Politblog.net
 

Journalisten wehren sich gegen Zensur in ihrer Zeitung; NYT muss Stellen streichen

Es ist kein Geheimnis, dass die so genannten “freien” Medien zensiert werden. Entweder a) durch Selbstzensur, mit bestimmten Schubladen will man nicht assoziiert werden und schreibt deshalb nicht darüber (Stichworte Antisemitismus bei Israelkritik und Verschwörungsspinnerei bei Zweifeln an der offiziellen Version zu 9/11) oder durch b) Druck seitens der Werbepartner, ohne deren Gelder die “professionellen” Medien nicht überleben können oder durch c) Einmischung der Inhaber oder Chefredakteure des Mediums, denen bestimmte Beiträge ihrer Journalisten nicht passen.

Aus der Kategorie c) gab es bei der amerikanischen Zeitung “Santa Barbara News-Press” in letzter Zeit mehrere Fälle von Zensur.

So hatte Inhaberin Wendy McCaw einen Artikel gestrichen, der über die Festnahme des Chefredakteurs Travis Armstrong wegen Trunkenheit am Steuer berichtet hätte. Zusätzlich drohte sie allen Mitarbeitern den Rauswurf an, wenn sie Interna ausplaudern würden.
Bei welchen anderen Artikeln die Zeitungsspitze noch eingegriffen hatte, wird hier leider nicht geschrieben. Tatsache ist aber jedenfalls, dass die Mitarbeiter und Journalisten der Spitze “Einmischen in die Berichterstattung” und “das Färben der Nachrichten mit persönlichen Meinungen” vorwarfen. Im Verlauf des Konflikts mussten insgesamt neun Redakteure kündigen.

Daraufhin organisierten 25 der Mitarbeiter der Santa Barbara News-Press einen Protest und übergaben dem Management eine Liste mit Forderungen. Darunter die Wiedereinstellung der gefeuerten Redakteure, eine Wiedereinführung journalistischer Ethikgrundsätze, neue Vertragsverhandlungen und eine Anerkennung der zuständigen Gewerkschaft.

Fälle wie dieser werfen für mich einige Fragen auf. Wie viele Artikel werden noch zensiert ? Wie viele Redakteure wurden schon wegen der Ausübung der Pressefreiheit gefeuert ? Und vor Allem, wie viele Journalisten beugen sich lieber dem Willen der Zensurwütigen aus Angst davor ihren in diesen schlechten wirtschaftlichen Zeiten doch so wertvollen Arbeitsplatz zu verlieren ?

Und die Zeiten sind tatsächlicht schlecht für Journalisten. Die New York Times kündigte heute an, 250 Arbeitsplätze zu streichen, ihre Zeitung zu verkleinern und eine Druckfabrik in New Jersey zu schließen. Das sollte nicht verwundern. So sehr vor Allem die Bürger in Amerika auch mit Propaganda zugemüllt werden, haben sie doch den Wunsch nach der Wahrhheit. Die New York Times und vor Allem ihre Redakteurin Judith Miller hatte im Vorfeld des Irakkriegs reihenweise erlogene Artikel über Iraks angebliche Massenvernichtungswaffen geschrieben. Sowas rächt sich. Die Menschen wollen keine Lügen, keine Regierungspropaganda, sie wollen die Wahrheit. Und wenn es die Wahrheit umsonst im Internet gibt, verlieren die kostenpflichtigen Massenmedien zwangsläufig ihre Leser. Laut dem obig zitierten Artikel mussten übrigens auch schon die Washington Post und USA Today die Größe ihrer Zeitungen verkleinern.

Solange Zensur in den Massenmedien weiterhin vollzogen wird, braucht die Welt unabhängige Medien wie die Blogs, die von keinen Werbepartnern und egomanischen Chefredakteuren abhängig sind (und im Fall eures bescheidenen Bloggers hier auch keinen Wert auf Selbstzensur legen).

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 19. Juli 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Medien eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
Tags:

Kommentar von Ice am 19. Juli um 09:19 Uhr

Guter Artikel, nur dass du mal wieder eine deiner Lieblingswebseiten darstellst als wäre sie ein Wunder Gottes und hätte immer Recht ;)
Ich kann nur sagen, das ist bestimmt eine gute Quelle, aber ist das wirklich die einzige und vollkommene Wahrheit? Wer weiß vielleicht stecken, ja andere dubiose Regierungsinstitutionen hinter dieser Website und versuchen nur von noch viel größeren Schäden abzulenken :)

Kommentar von j.primzek am 19. Juli um 09:34 Uhr

Zur NYT.
Die veröffentlicht auf ihrer Seit zunehmend Videos und hat einige der geschriebenen Inhalte kostenpflichtig gemacht und einige Leute bezahlen ja dafür auch.

Mit den Videos geht sie mittelfristig sicherlich in Richtung integrierter Newskonzern.

Zu Judith Miller: Die Times hat 2mal lange Artikel dazu veröffentlich, wie es zum journalistischen Fehlverhalten in ihren Reihen kommen konnte.
Das habe ich bei noch keinem anderen Medium erlebt. Außerdem darf man nicht vergessen, daß Frau Miller sogar ins Gefängnis ging

Sie [die New York Times] hat recht offen zugegeben, sich zu sehr auf die Bush-Version verlassen zu haben.

