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Auf nach Rostock!

VOR DEM GIPFEL von Koppino

Es ist „Gipfelzeit“. Am Freitag, den 1. Juni 2007 startet der Gipfelprotest in und um Heiligendamm. Manche Organisationen planen schon seit zwei Jahren für diese Woche. Vorveranstaltungen und Konferenzen, Treffen und Vorbereitungsteams gehen zu Ende, es wird ernst, aber nicht zu ernst.

Attac, der BUND, die Friedenskampagne, Erlaßjahr, Greenpeace, Pax Christi, Interventionistische Linke, medico, Roobin Wood, Pro Asyl und viele andere (Nichtregierungs-)Organisationen, Netzwerke, Bündnisse, christliche Verbände, autonome Gruppen und Einzelpersonen rufen zu den G8-Protesten auf, man versteht sich als Kritiker und einigt sich auf den „kleinsten gemeinsamen Nenner“, wie es so schön heißt, um die Kräfte zu bündeln und nicht nur national, sondern auch international an einem Strang zu ziehen. Gleneagles in Schottland, wo an zwei oder drei Strängen gleichzeitig gezogen wurde, war der Bewegung eine Lehre und man fügt nun zusammen, was zusammen gehört.

Was auch immer im Vordergrund der christlichen, linken oder alternativen Gruppen steht, welche Differenzen und Meinungen man voneinander hat, sie werden beiseite geschoben, denn gemeinsam will man stark sein!
Die einzigen, die sich ausnehmen sind die Gewerkschaften unter dem Dachverband des DGB. Im Gegensatz zu den Jugend-Gewerkschaften und dem DGB-Nord, rufen sie nicht zum Protest auf. Wolfgang Lutterbach vom DGB- Bundesvorstand äußert sich über die Proteste zweideutig. Es den Mitgliedern „zu verbieten, nach Rostock zu gehen“ sei aber „auch nicht unser Ding“, so Lutterbach. Zudem erklärt wohl DGB-Chef Sommer, er könne im direkten Gespräch mit den G8 mehr erreichen, als der Protest am Zaun. Auch das zeigt einmal mehr, wo die Gewerkschaften, zumindest in der Chefetage stehen, sie schütteln lieber brav Händchen auf der anderen Seite des Zauns.

Dagegen ist die neue Linke vor Ort. Es werden Busse aus dem Süden organisiert und über die Proteste informiert. Zwar schlagen sich auch grüne Politikerinnen auf die Seite der Kritiker, auch mancher Sozialdemokrat gibt vor, Gipfelprotestler zu sein und Heiner Geisler tritt dem Attac-Netzwerk bei, doch das ist, zumindest für mich, ein Stück Populismus. Ob es der Bewegung etwas bringt ist fraglich - und bleibt abzuwarten.

Vor den Gerichten jedenfalls gingen die Kritiker als sehr siegreich hervor, die sogenannte „Pufferzone“ ist wieder geschrumpft und man darf bis zu 200 Meter an den Zaun heran kommen.

Die Großdemonstration (heiligendamm2007.de) , so wird gemunkelt, wird die größte deutsche Demonstration werden, auch wenn immer nur von ein paar Tausend die Rede ist. Konkrete Zahlenschätzungen angeben will man nicht – vielleicht um die Hoffnungen nicht zu hoch zu schrauben. Nach den Durchsuchungen im Mai, bei sogenannten „G8-Gegnern“ und dem Kriminalisieren der Bewegung, heizte man die Stimmung weiter an, was zur Folge hatte, dass ein zweiter Run auf die Sonderzug-Tickets begann.
Nun bleibt abzuwarten was passiert, wie viele Menschen kommen, wie der alternative Gipfel werden wird und was passiert, wenn die G8-Leute vor Ort sind.

Gegenwind G8

Klar muss sein, ich habe es schon öfter betont, dass der Gipfelprotest nicht die Spitze des Berges sein darf, sondern die Talsohle. Kräfte, Energie, Ideen und den frischen Wind (Gegenwind G8) sollte man mitnehmen für die Zeiten danach. So bunt, fröhlich, kreativ, alternativ, gewaltfrei und schön es auch werden wird, man darf sich auf keinen Fall auf die faule Haut legen. Die geschlossenen Bündnisse müssen verbessert und erweitert werden, man muss weitere Aktionen planen und aus dem Gegenwind einen Sturm entfachen, der die ganze Bewegung trägt. Nur so kann man Veränderung erreichen, nur wenn man nach dem Gipfel gemeinsam weiterarbeitet ist Veränderung möglich – nötig ist sie schon lange. Das Umfeld muss weiter politisiert werden und Begehren öffentlich gemacht werden, nur so kann es gehen.

