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USA: Gonzales will "Gerüchte und erzwungene Geständnisse" vor Militärgerichten zulassen

Der Generalbundesanwalt der Vereinigten Staaten (in den USA wird der de facto-Justizminister so genannt) Alberto Gonzalez beweist sich weiter als eines der verfassungsfeindlichsten Subjekte innerhalb der Bushregierung.

Er steht maßgeblich hinter dem Versuch der Regierung, die von ihr begangenen Kriegsverbrechen nicht mehr unter Strafe zu stellen und so praktisch die Genfer Konventionen aufzukündigen.

In einem bereits am 3. August veröffentlichten Artikel von Anne Plummer Flaherty in der Washington Post steht, wie Gonzalez das amerikanische Rechtssystem weiter pervertieren will.

Bei Verhandlungen gegen Kriegsgefangene ist der Rechtsrahmen der so genannte “Uniform Code Of Military Justice (UCMJ)” (Einheitlicher Kodex der militärischen Rechtssprechung).

Gonzalez will den Rechtsrahmen des UCMJ ausweiten und den Militärgerichten einige höchst bedenkliche Rechte gegenüber Gefangenen wie denen auf Guantanamo hinzufügen.

Erlaubt soll es den Gerichten zukünftig sein, dem Angeklagten Beweise gegen ihn vorzuenthalten. Als Beweise sollen zudem künftig auch “Gerüchte” (”hearsay”) und “erzwungene Geständnisse” wie die unter Folter erpressten vor Gericht verwertbar sein, wenn sie von einem Richter als “zuverlässig” eingestuft würden.

Während der Senatsanhörungen zu der Reform der Militärgerichte bestätigte zudem Steven Bradbury, der oberste Rechtsberater des Justizministeriums, dass die Regierung dem Verteidigungsminister die Hoheit darüber geben will, zu bestimmen welche Verbrechen ein Militärgericht verurteilen kann.

Schon im August 2002, damals noch unter Generalbundesanwalt John Ashcroft, verglich der Geheimdienstexperte James Bamford auf die Parallelen mit Franz Kafkas Geschichte “Der Prozess“.
Diesee Parallelen wird durch die neuen Forderungen von Gonzalez noch sichtbarer. Dem in Kafkas Geschichte angeklagte Josef K. wird nicht gesagt, warum er verhaftet wird. Sollten tatsächlich bald dem Angeklagten die Beweise gegen ihn vorenthalten werden können, kommt das der Verurteilung von Josef K. schon bedenklich nahe.

Die mögliche Verwendung von unter Folter erzwungenen Geständnissen (für die auch der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble bekanntlich plädiert hat) wären ein weiterer Nagel im Sarg des Bildes vom vorbildlichen Amerika. Es wäre (und Deutschland auch nicht, wenn sich Schäuble durchsetzt) nicht mehr von Diktaturen wie Nordkorea oder Saudi-Arabien zu unterscheiden.

Die Idee, “Gerüchte” vor Gericht als Beweise zu verwenden, schließlich ist die Krönung des Gonzales zum GeStaPo-Ehrenmitglied. Falls jemand in Geschichte nicht aufgepasst hat, auf der Grundlage von Gerüchten wurden im Mittelalter zigtausende angebliche Hexen getötet. Selbst der heilige Nelson Mandela hat die Tötung von “mehreren hundert Hexen” zu verantworten.

Falls tatsächlich bald all die gefangengenommenen “Terroristen”, von denen man bislang praktisch keinen einzigen Verurteilen konnte, durch “Gerüchte” schuldig gesprochen werden können, dann hätte sich natürlich für Bush und seine Folterbande das Problem Guantanamo gelöst.

Denn dank dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten ist die außerjuristische Festhaltung von Gefangenen wie auf Guantanamo nicht rechtens. Würden der Kongress also nicht Komplize der Regierung sein, würde er anstatt sich Gonzalez Träume von Willkürjustiz anzuhören, die sofortige Schließung des Gefangenenlagers auf Kuba fordern.

Falls ein Leser sich fragt, inwiefern ihn das als Deutscher betreffen sollte, nun der Fall des entführten Deutschen El-Masri hat gezeigt, dass Deutsche vor dem willkürlichen amerikanischen Folterapparat nicht sicher sind.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Dienstag, den 15. August 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von Levi R. Goldstein am 16. August um 09:21 Uhr

Erst mal nett, überhaupt über euere Seite zu stolpern, Gerhard sei Dank. Dann:
Ist doch einfach nur Amerikanische Tradition, Rechte Anderer den eigenen Bedürfnissen unterzuordnen - und dazu gehört natürlich zuallererst, keine internationalen Konventionen verbindlich in das eigene Rechtssystem zu integrieren und diese also auch nicht zu achten. Die Rechte des Individuums den Rechten der “Gemeinschaft” unterzuordnen. Dem höheren Ziel alle anderen Rechtsgüter zu opfern. Dem höheren Ziel natürlich auch die eigenen Bürger zu opfern.
Klingt bekannt? Nennt sich Faschismus.

nebenbei:
wer sich in Geschichte auskennt… Die Hexenprozesse fanden gerade nicht im eher moderaten Mittelalter statt, sondern in der schönen Zeit der Renaissance, das Aufblühen des Geistes und so, als totalitäre Systeme (hier wars die Kirche) das erste Mal kalte Füsse bekamen und grössere gesellschaftliche Umwälzungen begannen. Kommt einem doch auch wieder bekannt vor, nur dass diesmal der Papst US-Präsident ist.

Kommentar von DaRockwilda am 16. August um 10:00 Uhr

Man bedenke auch Kyoto.

Ich würde die aktuelle Administration schon noch hervorheben, die vorigen hatten wenigstens noch den Anstant, so zu tun als würden sie den War Crimes Act respektieren. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.

Kommentar von Chicken on fire am 9. Mai um 09:10 Uhr

na ihr proconsuls ? alles fit…..

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