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Meldung: Michael Ledeen gestorben, Verbindung mit Yellowcake-Skandal

Angeblich ist Michael Ledeen gestorben. UPDATE: Es handelt sich wohl doch nur um einen Witz. Erklärung in den Kommentaren. Trotzdem weiterlesen, Ledeen ist eine äußerst interessante Person.

Laut Wikipedia ist/war Ledeen 65 Jahre alt. Während nicht ausgeschlossen werden kann, dass Ledeen eines natürlichen Todes gestorben ist, wäre der Zeitpunkt seines Ablebens aber verdächtig.

Denn erst gestern wurde bekanntgegeben, dass 30 Nichtregierungsorganisationen aus dem Niger die USA verklagen wollen, weil diese im Vorfeld des Irakkrieges den Niger beschuldigt hätten, an Saddam Hussein illegal Uran verkauft zu haben. Diese Sache wurde unter dem Namen “Yellowcake” bekannt und gipfelte in Präsident Bushs Erwähnung dieser angeblichen Verbindung bei seiner Rede zur Lage der Nation im Jahre 2003.

Der Punkt ist jetzt, dass Ledeen im Verdacht steht, die “Beweise” gegen den Niger gefälscht zu haben. Eine Untersuchung des italienischen Parlaments nannte Ledeen, den iranischen Spion Ahmed Chalabi sowie Francis Brookes und Dewey Clarridge als Hauptverdächtige in dem Fall. Sie sollen die Yellowcake-Dokumente gefälscht und Bush zugespielt haben. Über die italienische Untersuchung schrieb zum Beispiel diese französische Zeitung, und auf WhatReallyHappened ist der Text ins Englische übersetzt zu lesen.

Sollte die Initiative aus dem Niger also Erfolg haben und sollte es zu einer genaueren Untersuchung des Ursprungs dieser Fälschungen kommen, dürfte das die Kriegstreiber gehörig in die Bredouille bringen.
Es können also zwei Dinge vermutet werden. Entweder täuscht Ledeen seinen Tod nur vor, um einer etwaigen Strafverfolgung zu entgehen. Oder ein Mittäter oder Mitwisser hat ihn aus dem Weg geräumt, weil er vielleicht ein Auspacken Ledeens befürchtete. Dieser Mittäter könnte vielleicht eine Person sein, die den Untersuchungen des italienischen Parlaments gar nicht aufgefallen war, von dessen Komplizenschaft Ledeen aber wusste.

So richtet sich der Verdacht auf eine ganze Menge von Personen, die zu den Kriegstreibern gehörten und gehören. Besonders ein Mann rückt ins Blickfeld, Präsident Bushs Chefberater Karl Rove. Dieser wird von US-Kommentatoren regelmäßig als der oberste “dirty trickster” aus dem Bushteam bezeichnet. Auf ihn fiel auch schon der Verdacht in dem “Selbstmord” eines Anwaltes, der Rove des Verrates im Falle Valerie Plame bezichtigte.

Ledeen selbst war/ist einer der prominentesten NeoCons.

Zunächst einmal wäre da seine “Ausbildung”. Ledeen beschäftigte sich während seiner akademischen Karriere intensiv mit Benito Mussolini und dem Faschismus im Allgemeinen. Seine Doktorarbeit schrieb er über den “Internationalen Faschismus”. Spätere Äußerungen von ihm werden zeigen, dass er faschistische Vorgehensweisen nicht gerade ablehnte.
Als nächstes arbeitete Ledeen für den italienischen Geheimdienst SISMI und soll Verbindungen zur italienischen Geheimloge P2 gehabt haben. Bei SISMI soll er in den False-Flag Terrorklassiker Operation Gladio verwickelt gewesen sein, bei der eine Geheimarmee der NATO “kommunistischen Terror” inszenierte.

Als nächstes stand dann der Iran-Contra-Skandal an, in den Ledeen als Mittelsmann tief verwickelt war.

Neben seiner aktiven Herbeiführung des Irakkriegs durch die Fälschung der Yellowcake-Dokumente betätigte sich Ledeen auch extensiv mit dem Aufstacheln der US-Öffentlichkeit durch Kollumnen, die getrost als Propaganda bezeichnet werden können. Ob er sich da von seinen faschistischen Idolen hat beeinflussen lassen?

Vor der Invasion jedenfalls proklamierte Ledeen den Mythos vom Terrorhelfer Irak, um Saddam mit 9/11 in Verbindung zu bringen:


“(Der Irak) hat anti-amerikanische Terroristen in den USA und in anderen Ländern geholfen.”



Im gleichen Fernsehauftritt antwortete er auch auf die Frage des Moderators, wann der Krieg denn beginnen sollte, “gestern”.

Ledeen attackierte außerdem Stimmen wie die des ehemaligen Sicherheitsberaters Brent Scowcroft, der eine vorsichtigere Strategie anmahnte und sich nicht auf die Propaganda der Kriegstreiber einließ:


“(Scowcroft) scheint nicht zu realisieren, dass Saddam aktiv die Al-Kaida, Abu Nidal und die Hisbollah unterstützt.

(Scowcroft) fürchtet, dass im Falle eines Angriffes der USA auf den Irak ‘der Nahe Osten explodieren könnte. Es könnte die gesamte Region in einen Hexenkessel verwandeln und dem Krieg gegen den Terror schaden’.

