Politblog.net
 

Warum die USA am Liebsten einen geteilten Irak haben wollen

Der ehemalige zweite israelische UNO-Botschafter John Bolton, als PNAC-Mitglied immer gerne Erfüllungsgehilfe des Militärisch-Industriellen Komplexes, gibt freimütig zu, dass ein geteilter Irak kein Problem für die USA darstellt:


“Bolton sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview, die USA hätten kein strategisches Interesse an einem vereinten Irak.

‘Ob es ein einzelner Staat wird oder drei Staaten, ob er von Schiiten oder irgendeiner Allianz geführt werden wird, das ist ohne Belang für unser strategisches Interesse’ sagte Bolton.”



Genau genommen ist das eine maßlose Untertreibung. Denn in der Tat ist es eines der strategischsten Interessen der USA, den Irak in möglichst kleine Stücke zu zerteilen. Am Besten noch in einem Zustand, in dem sich die Stücke gegenseitig bekriegen. Es ist die Strategie des “divide et impera”, also “teile und herrsche”. Beherrschen muss man in diesem Fall die Ölfelder. Denn die US-Ölfirmen haben die Rechte dafür bereits sicher, das einzige Problem ist die miserable Sicherheitssituation:

“Die Regierung der USA war an der Gesetzesformulierung beteiligt. Es würde großen Ölkonzernen wie BP, Shell und ExxonMobile die nächsten 30 Jahre lang erlauben, irakisches Rohöl zu fördern. Damit würde das Gesetz die ersten großangelegten Ölprojekte ausländischer Interessenten seit der Verstaatlichung im Jahre 1972 erlauben.

Das Einzige, was den Plan der Ölmultis durchkreuzen könnte, ist das irakische Volk mit seinem enormen Widerstandswillen gegen die illegalen Besatzer. Die Konzerne werden erst dann im großen Stil fördern können, wenn ihnen im Irak nicht mehr alles um die Ohren fliegt.”



Wenn also einzelne irakische Gruppen sich gegenseitig beneiden und bekriegen und Provinzgefechten nachgehen, dann gibt es nicht mehr den starken vereinten Widerstand, der der Ölproduktion ernsthaft gefährlich werden kann. Natürlich ist keineswegs sicher, ob es zu einer wie auch immer gearteten faktischen Teilung des Iraks kommen wird. Doch dass Interesse der USA an einer “Balkanisierung” des Landes sollte klar sein, und damit das Motiv für gewisse die Teilung und innerirakische Streitigkeiten fördernde “Ereignisse”.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 31. Januar 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Krieg, Militär, Terrorismus eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
Tags:

Kommentar von Allan am 31. Januar um 16:38 Uhr

Die Frage ist doch, wie soll der Irak aussehen, wenn die Amis abziehen ? Schiiten und Sunniten schlagen sich doch jetzt schon die Köpfe ein und die Saudis haben angekündigt, dass sie im Falle einer Intervention zu Gunsten der Schiiten ihrerseits den Sunniten zur Hilfe kommen werden. Die Situation ist geradezu predestiniert für einen richtig bösen Bürgerkrieg. Minderheiten wie die Christen stehen zwischen den Stühlen und die Türkei will nach dem Abzug der USA die Kurdengebiete einmarschieren.

Jenseits von Ölinteressen frage ich mich, was soll unter diesen Vozeichen am besten getan werden ? Eine Teilung des Landes halte ich sogar für sinnvoll. Der Irak ist ja ohnehin keine gewachsene Nation, sondern ein Relikt der Kolonialzeit.

Kommentar von DaRockwilda am 31. Januar um 22:09 Uhr

Kommentar von Surenas:

Das Einzige, was den Plan der Ölmultis durchkreuzen könnte, ist das irakische Volk mit seinem enormen Widerstandswillen gegen die illegalen Besatzer.

Es gibt ‘das irakische Volk’ nicht im islamischen Bewusstsein der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen, Stämme und Clans. Das Momentum des Widerstands im Fahrwasser der Operation Independence Freedom ist folgerichtig ausschließlich die verbindende Kraft des Islams in der Umma und nicht etwa das uns aus den zumeist linken Befreiungskriegen der Cold War Epoche so bekannte politisch orientierte Nationalbewusstsein.
Das nicht zu erkennen bedeutet - geradezu in der Ungnade einer zu späten Geburt - an den Tatsächlichkeiten eines ‘geheiligen Krieges’ vorbeigeträumt zu haben.

