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Fatah Islam und der Luftwaffenstützpunkt Kleiaat

Vor gut einer Woche schrieb ich über die Enthüllung von Seymour Hersh, wonach die Terrorgruppe Fatah Islam von den USA unterstützt wird. Die Terrorgruppe hatte vor Kurzem in nächster Nähe zu einem palästinensischen Flüchtlingscamp im Libanon Kämpfe mit der libanesischen Armee begonnen.

Während Hersh das Motiv für die USA und die ebenfalls involvierten Saudis für die Unterstützung Fatah Islams in dem Aufbau eines Gegengewichts zur libanesischen Hisbollah sah, machte Wayne Madsen auf ein weiteres geostrategisches Motiv aufmerksam: Der in unmittelbarer Nähe zu dem palästinensischen Flüchtlingscamp und den Kämpfen zwischen Fatah Islam und der libanesischen Armee gelegene Luftwaffenstützpunkt Kleiaat. Diesen würde die USA gerne in Besitz nehmen.

Madsen veröffentlichte nun gestern ein “Memorandum über den geplanten US-Luftwaffenstützpunkt bei Kleiaat” von Franklin Lamb. Lamb ist Professor an der Amerikanischen Universität in Beirut, Libanon. Es folgt eine ausschnittsweise Übersetzung (Hervorhebungen von mir):
Es ist der US-Luftwaffenstützpunkt, Dummkopf!

Am 14. Juli 1982 (dem französischen Nationalfeiertag) saß (der libanesische Milizenführer, der mit Israel verbündet war) Bashir Gemayel zusammen mit (dem damaligen israelischen Verteidigungsminister) Ariel Scharon, (dem damaligen israelischen Generalstabschef) Raphael Eytan und Danny Ayalon im französischen Restaurant Le Chef in Ostbeirut beim Dinner.

Wie es schon damals ihr Brauch war, waren die Israelis dabei ihren Favoriten für den Posten des künftigen libanesischen Präsidenten unter Druck zu setzen. Sie waren in Beirut, um den ‘goldenen Jungen’ der Phalange-Bewegung mit einer weiteren Forderung zu konfrontieren, während die israelische Armee Beirut vom Westen her einkesselte.

Ihre Erfolgschancen waren gut. Immerhin war Bashir den Zionisten für all deren ‘Gefälligkeiten’ verpflichtet. Gefälligkeiten wie die Arrangements bezüglich Waffen- und Drogenhandel, die für Bashir von amerikanischen Lieferungen abgezweigten Waffen, die Amerika stets reflexartig auf Bitten Israels bereitstellte. Oder die Weitergabe von Geheimdienstinformationen und die Ermordung von Palästinensern, welche Bashir nicht ausstehen konnte. Das Trio, das an diesem Tag in diesem französischen Viertel Beiruts und eingefasst in französische Flaggen mit ihm speiste, könnte ihn ohne Weiteres vernichten, und Gemayel wusste das.

Doch trotz ihrer einschüchternden Worte machte die selbsternannte ‘Crème de la Crème der IDF’ an diesem Tag mit ihrer - wie Bashir es gegenüber seinem Bruder Amin (…) und seinen Beratern nannte - ‘angeborenen Arroganz’ einen Fehler.

(…)

Scharon zog aus seiner Brusttasche ein Stück Papier hervor (…) und schob es über den Tisch zu Bashir. Darauf geschrieben war ‘ein letzter Wunsch’ der Israelis, der aus nur einem Wort bestand: Kleiaat.

Die Israelis beobachteten Bashirs Gesicht und suchten nach einer Reaktion während er das Papier betrachtete. Bashir, der ein Gähnen zu unterdrücken schien, hatte schon viele dieser ‘letzten Wünsche’ gehört und mochte diese wie er es nannte ‘Zwangsdinners’ mit den Israelis nicht. Aber er presste die Lippen zusammen und hörte sich höflich Scharons Ausführungen der Details an.

(…)Doch als Bashir in sein Hauptquartier zurückkehrte, in dem er zwei Monate später zusammen mit 40 anderen Menschen einem Bombenanschlag zum Opfer fallen sollte, der das komplette Gebäude einebnete, brüllte er ‘ein israelischer Luftwaffenstützpunkt im Libanon? Diese verrückten Hurensöhne werden in Kleiaat nicht ein einziges Sandkorn bekommen‘.

Fast auf den Tag genau 25 Jahre später sind sich einige gut informierte Palästinenser sowie sunnitische, schiitische und christliche politische Analysten in einem Punkt einig: Er liegt vielleicht im Koma, aber Ariel Scharon könnte immer noch diesen einen ersehnten letzten Wunsch erfüllt bekommen.

