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Helen Thomas zur Mitschuld der US-Medien am Irakkrieg

Helen Thomas (die Stephen Colbert so genial in seine Rede vor Präsident Bush eingebaut hat) ist das wohl interessanteste Mitglied des im Weißen Hauses herumstreunenden Pressekorps. Seit 46 Jahren berichtet sie von Pressekonferenzen, und seit es im Presseraum Stühle gibt, sitzt sie in der ersten Reihe. Ihr Stuhl ist der Einzige, auf dem nicht der Name des jeweiligen Medienkonzern steht, den die Journalisten repräsentieren, sondern ihr eigener. Sie berichtete übrigens bis zum Jahre 2000 für United Press International, seitdem für Hearst Newspapers.

Colbert hat die Journalistin in seinem Zwischenvideo als den Alptraum aller Pressesprecher dargestellt, und anscheinend war sie eine der wenigen kritischen Mitglieder des Pressekorps:


“Thomas hat all die Jahre über ihre Scharfzüngigkeit bewahrt und äußerte unverblühmte, streitlustige Fragen, die oft verständnisvoll gegenüber Palästina waren.”



Ihre Fragen haben sie wohl ihren Erste-Reihe-Platz gekostet. Denn schon bald soll die Sitzordnung geändert werden, und Thomas ihren angestammten Sitz an entweder CNN oder FOXNews abgeben. Keine erfreuliche Entwicklung.

Thomas jedenfalls zeichnete in einem vor dem Hintergrund dieses Platzwechsels durchgeführten Interviews ein realistisches Bild von den Pressevertretern:


“Ich denke wir (Medienleute) haben eine öffentliche Aufgabe, und ich denke dass wir diese nicht immer erfüllt haben. Die neueste Generation von Journalisten erledigt diese Aufgabe nicht. Um nur eine Sache zu nennen, sie werden blockiert. Ich dachte, sie würden nach (Wirbelsturm) Katrina aus ihrem Koma aufwachen. Aber die Fragen, die hätten gestellt werden müssen, wurden nucht gestellt und die Zeit hat uns eingeholt.”

(Wenn man wenigstens die Fragen stellt, auch wenn der Präsident sie nicht beantwortet, dann weiß die Öffentlichkeit wenigstens, dass man seine Arbeit macht. Die Fragen sollten gestellt werden, weil die amerikanischen Bürger miterlebt haben wie wir so gefügig und komplizit geworden sind. Wir waren da vor Beginn des Irakkrieges. Wo waren die Fragen? Wer von uns hat (die Regierung) gefragt ‘warum, wie, was meinen Sie’? Wir werfen Bomben und werfen dann dem Feind vor, er würde sich einmischen? Wir greifen ein Land an, dass uns nichts getan hat? Wir haben unschuldige Menschen bombardiert und diesen Krieg begonnen. Wir waren dabei. Niemand hat uns gesagt warum. Es ist traurig.”



Wenn nur ihre Kollegen einen ähnlichen Arbeitsethos hätten.

Thomas erzählte auch, wie sich die Kultur der Pressekonferenzen über die Jahre geändert hat. Während früher ein hochrangiger Pressevertreter eine Pressekonferenz mit den Worten “Vielen Dank Mister President” beendete, hört Bush heute einfach auf wann er will. Im Hinblick auf die nächsten Präsidentschaftswahlen meint Thomas deshalb auch:



“Ich finde, die Reporter sollten die neuen Kandidaten praktisch dazu zwingen, ihnen schriftlich zu versichern dass sie regelmäßige Pressekonferenzen abhalten werden. Es ist die einzige Gelegenheit unserer politischer Kultur, bei der ein Präsident regelmäßig befragt werden kann. Wenn er nicht befragt wird, kann er ganz eigenständig handeln, wie ein Diktator.”



Leider werden diese Pressekonferenzen erst wieder einen Sinn haben, wenn die “neue Generation von Journalisten” “ihre Aufgabe” ähnlich gewissenhaft wie Thomas erledigen.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 22. Februar 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Medien eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Josef Primzek am 22. Februar um 06:50 Uhr

schriftlich zu verzichten?

Hm, aber gibt e einen aureichenden Markt für kritischen Journalismus in den US?

Ich meine New York Time Bashing gehört da ja zum guten Ton und viele junge kritiche, linkliberale Leser tribt es ja in die Blogs.

Kommentar von DaRockwilda am 22. Februar um 13:23 Uhr

danke Josef, habs verbessert. Verichern natürlich.

“Hm, aber gibt e einen aureichenden Markt für kritischen Journalismus in den US?”

Das beantwortet wie ich finde diese Umfrage mit einem klaren ja:

http://politblog.net/medien/me.....medien.htm

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