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Chavez nennt Bush "Den Teufel" - und 41% der Besucher der Newsweek-Seite geben ihm Recht !

Nachdem der Präsident Venezuelas Hugo Chavez bei einer Rede vor der UN-Vollversammlung den Präsidenten der USA George Bush “den Teufel” nannte, schalteten die deutschen Massenmedien auf Autopilot: Wenn man die Nachricht an sich nur schwer angreifen kann, dann wird eben der Nachrichtenübermittler angegriffen.

Anstatt auf die Rede von Chavez einzugehen, die diabolische Qualität der Politik Bushs zu erörtern wird der Redner diskreditiert. So muss man nicht zugeben, dass Bushs Politik tatsächlich in höchstem Maße der Menschheit Leid zufügend ist.

Die Welt bzw. ihr Mitarbeiter Wieland Freud beispielsweise versucht es erstmal mit “schuldig durch Assoziation”. Sie vergleicht Chavez’ anklagende Rede (bei der er ein Buch von Noam Chomsky dabei hatte, aber dazu mehr) mit ähnlich Aufsehen erregenden Auftritten vor der UNO von Nikita Chruschtschow und Jassir Arafat, die staat eines Buches ihren Schuh bzw. eine Pistole dabeihatten. “Hugo Chavez ist in schlechter Gesellschaft” urteilt also die Welt, als könnte dies seine Aussage in irgendeiner Form unwahr machen.

Nun also zum angesprochenen Buch. Chavez hatte eine Exemplar von Noam Chomskys “Hybris - Die endgültige Sicherung der globalen Vormachtstellung der USA” dabei und empfahl es seiner Zuhörerschaft. Die Welt nun, anstatt die Aussagen aus dem Buch zu widerlegen, nennt Chomsky einen “Fundamentaloppositionellen” und seine Werke “Streitschriften”.

Wenn die Welt tatsächlich investigativen Journalismus betrieben würde, könnte sie ihre Leser mit der Tatsache beglücken, dass eben diese von Chomsky beschriebene “Sicherung der globalen Vormachtstellung der USA” tatsächlich das erklärte Ziel des “Projekts für das neue amerikanische Jahrhundert (PNAC)” ist, dem die halbe Bushadministration angehört.

Den Vogel aber schießt die Welt ab, als sie urteilt: “Die demokratische Gesinnung von Chavez darf man getrost bezweifeln”. Hier macht sich die Welt zu Nutze, dass die meisten Deutschen nicht wirklich über Hugo Chavez oder Venezuela Bescheid wissen. Ich empfehle jedem den von der BBC und Arte sowie dem irischen, niederländischen und finnischen Fernsehen produzierten Dokumentarfilm “Chavez – Ein Staatsstreich von innen” (engl.: “The revolution will not be televised”). Im Film wurde festgehalten, wie Chavez einen von venezolanischen Unternehmen und der Regierung der USA unterstützten Putschversuch übersteht und vor Allem durch die Unterstützung durch das Volk wieder zurück ins Amt kommt.

Diese Reaktion der Massenmedien war auch in den USA nicht anders. Und angesichts der Tatsache, dass die anti-venezolanische Propaganda (wie auch die anti-kubanische) in den USA sehr viel größere Außmaße annimmt als in Deutschland, hat mich das Ergebnis einer Umfrage zum Thema doch überrascht. Die Zeitschrift Newsweek fragt auf ihrer Internetseite, ob Chavez’ “Teufel”-Aussage richtig oder falsch sei. Und bei über 45.000 abgegebenen Stimmen sind immerhin 41% der Teilnehmer der Meinung, die Aussage von Chavez sei richtig ! Wo ja bei all den fanatischen Christen der Begriff Teufel besonders abgelehnt werden müsste.

Newsweek Poll

Wenn man sich nun vorstellt, Chavez hätte von so einer Bezeichnung abgesehen und “nur” gesagt, Bush sei an einem Großteil des Elends der Welt schuld, dann hätten ihm theoretisch über die Hälfte der Befragten Recht geben können. Angesichts dieser Werte schlage ich für kandidierende Politiker nicht nur in den USA vor, Bush und seine Politik noch heftiger zu kritisieren.

