die Gefahr hat noch eine ganz andere Ursache und deren Folgen sind nicht auf Nuklearanlagen beschränkt:
Auf der einen Seite erzwingt die weltweite Rationaliserung eine knallharte und immer schnellere Auslese unter relativ wenigen, fähigen Spezialisten auf dem “globalen Arbeitsmarkt”. Diese entwickeln Technologien, mit deren Bedienung die Masse des Personals dann aber überfordert ist, weil es bei diesem technologischen Wettrüsten nicht mehr mitkommt. Vor allem wird - wohl aus Kostengründen oder Inkompetenz der Vorgesetzten - versäumt, das Personal adäquat so zu schulen, dass es die Technik perfekt (d.h. auch bei Störungen) beherrscht.
Viele Angestellten schaffen es bestenfalls noch, vorgegebene Algorithmen abzuarbeiten oder auswendig zu lernen. Wenn es aber zu Abweichungen vom Regelbetrieb kommt und tieferes Verständnis sowie Improvisieren gefragt ist, versagt diese Methode zwangsläufig:
Alle ärgern sich regelmäßig über die für Deutschland enttäuschenden Ergebnisse international vergleichender Bildungsrankings. Dann schiebt man sich ein paar Tage gegenseitig die Schuld dafür zu - und das war’s. Aber was glaubt Ihr denn, wo die ganzen Pisa-Schüler bleiben, wenn sie älter werden? Die besten von Ihnen werden Ärzte, die Fehldiagnosen produzieren, Juristen, die schwachsinnige Urteile liefern, Verwaltungsbeamte, die kleinen Plan mehr haben, Techniker, die im AKW beim Störfall nicht wissen, was zu tun ist… Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft.
Technologie in Händen von Leuten, die als Schüler das deutsche Bildungsystem (und in ihrer Freizeit die deutsche Verblödungsmaschinerie) durchlaufen haben, ist prinzipiell gefährlich.
Und vom Zusammenhang zwischen Schule und Disziplin (doch, sowas soll es tatsächlich gegeben haben) will ich gar nicht erst anfangen:
Wir alle fahren immer schneller auf einem gigantischen Narrenschiff. Die Mannschaft ist mit der Steuerung längst überfordert, die Offiziere verfolgen ihre eigenen Ziele - das Schicksal von Schiff und Passagieren ist ihnen egal. Das Einzige was noch klappt, ist die Bewachung der Kommandobrücke. Die Passagiere wollen aber gar nicht das Steuer übernehmen, sie sonnen sich lieber auf den Liegestühlen oder vergnügen sich in Spielkasino und Bar. Die Eisberge werden auf all das keine Rücksicht nehmen.
Kommentar von bruce1337 am 19. Juli um 13:27 Uhr
Zu Kashiwazaki möchte ich kurz bemerken, dass 90 kBq auf 1200 Liter (also 75 Bq pro Liter) nicht wirklich starke Strahlung darstellt. Kommt hinzu, dass 1200 Liter im Meer in kürzester Zeit verdünnt werden und faktisch nicht ins Gewicht fallen.
Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich die jüngste Häufung von Störfällen kleinreden möchte — oder die unglaubliche Fahrlässigkeit, einen Reaktor in einem bekannten Erdbebengebiet nicht angemessen zu konstruieren — aber Objektivität kann ja nicht schaden, im Gegensatz zu Panik.
Kommentar von Franz-Josef Hanke am 19. Juli um 14:21 Uhr
Panikmache ist beileibe nicht unser Ding. Doch sind die 90.000 Bequerell ja nur das, was der Betreiber TEPCO zugegeben hat, nachdem die vorher verkündeten 60.000 nicht mehr haltbar waren.
Inzwischen sind auch bereits mehr als 100 Fässer mit Atom-Müll aufgesprungen.
Die Wahrheit kommt scheibchenweise an den Tag.
Darum ging es mir in diesem Text: Eine wirksame Kontrolle gefährlicher Technologien findet kaum statt. Sicherlich ist sie auch nicht gerade einfach. Aber die Gesellschaft muss darüber nachdenken, wie sie mit ATom-, Gen- oder Nano-Technik, mit Chemie und anderen problematischen Technologien umgeht. Welche strengen Anforderungen sie an ihren Betrieb stellt und wie sie den Umgang mit solchen Technologien kontrolliert, ist eine lebenswichtige Entscheidung. Da muss mehr demokratische Kontrolle hinein!
Das Zugunglück in der Ukraine spricht auch eine deutliche Sprache. Dieses Land scheint nicht in der lage zu sein, wirtschaftliches Handeln wirksam zu kontrollieren. Angesichts des Machtkampfs dort ist das auch kein Wunder!
