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Washington Post versucht es mit einer Diskreditierung von Mearsheimer und Walt

Die Studie der Professoren John Mearsheimer und Stephen Walt über die Israellobby in Washington dürfte eines der Papiere sein, über die noch Jahre geredet wird. Zuerst mussten sich der Harvardakademiker und sein Kollege von der Universität Chicago überaus vorhersagbaren Anschuldigungen des Antisemitismus aussetzen lassen. An vorderster Front der Keulenschwinger war ihr Harvardkollege Alan Dershowitz, der die Bedeutung der Lobby herunterspielte, obwohl er zuvor bereits von deren Macht berichtet hatte. Langsam jedoch bekamen Mearsheimer und Walt immer mehr Unterstützung, zuletzt vom ehemaligen Sicherheitsberater Jimmy Carters, Zbigniew Brzeziński. Dieser lobte die Studie und sah in ihr den längst überfälligen Anstoß zu wichtigen Diskussionen über die vielleicht zu große Macht ausländischer Lobbies in Washington.

Dana Milbank schreibt nun für die Washington Post einen neuen Artikel, der versucht die beiden Akademiker und ihre Studie in ein schlechtes Licht zu rücken.

Anlass ist ein Besuch von Mearsheimer und Walt beim Forum des Council on American-Islamic Relations (CAIR) im National Press Club in Washington, bei dem über die Israellobby gesprochen wurde.

Die ersten Angriffe auf Walt von Milbank sind billigster Natur. Sie gibt zu Protokoll, dass Walt bei seiner Rede zwei Namen von zwei Kongressabgeordneten falsch ausgesprochen hatte. Das ist kein Scherz, um einen Mann zu diskreditieren reicht es anscheinend bei der Post, darauf hinzuweisen dass dieser Mann “van Hollen” fälschlicherweise “von Hollen” genannt hat.

Milbank begründet die Wichtigkeit dieser Beobachtung damit, dass Professor Walt sich schließlich als ein Kenner Washingtons bezeichnet, und er deshalb doch die Namen können müsste. Das mag zwa richtig sein, aber es wirkt dennoch irgendwie kindisch. Ich denke auch nicht, dass die Washington Post bei jedem Artikel über George Bush erst einmal darauf hinweisst, dass der Präsident der USA nicht weniger fehlerfrei spricht wie ein besoffener Elch.

Dann wenigstens wird Milbank ein wenig themenbezogener. Sie hat ein Problem mit Walts Feststellung, dass Spitzenleute jüdischer Herkunft im Pentagon wie Paul Wolfowitz und Douglas Feith eine Art doppelte Loyalität an den Tag legen - Loyalität sowohl gegenüber den USA als auch Israel. Milbank beschwert sich, dass Walt nicht zum Beispiel deren Chef erwähnt, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der ka “kein Jude” sei. Milbank sagt es nicht, aber sie impliziert hier mal wieder den ausgelutschten Antisemitismus. Wie immer in solchen Fällen schützt es den oder die Anklagenden davor, tatsächlich auf die Fakten einzugehen. Wenn sie das getan hätte anstatt die Antisemitismuskeule zu benutzen, dann hätte Milbank auch erwähnen müssen, dass gerade Douglas Feith sich außerordentlich um Israel bemüht hat. Er hat die berühmt berüchtigte Studie “A Clean Break” verfasst, die Wege für ein stärkeres Israel aufzeigt, und seitdem von Israel in die Tat umgesetzt wird. Somit denkt Feith erwiesenermaßen zumindest auch an Israel, und wird seine Politikentscheidungen dementsprechend justieren. Das gleiche gilt auch für Feiths Co-Autor David Wurmser, dessen Nennung ebenfalls von Milbank als Antisemitismus geweret wird.

Milbank versucht dann so zu argumentieren, dass Nichtjuden wie Präsident Bush und Vizepräsident Cheney ebenso Unterstützer Israels sind. Das einzig fragliche hier ist, wie Milbank ausgerechnet auf Cheney kommt. Gerade von ihm habe ich noch nie eine sonderlich Israel unterstützende Rede gehört. Genau genommen wüsste ich nicht, dass sich Cheney überhaupt einmal zur Nahostpolitik abseits des Iraks geäußert hätte.
Der Punkt ist jedoch, und das sollte auch eine Reporterin der Washington Times ganz genau wissen, dass schließlich nicht die Israellobby allein die Fäden zieht. Das behaupten auch weder Mearsheimer und Walt noch Brzeziński. Gerade Cheney und Rumsfeld, die Nichtjuden wenn man Milbanks Logik folgt, sind oberste Repräsentanten des militärisch-industriellen Komplexes im Allgemeinen und dem Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert (PNAC) im Speziellen. Bei der Politik der Bushregierung überschneiden sich die Interessen der Israellobby und der Rüstungsindustrie sowie amerikanischer Imperialisten. Daher ist nicht jeder einzelne Vorantreiber der Politik Bushs ein Israelunterstützer. Entscheidend ist die enorme Macht, die sich aus der Verbündung dieser drei Elemente ergibt.