Man kann nur hoffen, dass wir die Region in einen Hexenkessel verwandeln, und bitte so schnell wie möglich. Wenn es jemals eine Region gab, die ein einen Hexenkessel verwandelt werden sollte, dann der heutige Nahe Osten.”



Natürlich hatte Scowcroft Recht und Ledeen Unrecht. Warum auch sollte sich jemand um einen explodierenden Nahen Osten kümmern, der sich nicht einmal um die zu erwartenden amerikanischen, geschweige denn irakischen Kriegsopfer schert:



“(…) Wie verhält es sich denn mit der Akzeptanz innerhalb der USA wenn es um Opfer geht, nicht nur auf der Seite der USA, sondern auch auf der irakischen Seite (…)?

Ledeen: ‘Ich denke die Zahl der Opfer ist zweitrangig. Ich meine, es hört sich vielleicht komisch an, aber all die großartigen Gelehrten, die den amerikanischen Charakter studiert haben, sind zu dem Schluss gekommen, dass wir ein Volk des Krieges sind und und Krieg mögen.”



Und während Scowcroft noch etwas von angemessener Außenpolitik versteht, ist Ledeen ein (faschistischer?) Aggressionsbefürworter von der Subtilheit eines Klassenrambos. Man höre sich sein “Ledeen Doktrin” an, beschrieben durch seinen Fan Jonah Goldberg:



“Alle zehn Jahre oder so müssen die USA irgendein kleines blödes Land nehmen und gegen die Wand schmeißen, nur um der Welt zu zeigen dass wir es ernst meinen.”



Bei so viel Intelligenz verwundert es natürlich nicht, wenn man diese kreative Idee von Ledeen liest:



“Nehmt mal für einen Augenblick an, dass die Deutschen und die Franzosen (mit ihrer Weigerung, im Irakkrieg mitzumachen)uns nicht einfach so den Rücken kehren, sondern mit Absicht, und dass sie einen langfristigen Plan haben. Dann macht die Augen wieder auf und schaut, ob es Hinweise für solch einen Plan gibt.

Die (Europäer) fürchten die Entstehung eines amerikansichen Imperiums (nach dem Kalten Krieg), und so suchten sie nach einem Weg, es zu zerstören.

Die französisch-deutsche Strategie würde darauf basieren, dass sie arabischen und islamischen Extremismus und Terrorismus als ihre Waffen wählen, und die Vereinten Nationen als eine Zwangsjacke, mit der eine entschiedene Reaktion der USA verhindert werden sollte.”


Zu guter Letzt Ledeens Glorifizierung des feuchten Traums jedes Faschisten und der Rüstungsindustrie, dem totalen Krieg:



“Wandel - und vor Allem gewaltsamer Wandel - ist die Essenz der menschlichen Geschichte. (…) Totaler Krieg ist der einzige Weg, um Frieden zu erreichen.”



Und trotz oder gerade wegen dieser politischen Haltungen war Ledeen so Etwas wie der Chefidiologe der NeoCons um PNAC und Präsident Bush:


“Die meisten Amerikaner haben nie von Michael Ledeen gehört, aber wenn die USA sich in einem langwierigen Krieg im gesamten Nahen Osten befinden werden, dann wird dies vor Allem wegen (Ledeens) Inspiration sein.”



Besonders “Bushs Gehirn”, sein Chefberater Karl Rove, muss von Ledeen angetan gewesen sein:


“Als die Washington Post eine Liste mit Leuten veröffentlichte, die Karl Rove regelmäßig außerhalb des Kabinetts für Ratschläge konsultiert, waren Veteranen der Außenpolitik geschockt, als Michael Ledeen sich als der einzige Vollzeitberater für internationale Beziehungen entpuppte.

‘Die beiden trafen sich nach Bushs Wahl’ schreibt die Post begeistert, und zitiert Ledeen, laut dem Rove ihm gesagt hatte ‘jedesmal wenn du eine gute Idee hast, sag mir Bescheid’. ‘Mehr als einmal kam es vor dass Ledeens Ideen, die er Rove faxte, offizielle Politik oder Rhetorik wurden’”



Leider fehlt mir der Optimismus um anzunehmen, dass es Rove und Co nicht hinbekommen (sollte die Meldung stimmen), einen ähnlich gefährlichen neuen Chefideologen zu finden. Nicht dass es ihnen selbst an Ideen mangeln würde, die Welt ins Unglück zu stürzen.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Montag, den 15. Januar 2007 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Krieg, Militär, Terrorismus eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von DaRockwilda am 15. Januar um 03:44 Uhr

UPDATE:

Der Tod Ledeens scheint ein Witz zu sein. Ledeen hatte wiederholt behauptet, dass der iranische Ayatollah Khomeini gestorben sei und stellte sich auch bei Gegenbeweisen von Form von Videos stur. Und vor zwei Tagen schrieb Ledeen wieder über den Tod irgendeines Schauspielers oder so.

Diese Todesmeldung für Ledeen soll also wohl sowas wie die humoristische Antwort darstellen.

Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass Ledeens Rolle vor dem Irakkrieg genauer beleuchtet werden sollte und der Idee vom “totalen Krieg” das Handwerk gelegt gehört. Und auch so dürfte interessant sein, wie sich die Klage aus dem Niger entwickelt.

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