Wohin teilweise die deutschen Zahlungen an Holocaustopfer gehen
Ein sehr informativer Artikel von Michal Grayevsky und Oron Meiri in den israelischen YNet-News.
Die beiden Autoren gehen der Frage nach, was mit den Geldern geschieht, die die so genannte “Claims Conference” als Wiedergutmachung für die Enteignung von Juden während dem Zweiten Weltkrieg bekommt. Die Claims Conference wurde 1951 auf Initiative der israelischen Regierung hin gegründet, um die Interessen der Diasporajuden bei Reparationszahlungsverhandlungen mit Deutschland zu repräsentieren.
Leider findet nicht alles Geld den Weg zu den rechtmäßigen Erben der Opfer oder den Holocaustüberlebenden:
Diejenigen, denen das Geld eigentlich zustehen würde, sehen recht wenig davon. So beklagt sich eine israelische Holocaustüberlebende:
Zeev Bielsky, der Chef der Jewish Agency:
Ich denke dass sowohl die in Israel und anderswo ansässigen Holocaustüberlebenden und Angehörige von Opfern als auch der deutsche Steuerzahler ein Recht darauf haben, dass die Entschädigungszahlungen auch wirklich an die Betroffenen gehen. Alles andere wird den Verbrechen von damals und dem Leid der Opfer nicht gerecht.
Es wäre schön, wenn wenigstens die im Artikel erwähnten “weiteren 400 Millionen US$” ihren rechtmäßigen Empfängern zukommen würden.
DaRockwilda
Die beiden Autoren gehen der Frage nach, was mit den Geldern geschieht, die die so genannte “Claims Conference” als Wiedergutmachung für die Enteignung von Juden während dem Zweiten Weltkrieg bekommt. Die Claims Conference wurde 1951 auf Initiative der israelischen Regierung hin gegründet, um die Interessen der Diasporajuden bei Reparationszahlungsverhandlungen mit Deutschland zu repräsentieren.
“Anfang der Neunziger Jahre wurde die Rolle Israels in der Claims Conference noch kleiner, und Juden in den USA erhielten die Kontrolle über die Organisation. Zum Ende des Jahrzehnts hin wurde die Konferenz eine der reichsten jüdischen Organisationen der Welt. Heute hat die Organisation mit Sitz in New York mehr als 1,7 Milliarden US$ auf dem Konto. Ein Großteil dieses Betrags erhielt die Organisation nach der Wiedervereinigung Deutschlands.
Die deutsche Regierung erkannte die Claims Conference als Erben des jüdischen Besitzes in Ostdeutschland an und gewährte ihr 11.000 Fälle von Wiedergutmachung. Auch heute noch stellt die Konferenz Forderungen nach der Entschädigung von jüdischem Besitz. Schätzungen zufolge wird die Konferenz in den nächsten Jahren weitere 400 Millionen US$ erhalten.”
Leider findet nicht alles Geld den Weg zu den rechtmäßigen Erben der Opfer oder den Holocaustüberlebenden:
“Steuerbescheide zeigen, dass es in der Konferenz 100 Angestellte gibt, die Gehälter in Höhe von fast 6,9 Millionen US$ erhalten. Dazu kommt der lockere Umgang mit Geld, das sonst dazu verwendet werden könnte, Holocaustüberlebende vor der Armut zu schützen: Die Chefs der Konferenz erfreuen sich vieler Annehmlichkeiten, darunter Flüge Erster Klasse um die ganze Welt, Luxushotelaufenthalte und Dinner in Nobelrestaurants.
Die Managementausgaben der Organisation belaufen sich auf Dutzende von Millionen US$ pro Jahr.
Jedes Jahr verteilt die Organisation ungefähr 90 Millionen US$ an die Überlebenden. In Wahrheit kommt aber nicht genug Geld bei den Überlebenden an. Beträchtliche Beträge werden an Organisationen wie Gur Hassidim, die Jewish Agency, andere mit Agudat Israel verbundene Organisationen und viele mehr überwiesen. Und es ist nicht ersichtlich ob das Geld den vorgesehenen Bestimmungsort erreichen. Zum Beispiel erhalten eine Ambulanzorganisation in den USA und diverse Krankenhäuser in Israel Geld, obwohl diese keinerlei Bevorzugungen für Holocaustüberlebende bieten. Ein Bericht über die Geschäfte der Konferenz des damaligen Staatsanwalts von New York Eliot Spitzer legt finanzielle Unstimmigkeiten in Millionenhöhe offen (…). Außerdem Überweisungen in Höhe von 1,2 Millionen US$ auf ein Konto in Genf. Von dort ging das Geld über einen Treuhänder in England an die private Firma Solar, die zum Teil einem Geschäftspartner von Opher Hirschson gehört. Dieser ist der Sohn des israelischen Finanzministers.”