Das Wort “Panikmache” ist aber auch so ein beschliebte Totschlag-Argument, wenn jemand die Finger auf blutende Wunden oder in brennende Wolken legt. Das Gegenteil davon ist diese Beschwichtigung- und Verharmlosungsstrategie von Vattenfall, TEPCO und anderen.
Würde das Volk sofort korrekt informiert, könnte es sich vielleicht besser vor den Auswirkungen der Katastrophen schützen. Insofern ist diese Lulli-Abwiegelei ein sträflicher Angriff auf die Gesundheit und die Zukunft von Menschen.
fjh
Kommentar von bruce1337 am 19. Juli um 17:10 Uhr
Hast ja recht
Kommentar von pony_huetchen am 19. Juli um 22:51 Uhr
Und es tun sich weitere Lecks auf, wie gerade die Zeit aktuell mitteilt.
Aber alles natürlich völlig ungefährlich für die Bevölkerung. Überhaupt alles im Grunde ganz ideal, vielleicht werden ja die Blumenköpfe größer und der Reis hängt dann schon geschält am Halm. Wer weiß?
Punkt eins braucht man außer Forschungsreaktoren m.E. nichts, auf jeden Fall keine Atomkraftwerke. Und in Kashiwazaki hat man nicht nur ein Atomkraftwerk in eine Erdbebenregion gebaut, sondern man hat da die weltgrößte Atomanlage mit sieben Reaktoren in ein Erdbeben gefährdetes Gebiet gepflanzt. Angemessene Konstruktion? Gibt es die in einem solchen oder auch in anderen Fällen?
Was, außer Profitgier, hat den Unterzeichnern einer derartigen Genehmigung die Feder geführt?
Kommentar von pony_huetchen am 19. Juli um 22:52 Uhr
Dafür gibt es in der Ukraine Entwarnung oder gute Teppichkehrmaschinen.
Kommentar von 94rb07 am 20. Juli um 14:47 Uhr
Wer ein solches System entwickelt, gehört nochmal ins Grundstudium!
Zum einen sei das Überwachungssystem stromabhängig vom zu überwachenden System und dass die Nachmittags-Daten verloren gegangen seien durch einen kurzen Stromausfall ist genau so absurd.
Wer sich diese Pressemitteilung ausgedacht hat, muss noch ein bisschen Lügen üben.
Kommentar von pony_huetchen am 21. Juli um 11:40 Uhr
Aktuell zu Phosphor-Unfall in der Ukraine:
Ein “zweites Tschernobyl” hat es zum Glück nicht gegeben, aber laut aktuellen Berichten steigt die Zahl der Opfer weiter, immer mehr Menschen müssen mit schweren Vergiftungen ins Krankenhaus - ihre Zahl ist nach Angaben einiger Zeitungen bereits auf über 160 angestiegen.
Kommentar von Bagdad Café am 24. Juli um 13:23 Uhr
Eher rückblickend:
Auch die Zahl der real stattgefundenen Mini-Explosionen (im übrigen völlig ungefährlich, da quasi im Geheimen abgelaufen
) steigt kontinuierlich an:
Quelle: IPPNW
Vielleicht waren es ja auch nur ‘Tests’…
Kommentar von Memphis_Blues am 10. August um 08:56 Uhr
Es ist vollkommen egal wie viel es kostet, diese “Zeitbomben” müssen abgeschaltet werden. Es muss mit Hochdruck daran gearbeitet werden, dass alternative Energiequellen erschlossen werden.
Der Staat muss verstärkt Subventionen für Privatleute ausgeben, wenn energiesparend gebaut wird. Wer ein Fahrzeug fährt, das Energie spart, der muss entlastet werden.
Jede Regierung, die den Bau von Atomreaktoren vorantreibt, sollte/muss boykottiert werden. Es kann nicht sein, dass auf kosten der Wirtschaft oder der Bequemlichkeit, Menschenleben in großem Still geopfert werden, nur um die eigene Inkompetenz zu vertuschen.
Tschernobyl: 500 000 Militärs und Freiwillige haben bei den Aufräumarbeiten geholfen. Etwa 20 000 sind bereits an der Verstrahlung gestorben. 200 000 Leiden unter starker Strahlenkrankheit und der Rest kann sich ein normales Leben und Arbeiten nicht mehr “leisten”.
30 Kilometer Todeszone ums AKW. Ein Gebiet im Radius von 300 Km ums AKW ist stark konterminiert. Die Fehlgeburtenrate liegt weiter über jeder normalen Statistik. Missgeburten, verkrüppelte Embryos, Vergifte Natur und Lebensmittel.
Ein Gebiet bis zum Ende aller Zeiten ist unbewohnbar!
Das darf es nicht mehr geben! Kein Mensch darf dieser Gefahr ausgesetzt werden!