Als nächstes bringt Milbank erneut die Andeutung des Antisemitismus. “Diese Argumentationsweise könnte man bei zwei blonden und blauäugigen Männern mit germanischen Nachnamen als brenzlig erachten”. Das ist die neue Logik. Dunkle Menschen dürfen Israel nicht kritisieren weil sie vielleicht Islamisten sind, und arische Menschen dürfen Israel nicht kritisieren weil sie vielleicht Nazis sind. Bleiben ja nicht mehr viele potentielle Kritiker offen. Diese offensichtliche Taktik des “shoot the messenger” ist der erneute Beweis dafür, dass Milbank sich nicht mit den eigentlichen Tatsachen auseinandersetzen will.

Weiter kommt der Reporterin suspekt vor, dass Mearsheimer die Mitglieder der Lobby mal Juden, mal Israelis nennt: “(er benutzte abwechselnd) “Jüdische Aktivisten”, “größere jüdische Organisationen” und die “Israellobby”". Diese abwechselnde Benutzung der Wörter “Jude” und “Israeli” ist so falsch wie sie häufig ist. Gerade in englischsprachigen Medien wird das Wort “israeli” weniger häufig benutzt wie “jewish”. Am Besten wäre es in diesem Zusammenhang, Israel nicht mehr den Judenstaat zu nennen sondern nur noch Israel. Das aber würde wiederum vielen Juden (und wohl auch Christen) nicht passen, die aus religiösen Gründen auf diese Bezeichnung bestehen.

Als nächstes stellt Milbank die Feststellung von Mearsheimer, Israel habe den aktuellen Krieg bereits Monate vor der Entführung der beiden Soldaten durch die Hisbollah geplant, als völlig abwegig dar. Dabei ist diese Tatsache ausreichend belegt.

Milbank berichtet dann wie Mearsheimer US-amerikanischen Politkern vorwirft, sie würden sich beim vor Israel in die Knie gehen gegenseitig nur so überbieten. Auch dafür gibt es ausreichend Belege, man lese sich nur die an die wichtigste pro-israelische Lobbyorganisation AIPAC gerichteten Schwärmereien in diesem Artikel durch.

Eine der wichtigsten Äußerungen der Professoren, von denen Milbank berichtet, ist diese: “(Ein Grund für die Gefahr) durch den Terrorismus ist die Tatsache, dass wir so eng mit Israel verbunden sind.”
Anstatt diese Aussage zu analysieren und zu untersuchen, wo für die USA eine verminderte Unterstützung Israels angebracht wäre, macht sich Milbank lieber über die falsch ausgesprochenen Namen lustig.

Auch dieser Angriff auf die These der Israellobby beweist nur einmal mehr, dass die pro-israel-Fraktion der Kritik nur mit Vorwürfen des Antisemitismus und sonstigen Ausweichungen begegnen kann. Zu welcher Seite Milbank gehört dürfte klar sein.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 31. August 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von karlstadt am 31. August um 09:38 Uhr

Wieder mal die typischen Muster, mit denen in den ‘etablierten’ Medien unbequeme Meinungen abgewehrt werden, ohne sich mit der Sache auseinandersetzen zu müssen:

Einerseits irrelevante persönliche Angriffe auf die Verfasser (In einem Spiegel-Artikel über Chomsky, den ich vor einiger Zeit gelesen habe, hat man sich z. B. über dessen weiße Socken mokiert!), mit denen man die Person ‘disqualifiziert’.
Und wenn’s nur irgendwie möglich ist, wird dann noch Antisemititsmus unterstellt. Womit man dann sich und dem Leser bewiesen hat, dass man sich mit solch einem moralisch zweifelhaften Unsinn argumentativ nicht zu befassen braucht.

Echt armselig, diese Art von Journalismus.