Jetzt wird sie sogar von der Regierung angegriffen, weil sie ihrer Pflicht nachkommt, nach die Veröffentlichung des Abhör- und Bankenüberwachungsskandals, begann das weiße Haus eine wiedereinmal eine massive Einschüchterungskampagne. gegen die Presse.

Ich finde, das ist das eigentliche Thema:
Dei US-Regierung versucht so offensiv, wie keine andere, die Grundlagen einer modernen Demokratie auszuhebeln, nämlich die Pressefreiheit.

Zum Leserverlust:
Ich denke, viele Menschen werden weiterhin faz oder spiegel im Netz lesen. Den Spiegel, die Zeit und den Stern wird es auch weiterhin gedruckt geben.

Was langsam abstirbt sind die Lokalblätter, die regionalen Zeitungen verlieren an Lesern.

Kommentar von j.primzek am 19. Juli um 09:36 Uhr

Hi Moderator, könntest Du den doppelten Teil vor dem Link “ins Gefängnis” löschen?

Und der Zweite Teil bezieht sich auf die NYT, nicht auf Frau Miller.

Kommentar von Ice am 19. Juli um 13:05 Uhr

Gut so?

Kommentar von DaRockwilda am 19. Juli um 22:59 Uhr

@Frieder: Viele auf WRH gelinkten Artikel sind bestimmt nicht wahr. Aber egal um welches politisches (und dort behandeltes) Feld es geht, ich brauch nicht mehr als WRH um die Wahrheit zu erfahren. Dass es die Wahrheit ist findet man ja im Nachhinein heraus.

zB PNAC kenn ich erst seit WRH, und alles was da steht wird bestätigt wenn man sich dann näher mit PNAC beschäftigt.

Der Punkt ist, dass die Fehlerquote bei WRH bestimmt nicht höher ist als bei den MSM. Und es ist umsonst.

@Primzek:

Eben sie werden kostenpflichtig. Und um da die Leser halten zu können muss man zwangsläufig exklusive Inhalte haben, denn allein die Weiterreichung einer Presseerklärung oder Reutersmeldung bekommt man eben auch umsonst.

Zu Miller. Ja sie ging ins Gefängnis, aber nur um ihre Quelle zu schützen. Nicht weil Bush persönlich sie dazu verdammt hat oder so.

Und den Entschuldigungsartikel musst du mir mal zeigen. Im Übrigen hätte Millers Geschwafel jedes Mal vom Chefredakteur als Lüge entlarvt werden können, wenn er näher hingeschaut hätte. Das geschah aber offensichtlich nicht.

Kommentar von j.primzek am 20. Juli um 00:28 Uhr

@ frieder - danke
@ darockwilda:
Die NYT veröffentlicht einige Bloglinks, die den Miller und Jayson Blair Fall diskutieren:
http://www.nytimes.com/ref/pol.....ref=slogin

Ich glaube, die NYT hat zwar im Meldungsteil schon Reuters-Notizen gedruckt - ist ja auch ok - aber sonst oft exklusive Reports erledigt.

Sie hat hunderte Reporter, Praktikanten, Studenten etc. das können Blogs nie ersetzen.
Man müßte sich aus hunderten von Blogs die Meinung über die Welt zusammensuchen und das ist ziemlich schwer - nicht nur wegen der Sprache.

Die meisten Blogs schreiben sehr egozentrisch, d.h., sie meinen, der Leser kennt das Thema schon.
Die NYT ist aber journalistisch, d.h. jede Reportage klärt recht gut, um was es geht, die klassischen W-Fragen werden halt beantwortet.

Ich sehe die Zukunft der NYT nicht allzu düster. Im Gegenteil, wenn sie auf Videos setzt und den Anschluß nicht verpaßt, kann sie sehr stark werden.
Die Tagesshow der NYT, mein Gott, wie gerne würde ich das sehen.

Die NYT ist einfach eine starke Marke - es wird noch sehr lange ausreichend gebildete, finanzmäßig gut gepolsterte, liebral orientierte Menschen geben, die sie lesen wollen. Ob im Internet oder on Paper.

Viel düsterer sieht es ja für die Regionalzeitungen aus.
Hier wie in den USA.
Denen bricht momentan die Leserschaft weg.
Mal sehen, ob die im Netz überleben. In McPom sieht es z.B. beim Nordkurier oder der Schweriner Volkszeitung sehr düster aus. Der Leser altert seit Jahren und die Jugend kauft sie nicht, jedenfalls nicht ausreichend.

Kommentar von DaRockwilda am 20. Juli um 21:29 Uhr

@Primzek:

“Ich glaube, die NYT hat zwar im Meldungsteil schon Reuters-Notizen gedruckt - ist ja auch ok - aber sonst oft exklusive Reports erledigt”

Exklusive Reportagen wie die über die Wahlfälschungen 2004, über Aspartam/Tamiflu/Rummyflu oder auch über Bushs “signing statements”. Die Reportage über das enorme Außenhandelsdefizit und die damit verbunden Warnung endlich aufzuhören mit dem Geld ausgeben habe ich ganz vergessen.

Eigenen Kommentar verfassen:

Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar schreiben zu können.