Schon bei den Demonstrationen am 21. Oktober 2006 hat man gemerkt, das sich eine Menge Menschen (in verschieden Städten) auf die Straße bringen lassen. Doch, wie bereits vorher gedacht, die Gewerkschaftsbosse bremsten die Protestwelle aus, indem sie keine weiteren Portestaufrufe und Demonstrationen ausriefen. Man hatte gemerkt, die Leute in diesem Land wollen Veränderung, wollen Bewegung, wollen Aktion und ihrer Frustration Luft machen, doch man hat wohl in den Reihen des DGB befürchtet, dass man nicht nur erzählen kann, sondern dass man tatsächlich was tun muss, dass man nun die Politik „angreifen“ muss und die Bevölkerung weiter zu Ungehorsam und Protest mobilisieren muss und kann. Es war wohl zu heikel für sie, denn man kann sich denken, dass diejenigen, die mit der Weltelite Hände schütteln wollen brav sein müssen ……

So muss man JETZT die Gunst der Stunde nutzen und noch im Spätjahr beginnen, weitere Ziele und Alternativen anzupeilen, bevor die Bewegung im Sande verläuft. Gerade für Deutschland, für die Bevölkerung, ist es wichtig, da man im Gegensatz zu unseren Nachbarländern immer das Gefühl hat, wir hinken was Protest und Volksbegehren angeht hinterher.

Nun hoffe ich, dass ihr auch dabei seid, wenn nicht auf dem Gipfel, dann danach, dass ihr euch entweder autonom oder in Netzwerken organisiert auf den Weg macht, um die SOZIALE BEWEGUNG (oder auch solidarische oder humanistische Bewegung) mitzutragen, dass ihr aktiv werdet und mitmacht. Da fällt mir ein Zitat ein:

Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.” - Sprichwort der Xhosa (Tansania)

Und ihr wisst ja auch: Nach dem GIPFEL ist vor dem GIPFEL!

Koppino
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 31. Mai 2007 von pony_huetchen geschrieben und in die Kategorie Aktionen eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Zappa am 31. Mai um 20:44 Uhr

Danke Koppino, schöner Artikel,
um die Ausblicke auf die Taktik der Erfüllungsgehilfen der Globalkapitalisten und ihre Meinungsmacher zu komplettieren, möchte ich auf einen Artikel im ENaMag-online (Spiegel.de) vom 31.05.07 hinweisen. Der Spiegel thematisiert heute die Ermordung von Benno Ohnesorg, die sich - wie hoffentlich noch viele wissen - am 2. Juni zum 40. mal jährt! Man darf sich fragen, was mit diesem Artikel bezweckt werden soll. Aber wahrscheinlich ist dem Redakteur, dem Chef vom Dienst und der Redaktionskonferenz garnicht aufgefallen, dass dieser Artikel mit der Situation in Rostock korrespondieren könnte! Übrigens ist mir bei der Gelegenheit noch ein Griff in die Mottenkiste aufgefallen: Was heute als Kessel mit Greiftrupps praktiziert wird (siehe Asem-Demo in HH), wurde damals Leberwurstmethode genannt, in der Mitte reinstechen, damit´s an der Seite aufplatzt!
Aber so ist das eben, wenn bei uns “gute Freunde” zu Besuch sind!!!
(Jubelperser werden aber keine kommen, die sind nämlich jetzt auf der Achse des Bösen zu finden!)

Gruß Zappa

Kommentar von koppino am 1. Juni um 07:35 Uhr

Hallo,

die “Pufferzone” ist vergrößert worden!!!

Hier der Artikel:

http://linkszeitung.de/content/view/116754/1/

Kommentar von gustav am 1. Juni um 07:40 Uhr

Das Oberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommern hat das Urteil von Schwerin, wonach die Demonstrierenden bis einige hundert Meter an den Zaun gedurft hätten, aufgehoben.

Es darf nun nur auf der ca. 5km entfernten Bundesstrasse 105 demonstriert werden.

Das Urteil kann nicht mehr angefochten werden.

Das ist ein Schlag ins Gesicht der Demokratie!
Nicht nur, dass es ein Versammlungsrecht gibt - dieses Urteil macht den mehrere Millionen Euro teuren Zaun sinnlos.

Mich wundert auch, wie schnell die Gerichte arbeiten, wenn es um die Interessen der Staatsmacht geht.

Auf die Stimmung vor Ort kann sich diese Entscheidung nur negativ auswirken.

Kommentar von Bagdad Café am 1. Juni um 08:34 Uhr

vielleicht lassen pfiffige Startups sich ja einen 1€ Shuttleservice im Ausflugsomnibus einfallen, werden ausgedehnte Familienspaziergänge und Wandererlebnis’urlaub’ im neuen Niemandsland anbieten, Expeditionen zur Zaunkönigin u.ä.. Wenn das alles nichts hilft, muss halt klarwerden, daß das keine ‘Demo’ mehr ist sondern der Anfang des bürgerlichen Widerstandes. Dann können die Gerichte verunsichern, wie sie wollen (heute so, morgen so, übermorgen hol ich mir…)

Ein demokratisches Recht bekommt man nicht mal eben so oder so ausgelegt, man muß es wahrnehmen und sich Gehör verschaffen. Es geht m.A. nach längst nicht mehr um die Sicherheit der ‘Eingesperrten’, es geht um die Gängelung und Zurechtweisung der ‘Ausgesperrten’. Darin befindet sich mehr Zündstoff als in einer Propangasflasche im Reisekoffer ;-)

Kommentar von G@nseblümchen am 1. Juni um 08:38 Uhr

…dieses Urteil macht den mehrere Millionen Euro teuren Zaun sinnlos.

Schon mal was von innerer und äusserer Perimeter gehört?
Buchtipp

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