Grüße von
karlstadt

Kommentar von Heiko am 31. August um 22:39 Uhr

Rein zufällig findet man bei Einträgen im Netz (z.B. Wikipedia) über Dana Milbank eine Spur zu Skull & Bones. Auch wenn ich mich nicht so leicht auf Verschwörungstheorien einlasse, ist das breite Wirken dieser Clique für mich erschreckend.

Kommentar von Lara am 2. September um 00:49 Uhr

Zumindestens weiß man, dass inhaltlich nicht wirklich was entgegenzusetzen ist, wenn die Kritik darin besteht, welche Socken einer trägt oder aus ähnlich wichtigen Details. Oder wenn irrationale Realitäten herangezogen werden müssen, um Gleichheit zu konstruieren… (SCNR)

Irgendwie aber sinnlos, zu versuchen, Mearsheimer und Walt zu widerlegen, wenn dann vom Präsidenten von AIPAC sowas hier kommt:

http://counterpunch.org/walsh08162006.html

Da steht: “My fellow American,” Howard Friedman, President of AIPAC, begins his letter of July 30 to friends and supporters of AIPAC, “Look what you’ve done”! After warning that “Israel is fighting a pivotal war for its life,” by which he means Israel’s wanton slaughter and all-out destruction in Lebanon, Freiedman condemns “the expected chorus of international condemnation of Israel’s actions” and Europe’s call for “a cease-fire immediately.” Then he exults: “only ONE nation in the world came out and flatly declared: Let Israel finish the job. . That nation is the United States of America–and the reason it had such a clear, unambiguous view of the situation is YOU and the rest of America Jewry.” (All emphases in the original here and below.) Here I must take issue with President Friedman since I bet that most Jewish Americans, in contrast to the AIPAC crowd, were horrified by the slaughter in Lebanon. In fact if anyone other than President Friedman wrote this, he would be accused of fabricating a Jewish plot and labeled a nutty conspiracy theorist and scurrilous anti-semite.)

“How do we do it”? President Friedman asks a little further on. The answer is “decades of long hard work which never ends.” Not only is it hard work–but it’s eternal. However, President Friedman is not content with generalities and gives us some of AIPAC’s trade secrets. Here are two notables: [...]“

Zitat Ende.

Ein weiterer Artikel, allerdings einen anderen Aspekt beleuchtend, der dazu passt, ist der hier:

In Pro-Israel Circles, Doubts Grow Over US Policy
http://www.antiwar.com/lobe/?articleid=9630

Kommentar von Svobul am 14. Januar um 12:24 Uhr

Schon immer waren europäische Juden ein Teil der amerikanischen Politik.Nicht zu vergessen ist die Tatsache , daß ein Jude den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Amerikas gelegt hatte.Zur Gründungszeit des neuen Staates gab es zwei vorherrschende Meinung wie der neu geschaffende Staat aussehen sollte, landwirtschaftlich , hier vertraten insbesondere die Vertreter der Südstaaten diese Auffassung eines Plantagenstaates und auf der anderen Seite sollte eine freie kapitalistische Marktwirtschaft enstehen mit “freien und fleißigen ” Menschen.Kein geringerer als Alexander Hamilton hatte diese Vision , ebenfalls ein Gründungsvater der USA , und zudem noch Jude.
Da ist auch noch ein Joseph Lieberman , der öffentlich dafür plädiert endlich den Iran anzugreifen und ein Verein gegründet hat um fundamentalistische Christen dazu zu bewegen Israel zu unterstützen und Geld zu sprenden damit russische Juden nach Israel kommen können.Das sind Fakten , die jeder auf seiner Homepage lesen kann.Wenn jemand so radikal und offen Partei für ein ausländisches Land ergreift , ohne daß er schikaniert wird , dann ist die Schlußfolgerung , daß der amerikanische Journalismus unterdrückt wird und von gewissen Kreisen bezahlt wird.
Interessant ist auch hierbei die Tatsache , daß die sogenannte unfreie und unmündige “Opposition” in Russland ausschließlich von wohlhabenden Juden finanziert wird und teilweise selber Oppositionspolitiker darstellt wie zum Beispiel der berühmte Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow , der in jüngster Zeit sogar von Sabine Christiansen ausgeladen wurde , weil die Art und Weise Russland und Putin zu denunzieren zu radikal gewesen wäre und zu öffentlich.
Der Unterschied ist , daß Russland sich gegenüber den stark pro-israelischen Oppositionspolitiker wehrt , wobei es in Amerika anders aussieht , die neutralen Politiker müssen sich gegenüber der “Lobby” wehren und vor allem sich gegen Antisemitismusvorwürfe wehren…

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