Kommentar von Surenas am 31. Januar um 23:41 Uhr

“Die Frage ist doch, wie soll der Irak aussehen, wenn die Amis abziehen ? Schiiten und Sunniten schlagen sich doch jetzt schon die Köpfe ein und die Saudis haben angekündigt, dass sie im Falle einer Intervention zu Gunsten der Schiiten ihrerseits den Sunniten zur Hilfe kommen werden. Die Situation ist geradezu predestiniert für einen richtig bösen Bürgerkrieg. Minderheiten wie die Christen stehen zwischen den Stühlen und die Türkei will nach dem Abzug der USA die Kurdengebiete einmarschieren.”

Die Amerikaner können nicht abziehen, nicht jedenfalls nicht die Zielsetzung des III. Golfkrieges als Teil ihres globalen Hegemonial-Krieges völlig ad absurdum zu führen.
Mit “einer Intervention zu Gunsten der Schiiten” meinst Allan doch wohl eine Militäraktion der Iraner im Süden des Irak am Shatt-el Arab – dieses impliziert jedoch direkt den Vorwand für die Falken in Washington für den Einsatz taktischer Nuklearwaffen gegen den Iran, denn in der Region ist nichts und niemand eigenständig in der Lage, die hoch-modernen Divisionen der Pasdaran aufzuhalten, das Haus Saud nicht und die Golfstaaten aus 1001er Nacht schon gar nicht.
Die Christen stehen als Ungläubige im dar al-islam, dem ‘Land des Islam’ ganz zwangsläufig zwischen den (politischen) Stühlen konträrer Interessen, denn sie sind nicht Teil der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, sie spielen daher religionspolitisch entweder keine Rolle oder aber die des Feindes.
Die Türkei verfolgt im Übrigen eine kluge Doppelstrategie: a) die Unterbindung eines kurdischen Staates an ihrer Südgrenze mit gravierenden innenpolitischen Folgen für den Staat Atatürks, und b) die reichen Ölvorkommen des kurdischen Nordirak kämen den Machern in Ankara grad recht als Morgengabe, vll. sogar als willkommenes Druckmittel bei künftigen Beitrittsverhandlungen mit der EU.

“Jenseits von Ölinteressen frage ich mich, was soll unter diesen Vozeichen am besten getan werden? Eine Teilung des Landes halte ich sogar für sinnvoll. Der Irak ist ja ohnehin keine gewachsene Nation, sondern ein Relikt der Kolonialzeit.”

Nur die Ölmultis und deren politische Klientel haben ein direktes ‘Ölinteresse’; bei dem Rest der Spezies Mensch setze ich ganz einfach voraus, dass der Beruf des Räubers als nicht sonderlich erstrebenswert erachtet wird.
Der Irak kann auch nicht so einfach gegen die existentiellen Interessen der Türkei und den fundamentalen Interessen des Iran geteilt werden – der Staat wird also künstlich am Leben gehalten werden von denen, die fürderhin kostengünstige Ausbeutung fremder Ressourcen betreiben möchten und jenen, die kein Interesse haben, spontan in die Reichweite iranischer Kurz- und Mittelstreckenraketen zu geraten.
Deutsche, wie auch amerikanische und israelische Zeitgenossen sollten besser nicht von ‘kolonialen Relikten’ reden, jedenfalls nicht ohne sich selbst der unumstößlichen Tatsache bewusst zu sein, selber das unmittelbare Produkt dieser Kolonialzeit zu sein.

_Su

Kommentar von Allan am 1. Februar um 11:29 Uhr

Deutsche, wie auch amerikanische und israelische Zeitgenossen sollten besser nicht von ‘kolonialen Relikten’ reden, jedenfalls nicht ohne sich selbst der unumstößlichen Tatsache bewusst zu sein, selber das unmittelbare Produkt dieser Kolonialzeit zu sein.

- Damit war gemeint, dass der Irak nicht aus einer eigenen Nationalismusbewegung entstanden ist, sich als nicht selbst konstituierte, vielmehr einfach Kolonialgrenzen übernahm. Sowohl bei den USA, Israel, als auch Deutschland ist das nicht der Fall. Das Nationalgefühl der Iraker ist demetsprechend geringer und tritt hinter religiöse bzw, kofessionelle, im Falle der Kurden kulturell/ethnische Identität.

Kommentar von Surenas am 1. Februar um 17:04 Uhr

Soweit - sogut. Nun bedeutet allerdings ein nach europäischen Massstäben vergleichsweise geringes Nationalbewusstsein wie im Falle des überwiegend von Moslem bewohnten Irak gerade eben nicht, dass sich der status quo des kleinsten gemeinsamen historischen Nenners gefahrlos und beliebig von aussen ändern liesse, gerade so als befänden wir uns noch in der Kolonialzeit…

_Su

Eigenen Kommentar verfassen:

Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar schreiben zu können.