Bewohner der Ortschaft Bibnin Akkar, keine zwei Meilen von Kleiaat entfernt, und die libanesische Tageszeitung Aldiyar erwarten dass der Bau eines US-Luftwaffenstützpunkts auf den Ruinen des größtenteils verlassenen Flughafens Kleiaat im Nordlibanon schon Ende diesen Jahres beginnt.

Um das Projekt offensichtlicher zu machen wird es als eine ‘US/NATO’-Basis bezeichnet, die als Hauptquartier für eine NATO-Eingreiftruppe (’rapid deployment force’), Helikopterstaffeln und Spezialeinheiten dienen soll.

Die Basis wird auch für die Ausbildung der libanesischen Armee und anderer Sicherheitskräfte benutzt werden, die islamische Fundamentalisten bekämpfen.

(…)

Anwärter für den Auftrag für das Milliardenprojekt sind laut dem Beschaffungsbüro des Pentagons Bechtel, Halliburton und andere Firmen, die momentan im Irak tätig sind.

Wer dagegen nicht von dem Bauprojekt profitieren wird, das sind die mehr als 40.000 Palästinenser aus dem Flüchtlingscamp Nahr al-Bared, das praktisch in direkter Nachbarschaft zur Basis liegt. Diese Flüchtlinge, die zum einen Teil 1948 und 1967 aus ihren Häusern in Palästina vertrieben wurden und zum anderen Teil im Zuge israelischer Angriffe auf den Libanon 1978, 1982, 1993, 1996 und 2006 eintrafen, werden in Kleiaat keine Arbeit finden. Der Grund hierfür ist, dass nach libanesischem Recht die wichtigsten 70 Berufe für Palästinenser verboten sind.

(…)

Ein libanesischer Journalist, der gegen die Errichtung des Stützpunkts ist, kommentierte am 28. Mai: ‘Die Bush-Administration hat den Libanon vor Al-Kaida-Gruppen im Norden des Landes gewarnt. Und den Luftwaffenstützpunkt braucht man um dieser Bedrohung entgegenzutreten. Und siehe da, eine neue ‘terroristische Gruppe’ mit dem Namen Fatah Islam erscheint ganz in der Nähe von Kleiaat‘.

Laut Beobachtern der Ereignisse in Washington gehen die Bemühungen des Verteidigungsministeriums und der Stabschefs der Streitkräfte um den Stützpunkt auf ein Geheiß des israelischen Agenten (und PNAC-Mitglied, aktuell Vizepräsident Cheneys Sicherheitsberater) Elliot Abrams zurück. Von der pro-israelischen Lobbyorganisation AIPAC wird erwartet, dass sie im Kongress die nötige Überzeugungsarbeit leisten wird. Und da die Ausschüsse für Außenpolitik, Budgetierung, Geheimdienste und Streitkräfte dem Vorsitz von Kandidaten der Israellobby unterstehen kann erwartet werden, dass die Mittel für das Projekt an einen der nächsten Gesetzesentwürfe angehängt werden.

‘Wir müssen diesen Stützpunkt so schnell wie möglich errichten, um gegen Al-Kaida und andere Terroristen eine Angriffsfront zu haben’ meint dazu AIPAC-Mitarbeiterin Rachael Cohen. Als sie gefragt wird ob Israel auf der Basis Training und Berater für die libanesische Armee bereitstellen wird, antwortete Frau Cohen: ‘Wir werden sehen. Libanon, Schmibanon, es geht nicht um die Libanesen, es geht darum die Terroristen zu stoppen, Dummkopf!’

‘Für den Libanon stellt sich die Frage, ob das libanesische Volk den Bau des Stützpunkts erlauben wird. Nur wenige Libanesen zweifeln daran, dass Israel Zugang zu dem Stützpunkt bekommen wird‘ meint Oathman Bader, ein führender libanesischer Politiker.”

Diese Vorgehensweise kommt einem bekannt vor. Auch in Afrika bemühen sich die USA um eine verstärkte Militärpräsenz, dort soll gleich ein ganz neues Oberkommando der Streitkräfte für den Kontinent eingerichtet werden. Dies wollten die USA anscheinend in Algerien haben. Sie warnten die algerische Regierung deshalb vor einer gewissen terroristischen Bedrohung, und um dieser zu begegnen müsste die algerische Regierung die Errichtung des neuen US-Oberkommandos zulassen. Als diese sich zunächst weigerte, kam es zeitlich passend zu Anschlägen von “islamistischen Terroristen” in der algerischen Hauptstadt.