Schlussendlich ist es aber trotzdem schade zu sehen, wie die deutschen Bürger durch ihre Massenmedien nur unzureichend über wichtige Ereignisse informiert werden.
Denn Chavez’ Rede war voller wahren Worte. Im Folgenden einige Auszüge:



Die Rede des Welttyrannpräsidenten ist voller Zynismus, voller Heuchelei; es ist die imperiale Heuchelei, der Versuch, alles zu kontrollieren. Sie wollen uns das demokratische Modell aufzwingen, wie sie es verstehen: die falsche Demokratie der Eliten. Und außerdem ein sehr originelles demokratisches Modell: Durchgesetzt mit Bomben, mit Bombenangriffen und durch Invasionen und Kanonenschüsse! Was für eine Demokratie!

Gestern sagt der Präsident der Vereinigten Staaten in diesem selben Saal das Folgende: ”Wohin Sie auch sehen, hören Sie Extremisten, die Ihnen sagen, dass man durch Gewalt, Terror und Märtyrertum dem Elend entfliehen und die Würde zurückgewinnen kann”. Wo auch immer er hinblickt, sieht er Extremisten!
Überall sehen die Imperialisten Extremisten. Nein, wir sind keine Extremisten; was passiert ist, dass die Welt erwacht und überall wir, die Völker, uns erheben.
Ja, sie nennen uns Extremisten, wir erheben uns gegen das Imperium, wir erheben uns gegen das Herrschaftsmodell.

Danach sagte der Herr Präsident Ihnen: ”Heute möchte ich direkt zu den Bevölkerungen des Mittleren Ostens sprechen, mein Land wünscht den Frieden…” Das stimmt. Wenn wir durch die Straßen der Bronx gehen, wenn wir durch die Straßen von New York, Washington, San Diego, Kalifornien, irgendeiner Stadt, San Antonio, San Francisco gehen und die Menschen auf der Straße fragen, die Bürger der Vereinigten Staaten, dann will dieses Land den Frieden. Der Unterschied ist, dass die Regierung dieses Landes, der Vereinigten Staaten, nicht den Frieden will, sie will uns durch Krieg ihr Modell der Ausbeutung und Ausplünderung und ihre Hegemonie aufzwingen. Das ist der kleine Unterschied. Sie will den Frieden, und was passiert im Irak?
Was ist im Libanon und in Palästina passiert?
Was ist in 100 Jahren in Lateinamerika und weltweit passiert? Und nun die Drohungen gegen Venezuela, neue Drohungen gegen Venezuela, neue Drohungen gegen den Iran.

Schließlich kam der Präsident der Vereinigten Staaten, um zu den Völkern zu sprechen; er sprach zum Volk Afghanistans, zum Volk des Libanon: ”Dem Volk des Iran sage ich… Dem Volk des Libanon sage ich… Dem Volk Afghanistans sage ich…” Gut, man fragt sich: so wie der Präsident der Vereinigten Staaten diesen Völkern sagt ”Ich sage ihnen…”, was würden ihm diese Völker sagen, wenn diese Völker reden könnten. Was würden sie ihm sagen? Ich werde es aufgreifen, denn ich kenne den größten Teil der Seele dieser Völker, der Völker des Südens, der angegriffenen Völker. Sie würden sagen: ”Yankee-Imperium go home!” Das wäre der Schrei, der überall ertönen würde, wenn die Völker der Welt mit einer einzigen Stimme zum Imperium der Vereinigten Staaten sprechen könnten.

