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Keith Olbermann Teil 4: Bushs neue Irakstrategie ist Propaganda, weitere Opfer für Bushs Ego

Ein weiterer “special comment” von Keith Olbermann, diesmal zu Präsident Bushs neuesten Irakplänen (Transkript und Video hier):



“Und nun ein special comment über Opfer. Wenn Sie dabei wären, wie irgendjemand versucht, einen US-Soldaten zu opfern, würden Sie einschreiten? Würden Sie wenigstens protestieren? Was, wenn jemand bereits über 3.003 von ihnen geopfert hätte. Was, wenn jemand bereits 3.003 von ihnen geopfert hätte und dann seine Absicht ankündigen würde, noch hunderte oder tausende mehr zu opfern.

Das ist gerade die Situation mit dem BBC-Bericht über Präsident Bushs ‘neuer Irakstrategie’, sowie seiner geplanten Rede an die Nation, von der ein hochrangiges Mitglied der Regierung sagt, sie würde von Truppenerhöhungen und Opfern handeln. Seit der Veröffentlichung des Berichts der Iraq Study Group hat der Präsident einen Monat lang verzögert udn aufgeschoben. Er hat praktisch jeden um Rat gebeten und keinem zugehört.

Wenn der Bericht der BBC stimmt, und wir können nur beten dass er nicht stimmt, dann hat (Bush) sich für genau die Lösung entschieden, bei der sich alle wirklichen Experten einig sind, dass sie überhaupt nicht funktionieren kann: Weitere US-Truppen im Irak, nicht als Ausbilder für die irakische Armee, sondern als Teil irgendeines schwammigen, undefinierten Planes der ‘Opfer’. Opfer, weitere US-Soldaten und Soldatinnen werden ihr Leben riskieren. Weitere US-Soldaten und Soldatinnen werden ihr Leben verlieren. Mehr US-Familien werden das untragbare ertragen und das unverzeihliche verzeihen müssen.

Opfer, Opfer jetzt, Opfer morgen, Opfer für immer. Und mehr US-Amerikaner, mehr sogar als die zwei Drittel, die bereits jetzt glauben, dass wir im Irak weniger und nicht mehr Truppen brauchen, werden zu der Ansicht gelangen müssen, dass dieser Präsident keine Ahnung davon hat, was er tut. Und dass andere US-Amerikaner aus diese Grund sterben werden müssen. Von nun an muss es als Propaganda bezeichnet werden, denn nicht einmal der Präsident kann wirklich davon überzeugt sein, dass wirklich viele Menschen ihm auf diesem Gebiet Kompetenz bescheinigen, geschweigen denn ihn als den Entscheider (decider) erachten.

Unser tadelloser Reporter im Pentagon, Jim Miklaszewski, bestätigt heute etwas, das ‘Anstieg und Beschleunigung’ genannt wird, bis zu 20.000 weitere Truppen für politische Zwecke. Davon ausgehend was wir bereits gehört haben, wird dies als eine kurzfristige Maßnahme angepriesen werden. Mit dem erklärten Ziel, in und um Baghdad die Sicherheit zu erhöhen und der irakischen Regierung eine Chance zu geben, eine Art Ordnung aufzubauen. Das ist offensichtlicher Unsinn, Mr. Bush. Wenn dies wirklich Ihre Intention ist, wenn Opfer der zentrale Gedanke Ihrer Ankündigung nächster Woche sein soll, dann opfern Sie ihre Intention, und nicht weitere US-Bürger. Wie Senator (Joseph) Biden aus Delaware bereits festgestellt hat, würden die neuen Truppen das Verhältnis von US-Soldaten zu Bewohnern Baghdads, Freunden und Feinden, von 1 zu 200 auf 1 zu 100 verbessern. Opfer? Nein, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die zusätzlichen Truppen, die Sie angewiesen haben, dort hinzugehen, werden nur als Ziele herhalten Sir. Sie werden dort nicht nur kurzfristig sein Mr. Bush. Für viele wird es ein Jahr oder mehr im Schatten des Todes sein. Dies ist nichts Temporäres Mr. Bush, denn nichts könnte permanenter sein als der Tod der Soldaten, die wegen Ihnen sterben werden. (…)

Der ehemalige Arbeitsminister Robert Reich erzählte, dass Senator John McCain im gesagt habe, die zusätzlichen Truppen würden die Moral der bereits im Irak stationierten Truppen verbessern. Wenn Mr. McCain dies tatsächlich gesagt hat und dies tatsächlich glaubt, dann hat er entweder seine eigene Erfahrung in Vietnam komplett vergessen, oder keine Ahnung von der Umfrage in der Military Times, wonach nur 38% der Truppen im Irak für die Entsendung weiterer Soldaten sind. Oder Mr. McCain hat sich von der Realität entfernt.