Nach dieser detaillierten Analyse um Kleiaat und der Erkenntnis, dass dieser Stützpunkt sich schon lange im Visier Israels befand, scheint sich meine bereits bei dem Artikel über Hershs Enthüllungen geäußerte Vermutung zu bestätigen, wonach die USA bei der Inszenierung von Fatah Islam weitere Mitinteressenten abseits von Saudi-Arabien haben.

Abschließend bleibt einmal mehr die Beobachtung, dass die Massenmedien den Bürger mal wieder über die wahren Hintergründe der Geschehnisse im Dunkeln lassen. Denn selbst wenn sie das Prinzip des False-Flag Terrors nicht verstanden hätten und Fatah Islam für echt halten, beispielsweise für eine Bewegung die tatsächlich gegen die Errichtung dieses Stützpunkts kämpft, ist es unverständlich wie die Damen und Herren aus der Sternspiegelfocuswelt die Präsenz eben jenes Stützpunkts direkt neben den schon seit Wochen stattfindenden Kämpfen ignorieren können.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 31. Mai 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Krieg, Militär, Terrorismus eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Arm am 31. Mai um 12:15 Uhr

Die Strategie, Chaos in die Länder zu tragen, um Abwehrkräfte zu schwächen und sich später als Retter aufspielen zu können, läuft weiter. In die Planung des “New Middle East” ist der Libanon schon lange miteinbezogen, denn:
“Bush will den gesamten Nahen Osten kontrollieren. Doch er kann den Widerstand der Iraker nicht besiegen. Deshalb versuchen die USA jetzt ersatzweise den syrischen Diktator Assad zu unterwerfen und ihm eine Kollaboration beim Krieg im Irak aufzuzwingen.”
http://www.sozialismus-von-unt....._1381.html

Der Öl-Junkie Amerika denkt sich immer wieder neue Streiche aus…..

Kommentar von Nemo am 31. Mai um 14:17 Uhr

Denn selbst wenn sie das Prinzip des False-Flag Terrors nicht verstanden hätten und Fatah Islam für echt halten, beispielsweise für eine Bewegung die tatsächlich gegen die Errichtung dieses Stützpunkts kämpft, ist es unverständlich wie die Damen und Herren aus der Sternspiegelfocuswelt die Präsenz eben jenes Stützpunkts direkt neben den schon seit Wochen stattfindenden Kämpfen ignorieren können.

Tja, man will den Lesern vielleicht keine Hinweise auf verborgene Motive liefern.

Aber ich könnte mir vorstellen, dass die (schon aus Kostengründen) gar nicht mehr recherchieren, sondern nur wiederkäuen, was ihnen interessierte Kreise rüberfaxen. Nachrichtenmagazin und Nachrichtendienst sind ja schon begrifflich sehr eng beieinander.

Kommentar von Mike am 31. Mai um 14:42 Uhr

Passt zwar nicht 100% hier her, und eigentlich wollte ich es auch in meinen Artikel packen, aber damit es nicht zu sehr hinter der Zeit nachhängt, sow ie ich mit meiner Aufarbeitung :-), hier nur als kurze Meldung am Rande (weiß auch nicht ob es schon gepostet wurde):

Fr. 25.5.07 : Die amerikanischen Nachrichten (CNN & FOX) berichten darüber, das Bush sein OK zu Black Ops Operationen im Iran gegeben hat.

http://www.infowars.com/articl.....t_iran.htm
http://www.atimes.com/atimes/M.....5Ak02.html

Dabei sollen Pläne die schon zu Reagens Zeit gewirkt haben (wo habe ich mir leider nicht gemerkt) zum Einsatz kommen. Unter der Annahme, das solche Meldungen nicht am ersten Tag auf die Öffentlichkeit losgelassen werden, sind diese Teams sicher schon llängere Zeit vor Ort, und damit sollten einige der Aktionen, die vorher zwischen Verwunderung und Bestürzung sorgten, vielleicht nun ins rechte Licht gerückt werden. Ziel soll es sein die Mullas zu entmachten, oder zumindest eine Destabilisierung der Region zu erreichen.

Kommentar von DaRockwilda am 31. Mai um 14:49 Uhr

@Mike:

Hier hatte ich schon darüber geschrieben, trotzdem danke für die Info. Im Zweifelsfall sollte etwas lieber 2 Mal erwähnt werden als gar nicht.

http://politblog.net/krieg-ter.....aender.htm

Kommentar von Mike am 31. Mai um 14:51 Uhr

Sorry deswegen, bin noch nicht mit allen Artikeln durch, die in meiner Abwesenheit erschienen sind, und als es mir heute beim Vorsortieren aufgefallen ist, wollte ich es los werden.

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