Die Präsidentin Michelle Bachelet hat vor einigen Tagen - Entschuldigung, vor einigen Minuten - an die schreckliche Ermordung des früheren chilenischen Außenministers Orlando Letelier erinnert. Ich möchte nur das Folgende hinzufügen: die Schuldigen sind frei und die Schuldigen jenes Ereignisses, bei dem auch eine Bürgerin der Vereinigten Staaten starb, sind Nordamerikaner von der CIA, Terroristen der CIA. Aber es muss auch in diesem Saal daran erinnert werden, dass sich in wenigen Tagen auch die schreckliche terroristische Tat der Sprengung des kubanischen Flugzeugs zum 30. Mal jährt, bei der 73 Unschuldige starben, ein Flugzeug der Cubana de Aviación. Und wo ist der größte Terrorist dieses Kontinents, der die Verantwortung für die Sprengung des kubanischen Flugzeugs als geistiger Urheber übernommen hat? Er war in Venezuela einige Jahre lang gefangen, er floh mit der Hilfe von Beamten der CIA und der damaligen venezolanischen Regierung. Er lebt hier in den Vereinigten Staaten, geschützt von dieser Regierung, er war gefangen und geständig. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ein doppeltes Gesicht und beschützt den Terrorismus.

Ich habe von dem kubanischen Flugzeug gesprochen. Der Terrorist heißt Luis Posada Carriles, er wird hier beschützt. Geschützt werden hier die großen Korrupten, die aus Venezuela geflohen sind; eine Gruppe von Terroristen, die dort Bomben in den Botschaften mehrerer Länder gelegt haben, die dort während des Staatsstreichs Menschen ermordet haben, die diesen bescheidenen Diener entführten und ihn erschießen wollten, nur dass Gott und eine Gruppe guter Soldaten und ein Volk, das auf die Straße gingen, ihre Hand erhoben haben. Durch ein Wunder bin ich hier. Sie sind hier, die Führer dieses Staatsstreichs und dieser terroristischen Akte, beschützt von der Regierung der Vereinigten Staaten.

Das System der Vereinten Nationen, das nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde - akzeptieren wir es ehrlich - ist zusammengebrochen, hat sich aufgelöst. Es taugt nicht! Es taugt, um hierher zu kommen und Reden zu halten, um uns einmal im Jahr zu sehen, ja, dafür taugt es. Und um sehr lange Dokumente zu machen und gute Reflexionen und gute Reden zu hören wie gestern die von Evo, wie die von Lula und viele Reden, die wir jetzt gerade gehört haben, des Präsidenten von Sri Lanka und die der Präsidentin von Chile. Ja, dafür taugt es. Aber sie haben uns diese Versammlung in ein rein beratendes Gremium verwandelt, nur beratend, ohne irgendeine Art von Macht, um auch nur auf die geringste Weise der schrecklichen Realität entgegenzutreten, die die Welt erlebt.

Erstens, die Ausweitung - gestern sagte Lula dasselbe - des Sicherheitsrates, sowohl in seinen ständigen wie in seinen nicht ständigen Bestandteilen, damit neue entwickelte und unterentwickelte Länder hereinkommen, die Dritte Welt, als neue ständige Mitglieder.

Drittens, das erscheint uns grundlegend, die sofortige Abschaffung - und das ist eine Forderung aller - dieses antidemokratischen Mechanismus des Vetos, des Vetos bei den Entscheidungen des Sicherheitsrates. Nur ein jüngstes Beispiel: Das unmoralische Veto der Regierung der Vereinigten Staaten erlaubte es den israelischen Truppen, frei den Libanon zu zerstören, indem sie ganz offen, vor unser aller Augen, eine Resolution im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhinderte. Und Viertens, notwendig ist - das sagen wir immer - die Rolle, die Befugnisse des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zu stärken. Gestern hat uns der Generalsekretär eine Rede gehalten, praktisch sein Abschied, und er erkannte an, dass in diesen zehn Jahren die Welt komplizierter geworden ist und dass die schweren Probleme der Welt, der Hunger, das Elend, die Gewalt, die Verletzung der Menschenrechte, sich verschlimmert haben. Das ist die schreckliche Konsequenz des Zusammenbruchs des Systems der Vereinten Nationen und der nordamerikanischen imperialistischen Ansprüche.
Ich glaube, wir müssen die Vereinten Nationen in einem anderen Land unterbringen, in einer Stadt des Südens, haben wir aus Venezuela vorgeschlagen. Sie wissen, dass mein persönlicher Arzt eingeschlossen im Flugzeug bleiben musste: sie haben ihm nicht erlaubt, zu den Vereinten Nationen zu kommen. Ein weiterer Mißbrauch und Angriff, Frau Präsidentin, den wir aus Venezuela beantragen als einen - sogar persönlichen - Angriff des Teufels zu registrieren.