Diejenigen, denen das Geld eigentlich zustehen würde, sehen recht wenig davon. So beklagt sich eine israelische Holocaustüberlebende:
“‘Ich lebe in einem Apartment in Amidar, gebe tausende Schekel für medizinische Hilfe aus und habe nichts zu essen. Ich bat Organisationen, die eigentlich Holocaustüberlebenden helfen sollten, und die Claims Konferenz um Hilfe, aber die wiegelten mich ab.
Ich wurde während des Holocausts geboren; Ich litt von dem Tag meiner Geburt an in den Lagern, ich war krank, aber die Organisation die sich eigentlich um Holocaustüberlebende kümmern sollte hat 2 Milliarden US$ auf dem Konto, aber braucht das geld für andere Dinge und ist nicht in der Lage, mir zu helfen. Die Nazis ermordeten meine Familie und raubten unsere Besitztümer, aber jetzt sollen die Manager der Claims Konferenz ihre Erben sein?’
Die Claims Konferenz unterstützt diese Menschen nur mit minimaler Hilfe. Die Millionen fließen an Organisationen, die nicht direkt mit Holocaustüberlebenden verbunden sind.”
Zeev Bielsky, der Chef der Jewish Agency:
“Zu Beginn des Krieges (gegen die Hisbollah im Sommer) bat ich jüdische Organisationen aus der ganzen Welt um Hilfe und alle reagierten, mit Ausnahme der Claims Conference, die zu spät und zu wenig reagierte.
Das Zentrum der jüdischen Welt ist heute in Israel und deshalb ist es an der Zeit, die Vorgehensweise der Claims Conference und ähnlicher Organisationen drastisch zu ändern. Wenn wir die Gelder weiter so einsetzen wie bis jetzt, dann wird das meiste Geld nach dem Tod der Holocaustüberlebenden in Banken in der USA liegen bleiben.”
Ich denke dass sowohl die in Israel und anderswo ansässigen Holocaustüberlebenden und Angehörige von Opfern als auch der deutsche Steuerzahler ein Recht darauf haben, dass die Entschädigungszahlungen auch wirklich an die Betroffenen gehen. Alles andere wird den Verbrechen von damals und dem Leid der Opfer nicht gerecht.
Es wäre schön, wenn wenigstens die im Artikel erwähnten “weiteren 400 Millionen US$” ihren rechtmäßigen Empfängern zukommen würden.
DaRockwilda
Kommentar von anton am 16. Dezember um 20:31 Uhr
Ist schon schlimm was die in den USA machen, Von der Deutschen Seite her weis ich aber das Sie sehr behutsam mit dem Geld umgehen. Ich habe mal in Frankfurt vor 4-5 Jahren denen mit der IT geholfen. Und da waren ganz alte Computer und so am start. Auch die Büroeinrichtung hatte eher den Eindruck als wären die Möbel aus dem 70 Jahren.
Kommentar von johannes am 17. Dezember um 14:33 Uhr
So ist es oft mit solchen Zahlungen…
Leider, wo kamen denn z.B. die Tsunami-Gelder hin??
natürlich viel für Wiederaufbau, aber auch viel
in die Tasche lokaler Machthaber etc. und Bonzen.
Leicht Off Topic:
> “Die sind sich ja selbst uneinig…”
ein kleines bisschen Bürgerkrieg
> http://www.tagesschau.de/aktue.....F1,00.html
Kommentar von DaRockwilda am 17. Dezember um 16:33 Uhr
@Anton:
Wer genau sind in diesem Fall “die”? Eine deutsche Niederlassung der CC oder eine andere Organisation? Aber ist auf jeden Fall schonmal tröstlich dass wenigstens dieser Teil das Geld nicht unnötig verschleudert.
@Johannes:
Klar, diese Problematik betrifft ja eigentlich alle Organisationen, die Geld sammeln. Andere Beispiele sind auch die “Wiederaufbau”gelder für New Orleans…
Kommentar von vulpes am 25. April um 10:39 Uhr
wie kann man sich wehren,wenn man nach 67 Jahren enteignet werden soll