Dann gibt es das Argument, dass eine Reduzierung der Truppenstärke unseren Feinden im Irak und Terroristen auf der ganzen Welt eine Schwäche unsererseits signalisieren würde. Diese vereinfachte Logik unterschlägt die unleugbare Tatsache, dass wir unserem Feind und den Terroristen bereits unsere Schwäche gezeigt haben. Wir haben ihnen gezeigt, dass wir unsere eigenen Leute ohne guten Grund sterben lassen. Und jetzt haben wir ihnen gezeigt, dass wir damit weitermachen werden. Wir haben ihnen unsere Dummheit gezeigt.

Mr. Bush, Ihre Haltung bezüglich des Iraks, und jetzt bezüglich von Opfern, weicht so sehr von der Haltung Ihrer Bürger ab, dass es an Wahnvorstellungen grenzt. Ihre besten Generäle sehen keinen Sinn in einer Truppenverstärkung. Sie können es überhaupt nicht sehen in diesem Wahnsinn des Opferns. Die Iraq Study Group hat Ihnen gesagt, es würde ein Fehler sein. Dutzende weitere Leute haben Ihnen gesagt, es würde ein Fehler sein, und Sie schlugen ihre Ratschläge in den Wind bis Sie nur noch hörten was Sie hören wollten, wie ein Kind (…).

Ihre Bürger, die Menschen für die Sie arbeiten, haben Ihnen gesagt dass sie das nicht wollen. Und vor Allem wollen sie nicht, dass Sie das machen. Doch einmal mehr haben Sie uns alle ignoriert. Mr. Bush, dieses Land gehört nicht Ihnen.

Ihr Republikaner, die ihr euch der Sklaverei der Parteidisziplin noch nicht entledigt habt, die ihr immer noch mit diesem Präsidenten verbunden seid, und mit dieser Regierung, macht nur weiter, aber auf eigene Gefahr. John McCain wird vielleicht immer noch den Applaus kleiner Gruppen hören. Er hat sich irgendwie an die Doppelmoral und an die Tragik eines Mannes gewöhnt, der sich selbst als den ultimativen Realisten betrachtet, und dabei um die Stimmen von Menschen ringt, die eine Regierung unterstützen, die Besuchern des Grand Canyon erzählt, dieser sei durch die große Flut (aus der Bibel) entstanden. (…)

Und ihr Demokraten, jetzt mit am Ruder dieses sinkenden Schiffs, auch ihr könnt ruhig so weiter machen, aber auf eigene Gefahr. Präsident Bush mag vielleicht nicht besonders gut mit der Realität sein, aber er und Mr. Cheney und Mr. Rove sind immer noch talentiert darin, US-Truppen sterben zu lassen und die Toten zu ihrem eigenen politischen Vorteil zu nutzen. Die Rechnung ist einfach: Das Land will keine weiteren Truppen im Irak. Es will weniger. Sorgt dafür, oder schaut euch nach einem neuen Arbeitsplatz um.

Sie haben es gut verkleidet, zuerst als eine Jagd nach Massenvernichtungswaffen, dann für Befreiung, dann für regionaler Bedeutung, dann für Ölpreise, und jetzt für diesen neuen Begriffs des Opfers. (…) Dieser sinnlose und endlose Krieg war zumindest auf zwei Arten nicht sinnlos. Hat (der Krieg) denn nicht zu dem Erfolg geführt Mr. Bush, dass Sie den kollektiven Verstand dieses Landes bis zur Sinnlosigkeit eines endlosen Krieges gegen die falschen Leute, am falschen Ort und zur falschen Zeit abgetötet haben?
Und hat er nicht viele von uns an diese Idee gewöhnt, diesen Klang von einem fernen Konflikt, den Klang vom Tode junger US-Amerikaner, ein ominöses Opfer für irgendeinen wechselhaften Grund, zu kompliziert um interpretiert zu werden, außer in der Begrifflichtkeit des wichtig klingenden aber letztendlich nichtssagendem Begriffes ‘Krieg gegen den Terror’?

