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USA: Debatte um muslimischen Kongressabgeordneten, der angeblich auf Koran schwören will

In schrieb bereits hier über rechte Radiomoderatoren in den USA, die eine extrem antiislamische und totalitäre Meinung unters nichtsahnende US-Volk bringen.

Ein ähnlicher Fall spielte sich vor kurzem ab. Es ging um den Demokraten Keith Ellison, der ab Januar der erste muslimische Kongressabgeordnete in der Geschichte der USA sein wird. Ellison musste sich bereits offener antiislamischer Anfeindungen aus den Massenmedien erwehren. So forderte Glenn Beck auf CNN von Ellison:



“Nachdem das gesagt wurde, Sie sind ein Demokrat. Sie sagen ‘lasst uns aus dem Irak verschwinden’. Und ich muss Ihnen sagen, Ich war nervös wegen des Interviews mit Ihnen, denn ich muss Ihnen einfach sagen: ‘Sir, beweisen Sie mir dass Sie nicht mit unseren Gegnern zusammen arbeiten’.

Und ich weiß dass Sie das nicht tun. Ich verdächtige Sie nicht, ein Feind zu sein, aber so fühle ich mich, und ich denke vielen Amerikanern wird es so gehen.”



Nun kommt Radiomoderator Dennis Prager daher und stimmt seine Zuhörer auf die islamische Gefahr ein. Angeblich hatte der (bald-)Abgeordnete Ellis gesagt, er wolle bei seiner Amtseinführungszeremonie nicht auf die Bibel, sondern auf den Koran schwören. Ob Ellis dies tatsächlich gesagt hat ist nicht sicher. Dieser AOL-Bericht konnte von Ellis keine Aussage zu der Sache bekommen, und außerdem wird bei der Amtseinführung im Abgeordnetenhaus (in das Ellis gewählt wurde) anscheinend sowieso nicht auf ein religiöses Buch geschwört.

Dagegen stellen manche Abgeordnete die Zeremonie noch einmal für Fotogelegenheiten nach, und manche von ihnen legen dabei die Hand auf eine Bibel. Es kann natürlich sein dass Ellis den Koran für solch eine Fotogelegenheit benutzen will.

Nun aber zu Pragers Reaktion auf die Sache:


“Man sollte es ihm nicht erlauben, (…) weil diese Handlung die amerikanische Zivilisation unterminiert.”



Prager vergleicht Ellisons angebliche Entscheidung dann damit, “wenn ein Rassist bei seiner Amtseinführung auf Mein Kampf schwören wollte”. Moslems sind die neuen Nazis, so hört und liest man immer deutlicher zwischen den Zeilen solcher Hetzer. Prager deutete damit schon an, dass die USA für ihn durch und durch christlich zu sein haben, und hiermit bestätigt er es:


“Denn Mr. Ellison, die USA und nicht Sie entscheiden, auf welches Buch seine Amtsträger schwören. (…) das die USA als ihr heiligstes Buch betrachten.”



Prager wünscht sich die USA also als einen christlichen Gottesstaat. Leider macht ihm da seine eigene Verfassung einen Strich durch die Rechnung (Artikel 6 Absatz 3):


“Die erwähnten Senatoren und (Mitglieder des)Abgeordneten(-hauses) sowie die Mitglieder der diversen Bundesstaatsparlamente, und alle Beamte der Exekutive und der Judikative, sowohl der Vereinigten Staaten als auch der einzelnen Bundesstaaten, sollen durch einen Eid oder eine eidesstattlichen Erklärung dazu verpflichtet werden, diese Verfassung zu unterstützen. Aber niemals soll eine religiöse Prüfung Vorraussetzung für irgendein öffentliches Amt in den Vereinigten Staaten sein.”



Das bedeutet also, dass man Ellis selbst dann nicht zu einem Schwur auf die Bibel zwingen könnte, wenn alle anderen Abgeordneten diesen leisten würden. Somit steht es Ellis völlig frei, auf den Koran zu schwören, solange er auch auf die Verfassung schwört.

Die Verfassung hat die USA nicht zu einem christlichen Gottesstaat gemacht, auch wenn die heute dort lebenden fundamentalistischen pseudo-Christen von dem Gedanken feuchte Träume bekommen. Nun noch ein paar aussagekräftige Sätze aus Pragers Extremistenpapier:


“Durch die gesamte Geschichte der USA hindurch haben Juden, die in öffentliche Ämter gewählt wurden, ihren Eid auf die Bibel geleistet.”



Hier kennt Pranger seine eigene Geschichte schlecht. Denn Linda Lingle schwörte bei ihrer Amtseinführung als Gouverneurin von Hawaii auf eine jüdische Bibel. Und laut diesem Blog der “Jewesses with Attitude” legte die Gouverneurin von Vermont, Madeleine Kunin, bei ihrer Amtseinführung im Jahre 1985 “ihre linke Hand auf einen Stapel alter Gebetsbücher (…), was ein Ausdruck der Bedeutung jüdischer Geschichte darstellte”.
So wie diese Jüdinnen das Recht darauf hatten, auf “ihr” heiliges Buch zu schwören, so hat auch Ellison das Recht dazu, auf den Koran zu schwören.



“Das wichtigste Ziel… der Islamisten… ist die Islamifizierung (Islamicization) der USA.

Wenn es Keith Ellison erlaubt wird (auf den Koran zu schwören), dann wird er der Einheit der USA und deren Wertesystem mehr Schaden zufügen als die Terroristen von 9/11.”



Die “Einheit der USA” gibt es nur in den Träumen der “neuen Faschisten” um Bush, Cheney, Rumsfeld und Co, so wie jeder totalitäre Staat eine Gleichschaltung braucht. Das “Wertesystem der USA” ist nicht ein Wertesystem der Intoleranz oder der gelebten Christenheit, sondern ein Wertesystem, das (so war es zumindest gedacht) auch Juden, Moslems und all den Andersgläubigen erlaubt, ihren Glauben auszuleben.

DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 27. Dezember 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von sm am 27. Dezember um 15:52 Uhr

du hast einmal “pranger” statt “prager” geschrieben.

Kommentar von sardaro am 18. Mai um 02:04 Uhr

Ich weiß der Beitrag ist etwas älter…

Der Haupvorwurf an Keith Ellison ist der, das er als Jugendlicher mit der Nation of Islam bzw. mit Louis Farrakhan (Führer der NOI) sympathisierte. Und Louis Farrakhan ist für die meisten weißen Amerikaner nun mal ein “Antisemit”, nur weil er die israelische Besatzungsmacht kritisiert..

Kommentar von DaRockwilda am 18. Mai um 02:59 Uhr

“Und Louis Farrakhan ist für die meisten weißen Amerikaner nun mal ein “Antisemit”, nur weil er die israelische Besatzungsmacht kritisiert..”

Na jedenfalls nichts Ernstzunehmendes, was man Ellison vorwerfen könnte.

Und mein Gott ein Großteil der NeoCons sympathisierte früher mit Marxisten und so weiter, das juckt den weißen Amerikaner auch nicht Besonders.

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