Denn neben den Drohungen, den Bomben, den Kriegen, den Aggressionen, dem Präventivkrieg, der Zerstörung ganzer Völker, kann man spüren, dass sich eine neue Ära erhebt, wie es Silvio Rodríguez singt: ”Die Ära gebärt ein Herz”. Es erheben sich alternative Strömungen, alternative Ideen, alternative Bewegungen, Jugendliche mit anderen Ideen.



DaRockwilda
Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 29. September 2006 von DaRockwilda geschrieben und in die Kategorie Internationale Politik eingeordnet. Du kannst alle Kommentare zu diesem Artikel mit dem RSS 2.0 Feed beobachten. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder durch einen Trackback auf diesen Artikel verlinken.
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Kommentar von peter s. am 29. September um 21:36 Uhr

es läßt wieder hoffnung aufkommen für alle unterdrückten dieser erde !

die medien berichtetn nicht von dieser un-rede und auch nicht vom treffen der blockfreien in cuba - seltsames verständnis von den deutschen medien, wenn es um wahrhaftigkeit geht.

etwas anderes ist es, wenn ein sogenannter oppositioneler-der von den eliten dieser erde(der sogenannten zivilisierten welt) unterstützt wurde - mal einen furz läßt.
seitenlanges palaver ist ihm gewiß !

cih hoffe weiter auf veränderung in dieser unserer welt - und chavez ist eine kleine hoffnung. (auch für uns !)

Kommentar von C.-H. Frohwein am 1. Oktober um 04:59 Uhr

Es ist nur allzuwahr was Chaves der Bushklicke im Grossen und Ganzen vorwirft.Leider ist der überwiegende Teil unserer Presse nicht kritisch genug gegenüber der amerik.Politik.Warum? Als sogenante Freunde scheren sie sich doch einen Dreck um unsere Meinung.Man kann nur hoffen,dass sie sich weltweit immer wieder -blutige Nasen- und Niederlagen holen ,bis sie eines Tages zur Vernunft kommen,leider haben wir uneinigen Europäer nur begrenzte Möglichkeiten gegen die Kriegstreiber mit Ihrer kranken Mission,die sie wie ich meine allerdings nur vorgeben,in Wirklichkeit geht es nur um Ausbeutung,Unterwerfung,was sollten sie sonst auch mit Ihrer Riesenarmee anstellen? Obwohl die Führungsschicht gleich welcher Partei dort -fast-gleichgestrickt ist,kann man nur hoffen ,dass eines Tages wieder eine gemässigte Führung an die Macht kommt.Im Moment finde ich es unerträglich wie weiterhin gelogen wird und das Recht verbogen wird ,die eigene Bevölkerung für dumm verkauft wird,alles unter den Augen der anscheinend hilflosen Welt.Armes Amerika,wache auf bevor es zu spät ist.

Kommentar von josef primzek am 1. Oktober um 20:50 Uhr

@darockwilda, danke fürs Posten der Rede.

@frohwein
Wenn es den USA nur um Ausbeutung oder Unterdrückung ginge, mit ihrer Riesenarmee, würden sie doch in Venezuela einmarschieren.
Außerdem kann man gegen die Geld- und Wirtschaftseliten eines jeden Landes nicht anregieren, das schafft ja auch Präsident Lula in Brasilien nicht.

Es ist also demnach geschickter, sich eine Lobby für seine politischen Ziele zu suchen oder sie anderswo herauszubrechen.
Mit anderen Worten, gegen Armut hilft nur ein Wirtschaftszweig, der an der Abschaffung der Armut interessiert ist.
(So, wie Microsoft z.B. interessiert ist, daß sich Windows verbreitet und es deshalb Schulen mit PCs ausstattet.)

Nicht schön, nicht ideal, aber funktioniert halbwegs

Kommentar von DaRockwilda am 2. Oktober um 11:33 Uhr

@Jpsef Primzek:

Den Dank gebe ich gerne an das Saar-Echo weiter, das wohl als einzigste deutsche Zeitung so weit gedacht hat.

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