Und der zweite Punkt, indem der Irakkrieg einen Sinn gehabt, Ihr zweiter Verdienst Sir, war das nehmen von Geld aus den Taschen eines jeden US-Amerikaners, sogar aus den Taschen von toten Soldaten auf dem Schlachtfeld und aus den Taschen ihrer Familien, und das Verschenken dieses Geldes an Kriegsgewinnler. Denn wenn man der Armee 1000 Humvees verkauft, dann kann man ihr nicht noch weitere verkaufen, bis dieser ersten 1000 zerstört sind oder?
Die Soldaten sind nur nebensächlich in dieser Gleichung. Hier geht es im die organisierte Entleerung von Lagerbeständen, oder Mr. Bush? Und um den Bau von Gefangenenlagern, und dem Plan eines 125 Millionen US$ teuren Gerichtskomplex auf Guantanamo, komplett mit Restaurants. Wenigstens haben die Kriegsgewinnler ihren Gewinn gemacht, Sir, und wir versprechen hier hoch und heilig, dass diese Toten nicht umsonst gestorben sind. (…)

Ihre Vorgehensweise im Irak hatte bereits verheerende Auswirkungen auf unsere Sicherheit hier. Sie haben bereits neuen Terrorismus und neue Terroristen kreiert. Sie haben bereits Paranoia geschürt. Sie haben US-Amerikaner gegeneinander aufgehetzt. Wir werden damit keben müssen. Wir werden damit Leben müssen, dass Sie bereits einen Teil unserer Nation geopfert haben. Das einzige Ziel, dass in dieser Debatte noch zulässig ist, ist der schnellste und sicherste Rückzug für unsere Leute dort. Doch Sie, und bald Mr- Bush werden es Sie und nur noch Sie alleine sein, bestehen auf dem Gegenteil.

Und unsere Söhne und Töchter und Väter und Mütter werden heute dort geopfert Sir, damit Sie sagen können, Sie hätten im Irak nicht verloren. (…) Zuerst schickten wir US-Amerikaner für Ihre Lügen in den Tod, Mr. Bush. Und jetzt schicken wir sie in den Tod für Ihr Ego. Wenn es stimmt was berichtet wird, wenn Ihre Entscheidung steht und die Opfer befohlen werden, dann nehmen sie sich ein Beispiel an dem Mann, an dessen Beerdigung Sie so eloquent sprachen, an Gerald Ford. Würden Sie bitte Pragmatismus und der Heilung einer Nation den Vorzug vor einer verqueren Vision von Opfer geben Mr. Bush?

Nein mein Herr, das sind keine Opfer. Das sind jetzt schon Menschenopfer.

Und es muss gestoppt werden. Und Sie können es stoppen. Lassen Sie uns alle nächste Woche alt aussehen.

Unser sinnloses Opfer im Irak muss gestoppt werden und Sie müssen es stoppen.

Aus Washington, ich bin Keith Olbermann, Gute Nacht und Viel Glück.”



Die Kritik an Bush will ich gar nicht weiter kommentieren. Ich will nur drei Dinge hervorheben, die zu einer Einschätzung Olbermanns nützlich sind. So spricht er bewusst nicht von “Terroristen im Irak”, sondern trennt den Feind im Irak von den Terroristen der Welt. Er suggeriert also, dass er im Gegensatz zu vielen Lügnern in den Massenmedien durchaus anerkennt, dass der Widerstand im Irak nicht nur aus bösen Terroristen besteht.

Des Weiteren hat Olbermann eindrücklich die Mächte hinter den Kulissen angesprochen: Den Militärisch-Industriellen Komplex: “Denn wenn man der Armee 1000 Humvees verkauft, dann kann man ihr nicht noch weitere verkaufen, bis dieser ersten 1000 zerstört sind oder?
Die Soldaten sind nur nebensächlich in dieser Gleichung. Hier geht es im die organisierte Entleerung von Lagerbeständen, oder Mr. Bush?”

Und zu guter Letzt hat Olbermann nicht nur die Republikaner kritisiert, sondern die Demokraten. Und damit suggeriert, dass auch sie das Volk verraten, wenn sie sich zu willigen Komplizen der Regierung machen.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 4. Januar 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Medien eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von C.-H. Frohwein am 6. Januar um 02:48 Uhr

Hier wird der Sumpf offenbar,deshalb wird auch von den Demokraten keine Amtsenthebung gegen Bush und Cheney betrieben,obwohl sie überfällig ist.Sie werden wohl alle
von dem M.I.Komplex gesteuert ,die wenigen Unabhängigen
bleiben auf der Strecke und können nichts ausrichten.
Feine Aussichten,da kann man wohl noch einiges erwarten.

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